Dungeon Keeper im großen Jubiläumsspecial: Bullfrogs genialer Kellerbaukasten wird 20 Jahre alt!

Special Felix Schütz
Dungeon Keeper im großen Jubiläumsspecial: Bullfrogs genialer Kellerbaukasten wird 20 Jahre alt!
Quelle: GOG.com

Originell, kultig und auch heute noch ein Riesenspaß: Bullfrogs herrlich böser Kellerbaukasten feiert seinen 20. Geburtstag! Wir feiern die Kultreihe, der in den letzten Jahren so übel mitgespielt wurde, mit einem Retro-Special.

Es gibt reichlich gute Gründe, den Namen "Bullfrog" mit Ehrfurcht auszusprechen: Populous, Syndicate, Magic Carpet, Theme Park - das ehemalige Studio rund um Peter Molyneux produzierte in den 90ern einen Kulttitel nach dem anderen! Eines der schönsten, verrücktesten Spiele dieser Ära ist zweifellos Dungeon Keeper. In diesem Special beleuchten wir, warum das geniale Strategiespiel bis heute eine aktive Fangemeinde hat, wie es sich heute spielt - und warum der Ruf der Marke vor einigen Jahren stark gelitten hat.

Dungeon Keeper (1997): Endlich mal richtig böse sein

Die Entwicklung von Dungeon Keeper begann schon 1994 und zog sich über zweieinhalb Jahre hin, in denen das schräge Projekt mehrmals kräftig umgekrempelt wurde. Doch das Warten sollte sich lohnen: Als Dungeon Keeper im Sommer 1997 erscheint, überzeugt es als großartig spielbare Mischung aus Aufbau-Simulation und Echtzeit-Strategie! Das Spiel kehrt das Klischee vieler Fantasy-RPGs um: Anstatt einen Helden zu steuern, schlüpft man hier in die Rolle des Bösewichts! Seine Aufgabe ist es, einen unterirdischen Kerker zu errichten, um Monster anzulocken, sie auszubilden und glücklich zu machen. Mit diesen Biestern gilt es dann, die "Guten" - also Menschen, Zwerge, Elfen - zu bekämpfen, bis ein Missionsgebiet erobert ist. Cooles Konzept! Da stört's auch nicht weiter, dass Dungeon Keeper im Grunde keinerlei Story besitzt.

In der Folterkammer werden Gegner malträtiert. In ihrer Freizeit amüsieren sich dort außerdem unsere Eisernen Jungfrauen. (Bild: Dungeon Keeper) Quelle: GOG.com In der Folterkammer werden Gegner malträtiert. In ihrer Freizeit amüsieren sich dort außerdem unsere Eisernen Jungfrauen. (Bild: Dungeon Keeper)

Zeitlos gute Spielbarkeit

Jeder Level läuft nach dem gleichen Schema ab. Anfangs erteilt man Imps - putzigen, kleinen Arbeiter-Kreaturen - den Auftrag, neue Gänge und Räume ins Erdreich zu graben. Dazu wird die in Blöcke unterteilte Umgebung einfach per Klick markiert, die Diener erledigen dann den Rest. Wer das Ganze beschleunigen will, kann Kreaturen auch einfach "aufheben" und an anderer Stelle wieder in die Spielwelt werfen - der Mauscursor symbolisiert dazu die dämonische Hand des Spielers, die drohend über dem Dungeon schwebt. Wer mag, kann Kreaturen sogar Ohrfeigen verpassen - typischer Bullfrog-Humor!

Imps sind die wichtigsten Kreaturen: Die Kerlchen graben Gänge, schürfen Gold, verlegen Fußböden und verstärken Wände. (Bild: Dungeon Keeper). Quelle: PC Games Imps sind die wichtigsten Kreaturen: Die Kerlchen graben Gänge, schürfen Gold, verlegen Fußböden und verstärken Wände. (Bild: Dungeon Keeper). Sind die ersten Räume und Gänge ausgehoben, bepflastert man sie mit Inneneinrichtung. So werden Schlafstätten, Hühnerställe, Trainingsräume, Gefängnisse und vieles mehr in der Spielwelt verteilt. Dank einer ausgezeichneten, durchdachten Steuerung geht das selbst heute noch bequem von der Hand.


Hinweis: Dieses Video entstand bereits vor vier Jahren für ein kleineres Retro-Special zu Dungeon Keeper.


Monster mit Herz

Sobald man einen hübschen Kerker errichtet hat, tapsen schon die ersten interessierten Monster durchs Eingangsportal. Die Viecher haben unterschiedliche Bedürfnisse: Magier verlangen etwa eine Bibliothek für ihre Studien, Trolle wollen in einer Werkstatt an Türen und Fallen basteln und Eiserne Jungfrauen peitschen sich am liebsten gegenseitig in der Folterkammer aus. Auch Streitigkeiten muss man verhindern, denn manche Kreaturen vertragen sich nicht mit anderen - hier ist geschickte Raumplanung gefragt.

Man kann jede Kreatur mit der witzig animierten Cursor-Hand hochheben und woanders in der Spielwelt wieder fallen lassen. (Bild: Dungeon Keeper) Quelle: PC Games Man kann jede Kreatur mit der witzig animierten Cursor-Hand hochheben und woanders in der Spielwelt wieder fallen lassen. (Bild: Dungeon Keeper) Jedes Monster levelt mit der Zeit auf und lernt so neue Kampftalente. Und die kann der Spieler sogar selbst ausprobieren: Mit einem Zauber schlüpft man in die Haut jeder beliebigen Kreatur, die Steuerung erinnert dann an Ego-Shooter. Kämpfe bestreitet man aber trotzdem besser aus der klassischen Draufsicht: Sobald sich feindliche Ritter, Bogenschützen und Zwerge einen Zugang in unseren Dungeon buddeln, wirft man ihnen einfach alle Kreaturen vor die Nase, die genug trainiert sind, um das Gefecht zu überleben. Tiefgang haben die Kämpfe daher nicht, lustig anzusehen sind sie aber trotzdem. Wer wissen will, wie wir Dungeon Keeper vor 20 Jahren bewertet haben, findet hier unseren Klassik-Test!

Per Zauberspruch kann der Spieler auch jede Kreatur direkt steuern, das spielt sich dann wie in einem Ego-Shooter. (Bild: Dungeon Keeper) Quelle: PC Games Per Zauberspruch kann der Spieler auch jede Kreatur direkt steuern, das spielt sich dann wie in einem Ego-Shooter. (Bild: Dungeon Keeper)

Dungeon Keeper 2 (1999): Manches geht noch besser!

Dungeon Keeper 2 (1999) wurde ebenfalls von Bullfrog entwickelt, allerdings ohne Mitwirken von Peter Molyneux, der das Studio zu der Zeit bereits verlassen hatte. Dungeon Keeper 2 kopierte Prinzip und Gameplay des Vorgängers fast 1:1 - zu den wichtigsten Änderungen zählten Interface-Verbesserungen, noch mehr schwarzer Humor, eine neue Mana-Ressource sowie zusätzliche Räume und Monster. Auffälligste Neuerung war aber die neue Grafik-Engine, die nicht nur schönere Kerker darstellen konnte, sondern dank moderner Grafikkarten auch alle Figuren in 3D renderte. Zum Vergleich: Der Vorgänger ließ Monster noch als pixelige 2D-Sprites über den Bildschirm stelzen, die aber bereits weiche Schatten in der Umgebung warfen - für die damalige Zeit waren die Licht-und-Schatten-Effekte des ersten Dungeon Keeper grandios

Kämpfe laufen ohne nennenswerte Taktik ab: Kreaturen hauen, spucken und zaubern drauflos, bis die Gegner umfallen. (Bild: Dungeon Keeper 2) Quelle: PC Games Kämpfe laufen ohne nennenswerte Taktik ab: Kreaturen hauen, spucken und zaubern drauflos, bis die Gegner umfallen. (Bild: Dungeon Keeper 2)

Fortsetzungen? Die reinste Schande!

Das unsägliche Dungeon Keeper für iOS und Android sorgte für jede Menge Ärger bei den Fans. Quelle: Electronic Arts Das unsägliche Dungeon Keeper für iOS und Android sorgte für jede Menge Ärger bei den Fans. Obwohl beide Spiele Top-Wertungen abräumten und selbst heute noch viele Fans haben, ist ein dritter Teil mehr als unwahrscheinlich: Electronic Arts kaufte Bullfrog mit all seinen Marken im Jahr 1995 auf und legte das Studio 2004 mit anderen Teams zusammen. Dungeon Keeper 3, das sich damals tatsächlich in Entwicklung befand, wurde im Rahmen der Fusion eingestampft. 2008 vergab EA die Dungeon Keeper-Lizenz zunächst an das chinesische Studio NetDragonWebsoft, die daraus ein halbgares Online-RPG machten, das hierzulande aber gar nicht erst veröffentlicht wurde.

Der weitaus größere Schock für die Fans kam erst 2013 - mit Dungeon Keeper für iOS und Android. Diese App wurde von Mythic Entertainment (Dark Age of Camelot, Warhammer Online) entwickelt und entpuppte sich als zutiefst enttäuschendes Online-Debakel mit unverschämt gierigem Free2Play-Modell. Lest hier in unserem Specia l, warum der Mobile-Ableger die reinste Schande war! Obendrein versuchte EA mittels eines Tricks sogar die User-Bewertungen in den App-Stores zu beeinflussen, was für reichlich Ärger bei den Spielern sorgte. Damit ist das letzte Dungeon Keeper der denkbar unrühmlichste Schlussakt einer einst großartigen Serie. Der einzige kleine Trost: Dungeon Keeper 1 und 2 laufen auch heute noch auf modernen PCs und machen nach wie vor einen Heidenspaß! Beide Spiele erhält man über EA Origin oder GOG.com, wo sie für je 6 Euro ohne Kopierschutz verkauft werden. Zwei Klassiker, die man unbedingt nachholen sollte!

Nachmacher! Können die was?

Obwohl Dungeon Keeper eine beinharte Fangemeinde hat, gab es bislang nur sehr wenige Spiele, die sich an die Formel des Bullfrog-Klassikers rantrauten. Mit Dungeons 2 startete etwa Kalypso einen - leider nur mäßig gelungenen - Versuch, sich eine kleine Scheibe vom Original abzuschneiden. Etwas besser - weil deutlich dreister - ist der Anlauf dagegen War for the Overworld gelungen, denn das kopiert Dungeon Keeper schon dermaßen ungeniert, dass man fast schon von einem inoffiziellen dritten Teil sprechen kann. Sogar der beliebte Sprecher von Dungeon Keeper 2 ist mit an Bord!

War for the Overworld kopierte das Spielprinzip von Dungeon Keeper fast 1:1. Was ja im Grunde nicht schlecht ist. Quelle: PC Games War for the Overworld kopierte das Spielprinzip von Dungeon Keeper fast 1:1. Was ja im Grunde nicht schlecht ist. Allerdings erschien das Spiel bei Release in einem katastrophalen technischen Zustand, das Design wirkte streckenweise lieblos und einige der neuen Spielelemente fügten sich nicht gut in das Gesamtkonzept ein - entsprechend hart fiel unser Testurteil aus. Trotzdem ist War for the Overworld die derzeit beste Alternative für Liebhaber des originalen Dungeon Keeper, zumal es durch viele Patches mittlerweile auch technisch halbwegs in Form gebracht wurde. Ein Meisterwerk sollte man zwar immer noch nicht erwarten, ein gelungener Keeper-Klon ist es aber allemal.

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