Brütal Legend: Mehr Metal geht nicht! Video-Rückblick zum gefloppten Kultspiel

News Felix Schütz
Brütal Legend: Mehr Metal geht nicht! Video-Rückblick zum gefloppten Kultspiel
Quelle: Double Fine

Grandiose Ideen, tolles Design und ein umwerfender Soundtrack: Mit Brütal Legend wollte Tim Schafer ein Kultspiel erschaffen. Doch ausgerechnet ein Feature sorgte für lange Gesichter. In unserem Retro-Video blicken wir zurück.

Ihr mögt es laut, lasst auf Konzerten die Mähne fliegen und denkt bei "Pommesgabel" nicht gleich ans Essen? Dann seid ihr vermutlich ein Metal-Fan! In dem Fall kommt ihr an Brütal Legend einfach nicht vorbei: Double Fines kreativer Genre-Mix feiert diesen Oktober seinen 15. Geburtstag - und er ist immer noch ein absolutes Ausnahmespiel.

Tim Schafer (Psychonauts, Grim Fandango) hatte damals die Idee, aus seiner Leidenschaft für Heavy Metal ein ambitioniertes Spiel zu schnitzen. Und zwar eines, das alle Register ziehen sollte: Eine offene Spielwelt im Design wunderschöner Plattencover. Kämpfe mit Axt und Gitarre, ein feuerspuckendes Fahrzeug, Hörner und Chrom an jeder Ecke. Dazu Jack Black in der Hauptrolle, außerdem jede Menge Stars wie Ozzy Osbourne, Lemmy Kilmister und Rob Halford. Und vor allem: Ein Soundtrack, bei jedem Metal-Fan die Äuglein leuchten.

Das alles war Brütal Legend (jetzt kaufen 34,95 € ). Und es war noch mehr, auch wenn das nicht jedem gefiel. In unserem großen Video-Special blicken wir zurück auf ein einzigartiges Spiel, das nie ganz sein Ziel erreichte - und trotzdem bis heute von vielen Fans gefeiert wird.

Ungeliebte Strategie

Was war das Problem mit Brütal Legend? War es die Action, die nie so richtig abhob? Die offene Welt, in der kaum etwas los war? Die Steuerung, die schon damals etwas steif rüberkam? Die zehrende Entwicklungsgeschichte, in der das Spiel sogar einmal den Publisher wechselte? Das alles wären gute Gründe für den Misserfolg - doch am Ende lag es vor allem an den umstrittenen "Stage Battles", die das Spiel zurückhielten.

Viele wussten es nicht, doch in seinen Anfangsphasen war Brütal Legend noch als Mix aus Action und Echtzeit-Strategie konzipiert: Zwei Teams sollten darin versuchen, sich gegenseitig in "Bühnenschlachten" plattzumachen. Als Ressourcen würde man Fan-Energien aufsaugen, um so Bikergangs, Roadies, Headbanger und andere Einheiten zu finanzieren, die man dann in Richtung der gegnerischen Bühne schickte. Unkompliziert, laut und voll auf Controller zugeschnitten. Echtzeit-Strategie für die PS3-Generation. Das Konzept wurde später zwar um viele andere Spielelemente erweitert, war aber trotzdem so tief in Brütal Legend verankert, dass Double Fine viel Entwicklungszeit in das Feature pumpte. Schließlich sollte daraus eines Tages der Mehrspielermodus entstehen.

Bildergalerie

Doch wer Brütal Legend kaufte, tat das aus anderen Gründen. Vielleicht weil das Design so großartig war. Weil die Musik fetzte. Weil Jack Black einen tollen Helden mimte. Und weil die Demo einen famosen Einstieg präsentierte, der unglaublich Lust auf fertige Abenteuer machte.

Doch Echtzeit-Strategie hatten viele Käufer damals überhaupt nicht auf dem Schirm. Und das war ein Problem, schließlich waren die Bühnenschlachten kein Beiwerk, sondern auch in der Story-Kampagne überaus präsent.

Der lange Weg von Double Fine

Und so schieden sich am Ende die Geister an Brütal Legend: Manche lieben es bis heute, andere blieben enttäuscht zurück. Der ganz große Erfolg für Brütal Legend blieb darum aus. Bei Release gab's zwar eine Menge guter Kritiken, doch das Spiel schlug längst nicht so ein wie erhofft. Die später veröffentlichte PC-Fassung machte das Spiel zwar einer breiteren Masse zugänglich und es ist heute auch im Xbox Game Pass enthalten, doch zu einem Kult-Hit wurde es trotzdem nie. Ein potenzieller Nachfolger wurde gecancelt und Double Fine schlug für viele Jahre eine andere Richtung ein: Man konzentrierte sich nun auf kleinere Spiele, die parallel von mehreren Teams entwickelt wurden.

Genial gescheitert: Dieses Spiel war Metal pur! Quelle: PC Games Da entstanden dann so schräge Titel wie Stacking, Iron Brigade oder Costume Quest, man erschuf Remaster-Versionen von Lucas-Arts-Klassikern und brachte nebenbei noch den Kickstarter-Hype ins Rollen. Über die Jahre entwickelte Double Fine entwickelte so kreuz und quer durch alle Genres. Es gab Rundentaktik, Adventures, ein Roguelike, miserable Aufbaustrategie, Rollenspiele, Mobile-, Kinect- und VR-Titel - einfach alles, um neue Erfahrungen zu sammeln und finanziell wieder auf die Beine zu kommen. Von teuren, anstrengenden AAA-Spielen im Format eines Brütal Legend ließen Schafer und sein Team aber lange Zeit die Finger - der Misserfolg hatte offenbar Spuren hinterlassen.

Genial gescheitert: Dieses Spiel war Metal pur! Quelle: PC Games Erst 2015 traute sich das Studio auf die große Bühne zurück und kündigte mit Psychonauts 2 wieder ein aufwendiges Action-Adventure an, das zu den Wurzeln des Studios zurückging. Anders als bei Brütal Legend versuchte man hier aber nicht zu viel auf einmal, sondern konzentrierte sich auf alte Stärken. Psychonauts 2 kam 2021 auf den Markt und wurde von Fans wie Kritikern gefeiert, bei den Game Awards bekam es mehrere Nominierungen, darunter auch die für das beste Spiel des Jahres.

Seitdem ist es aber wieder auffällig still geworden um Double Fine. Das Studio wurde 2019 offiziell von Microsoft übernommen wurden und ist nun Teil der Xbox-Games-Familie. Zwischenzeitlich ist auch eine fantastische Dokumentation auf Youtube erschienen, die euch viele persönliche Einblicke in das Studio und die Menschen dahinter gibt. Das Format ist einzigartig und wirklich sehenswert!

Doch woran das Team eigentlich mittlerweile arbeitet? Das weiß keiner so genau. Manche Fans geben die Hoffnung nicht auf, sie drücken die Daumen für Brütal Legend Remastered, andere tippen eher auf ein Remake, ein Reboot oder einfach nur auf einen anständigen Nachfolger.

Genial gescheitert: Dieses Spiel war Metal pur! Quelle: PC Games

Brütal Legend Remastered: Eine gute Idee?

Was es am Ende auch wird: Brütal Legend war, ist und wird immer ein besonderes Spiel in Double Fines Portfolio bleiben. Es war nicht perfekt und das musste es auch gar nicht sein. Den zumindest ein Ziel hat es mit Leichtigkeit erreicht: Es ist ein leidenschaftlicher Liebesbrief an Heavy Metal, so voller kreativer Energie, dass es für zwei Spiele gereicht hätte.

Ob man dafür Top-Wertungen vergeben muss, ob man damit die breite Masse abholt, ob man heute nochmal so ein verrücktes Spiel entwickeln könnte - das alles sei mal dahingestellt. Aber wir finden: Als Gesamtwerk ist Brütal Legend trotzdem eine Wahnsinnsleistung - und vielleicht auch eine, die bis heute nicht genug gewürdigt wurde.

Aufmerksame Leser merken es vielleicht: Das ist schon mein zweiter Rückblick auf Brütal Legend. Schon vor ein paar Jahren habe ich dem Spiel ein kleines Special gewidmet. Zum 15. Jährigen Geburtstag des Spiels habe ich aber beschlossen, den Rückblick zu erweitern, das Gameplay genauer zu beleuchten und daraus ein Video zu machen - das Ergebnis findet ihr oben. Was sind eure Erinnerungen an Brütal Legend? Schreibt mir gerne, was ihr über das Spiel denkt - und ob ihr Lust hättet, noch einmal in Double Fines abgedrehte Metal-Welt zurückzukehren.

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