Eins muss man Dead Space 3 ja lassen, noch bevor es den Titel zu kaufen gibt, polarisiert er Tester wie Spieler. Während die einen in dem Titel den besten Teil der Serie sehen, der mit vielen neuen und sinnvollen Features das Gameplay erweitert, würden ihn die anderen am liebsten in der Luft zerreißen. Der ehemalige Horror-Shooter sei zu einem Action-Spiel verkommen, der sie nicht mehr zu gruseln vermag und mit Backtracking und Dauergeballere langweile. Wir ließen uns davon nicht beeinflussen und sagen euch in unserem Test, was wir von Isaacs drittem Auftritt halten.
Dead Space 3 setzt ziemlich genau dort ein, wo Dead Space 2 aufhörte. Wer die Vorgänger nicht gespielt hat muss sich aber nicht grämen, denn in einem wunderbar langen und ausführlichen Intro wird die vorangegangene Geschichte erst einmal zusammengefasst, wobei Kenner in Erinnerung schwelgen können und Neueinsteiger informiert werden. So wird bereits zu Beginn eine herrliche Atmosphäre aufgebaut, die auch über die kompletten 20 Kapitel gehalten werden kann. Denn die Inszenierung des Titels ist wirklich gelungen, ob es die verschiedenen Schauplätze sind, das herrliche Licht- und Schattenspiel, der hohe Detailgrad oder auch die filmreife Musikuntermalung, der Gesamteindruck stimmt einfach. Zugegeben, man merkt dem Titel schon an, dass er sich viel an Bekanntem orientiert. So erinnern manche Monster schon frappierend an die Höllenwesen aus Doom, andere wieder sind defintiv von Alien inspiriert, wie die an den Wänden eingesponnenen Menschen die Facehugger-ähnliche Spinnenviecher auf den Spieler hetzen, doch besitzt alles genug Eigenständigkeit um nicht wirklich negativ aufzufallen. Da nehmen wir es den Entwicklern auch nicht übel, dass sogar der Soundtrack an manchen Stellen direkt aus Aliens stammen könnte.
Beklemmender Terror statt unterschwelliger Schauder
Quelle: PC Games
Dead Space 3 (1)
Die dominierende Frage ist natürlich, schafft es Dead Space 3 erneut den Spieler in die beklemmende und gruselige Stimmung zu versetzen, die besonders den ersten Teil auszeichnete? Hier muss man ganz klar sagen, dass dem nicht so ist. Was den Gruselfaktor betrifft, hat Dead Space inzwischen sein Pulver verschossen. Genau deswegen glaube ich, dass man bei der Entwicklung einen anderen Weg gegangen ist. Denn Schreckmomente gibt es durchaus noch, sie sind nur sehr rar gesät, lassen einen dann aber auch richtig aus dem Stuhl springen. Meist jedoch versuchen uns die Necromorphen eher zu terrorisieren, mitunter sogar mit Ansage. An mancher Stelle wissen wir also ganz genau, dass SIE gleich kommen werden und wir uns darauf vorbereiten müssen. Das hat durchaus seinen Reiz und dadurch wird auch das neue Waffensystem aufgewertet, welches uns gestattet aus vielen einzelnen Bauteilen diverse Necrovernichter herzustellen.
Bazillionen Waffenkonfigurationen, für den, der es bezahlen kann
Quelle: PC Games
Dead Space 3 (3)
Da jede Waffe über ein primäres und sekundäres System verfügt, kann man sich für die verschiedenen Angreifer die ideale Waffe zusammenbasteln. Während man die einen recht gut mit einem Elektroschocker und dem bekannten Plasmaschneider in Schach halten kann, braucht es für andere Mutanten andere Kombinationen. Dazu gesellt sich noch Isaacs Stasis-Fähigkeiten, die am besten in Kombination mit den anderen Waffensystemen eingesetzt werden will, und wenn man damit nur herumliegende Gegenstände wirft oder sich im Kampf benötigte Medi Packs heranholt. Das Waffen-Crafting macht auch durchaus Spaß und lädt zum Experimentieren ein, allerdings stieß mir der Preis bzw. die unglaubliche Menge an verschiedenen Materialien, die man zum Bau der Waffen benötigt, übel auf. Man braucht gefühlt eine Tonne Metall, nur um sich ein Basiselement zusammenschustern zu können, von den wirklich schlagkräftigen Waffen ganz abgesehen. Natürlich kann man sich die benötigten Elemente auch gegen Bare Münze kaufen, ein Schelm wer dabei Böses denkt. Zum Glück gibt es da noch die kleinen Suchroboter, Scavenger genannt, die man einfach losschicken kann Material zu besorgen. Völlig selbstständig erkunden sie die Level und sammeln ein was sie finden, woraufhin sie sich zur nächsten Werkbank begeben und dort mit den Fundsachen auf uns warten. Trotzdem muss man deutlich anmerken, dass man es als Spieler, der nicht bereit ist extra Geld in die Waffen zu investieren, ganz schön schwer hat an die wirklich durchschlagskräftigen Dinger zu kommen.
Ein Coop-Modus wie er sein soll
Quelle: Electronic Arts
Dead Space 3 (22)
Ganz neu in der Dead Space-Reihe ist das Coop-Gameplay, welches wirklich gut umgesetzt wurde. Jederzeit kann man online einen weiteren Spieler ins Game holen, welcher dann in die Rolle von John Carver schlüpft, um fortan gemeinsam den Necromorphen einzuheizen. Besonders cool dabei ist, dass es immer wieder Szenen gibt, in der ein Spieler etwas ganz anderes erlebt als der andere, um danach wieder Seite an Seite zu kämpfen. Dabei sorgen die nur im Coop-Modus verfügbaren speziellen Bonusmissionen für genug Motivation den Titel erneut in Angriff zu nehmen. Durch sie erfahren wir dann auch so einiges über Carver selbst, was wir euch an dieser Stelle natürlich nicht verraten wollen. Besonders gut gefällt uns am Coop-Modus, dass man den Titel auch alleine durchspielen kann, ohne etwas zu vermissen, man dann zu zweit aber doch auch noch etwas Neues geboten bekommt. Demgegenüber aber stehen manche Ecken und Kanten im Storytelling, beispielsweise wenn John Carver plötzlich in den Cutscenes auftaucht, obwohl er bis dahin nirgendwo in Erscheinung trat. In der Summe aber gehört der in Dead Space 3 gebotene Coop-Modus eindeutig zu den gelungeneren des Genres.
Quelle: Electronic Arts
Dead Space 3 (12)
Apropo Storytelling: So atmosphärisch sich der Titel auch gibt, die Geschichte ist nicht unbedingt die Stärke des Titels. Zum einen wird sie in großen Teilen nur per Funksprüchen erzählt die Isaac empfängt, Cutscenes gibt es im Gegenzug nur relativ wenige zu sehen, und das leicht übertriebene Backtracking treiben die Geschichte auch nicht unbedingt voran. Zwar wird diese absolut linear erzählt, nicht aber ohne uns x-mal dieselben Abschnitte ablaufen zu lassen. Daran gefallen kann einem, dass man so die Areale gut kennenlernt und die diesbezügliche Hilfe des Spiels gar nicht benötigt, wenn man aber zum wiederholten Male die immer gleichen Wege gehen muss, kann das schon etwas langweilen. Da verfliegt dann auch schnell die Faszination an den schwerelosen Abschnitten oder an den manchmal minimal geänderten Wegen, wenn man eine Treppe nehmen kann, statt einer Leiter, oder so. Gekrönt wird das Ganze dann noch von den Wartezeiten vor den Türen. Es macht ja durchaus Sinn, dass sich eine Schleuse in einem Raumschiff nicht so schnell öffnen lässt wie eine Wohnzimmertüre, allerdings kennen wir inzwischen doch viel elegantere Methoden um Ladezeiten zu verbergen, nicht? Besonders witzig wird die Sache bei den Liften, auf die man noch länger warten muss, schließlich müssen die ja erst noch irgendwo herumfahren. Dafür muss man den Entwicklern aber zugute halten, dass in den Abschnitten, in denen man auch flüchten können soll, dies auch in einem zeitlich angemessenen Rahmen möglich ist.
Filmreife Grafik & Soundkulisse
Quelle: PC Games
Dead Space 3 (9)
Wie schon angeschnitten, gibt sich Dead Space 3 bezüglich der Präsentation keine Blöße. Besonders für Konsolenverhältnisse bekommen wir eine Spitzengrafik geboten, mit vielen Details und manchem Hingucker. Auch wenn wir Charakter-technisch vielleicht schon Besseres gesehen haben, so sind sie doch allesamt, egal ob menschlich oder necromorph, hervorragend animiert. Die Schauplätze besitzen allesamt einen hohen Wiedererkennungswert und egal ob in der Stadt, im Weltraum oder auf dem Eisplaneten, alles sieht herrlich aus und erlaubt sich keine Ausreißer. Untermalt wird das Ganze von einem wirklich hervorragenden Soundtrack und einer Geräuschkulisse wie gemacht für den heimischen Subwoofer. In der Summe ergibt all das ein mitreißendes Action-Feuerwerk, welches sich nicht zu verstecken braucht.
