Dante's Inferno im Rückblick: Das schlechtere God of War?
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Mehr Hölle geht nicht: Mit Dante's Inferno versuchte sich EA an einem stockfinsteren Actionspiel, das auf der legendären Göttlichen Komödie basiert. Einst als God-of-War-Killer angepriesen, fuhr das Höllengemetzel nur mittelmäßige Ergebnisse ein. Ein Dante's Inferno Remastered ist bis heute nicht in Sicht - darum haben wir uns nochmal die Xbox-360-Fassung geschnappt und durchgespielt. In unserem Rückblick mit Video zeigen wir, woran Dante's Inferno scheiterte - und wo es auch heute noch eine gute Figur macht.
Das Kampfsystem geht gut von der Hand, leistet sich aber auch ein paar ärgerliche Schnitzer. Zwar macht es direkt eine Menge Spaß, mit Sense und Kreuz durch die Monsterhorden zu pflügen, doch gerade das ständige Erlösen oder Verurteilen wiederholt sich viel zu oft. Dante's Attacken sind super animiert, doch das Kombo-System dahinter fällt ziemlich simpel aus. Im Grunde muss man nur vier beliebige Angriffe aneinanderreihen, welche das sind, spielt keine Rolle. Dante kann aktiv Blocken, Kontern und Hechtsprünge hinlegen, was zwar sehr hilfreich ist, doch erstaunlich oft reicht es auch schon, durch die Arena zu rennen und die Feinde einfach nur mit Kreuz-Schüssen einzudecken. Das klappt sogar bei den Riesenbiestern, die Dante an bestimmten Stellen im Spiel reiten darf - das sieht dann zwar cool aus, fällt spielerisch aber ziemlich lahm aus.
Quelle: PC Games
Wer Gegner erlöst, erhält dafür Punkte für den Heilig-Talentbaum.
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Dante lernt im Spielverlauf auch eine Handvoll Zaubersprüche, die in manchen Situationen sehr praktisch sind. Allen voran die Möglichkeit, mitten im Kampf ein paar Lebenspunkte zu tanken. Weil Mana aber insgesamt sehr knapp ist, taugen die Zauber eher für den Notfall und werden nur sparsam eingesetzt. Zauber ließen sich in den Talentbäumen eigentlich verbessern, doch da sie nur so selten zum Einsatz kommen, lohnt es sich einfach nicht, hier viele Upgrade-Punkte zu investieren - die sollte man besser in andere Fähigkeiten stecken.
Endgegner Kamera
Genau wie in den meisten God-of-War-Spielen ist die Kamera fest vorgegeben, an Zoom und Blickrichtung dürft ihr also nix ändern. Damit soll das Geschehen in dramatischen, cineastischen Perspektiven eingefangen werden, was auch oft genug gelingt. Außerdem nutzen die Entwickler ihre fixen Kamerawinkel, um Secrets zu verstecken, die sich oft nur wenige Meter neben eurer Spielfigur befinden. So entdeckt man zum Beispiel gepeinigte Seelen, die man erlösen oder verurteilen kann, um auf einen Schlag viele Upgrade-Punkte mitzunehmen. Zusätzlich warten auf Dante noch eine ganze Ladung magischer Relikte, die durch Kämpfe aufleveln und eurem Helden dann mächtige passive Boni verleihen. Allein dafür lohnt es sich, die Augen offen zu halten.
Quelle: PC Games
Wie im Buch trifft Dante zahlreiche historische Persönlichkeiten. Hier die britannische Heerführerin Boudicca.
In vielen Szenen ist die Kamera aber auch erschreckend dämlich platziert. Da gibt es immer wieder Kämpfe, in denen Gegner die Sicht verdecken oder in denen man einer Gefahr ausweichen soll, ohne die Distanz richtig einschätzen zu können. Immer wieder kommt es auch zu kurzen Reaktionstests oder überraschenden Sprungeinlagen, in denen man oft auch nach dem zweiten Absturz nicht immer weiß, was die Entwickler überhaupt von uns wollen. Die ungünstigen Kamerawinkel sorgen im Zusammenspiel mit einer unsauberen Kollisionsabfrage immer wieder dafür, dass man in die Tiefe fällt oder an einem Levelbaustein hinabrutscht, ohne dass man wirklich etwas dafür kann.
Holpriger Schlussakt
Quelle: PC Games
Damsel in distress: Luzifer entführt Beatrice in die Hölle.
Solche Unsauberkeiten in der Steuerung und Kameraführung wecken immer wieder den Verdacht, das Spiel sei einfach zu früh auf den Markt gekommen. Ein Eindruck, der sich verhärtet, wenn man ungefähr das letzte Spieldrittel erreicht. Hier rasen die Leveldesigner plötzlich von einem Schauplatz zum nächsten und auch die Inszenierungsqualität nimmt spürbar ab. Fast scheint es, als hätten die Entwickler hier eigentlich mehr geplant, bevor ihnen die Zeit davonlief. Richtig doof wird's dann kurz vor Schluss: Da muss man nacheinander zehn (!) Prüfungen ablegen, zum Beispiel eine 100er-Kombo erreichen, fünf Gegner in der Luft besiegen oder acht Sekunden lang nicht den Boden berühren. Das wirkt unpassend, aufgesetzt und ist optisch zudem furchtbar eintönig geraten. Die Prüfungen sind damit reine Spielzeitstreckung, um irgendwie über die Acht-Stunden-Grenze zu kommen.
Quelle: PC Games
Dantes Bewaffnung bleibt bis zum Spielende gleich.
Vielleicht verrät aber auch ein Blick auf den Kalender, warum man den Releasetermin unbedingt einhalten wollte: Dante's Inferno erschien nur einen Monat vor dem heiß ersehnten God of War 3 - und gegen das geschliffene Göttergemetzel sah Dante's Inferno einfach ziemlich alt aus. Sein großer Vorteil war allerdings, dass es im Gegensatz zur übermächtigen Sony-Konkurrenz auch auf Xbox 360 erscheinen durfte. Wer keine PS3 besaß, bekam hier also den bestmöglichen Ersatz. Eher fragwürdig erscheint dagegen die Umsetzung für die PSP. Sonys tragbare Konsole hatte zu der Zeit bereits mit schwächelnden Verkaufszahlen zu kämpfen und auch die Technik machte den Entwicklern Probleme: Als Folge wurde die PSP-Umsetzung nicht nur grafisch abgespeckt, sondern auch inhaltlich ein wenig gekürzt. Das Spiel machte zwar immer noch Spaß, hinterließ aber einen faden Beigeschmack: Der PC und die populäre Nintendo Wii wurden nämlich kurzerhand übergangen, was damals wie heute reichlich sinnlos wirkt. Mit diesen Plattformen hätte man sicher mehr Käufer gefunden, wie man beispielsweise an Castlevania: Lords of Shadow beobachten konnte.
Remaster, Remake, Nachfolger - besteht noch Hoffnung?
Dante's Inferno mündet in ein offenes Ende, das unseren geläuterten Helden nach seinem Sieg über Luzifer zeigt. In letzter Sekunde sehen wir, dass der Leibhaftige natürlich irgendwie überlebt hat, dann folgt der Schriftzug: Fortsetzung folgt. Das ist auch kein Wunder, schließlich bietet das Buch genügend Stoff für eine ganze Trilogie. Auch EA setzte damals großes Vertrauen in das Spiel und witterte schon den nächsten großen Franchise: Dante's Inferno wurde kräftig beworben, ein gelungener animierter Film und eine Comic-Reihe entstanden und während des Super Bowls war sogar ein kostspieliger Trailer zum Spiel zu sehen. Nach den durchwachsenen Kritiken und verhaltenen Verkaufszahlen ruderte man aber kräftig zurück.
Quelle: PC Games
Beim Kampf gegen Luzifer ist euer ganzes Können gefragt.
Visceral Games konzentrierte sich zunächst wieder auf die Dead Space-Reihe und lieferte zwei Nachfolger, bis man im Jahr 2015 schließlich das umstrittene Battlefield Hardline entwickelte. Danach begannen die Arbeiten an einem unbekannten Star-Wars-Spiel namens Project Ragtag, das aber eingestellt wurde, noch bevor es wirklich was davon zu sehen gab. Im Oktober 2017 musste Visceral Games dann seine Pforten endgültig schließen und bis heute hat EA auch kein anderes Studio mehr auf Dante's Inferno losgelassen. Ein echter Nachfolger ist darum genauso wenig in Sicht wie ein Dante's Inferno Remastered.
Würden sich denn genügend Käufer für eine überarbeitete Neuauflage finden? Dieser Eindruck könnte jedenfalls entstehen, wenn man einen Blick in die Kommentare unter unserem Video-Special auf Youtube wirft. Dort wird das Spiel nämlich fast einstimmig gefeiert.
Bildergalerie
Wo kann ich Dante's Inferno spielen?
Wer das Spiel heute erleben will, greift darum am besten zur Xbox One, Xbox Series S oder Series X - darauf läuft die originale Xbox-360-Fassung in höheren Auflösungen und bei flüssigen 60fps. Besitzer des Xbox Game Pass können sich Dante's Inferno auch ohne Aufpreis runterladen, einzig die DLCs sind in dieser Fassung leider nicht enthalten. Die PS3-Version ist nicht im Playstation Store zu finden.
