Blizzards Erstlingswerke: Hits und Jugendsünden im Retro-Special

Special Felix Schütz
Blizzards Erstlingswerke: Hits und Jugendsünden im Retro-Special
Quelle: Blizzard Entertainment

Auch Blizzard hat mal klein angefangen: Lange bevor Diablo, Starcraft und Warcraft zu Kult-Marken wurden, backten die Kalifornier noch bedeutend kleinere Brötchen. In diesem Retro-Special werfen wir einen Blick auf Blizzards erste Gehversuche und zeigen, mit welchen Hits und Jugendsünden die Kalifornier ihr Geld verdienten, bevor ihnen mit Warcraft der große Durchbruch gelang.

Blizzards Geschichte begann ganz bescheiden im Jahr 1990 an der University of California. Dort überzeugte der junge Absolvent Allen Adham seine Freunde Frank Pearce und Mike Morhaime von der verrückten Idee, mit ihm eine Spielefirma namens Silicon & Synapse zu gründen. Morhaime lieh sich zu diesem Zweck sogar 15.000 Dollar von seiner Großmutter, ohne zu wissen, ob er sie jemals zurückbezahlen könnte.

Ein Studio, viele Namen
Die Firma Blizzard wurde ursprünglich unter dem Titel Silicon & Synapse gegründet. Nach drei Jahren beschloss man jedoch, sich in Chaos Studios umzubenennen, musste den Titel aber wenige Monate wieder später ablegen. Man einigte sich anschließend auf Ogre Studios als neuen Firmennamen, doch Blizzards neuer Geldgeber Davidson & Associates lehnte ihn ab. Erst 1994 fand das Team eine Lösung, mit der alle glücklich waren - und so wurde das Studio offiziell in Blizzard Entertainment umbenannt.

Silicon & Synapse nahm im Februar 1991 seine Arbeit auf. Zunächst begann das kleine Team damit, Spiele anderer Firmen für Amiga und Mac zu portieren. Keine ruhmreiche Aufgabe, doch Pearce erklärte später, gerade diese Zeit sei eine ideale Lernphase für das junge Studio gewesen, da man so den Code vieler anderer Spiele studieren und die eigenen Fähigkeiten trainieren konnte. Silicon & Synapse war auch eines der ersten amerikanischen Studios, das für das damals brandneue Super Nintendo entwickelte. Neben Portierungsarbeiten für andere Firmen programmierte Blizzard zu dieser auch bereits ein eigenes Projekt, das wenig beachtete Action-Rennspiel RPM Racing (1991), für das Blizzard gemeinsam mit Interplay arbeitete. Da RPM Racing später noch einen besseren Nachfolger erhalten sollte, belassen wir es hier mit einer bloßen Erwähnung, im Video könnt ihr euch das Frühwerk aber auch in Aktion ansehen.

Blizzards erstes eigenes Projekt: Das in Vergessenheit geratene RPM Racing. Quelle: Blizzard Entertainment Blizzards erstes eigenes Projekt: Das in Vergessenheit geratene RPM Racing. Das Team wuchs danach schnell auf 20 kreative Köpfe heran. Die Firmengründer waren zu dieser Zeit von Finanzproblemen geplagt, liehen sich nochmals Geld, um ihre Mitarbeiter bezahlen zu können. Erst als das Studio 1994 ein Übernahmeangebot von Davidson & Associates erhielt, war die finanzielle Zukunft von Blizzard gesichert. Nach ersten Erfolgen wie The Lost Vikings gelang den Kaliforniern mit dem PC-Hit Warcraft dann endgültig der Durchbruch.

Auf diesen Seiten widmen wir uns einigen von Blizzards Frühwerken: Kleine Spiele aus einer Zeit, in der Warcraft, Diablo, Overwatch und Starcraft noch ferne Zukunftsmusik waren.

The Lost Vikings

Blizzards erster Hit! Mit cleverem Gameplay und viel Humor sicherte sich das Wikingerabenteuer eine treue Fangemeinde.

Erschienen: 1992
Genre: Knobelspiel/Jump&Run
Spieleranzahl: 1-2
Plattformen: Super Nintendo, Sega Mega Drive, Amiga, MS-DOS, Gameboy Advance (2003)

Witzige Helden, cleveres Puzzle-Design: Das charmante Lost Vikings überzeugte mit guten Ideen. Quelle: Mobygames Witzige Helden, cleveres Puzzle-Design: Das charmante Lost Vikings überzeugte mit guten Ideen. Wer mit Warcraft, Diablo und Starcraft aufgewachsen ist, dürfte von The Lost Vikings überrascht sein - denn auf den ersten Blick hat das Gameplay nichts mit typischen Blizzard-Titeln gemein. Doch dafür versprüht das Spiel vom ersten Moment an so viel Charme, dass es selbst heute noch - 27 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung! - eine launige Spielerfahrung bietet. Herzerwärmende Charaktere, cleveres Puzzle-Design, eine verrückte Spielidee - kein Wunder, dass The Lost Vikings bis heute zu Blizzards Lieblingsmarken zählt.

Die ersten Konzepte des Spiels waren - wie so oft - recht weit vom Endergebnis entfernt. Blizzard hatte sich nämlich von dem Knobelklassiker Lemmings inspirieren lassen und ein ähnliches System mit Dutzenden verschiedenen Wikingern entworfen. Im Laufe der Zeit strich Blizzard aber mehr und mehr dieser Figuren aus dem Projekt heraus, übrig blieben am Ende nur drei Wikinger-Brüder: Erik der Flinke, Olaf der Starke und Baleog der Schreckliche.
Das kultige Wikingerabenteuer war Blizzards erster Hit. Quelle: Blizzard Entertainment Das kultige Wikingerabenteuer war Blizzards erster Hit. Die Wikinger müssen zusammenarbeiten. Hier blockt Olaf tödliche Geschosse mit seinem Schild ab. Quelle: Mobygames Die Wikinger müssen zusammenarbeiten. Hier blockt Olaf tödliche Geschosse mit seinem Schild ab. Das Spiel beginnt mit einer Intro-Sequenz, in der die drei Helden auf das Raumschiff des bösen Tomator entführt werden. Dieser Schurke sucht die ganze Galaxis nach interessanten Spezies ab, um sie dann in seinem Zoo auszustellen. Das Wikingertrio hat nun die Aufgabe, von dem Schiff zu fliehen und einen Weg zurück nach Hause zu finden. Dazu hat jeder der drei bestimmte Stärken: Erik etwa kann springen und Wände einreißen, wenn er mit dem Kopf dagegen donnert. Olaf hingegen besitzt einen Schild, mit dem er Angriffe abwehrt. Auf Knopfdruck hält er den Schild über seinen Kopf, sodass Erik ihn auch als Plattform nutzen kann. Außerdem segelt Olaf mit dem Schild sanft zu Boden und erreicht so unbeschadet tiefgelegene Orte. Baleog letztendlich ist fürs Grobe zuständig: Mit seinem Schwert prügelt er Gegner nieder und mit seinem Bogen aktiviert er weit entfernte Schalter.

Alle drei Brüder müssen in jedem Level lebendig den Ausgang erreichen, das kann mitunter verdammt knifflig werden. Denn die Levels sind vertrackt, voller Hindernisse, versperrter Tore und entlegener Schalter. Ohne Kombinationsgabe kommt man da nicht weit, man muss ständig zwischen den Wikingern hin und her wechseln und ihre Stärken kombinieren - The Lost Vikings ist deshalb mehr Puzzlespiel als Jump & Run. Auch die bunte Grafik mit ihren comichaften Charakteren ist stimmig geraten, viele Dialoge fallen ruppig-humorvoll aus und der Soundtrack hat einfach Klasse: Schon im Hauptmenü ertönen wummernde Beats zusammen mit Wikingergebrüll - cool und stimmungsvoll.

Blizzard verweist auch heute noch gerne und oft auf seinen Knobelhit: In der World of Warcraft-Instanz Uldaman beispielsweise trifft man die drei Wikinger als Questgeber an. In Heroes of the Storm ist das Trio sogar als spielbare Gruppe enthalten. Und in Starcraft 2 gibt es ein Minispiel (in der Cantina der Hyperion) namens "The Lost Viking". Damals wie heute gilt: Die Wikinger sind Kult!

Rock 'N Roll Racing

Laute Musik, fette Karren - Blizzards zweiter Ausflug ins Rennspielgenre.

Erschienen: 4. Juni 1993
Genre: Rennspiel/Actionspiel
Spieleranzahl: 1-2
Plattformen: Super Nintendo, Sega Mega Drive, Gameboy Advance (2003)

Noch vor dem Erfolg von The Lost Vikings hatte Blizzard bereits ein erstes eigenes Projekt gestemmt: Das schlichte Rennspiel RPM Racing war ein Remake eines C64-Titels von Electronic Arts, erschien für das Super Nintendo und interessierte eigentlich niemanden so recht. Erst nach The Lost Vikings wagte das Team einen zweiten Rennspielversuch - und der gelang! Für Rock 'N Roll Racing, das 1993 erschien, erntete Blizzard viel Kritikerlob.
Rock N' Roll Racing war die inoffizielle Fortsetzung von RPM Racing. Quelle: Blizzard Entertainment Rock N' Roll Racing war die inoffizielle Fortsetzung von RPM Racing. Laute Musik, bunte Action: Grafisch wie spielerisch zeigte sich Rock N' Roll Racing ausgereifter als sein Vorgänger. Quelle: Mobygames Laute Musik, bunte Action: Grafisch wie spielerisch zeigte sich Rock N' Roll Racing ausgereifter als sein Vorgänger. In Rock 'N Roll Racing dreht sich alles um futuristische, ausgelassene Action-Rennen. Der Spieler wählt zu Beginn einen von mehreren aufgemotzten Wagen, die sauber vorgerenderten Modelle darf man sogar selbst einfärben. Die Wettfahrten werden aus einer isometrischen Perspektive bestritten, und dabei ist alles erlaubt, was einen heil über die Ziellinie bringt: Die Autos sind mit Kanonen, Laserwaffen und Minen ausgestattet, mit denen man seinen Gegnern den Tag versaut. Für gewonnene Rennen verdient der Spieler Geld, mit dem er sich die eigene Karre nach und nach mit neuen Waffen und Bauteilen aufrüsten darf - Blizzard übte hier schon mal ein wenig mit Rollen­spielel­e­men­ten. Seinen markanten Titel verdient sichRock 'N Roll Racing natürlich durch seinen Soundtrack: Für das Spiel wurden fünf bekannte Songs lizenziert, unter anderem der Klassiker "Born to be Wild". Zudem werden die Rennen von stimmungsvollen Sprüchen begleitet, die der bekannte Motorsport-Kommentator Larry Huffman beisteuerte.

Kein Wunder, dass Blizzard sich schon früh dazu entschloss, ein Spiel zu machen, das von deftiger Rockmusik untermalt wird! Immerhin hat das Studio sogar eine eigene Heavy-Metal-Band gegründet: Unter dem Titel Elite Tauren Chieftain trat die Gruppe gelegentlich auf der Blizzcon-Hausmesse auf. Blizzards Chefgrafiker Samwise Didier gab dabei den stimmgewaltigen Sänger, Chris Sigaty (Ex-Produzent von Starcraft 2) spielte Rhythmusgitarre und Blizzard-Gründer Mike Morhaime zupfte den Bass. Prädikat: Verdammt laut!

Blackthorne

Prince of Persia mit Schrotflinte - ein eher gemächlicher Plattformer.

Erschienen: September 1994
Genre: Action-Adventure
Spieleranzahl: 1
Plattformen: SNES, MS-DOS, Sega 32X, Mac, Gameboy Advance (2003)

Blackthorne erntete solide Kritiken, vor allem die flüssigen Animationen wurden gelobt. Quelle: Mobygames Blackthorne erntete solide Kritiken, vor allem die flüssigen Animationen wurden gelobt. Blackthorne ist eines von Blizzards schwächeren Frühwerken. Das Spiel erzählt die Geschichte des Kämpfers Kyle Blackthorne, der im Kindesalter von seinem Planeten Tuul aus auf die Erde geschickt wurde. Zwanzig Jahre vergehen, bis er in seine Heimat zurückkehren kann, die in der Zwischenzeit jedoch von dem bösen Sarlac erobert und versklavt wurde. Nach einem ausufernden Intro landet der Held zu Spielbeginn in einem Bergwerksstollen, nur bewaffnet mit einer Schrotflinte. Die Steuerung erinnert hier sofort an das Vorbild Prince of Persia: Kyle springt, klettert und rennt fast genauso präzise und geschmeidig wie der persische Prinz, allerdings fällt das Gameplay dadurch auch deutlich langsamer aus als in einem typischen Jump&Run-Spiel. Auch die Kämpfe bieten kaum Tempo: Trifft Kyle auf einen Gegner (die den Orks aus Warcraft verdächtig ähnlich sehen!), wird nicht blind drauflosgeballert. Stattdessen muss sich Kyle meist an die Wand pressen, um so dem Feindfeuer zu entgehen. Sobald der Gegner nachlädt, geht der langhaarige Held dann in die Offensive. Andere Gegner erfordern aber auch mehr Einsatz; rote Orks schleudern beispielsweise Bomben auf Kyle, denen er mit einem punktgenauen Sprung ausweichen muss.
Blackthorne erinnert an langsamere Sidescroller wie Prince of Persia. Quelle: Blizzard Entertainment Blackthorne erinnert an langsamere Sidescroller wie Prince of Persia.

Hin und wieder finden sich auch Items in den Levels, die man in einem kleinen Inventar durchschalten darf - Heilpakete beispielsweise, oder auch Granaten, mit denen man Türen aufsprengt. Natürlich warten zuweilen auch Portale und Schalteraufgaben auf den Spieler - alles in allem eine solide Mischung, die aber auf Dauer nicht begeistern kann. ­Immerhin: Optisch war das Spiel seinerzeit durchaus gelungen, vor allem die flüssigen Animationen von Kyle Blackthorne überzeugen. Sie entstanden in einem rotoskopischen Verfahren: Man filmte Firmen-Urgestein Frank Pearce beim Springen, Rennen und Klettern, die Videoaufnahmen dienten den Grafikern als Grundlage für die Bewegungen des Helden. Wie bei den meisten Blizzard-Spielen stammt die Musik von Blackthorne aus der Feder von Glenn Stafford. Die tristen Stücke lassen aber noch nicht erahnen, dass dieser Mann später an einigen der schönsten Blizzard-Soundtracks mitwirken wird - darunter Starcraft und Warcraft.

The Death and Return of Superman

Gleich zwei Mal versuchte Blizzard sich an Superheldenspielen - ohne Erfolg. Glück im Unglück: Ohne Superman hätte es Diablo vermutlich nie gegeben!

Erschienen: 1994
Genre: Action (Side-Scroller, Beat 'em Up)
Spieleranzahl: 1
Plattformen: SNES, Sega Mega Drive

Mit The Death and Return of Superman schnupperte Blizzard erstmals Superheldenluft. Quelle: Blizzard Entertainment Mit The Death and Return of Superman schnupperte Blizzard erstmals Superheldenluft. Man muss schon ein glühender Comic-Fan sein, um The Death and Return of Superman (1994) richtig genießen zu können. Das Spiel wurde unter anderem von Blizzard-Mitbegründer Allen Adham programmiert, Blizzards Chefgrafiker Samwise Didier übernahm eine Produzentenrolle. Das durchwachsene Ergebnis ist ein seitwärts scrollendes Beat 'em Up, ein Prügelspiel im Stil von Klassikern wie Double Dragon oder Final Fight.

In The Death and Return of Superman erschien der DC-Superheld in verschiedenen Versionen. Quelle: Mobygames In The Death and Return of Superman erschien der DC-Superheld in verschiedenen Versionen. Das Besondere daran sind die Hauptcharaktere, denn man steuert hier nicht nur den klassischen Comichelden Superman. In späteren Levels werden weitere Figuren wie Superboy, Steel, Cyborg oder Eradicator freigeschaltet, auch die sind den DC Comics entsprungen. Jeder Held beherrscht andere Attacken und Tricks, Steel etwa geht mit einem riesigen Hammer zu Werke. Trotzdem bleibt der Spielverlauf eintönig: Level für Level verhaut man stets die gleichen Schurken, Power-ups, ein Upgrade-System oder knifflige Kombos gibt es nicht - es bleibt beim Tastenhämmern. Auch grafisch war das Spiel nur solide und der Sound enttäuschte. Es wundert daher nicht, dass der Titel schnell in Vergessenheit geriet.

Justice League: Task Force

Blizzards zweites Superheldenprojekt legte den Grundstein für Diablo!

Erschienen: Oktober 1995
Genre: Action (Beat 'em Up)
Spieleranzahl: 1-2
Plattformen: Super Nintendo, Sega Mega Drive

Blizzad kümmerte sich um die SNES-Umsetzung von Justice League: Task Force. Quelle: Blizzard Entertainment Blizzad kümmerte sich um die SNES-Umsetzung von Justice League: Task Force. Dank Blizzards Superman-Erfahrung stand bald eine neue Auftragsarbeit an. Für den Publisher Acclaim sollte das Studio ein Mega-Drive-Spiel für das Super Nintendo umsetzen. Justice League Task Force (1995) hieß das Werk. Für die Portierung war unter anderem der Blizzard-Mitbegründer Frank Pearce verantwortlich, Chris Metzen (der später zum Vizepräsident von Blizzards kreativem Entwicklerteam aufstieg) und seine Kollegen mühten sich derweil mit der grafischen Umsetzung ab. Anders als Death and Return of Superman ist Justice League kein seitwärts scrollendes Beat 'em Up, sondern ein klassisches Prügelspiel im Stil von Street Fighter. Bedeutet: Der Spieler wählt anfangs einen Helden aus, mit dem er gegen einen Kontrahenten in einer Arena antritt. Gegen das beliebte Street Fighter 2 hatte Justice League jedoch keine Chance: Die Grafiken waren gröber, die Steuerung ungenauer, die Attacken unspektakulärer als bei Capcoms Konkurrenztitel. Die Kämpferriege fiel zwar recht klein aus, lockte aber mit klassischen Helden wie Superman, Wonderwoman oder Batman - das machte das Spiel zumindest für Comicfans spannend.

Bei den Portierungsarbeiten von Justice League lernten sich Blizzard und Condor (später: Blizzard North) kennen. Quelle: Mobygames Bei den Portierungsarbeiten von Justice League lernten sich Blizzard und Condor (später: Blizzard North) kennen. Trotz aller Kritik war Justice League ein enorm wichtiges Projekt für Blizzard! Denn das eigentliche Entwicklerteam hinter dem Mega-Drive-Original war ein damals unbekanntes Studio namens Condor. Während Blizzard an der SNES-Umsetzung arbeitete, lernten beide Teams sich kennen. Blizzard traf so unter anderem zum ersten Mal auf David Brevik und auf die Brüder Max und Erich Schaefer. Die drei von Condor bereiteten zu der Zeit ein Konzept für ein rundenbasiertes, knetanimiertes Rollenspiel vor: Diablo! Blizzard unterstütze Condor in den folgenden Monaten dabei, das Spiel zu dem umzubauen, was es heute ist: ein düsteres Action-Rollenspiel, das als einer der wichtigsten Hack&Slay-Titel aller Zeiten gilt. 1996, ein halbes Jahr vor dem Release von Diablo, kaufte Blizzard Condor auf und benannte das Studio in Blizzard North um. In den folgenden vier Jahren sollte dort das brillante Diablo 2 entstehen, wieder unter dem Wirken von Brevik und den Schaefer-Brüdern. Und so findet die Geschichte rund um die enttäuschenden Superman-Spiele doch noch ein glücklich-diabolisches Ende.

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The Lost Vikings 2 (Norse by Norsewest: The Return of the Lost Vikings)

Der Nachfolger geriet schnell in Vergessenheit - zu Unrecht, denn er war gut!

Erschienen: 1997
Genre: Knobelspiel/Jump&Run
Spieleranzahl: 1-2
Plattformen: Super Nintendo, MS-DOS, Sony PlayStation, Sega Saturn und Windows

Lost Vikings 2 baut das Spielkonzept nur behutsam aus. Quelle: Mobygames Lost Vikings 2 baut das Spielkonzept nur behutsam aus. 1997 veröffentlichte Blizzard die Fortsetzung zu The Lost Vikings, vorerst nur für das Super Nintendo, das zu dieser Zeit schon längst zum alten Eisen zählte. Das Spiel behielt den Grafikstil des 16-Bit-Vorgängers vollständig bei, auch Spielprinzip und Interface änderten sich nicht. Allerdings kamen zwei neue Spielcharaktere hinzu: Der Werwolf Fang kann an Wänden hinaufklettern, während der Drache Scorch sich fliegend durch die Levels vorarbeitet. Da trotzdem immer nur drei der fünf Charaktere pro Level zum Einsatz kommen, muss der Spieler seine Vorgehensweise nun häufig überdenken und anpassen, auch weil die Umgebungen in The Lost Vikings 2 noch mehr Fortbewegungsmöglichkeiten bieten. Aber auch die drei Wikingerbrüder haben dazugelernt: Erik besitzt nun futuristische Raketenstiefel, mit denen er Doppelsprünge ausführen kann. Olaf hingegen darf sich auf Knopfdruck verkleinern und quetscht sich so durch enge Gänge, außerdem furzt er nun kurzerhand Löcher in brüchige Fußböden. Baleog tauscht seinen Bogen gegen eine ausziehbahre Armprothese ein, die zwar weniger Reichweite besitzt, dafür aber auch als Kletterhaken und praktischer Greifarm dient.
Die späte Fortsetzung von The Lost Vikings ist auch unter dem Titel Norse by Norsewest bekannt. Quelle: Blizzard Entertainment Die späte Fortsetzung von The Lost Vikings ist auch unter dem Titel Norse by Norsewest bekannt.

Die launige, aber wenig beachtete Fortsetzung wurde auch für andere Plattformen umgesetzt: Für MS-DOS, Sony PlayStation, Sega Saturn und Windows erschien eine völlig neue Version, an der Blizzard aber nicht mehr beteiligt war. Stattdessen kümmerte sich Beam Software (später Teil der Krome Studios) um die 32-Bit-Umsetzung, die sich optisch deutlich vom Blizzard-Original unterscheidet: So wurden sämtliche handgepixelte Grafiken durch einen moderneren Render-Look ausgetauscht, außerdem sind die Charaktere von professionellen Sprechern vertont. Diese Version wurde unter dem Titel "Norse by Norse West: The Return of Lost Vikings" vermarktet - eine Anspielung auf den Hitchcock-Klassiker North by Northwest.

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