Die Bahn fällt aus, die Leute fluchen, und alle könnten es besser machen als (bitte hier Ihren Verkehrsbetrieb einsetzen). Mit Cities in Motion 2 liefert das finnische Entwicklerteam von Colossal Order erneut die Möglichkeit, sich zumindest virtuell an der Planung von Nahverkehrsinfrastruktur zu beteiligen und dabei nicht nur die Kundenzufriedenheit sondern auch die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens im Auge zu behalten.
Cities in Motion 2 ist ein waschechter Verkehrssimulator und sollte trotz einiger Parallelen nicht mit Städtebau-Spielen wie Sim City verglichen werden. Zwar entwickelt sich die Stadt im Laufe der Spielzeit, jedoch haben die Aktionen des Spielers eher passiven Einfluss auf die Entstehung neuer Gebäude. Der Hauptaspekt von CIM2 liegt auf dem Erstellen eines reibungslosen Nahverkehrs in einer vorgegeben Stadt. Das klingt zunächst simpel und die ersten Linien aus Bussen und Bahnen sind schnell erstellt, jedoch muss dabei einiges berücksichtigt werden.
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Welches Verkehrsmittel nutze ich für welchen Bereich der Stadt? Auf welche Zielgruppe (Studenten, Arbeiter, Touristen etc.) spezialisiere ich mich? Oder versuche ich es allen recht zu machen? Wie viele Bahnen setze ich für welche Uhrzeiten ein? All das wird im recht umfangreichen, aber dennoch nicht wirklich in die Tiefe gehenden Tutorial angerissen. Vieles muss sich der Spieler selbst erschließen, sodass man sich in der Anfangsphase ein wenig allein gelassen fühlt. Erst mit fortlaufender Spieldauer und einigen Neustarts wird auch der Planer vor dem Bildschirm wesentlich effektiver. Da hilft selbst Erfahrung mit dem ersten Teil nicht sehr viel weiter, da CIM2 um einiges komplexer daherkommt. Um erfolgreich zu sein, wird also vor allem Geduld benötigt.
Größere Städte, kleiner Fuhrpark
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Handelte es sich in CIM um vorgefertigte, an realen Vorbildern orientierte Städte, haben sich die Macher nun dazu entschieden, den Spielern fiktive, dynamische Ortschaften vorzulegen. Dadurch entsteht die Möglichkeit, selbst Einfluss auf die Entwicklung der Städte zu nehmen. So können Straßen gebaut werden, sodass sich dort im Laufe der Zeit neue Gebäude ansiedeln, was zu einer gezielten Weiterentwicklung führen kann. Die im Vorgänger zahlreich vorhandenen Staus können umgangen werden, indem die bestehenden Wege abgerissen werden und neue Straßen beispielweise mit Busspuren anlegt. Wurden die relativ kleinen Städte in CIM noch recht schnell erschlossen, erwarten den Spieler nun vielfach größere Karten.
Gesteuert wird das Spiel wie gewohnt per Tastatur und Maus und sollte für Genrekenner intuitiv bedienbar sein. Einzig der unterirdische U-Bahn-Bau gestaltet sich als ziemlich fummelig, da oft kein Verbindungsstück an eine bereits vorhandene Strecke erstellen werden kann. Da schafft nicht einmal die unterirdische Ansicht für Abhilfe. Anscheinend versuchen die Entwickler aber diesen Punkt noch per Patch zu optimieren. Wird die U-Bahn jedoch ebenerdig oder erhöht zwischen den Hochhausschluchten verlegt, klappt der Streckenbau einwandfrei.
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Ernüchterung macht sich in Bezug auf das geringe Angebot im vorhandenen Fuhrpark breit. Zwar können mit Bussen, O-Bussen, Straßenbahnen, U-Bahnen und Wassertaxen viele verschiedene Verkehrswege erschlossen werden, da aber jede Kategorie über maximal fünf Fahrzeuge mit unterschiedlichen Charakteristika verfügt, hat man bereits zu Beginn des Spieles alles gesehen. Schön gewesen wäre eine Art Evolution der Fahrzeuge, sodass sich bestimmte Vehikel erst nach einem bestimmten Ereignis bzw. Zeitpunkt freischalten lassen. Zudem ist es ein wenig schade, dass die – zugegebener Maßen meist unrentablen – Helikopter nicht mehr eingesetzt werden können.
Ebenfalls neu ist, dass sich die Streckenführung nicht nur anhand von Haltestellen definiert, sondern zuvor für jede Art von Fahrzeug ein Depot erstellt werden muss, in welchen die Vehikel gewartet werden und von wo aus diese ihre Fahrten starten. Das macht einen deutlich realistischeren Eindruck als ewig im Kreis fahrende Bahnen, kann besonders in größeren Städten jedoch für Unübersichtlichkeit führen. Wurde die Verkehrsführung nicht sorgsam überdacht, erscheinen schnell allerlei nervige Problemmeldungen. Auch wird der U-Bahn-Bau erschwert, da auf dem oft geringen Platz innerhalb der Städte die Strecke stets ans Tageslicht geführt werden müssen und schlichte Kopfbahnhöfe in der Form nicht erstellt werden können.
Mit der Zeit gehen…
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Eine weitere große Neuerung betrifft das Zeitmanagement, das mit einem Tages- und Wochenrhythmus einhergeht. Bahnen fahren nun nicht nur ihre Runden, sondern halten sich an vordefinierte Fahrpläne, die nach Belieben gestaltet werden können. Linien von Arbeitervierteln in Richtung Fabrikanlagen sind zum Beispiel wochentags, vor allem aber zur Rush Hour, stark frequentiert – im Gegensatz zum Wochenende. Daraus ergibt sich ein wesentlich komplexeres und zunächst schwer zu durchschauendes System, gerade weil jede Zielgruppe ihre Eigenheiten aufweist. Das Aufeinandertreffen von Fahrzeugen an Umsteigestationen kann auf ähnlichem Weg getimed werden. Statt wie im Vorgänger einfach eine Linie an die nächste zu reihen, müssen jetzt viele Faktoren berücksichtigt werden, um nicht gleich rote Zahlen auf dem Kontoauszug zu entdecken.
Damit einhergehend werden jedoch einige Fragen aufgeworfen. Warum nutzen die unflexiblen Fahrgäste stets die gleichen Linien, auch wenn zwischenzeitlich bessere Verkehrswege für sei erstellt worden sind. Nervig ist zudem, dass sich die Leute allgemein nicht an die Fahrpläne halten. Selbst wenn eine Linie nachts auf Grund geringer Nachfrage nicht verkehrt, stellen sich einzelne Einwohner trotzdem an die Haltestellen und beschweren sich in der Folge darüber, dass keine Bahn vorbeifährt. Gerade wenn man nicht nur den Profit der Verkehrsgesellschaft sondern darüber hinaus die Kundenzufriedenheit im Auge behalten möchte, kann dies durchaus für Ärger sorgen. Die Zufriedenheit an sich kann zudem nicht mehr wie in Teil 1 durch Marketing-Aktionen beeinflusst werden, sondern hängt lediglich davon ab, wie schnell und bequem die Kunden zum gewünschten Zielort befördert worden sind.
Wurde der vermeintlich perfekte Zeitplan gefunden, kann dieser per Knopfdruck auf andere Linien übertragen. Leider muss dies für sämtliche Zeitkategorien einzeln bestätigt werden, was bei einer Änderung von mehreren Linienplänen zur monotonen Klick-Orgie mutiert. Hier hätten ein bisschen mehr Anpassungsoptionen sicherlich nicht geschadet. Dahingegen ist es sehr nützlich, dass sich nun Tarifzonen einstellen lassen. Die Karte lässt sich in vier verschiedene, frei wählbare Bereiche gliedern, sodass etwa aus Großstädten bekannte Kreisrunde oder Stadtteilabhängige Preiszonen erstellt werden können.
