Dino-Horror ohne Biss - Code Violet enttäuscht auf ganzer Linie

Test Vivien Ziermann
Dino-Horror ohne Biss - Code Violet enttäuscht auf ganzer Linie
Quelle: PC Games

Mehr Outfits als Ideen: Code Violet enttäuscht mit falschen Prioritäten, repetitiven Levels, wenig Dinos und schwachem Gameplay.

Fragwürdige Prioritäten

Auf dem Weg durch die verschiedenen Komplexe der Aion-Kolonie fällt besonders auf, dass sowohl das Level- als auch das Gegnerdesign repetitiv und generisch, kurz gesagt völlig unkreativ sind. Die Flure, Korridore und Räume der einzelnen Einrichtungen sehen beinahe identisch aus und auch die wenigen Routen, die wir in der Natur von Trappist 1-E zurücklegen dürfen, gleichen sich. Natürlich wurden einzelne Deko-Elemente wie Bäume, Schreibtische, Schränke usw. immer wieder neu platziert. Doch der Kernaufbau bleibt gleich.

Die Karten der unterschiedlichen Gebäude sind sich ebenfalls sehr ähnlich und unterscheiden sich hauptsächlich in der Größe des Komplexes und der Reihenfolge, in der man sich durch die einzelnen Räume kämpft. Im Grunde läuft es aber immer wieder auf dasselbe hinaus. Nachdem wir den Eingangsbereich betreten haben, finden wir einen Safe-Room zum Speichern und um Items zu verstauen. Danach geht's durch einen Flur in den nächsten Raum, von dem aus wir in mehrere Richtungen fortfahren können. Die Tür, durch die wir laut der Kampagne müssen, ist versperrt, also müssen wir in den anderen Räumen nach dem passenden Schlüssel suchen. Anschließend wieder ein Flur, wieder ein Raum und von vorn.

Auch beim Gegnerdesign wurde sichtlich gespart. Auf dem gesamten Planeten sind uns in Summe ganze drei verschiedene Dinosaurierarten begegnet (ein T-Rex nicht mitgezählt). Neben diversen Raptoren begegnen wir lediglich noch einem giftspuckenden Dilophosaurus und sehr kleinen Sauriern, bei denen es sich vermutlich um Compsognathus handelt. Durch die immer gleichen Maps und die gleichen Gegner stellt sich beim Spielen schnell eine gewisse Resignation ein, durch die sich das Erkunden der Gebäude eher nach Abarbeiten als nach Survival-Nervenkitzel anfühlt.

Vier Raptoren laufen auf die Kamera zu und schauen bedrohlich. Quelle: PC Games Ein Rudel Raptoren hat uns auf dem Dach der Kommunikationseinrichtung aufgespürt. Andere Dinos bekommen wir jedoch kaum zu Gesicht. Anstatt mehr Zeit in Umgebungs- und Gegnerdesign zu stecken, wurde lieber unnötig viel Aufwand für die Sexualisierung der Protagonistin betrieben. Im Safe-Room haben wir die Möglichkeit, Violet in zahlreiche verschiedene Outfits zu stecken, von denen eins knapper ist als das andere. Zusätzlich können wir natürlich bei beinahe jedem Outfit auch noch zwischen verschiedenen Farben wählen. Wäre ja ein absolutes Desaster, wenn die knallharte Dino-Jägerin in roter statt in schwarzer Reizwäsche um ihr Leben kämpfen müsste.

Außerdem haben wir eine beachtliche Auswahl an verschiedenen Frisuren sowie unterschiedlichen Haarfarben, sodass wir Violet frei nach unseren Vorstellungen zurechtmachen können. Auch verschiedene Ohrringe können wir wählen. Die haben wenigstens noch einen Effekt auf einige Spielmechaniken und müssen in der Spielwelt gefunden werden. Zumindest in der Theorie, denn das Paar, das wir gefunden haben, soll laut Index einen positiven Effekt auf die Ausdauer haben. Allerdings gibt es im Spiel keine Ausdauerleiste. Da hat wohl jemand beim Abspecken der Gameplay-Mechaniken nicht richtig aufgepasst.

Natürlich sind kosmetische Items und die Möglichkeit, Outfits und Frisuren anzupassen, überhaupt nichts Verwerfliches und in den meisten Spielen ein nettes Extra. Wenn aber sichtlich mehr Aufmerksamkeit auf knappe Kleidung statt auf Weltdesign und Gameplay gelegt wurde, sollte man als Entwickler seine Prioritäten noch einmal überdenken.

Violet steht in einem Spiegelraum in einem aufreizenden roten Outfit. Quelle: PC Games Eines von unzähligen Outfits, in die wir Violet stecken können, natürlich in verschiedenen Farben. Durchaus praktisch im Kampf gegen Dinosaurier, oder nicht?

Nicht mal ein solider Shooter

Jeden, der jetzt hofft, dass wenigstens das Gameplay überzeugen kann, müssen wir leider enttäuschen. Denn auch hier macht Code Violet deutliche Abstriche. Der Horror geht unfreiwillig in der Komik verloren und der einzige Survival-Aspekt, den wir entdecken konnten, war das stark begrenzte Inventar.

Violet als Charakter bewegt sich steif und unnatürlich. Das Laufen um Ecken gestaltet sich sehr hakelig und besonders schlimm ist das Erklimmen enger Treppen, was zum Glück sehr selten vorkommt. Beim Schleichen in der Hocke watschelt sie wie eine Ente mit Hohlkreuz, und bei den Verrenkungen, die auf dem Bildschirm passieren, wenn wir mit der Taschenlampe in der Hand durch einen Schacht kriechen, würde wahrscheinlich jeder Priester einen Exorzisten rufen. Immerhin steuert es sich ähnlich problematisch, wie es aussieht.

Laut Tutorial soll das Schleichen zudem jegliche Schrittgeräusche eliminieren, sodass wir unentdeckt an Gegnern vorbeikommen. In der Theorie zwar unrealistisch, aber nicht verkehrt, funktioniert es in der Praxis eher weniger. Möglicherweise haben die Dinosaurier ein besseres Gehör als gedacht oder aber eine 360-Grad-Rundumsicht.

Auch die Shooter-Mechaniken sind unausgereift, rudimentär und fühlen sich veraltet und schwerfällig an. Selbst mit aktivierter Zielhilfe schafft es Violet partout nicht, gerade auf einen riesigen Raptor zu zielen. Treffer-Feedback gibt es keins und die verschiedenen Waffentypen, die wir in der Spielwelt finden, spielen sich, bis auf die Feuerrate, gleich.

Bildergalerie

Zudem sind die verschiedenen Schwierigkeitsgrade völlig unausgereift. Während das Spiel auf normaler Stufe herausfordernd ist, fühlt sich einfach bereits an wie ein Spaziergang durch einen Erlebnispark - wohingegen der schwere Modus beinahe unschaffbar ist. Es ist deutlich zu merken, dass hier lediglich an ein paar Reglern gedreht wurde, anstatt die verschiedenen Schwierigkeitsgrade ordentlich aneinander anzugleichen.

Die wenigen Rätsel, die wir in der Welt finden können, sind ebenfalls sehr einfallslos und wenig anspruchsvoll. Bei den meisten handelt es sich um Merkrätsel, bei denen wir uns die richtige Tastenreihenfolge merken und sie wiederholen müssen, um eine Tür zu öffnen. Auch hier wurde sich weder um Abwechslung noch um Kreativität bemüht.

  1. Seite 1 Code Violet im Test: Absurde Story
  2. Seite 2 Code Violet im Test: Spielwelt & Gegnerdesign, Gameplay
  3. Seite 3 Code Violet im Test: Grafik, Sound, Fazit
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