Oh wie gern hätten wir einfach aufgelegt! Calling verspricht viel, ist aber nicht mehr als ein Experiment für absolute Genrefans.
Das Grauen hat zwei Gesichter
Calling
Wie bereits erwähnt, bedient sich "Calling" gängiger Film- als auch Spiel-Grusel-Klassiker, die - jeder für sich betrachtet - seine Raffinessen vorzuweisen hat. Das Ganze in einen Entwicklungs-Shaker zu packen, kräftig zu schütteln und dann zu gucken was bei rum kommt, kann gut ausgehen - kann aber auch in einem Schreckensszenario enden. Betrachtet man zunächst die vorhandenen Anleihen, ist das erst einmal nicht weiter verwerflich. Besagte Videokassette wird zum Chatroom und in den dunklen Schulhausgängen wachsen auf einmal Haare aus der Decke. Dazu immer wieder ruhelose Geister, die einen verfolgen, angreifen und versuchen in Angst und Schrecke zu versetzen. Schwarze Schatten, die aus dem Nichts auftauchen, an einem vorüberziehen und Gänsehaut hinterlassen oder fiese, gruselige Fratzen, die aus Türschlitzen starren. Ein wahrhaft lecker dunkles Süppchen, welches nur leider sehr, sehr fade schmeckt, denn allein die gebotene Optik wirkt gruseliger als das Spielgeschehen selbst. Texturen, die gerne welche sein möchten; Dazu ein gesamt besehen verwaschenes Design, das selbst seinerzeit auf der guten, alten PSX besser ausgesehen hat. Auch die stete Wiederholung der Locations sorgt eher für Langeweile als für aufgestellte Nackenhärchen. Wobei das Gefühl von Desinteresse schon mit dem Intro beginnt, welches lediglich aus Tippgeräuschen und ein paar Textzeilen besteht. Ebenfalls der gern wiederkehrende Ladebildschirm, gelegentlich auch mit Informationsfragmenten versehen, lassen keine wirkliche Gruselstimmung aufkommen.
Calling
Auch muss man sich fragen, was sich die Schöpfer bei der Synchronisation gedacht haben. Ohne Frage ein Pluspunkt ist die vorhandene deutsche Sprachausgabe, die aber leider so emotionsgeladen ist wie ein Kaffeekränzchen. Gesamt war man sich offenkundig auch uneinig, ob man eine konstante Sprachausgabe serviert oder nicht. So erlebt ihr Abschnitte, da die virtuellen Alter Egos über die Fähigkeit zu artikulieren verfügen, an anderer Stelle begleitet euch - zumindest in tonaler Hinsicht - absolut nichts! Schrittgeräusche und sonstige, begleitende Akustik die zum Thema passen würde, sind gleichfalls nicht vorhanden. Dafür wird es laut und partiell auch überaus nervig, wenn z.B. dicke Schulgeister-Kinder auftauchen. Nicht nur, dass man diese Geschöpfe nicht bekämpfen kann, sie tauchen immer wieder und wieder und wieder auf. Erschwerend kommt hinzu, dass die Laute des Geisterkindes so sympathisch klingen wie eine verrostete, alte Autohupe - wobei man selbiger noch ein wenig Nostalgie abgewinnen kann.
Calling
Irgendwie nett ist die zwar nicht neue aber dennoch integrierte Tatsache, dass Anrufe als auch Hinweise vom - sagen wir mal - geheimen Unbekannten, über die Wii-Mote an sich ergehen. Die Steuereinheit wird nicht nur für die Bewegung benötigt, sondern fungiert auch als Handy. Partiell nutzen die Geister als auch Anrufer die Wii-Mote, so dass Gespräche als auch eben die Angriffslaute der Jenseitigen aus dem kleinen Lautsprecher krächzen, was zumindest für ein gewisses Flair sorgt. Interessant wird das Ganze wenigstens dann noch, wenn man beispielsweise vermeintliche Störgeräusche aufnimmt und selbige mit dem Handy decodiert. Die damit gewonnenen Erkenntnisse, wenn auch in Rätseln gesprochen, können - richtig entschlüsselt - helfen dem Albtraum zu entfliehen.
Da kann's einen nur noch schütteln
Calling
Den durchscheinenden Wesen, respektive ihren Attacken, habt ihr wenig, eigentlich gar nichts entgegenzusetzen. Wobei man wenigstens die Idee, um sich den Geschöpfen des Jenseits zu erwehren, mit einem gewissen Lob bedenken kann. Greifen euch die Geister an, muss die Wii-Mote geschüttelt werden. Passend dazu müsst ihr, einer Gattung des Quick-Time angehörig, fix die A-Taste drücken, damit ihr eure Angstanzeige im Zaum haltet. Schießt diese nämlich in ungeahnte Schreckenshöhen, steht für euch das "Game over" auf dem Bildschirm. War eure Reaktion in Sachen Taste drücken erfolgreich, hilft nur noch wedeln, um den ungebetenen Gast zu vertreiben. Aber keine Sorge, der kommt garantiert wieder - und das nicht zu wenig. Dann hilft nur noch die eigentlich ganz nette Idee, dass man sein Handy zum beamen verwenden kann. Habt ihr bereits andere, ggf. sogar sichere Orte mit einem Kommunikationsapparat ausgestattet, wählt einfach diese Nummer und schon seid ihr aus der Gefahrenzone heraus. Dumm nur, dass die Toten etwas dagegen haben und darauf sinnen euch am wählen zu hindern. Was als positiver Stressmoment gedacht war, entpuppt sich allerdings als überaus nervig, denn meistens gewinnt der Geist - und ihr verliert aufgrund dieser wirklich nervigen Tatsache mit der Zeit die Lust am Spiel.
