Jack Slate und sein vierbeiniger Partner jagen wieder Gangster. Bietet die Actionorgie frische Ideen?
Würdet ihr euch trauen, alleine eine ganze Horde von Geiselnehmern in einem Hochhaus anzugreifen, um die gefangenen Zivilisten zu befreien? Eigentlich wäre das wohl Selbstmord. Nicht so für den Helden des Actionkrachers Stirb Langsam, der die Geiselnehmer im Alleingang platt macht. Doch Bruce Willis ist von gestern. Denn während der Hollywoodstar alias Supercop John McClane nicht ganz freiwillig alleine mit den gefährlichen Terroristen aufräumt, sondern sich einfach zur falschen Zeit am falschen Ort befindet, stürmt Polizist Jack Slate, Protagonist von Dead to Rights: Retribution, aus freien Stücken und vollkommen unbewaffnet in ein von jeder Menge bösen Buben besetztes Gebäude. Das nenne ich wahren Heldenmut.
Dead to Rights: Retribution
Doch zu Beginn des Spiels, das erstmal mit einem Prolog, der einen über die Story noch im Dunkeln lässt, beginnt, sieht erstmal alles ganz anders aus. Schwer verletzt fällt Jack von einem Kahn und schlägt auf dem Boden des Docks auf. Dann kommen auch noch zwei fiese Gangster auf ihn zu, die mehrmals das Wort f**k benutzen, bevor der zweite Protagonist des Spiels, Jacks vierbeiniger Partner namens Shadow, aus dem Schatten springt, um sein Herrchen vor der Bedrohung zu beschützen. Wir übernehmen nun die Kontrolle über den Hund und machen den in größerer Zahl anrückenden Gangstern per Druck auf den A-Knopf den Garaus. In brutalen Animationen, die mit Blutspritzern nicht geizen, kratzt Shadow seinen Opfern die Brust aus, beißt ihnen die Kehle durch oder sich dort fest, wo es besonders weh tut. Nachdem alle Gegner erledigt sind, wird unsere Performance beim Töten bewertet. Wir erhalten Bonuspunkte für Zeit, Kill-Variation und Stealth-Kills und werden mit dem Rang Gold belohnt. Nicht schlecht, wenn man sein Herrchen vor dem Tod rettet und dabei auch die Art und Weise, auf die wir das tun, ausgezeichnet wird.
Dead to Rights: Retribution
Nach diesem fragwürdigen Prolog befindet sich Jack, immer noch in bemitleidenswerten Zustand, in einer Bar, während im Fernseher die Nachrichten mit der Schlagzeile "City in Chaos" laufen. "Everything on TV. It's a lie." sagt Jack einer Bekannten, die sich zu ihm gesellt hat und sich sichtlich um ihn sorgt. Mit den Worten "I'll tell you the truth." springen wir in der Zeit 30 Stunden zurück und befinden uns vor dem Wolkenkratzer "Temple Tower", der von der ominösen Terroristengruppe "Union" besetzt wurde und den Jack, nachdem eine Geisel vom Balkon geworfen, schließlich alleine und unbewaffnet erstürmt. Jetzt erlernen wir erstmal die spielerischen Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, um uns den Terroristen zu erwehren. Die ersten Gegner, auf die wir treffen sind selbst auch unbewaffnet und werden mit leichten oder starken Schlägen verkloppt. Hat einer unserer Kontrahenten eine bestimmte Menge an Schläge eingesteckt, können wir ihm mit einem Finishing-Move dem Rest geben. Dafür gibt es eine Handvoll verschiedener Animationen, in denen Jack dem Gegner immer mal andere Knochen bricht. Als uns der erste Feind mit einer Bleispritze zu Leibe rückt, entwenden wir ihm diese kurzerhand auf Knopfdruck und können sie sofort gegen den entwaffneten Gangster einsetzen. Alternativ können wir die Union-Schergen auch greifen und als Schutzschild benutzen. Bis zu zwei Waffen, eine große und eine kleine, können wir tragen. Da die Munition schnell zu Neige geht, müssen wir zwischendurch immer wieder auf Schläge zurückgreifen, bis wir neue Knarren, deren Palette von der einfachen Pistole über Maschinengewehre und Schrotflinten bis zum Raketenwerfer reicht, besorgt haben. Mit einer Kombination aus Prügeln und schießen kämpfen wir uns bis aufs Dach des Gebäudes, wobei uns aus den Fängen der Terroristen befreite Sicherheitsleute kurzzeitig unterstützen. Der Oberbösewicht namens Riggs entwischt uns leider letztendlich, weshalb unser Ziel in den folgenden Kapiteln des Spiels ist, mehr über Riggs, die Union und deren Ziele herauszufinden.
Dead to Rights: Retribution
Wie bereits im Prolog übernehmen wir auch später immer mal wieder die Steuerung von Shadow und besorgen etwa auf einem tristen Fabrikgelände hinter feindlichen Linien einen Torschlüssel, damit Jack dort auf Spurensuche gehen kann. Dabei ist vorsichtiges Agieren angesagt. Als Shadow können wir die feinen Sinne eines Hundes nutzen, um Feinde hinter Wänden zu erkennen. Durch leises Knurren können wir diese anlocken und lautlos, aber brutal wie eh und je ausschalten. Das Schleichen ist aber meist nicht wirklich nötig. Man kommt oftmals auch zum Ziel, indem man einfach auf die Gegner losstürmt, da deren KI nicht besonders ausgefeilt ist und diese zu spät anfangen, auf Shadow zu schießen oder sogar vor ihm flüchten. Auch in den weitaus häufigeren Actionabschnitten mit Jack, in denen mal mehr Prügelei, mal mehr Schießerei angesagt ist, verhalten sich die Gegner nicht besonders clever und laufen oft planlos von einer Deckung zur nächsten. Außerdem kann Jack einiges an Treffern einstecken und seine Gesundheit regeneriert sich sehr schnell. Das Positive daran ist, dass sich das Spiel dadurch äußerst flüssig spielt. Jack sollte zwar ab und zu wie seine Gegner hinter Objekten Schutz suchen und aus der Deckung heraus schießen. Geht einem aber beispielsweise die Munition aus, stürmt man einfach auf den nächsten hinter seiner Deckung kauernden Bösewicht los und schnappt sich dessen Waffe. Das macht die Action zwar herrlich unkompliziert, das Spiel aber leider auch etwas zu leicht. Immerhin muss man gelegentlich unter Zeitdruck Bomben entschärfen, was etwas Abwechslung in die Daueraction bringt. Spielerisch werden aber kaum Innovationen geboten. Interessant ist zwar die Zusammenarbeit zwischen Jack und Shadow, da man den Hund auf einzelne Gegner hetzen kann oder dieser Waffen herbeibringt. Allerdings bleibt das Hund-Herrchen-Feature zu sehr der Oberfläche. Hier wäre mehr drin gewesen, etwa wenn die Entwickler diese Feature für Rätsel eingesetzt hätten und dem Spieler erlaubt hätten, nach Belieben zwischen der Steuerung von Jack und Shadow hin- und herzuwechseln.
