Das Blut rinnt aus den zerfetzten Kleidern, der Gang ist schon schwerfällig und die nächste Laterne scheint unendlich weit entfernt. Bloodborne knüpft exakt dort an, wo seine inoffiziellen und brachialen Vorgänger aufhörten. From Software liefert dem Hardcore-RPG Genre ein weiteres, grandioses, wenn auch seinem Ruf nach knackig schweres Abenteuer ab, welches uns dank neuester Konsolengeneration den Atem raubt.
Der Fluch von Y'harnam
Dieser Ort ist von Gott verlassen aber leider nicht gottverlassen. In Y'harnam haben Legionen aus der Hölle die Macht ergriffen und beherrschen die düsteren Gassen, in denen die Reisenden ihre Kutschen mit Hast verlassen haben. Nur noch wenige Menschen leben hinter hastig mit Brettern verbarrikadieren Häusern. Der frisch gebackene Recke leidet ebenfalls aufgrund des Fluches und sucht sein Heil in den verzweigten Straßen dieses trostlosen Ortes. In Bloodborne schillert zunächst nichts mehr, es herrscht Düsternis und eine Atmosphäre, die jedem Survival-Horror alle Ehre macht. Ob Mensch oder Kreatur, zwielichtige Gestalten offenbaren Einzelheiten über die Geschehnisse, komplett synchronisiert in deutscher Sprache. Das hört sich sogar ganz dufte an. Trotz allem ist in Bloodborne der Zusammenhang wieder nur dürftig und Liebhaber der From Software Spiele können genüsslich darüber debattieren, was uns die Entwickler erzählen wollen. Viel von der Erzählung steckt in der Meta-Ebene.
Quelle: pcgames.de
Bloodborne im Test (1)
Nach dem eher zwielichtigen Start frönt man der Abendsonne, die die viktorianisch angehauchte Stadt Y'harnam in orangefarbige Tönen taucht. Das schwache Licht bricht sich in herrlichen Spiegelungen in den dunklen Wasserlachen, filigranen Fensterbildern. Es taucht den Unheil verkündenden Wolkenteppich in blutrote Farben. Ein Traum, wie sich einzelne Lichtstrahlen durch Lücken in den Statuen zwängen und mit den nebulösen Schatten ein tänzelndes Spiel arrangieren. Der optische Zauber gleicht aber ebenso einem Albtraum, denn das Grauen in Y'harnam wird zur angsteinflößenden Realität. Abschaum und Höllenkreaturen lauern in den Gassen, während das Schluchzen hinter unerreichbaren Bretterverschlägen, das erschauernde Leuten der Kirchenglocken und das Donnern von Fäusten gegen Barrikaden und Türen einen eiskalten Schauer über den Rücken jagt. Akustisch wie auch visuell verwöhnt uns Bloodborne von Anfang und liefert eine nahezu perfektes Horror-Ambiente für das brachiale RPG-Schnetzel-Abenteuer, welches nur selten gegen später mit Einbrüchen in der Framerate aufwartet.
Mit dieser blumigen Einleitung in das Grauen von Bloodborne startet das Abenteuer des frisch gebackenen, oder sollten wir eher auferstandenen Helden sagen, der seinem Schicksal in der unwirtlichen, bizarren und mit Schauerfiguren durchzogenen Welt entgegen eilt. Die viktorianische, unglaublich detaillierte Stadt orientiert sich deutlicher an Dark Souls als an seinem Nachfolger. Alles verschlungen, mit vielen versteckten Nischen und Wegen, die für Abkürzungen zwischen den Abschnitten sorgen. Man macht eine Tür auf und just befindet man sich nach mühsamer, langer Reise wieder in bekannten Gefilden. Neben der viktorianischen Stadt verirrt man sich auch in weitläufige andere Gebiete, in denen es bisweilen an Orientierung mangelt. Im dunklen Wald, voller mehrköpfiger Kreaturen und giftigen Biestern sieht man den Wald vor lauter Bäume nicht mehr. Optisch grandios durchzogen mit filigranen Details von schleimigen Spinnennestern, über Wasserrinnen bis hin zu eigenartigen Pflanzen. Man kommt nicht aus dem Staunen raus, aber der Weg ist auf dem ersten Blick kaum zu erkennen. Auch die Bergregion sorgt für Abwechslung, wie auch unsichere Pfade. In Bezug auf die zusammenhängende Welt bietet Bloodborne ein grandioses Leveldesign, das nur selten Schwächen wie Orientierungslosigkeit und ausufernde Fronten offenbart.
Abschaum und Seelenqualen
Quelle: pcgames.de
Bloodborne im Test (2)
Die prasselnden Lagerfeuer der geistigen Vorgängerspiele sind Geschichte. Stattdessen findet man in Bloodborne kleine, schwach glimmende Laternen, die sich harmonisch in die Gesamtstimmung der Spielwelt einfügen. Veteranen wissen - selbst wenn diese Lichter noch so schwach sein mögen, sie sind ein willkommener Lichtblick in der düsteren Welt von Y'harnam. Diese Oasen des Lichts dienen einmal als Rücksetzpunkte beim unweigerlichen Tod und außerdem der Schnellreise in den Weltenhub. Den Weg zurück nimmt man, stilgerecht, an einem der Grabsteine, die im Hub stellvertretend für Bezirke stehen. Dort kann man mit mühsam erkämpften Bloodechos, einer Spielwährung, den Itemvorrat aufstocken oder den Charakter aufleveln. Denn wie gewohnt werden Seelen an Ort und Stelle des Ablebens auf den Spieler warten, sofern man den Weg bis dorthin auch ein weiteres Mal heil überlebt oder sich nicht irgendeine schelmische Kreatur über die leichte Beute freut. Im letzteren Fall sorgt nur der Tod der Bestie dafür, dass die Arbeit nicht umsonst war. Da gibt man diese doch lieber sofort aus.
Kennern wird auffallen, dass Bloodborne im Gegensatz zu seinen Vorgängern, nicht mehr ganz die Vielfalt an Waffen und Accessoires liefert. Der Kampf um Zahlen und Attribute ist nicht mehr derart ausufernd. Mit seinem Fokus auf ein flottes Gameplay kommt diese Veränderung dem Spielfluss durchaus zu Gute.
Y'harnam überzeugt nicht nur dank der grandiosen Architektur. Riesige Plätze, die durch ihre Dimensionen beeindrucken, kunstvolle Fresken und Türme, sowie Kopfsteinpflaster, in dessen Rinnen der Regen und das Blut fließt, begeistern. Fratzenhafte Biester, Ausgeburten der Hölle und ekelerregende Kreaturen schleichen durch die Gassen und nehmen die alten Bauten in Beschlag. Aber auch menschliche Wesen treiben ihr grausiges Spiel mit uns. Wie auch die Hintergrunduntermalung, teils nur atmosphärisch angehaucht, oftmals auch mit orchestralen Klängen versüßt, werfen uns die Feinde situationsbedingt Sprüche an den Kopf und verspotten einen. Die alten Waschweiberhexen auf dem Friedhof verfluchen einen, die Schurken gehen einem an die Gurgel und wenn der Verrückte auf dem Rollstuhl sein Leben aushaucht, verwünscht er einen mit seinem letzten Atemzug.
Flotte Klingen bringen den schnellen Tod
Quelle: Computec Media GmbH
Bloodborne im Test (3)
Ganz gleich welcher Abschaum es auf uns abgesehen hat, Bloodborne gibt sich tausendfach düsterer als seine beliebten Vorgänger. Die Zeiten von schillernden Rittern der Tafelrunde und schwerfälligen Bossen in Rüstungen ist vorbei. Vor allem die späteren Abschnitte sorgen für ein extrem gutes Ambiente mit kreischenden Viechern, die hallend in die Tiefe stürzen, Schurken, die uns Todesflüche an den Kopf werfen und zahlreichen gehässigen Kommentaren oder fiesem Lachen. Dem nicht genug, agieren viele Kreaturen im Rudel und sind nur selten alleine anzutreffen. Ganze Scharen beherbergen die dunklen Gassen und stürzen sich mit aggressiver Gewalt und blutunterlaufenen Augen auf den Eindringling. Der schwingt wieder zahlreiche Waffen, in Bloodborne auch gerne kombiniert mit rechter und linker Hand, seinen Todbringern entgegen und erwehrt sich mit agilen Bewegungen den Attacken. Der Schild fiel dem Rotstift der Entwickler zum Opfer, dadurch wirken die epischen Fights deutlich dynamischer als noch in Dark Souls.
Ohne Schild wirkt der Recke extrem agil. Bloodborne zeigt sich von einer leicht offensiveren Spielweise, die auch schnelle leichte Waffen bietet. Flink werden die Schauergestalten umtänzelt und mit raschen Zügen angegriffen. Mächtige Hämmer sind nach wie vor schwerfällig und machen in engen Gängen Probleme, andere Waffen sind agiler. Leider nimmt es Bloodborne vor allem in engen Passagen in Innenräumen nicht ganz ernst mit der Physik. Vor allem die widerspenstigen Kreaturen der Hölle schwingen gerne mal eine mächtige Sense, obwohl es an Platz für die Klinge mangelt. Dafür sorgen Schwerter und kleinere Klingen für ähnliches Vordringen unsererseits. Nichtsdestoweniger sorgen vor allem fiese Hinterhalte dafür, dass man nirgends wirklich sicher sein kann. Aus jeder Ecke kann ein Feind in den Weg springen und dem Spieler das Leben schwer machen. Da der Kampf aber dynamischer, agiler und actionreicher abläuft, kommt man mit der größeren Zahl an Gegnern auch besser klar. Übermut gewinnt mit der Zeit die Oberhand und wird jähzornig und brutal von den gewieften Entwicklern zerschmettert, denn mit jeder weiteren Phase des Abenteuers verändert sich die Welt um Y'harnam. So manche Bestie wartet bei einem zweiten Versuch mit neuen Tricks auf.
Quelle: Sony
Bloodborne im Test (8)
Das Fußvolk ist das eine Problem, Kenner erinnern sich aber auch an etwas stärkere Monster. Taucht ein solcher Obermufti auf, hängt einem der Sensenmann quasi schon im Nacken. Bereite dich auf den Tod vor, so auch die Special Edition eines Vorgängers. Wenn eine riesige, von Blitzen durchzogene Kreatur aus der Hölle auftaucht, Fleischfetzen hängen am Körper, Lumpen flattern während der raschen Attacken und Funken sprühen aufgrund seiner magischen Eigenschaften, dann tritt Angstschweiß auf die Stirn. Gerade bei Gegnern wie einer Dunkelbestie zeigt sich, dass Bloodborne viel mehr Wert auf den raschen, flotten Kampf legt und sowohl Feind als auch Spieler extrem schnell die Arena durchpflügen. Doch das Kampfsystem ist mittlerweile perfektioniert und routiniert umgesetzt. Selbst in derlei hektischen Situationen hat man - bis auf die Kamera - alles im Griff oder stirbt meist nur aus eigener Unvernunft. Den letzten Lebenshauch aushauchend, muss man sich der Aufgabe erneut widmen doch nach und nach offenbaren sich Schwachstellen. Kleine Details oder auch offensichtliche Dinge, doch leicht wird ein Kampf nie.
Einer für alle und alle für einen
Quelle: Computec Media GmbH
Bloodborne im Test (5)
In solchen Situationen hilft der Onlinemodus weiter. Einmal das liebliche Glöckchen läuten und schon wird der Hilferuf ins weltweite Netz ausgestrahlt. Vielleicht (leider nicht immer) finden sich wagemutige Mitstreiter, die einem unter die Arme greifen und das Problem gemeinsam angehen. Neuerdings kann ein Passwort vergeben werden, so dass es Freunden untereinander einfacher fällt, eine gemeinsame Session zu finden. Das Glöckchen ist sowohl Segen als auch Fluch. Denn ertönt dieses ohne selber danach gegriffen zu haben, dringt ein anderer Spieler in die eigene Geschichte ein und hat nichts Besseres im Sinn, als uns zu vernichten und einen satten Bonus dafür zu kassieren. Diesbezüglich – das müssen wir an dieser Stelle durchaus zugeben – fehlt gegenüber den Dark Souls Spielen noch ein wenig die Erfahrung, wie sich der Charakterausbau von Bloodborne auf den PVP-Kampf letztendlich auswirken wird. Bloodborne bietet wie gesagt weniger Waffen und Rüstungen und somit sinkt der Variantenreichtum beim Kampf gegen menschliche Kontrahenten. Dennoch geht davon ein unglaublicher Reiz aus, dem vor allem Veteranen erliegen. Da dieses Feature aber ich nicht jedem gefällt, kann man dieses abschalten. Zu Beginn hat man eh einen Schutz, damit keine Eindringlinge unerfahrene Spieler zur Strecke bringen können. Dies wird erst später möglich sein.
Quelle: From Software
Bloodborne im Test (9)
Im Laufe des Abenteuers erlebt man den Wandel vom Abend in die Blutnacht. Der Fortgang wird immer unheimlicher und dennoch offenbart das Spiel mehr Antworten als es seine Vorgänger jemals getan haben. Doch was vorher eine angenehme Bleibe war, wird alsbald von riesigen Kreaturen überschattet. Bloodborne ist ein dynamischeres Spiel, das auch bereits bereiste Orte mehr und mehr in Düsternis hüllt. Die Geräuschkulisse ist typisch. Ob Fahrstuhl, grauenhaftes Kreisen der Hexen oder das Brüllen der Kreaturen, als Kenner der Serie fühlt man sich heimisch wie es bei diesem Horror eben nur geht. Und wenn nackter Stahl auf Rüstungen klirrt und übermächtige Gegner mit tonnenschweren Äxten und Hämmern über den Subwoofer die Wohnung zum beben bringen, ist man inmitten eines gewaltigen Kampfes, der nicht selten den Tod zu Folge hat. In dieser Hinsicht hat sich From Software keineswegs vom Konzept der knallharten Action-RPGs abgewendet und liefert ein Biest von einem Spiel, welches sich kaum bändigen lässt. Doch genau in diesem Punkt schafft Bloodborne wieder den Spagat zwischen Frust und Motivation und dank ermutigt Spieler dank des perfekten Ablaufs immer wieder zu neuen Versuchen!
Achja, und als kleine Randnotiz für alle Fans: Die Fackel macht endlich mal Sinn. In Dark Souls 2 noch als geniales Feature angekündigt, war es eher eine nette Randerscheinung, die nur sehr spärlich gebraucht wurde. Mittlerweile sind vor allem die Innenräume durchaus düster, da ist man um jedes bisschen flackerndes Licht froh. Aber auch so mancher Wolf fürchtet sich vor dem flackernden Schein. Doch an dieser Stelle wollen wir aufhören, zu schwärmen, denn Bloodborne könnte noch etliche Seiten füllen und dennoch würde man diesem Werk nie gerecht werden. Denn Schwachstellen muss man mit der Lupe suchen.
Wir wünschen auf jeden Fall viel Glück im Überlebenskampf, auch wenn kein Glück der Welt den Helden retten wird. Prepare to die! Spiele zum Sterben! Denn der Tod sei euch auch in Bloodborne wieder gewiss und diesen auszutricksen ist die alles entscheidende Herausforderung!
Dieses Review ist in Zusammenarbeit mit dem Gamezone-User und Dark-Souls-Freak Tschoebster entstanden, der sich ausgiebig mit diesem monströsen Biest beschäftigt und es zum Schluss nahezu gezähmt hat. Schriftführer war Gamezone-Autor Alexander Winkel. Herzlichen Dank von der Gamezone-Crew für die Mühen und den umfangreichen Input für diesen Test!
