Artstyle-Enthusiast Stefan analysiert, warum die Kommentarspalten gerade wegen Nvidias neuem DLSS 5 in Flammen stehen, und ob es wirklich so schlimm wird, wie befürchtet.
Willkommen in der Hölle! Nvidia hat laut eigener Aussage gerade die Zukunft der Computergrafik eingeläutet - und die sieht ganz schön nach Slop aus, also nach per generativer KI erzeugtem Bilder-Müll. DLSS 5 wurde vor Kurzem erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Das neue Wundermittel für schönere Spiele soll laut Nvidia-CEO und KI-Overlord Jensen Huang der "GPT-Moment für Grafik" sein.
Was erst einmal klingt, als dürfte die KI jetzt gleich das ganze Bild zusammenhalluzinieren, ist in der Realität ein wenig komplizierter.
In diesem Artikel
Gestartet ist DLSS, also Deep Learning Super Sampling, eigentlich als Upscaling-Technologie, die aus einer niedrigen Auflösung mit KI-Unterstützung eine höhere macht. Das System wurde über die Modelle immer weiter verfeinert und später noch mit Zusatzfeatures wie Frame Generation ausgestattet.
Da werden echte Bilder von der Grafikkarte gerendert, zwischen denen das Modell dann eines oder mehrere zusätzlich erzeugt. Alles auf der Jagd nach immer höheren Framerates und schärferen Bildern bei immer weniger Leistungseinsatz.
Was ist das Problem mit DLSS 5?
Modell Nr. 5 hat jetzt mit Upscaling per se nichts mehr zu tun. Hier stehen die Materialien und die Beleuchtung im Vordergrund, die das Modell in Echtzeit fotorealistisch aufmotzen soll. Unten drunter befindet sich, sehr vereinfacht gesagt, aber immer noch die menschengemachte Grafik.
Der Einfluss, den die KI auf das Endresultat nimmt, ist jedenfalls deutlich sichtbarer als bei den vorherigen Modellen. DLSS 5 fasst nämlich nicht nur Framerate und Auflösung, sondern erstmals auch den optischen Stil an. Das Resultat hat Nvidia bei der Vorstellung von DLSS 5 anhand verschiedener Spiele gezeigt. Dabei haben wir vor allem menschliche Gesichter gesehen - und mit denen hat sich der Konzern in den Augen vieler Kommentatoren ganz schön auf die Nase gelegt.
Der einfache Grund: Die Gesichter sehen weniger aus, als wären sie nur realistisch beleuchtet, sondern eher, als hätte die KI versucht, sie Instagram-tauglich zu machen. Die Figuren bekommen zum Beispiel vollere Lippen und teils anderes Make-up.
Quelle: Nvidia
Grace aus Resident Evil Requiem ist das Aushängeschild für DLSS 5. Bei ihr erlaubt sich das Modell aber auch besonders viele Veränderungen.
Sie sehen aus, als hätte man ein Ringlicht vor ihnen aufgestellt, egal, wie der Rest der Szene beleuchtet wird. Gleichzeitig wird aber jede Falte und jede Pore so geschärft und übertrieben betont, dass sie älter wirken, als sie eigentlich sind.
Gerade bei Starfield kommt es mir vor, als hätte man die Figuren nachträglich ins Bild gephotoshopt, weil die Beleuchtung vorne und hinten nicht zusammenpasst. Die steifen Gesichtsanimationen eines Bethesda-Spiels harmonieren auch nicht gut mit der hyperrealistischen Optik.
Der Schüler aus Hogwarts Legacy wird von DLSS 5 zum Dreißigjährigen umgedichtet. Und Grace aus Resident Evil Requiem könnte auch eines dieser komischen "Verschönerungsbilder" sein, die man in den dunklen Ecken von Gaming-Twitter findet. Zumal die beiden DLSS-5-Shots von ihr in der Demo nicht einmal wie die gleiche Person aussehen.
Ein Look, der Abneigung auslöst
Da wundert's mich nicht, dass sogar einige Kollegen aus der Redaktion auf den ersten Blick dachten, Nvidia hätte sich hier einen frühen Aprilscherz geleistet. Ob man die technische Grundlage jetzt beeindruckend findet oder nicht, sei mal dahingestellt. Das Resultat sieht für mich einfach seltsam aus!
Nicht nur, weil wir hier eine Arschbombe ins Uncanny Valley machen, also einen Punkt in Richtung Fotorealismus überschreiten, ab dem künstliche Figuren irgendwie gruselig werden.
Zusätzlich hat DLSS 5 eben auch diesen Look, der uns überall begegnet, seit generative KI auf die Menschheit losgelassen wurde. Im Social-Media-Feed, in Werbespots, auf Plakaten, auf YouTube-Thumbnails und in Fake News.
Dieser klinische, immer gleiche, hyperrealistische Stil, der zumindest mir mehr als zum Hals heraushängt. Das ist vermutlich auch der Grund, warum DLSS 5 gerade auf so breite Ablehnung stößt: Es hat in der Demo einen bestimmten Look, und der steht einfach sinnbildlich für Slop.
Ich sehe mir diese Optik niemals freiwillig an, sondern bekomme sie untergejubelt. Deswegen verbinde ich sie auch automatisch mit minderwertigen oder betrügerischen Inhalten. Egal, wie detailliert sie aussieht.
Sieht man sich die Kommentare zu Nvidias Präsentation an, scheint es sehr vielen Leuten genauso zu gehen: Man will beim Spielen nicht daran erinnert werden, wie generative KI sowieso schon in allen Bereichen unser Leben vollmüllt. Auf der nächsten Seite sehen wir uns an, was DLSS 5 sonst noch an der Grafik verändert, und ob die Technik überhaupt in der Form bei uns ankommen wird.
