Grundsolide Metzelorgie mit Tolkien-Bonus, welche vor allem kooperativ Laune macht!
Der Ringkrieg war kein Zuckerschlecken
Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden
Die Argumente des Trios lassen sich auch wahrlich sehen, im Schlagabtausch erkennt man immerhin die Wurzeln der Snowblind Studios, die seinerzeit mit unter anderen Champions of Norrath ordentlich für Furore sorgten. Mit modernisierter Perspektive, eher hinter der Schulter des Spielers angesiedelt, wandelt ihr durch recht lineare Gebiete. Ob nun die Ruinenstadt Fornost oder der Düsterwald, optisch gibt sich der alternative Ringkrieg sehr abwechslungsreich und gelungen, wenn auch technisch etwas detaillos und fad. Nicht selten scheint das Levelinventar einem Baukasten entnommen zu sein. Statt verträumter Panoramen steht aber der Kampf im Vordergrund, welcher durch unendliche Massen an Orks, Trollen und anderen Geschöpfen unter der Führung von Agandaûr, der rechten Hand Saurons, eingeläutet wird. Dabei erarbeitet sich der Krieg im Norden einen ordentlichen Erwachsenenanspruch: Das orkisch dunkle Blut spritzt, besudelt auf Dauer die Rüstung und bei den etwas größeren Biestern lassen sich alsbald sogar klaffende Wunden ausmachen. Mit einem finalen Schlag taumeln die Schergen kopflos zu Boden oder hoppeln in letzter Verzweiflung auf einem Bein ihrem unwiderruflichem Schicksal entgegen.
Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden
Die brutalen Animationen gefallen und sind durchaus amüsant umgesetzt, doch so nett die Scharmützel mit Orks, Spinnen und Trolle auch sein mögen, so wirkt das Ganze auf Dauer leider doch etwas einfallslos. Mit einzig allein leichtem und starken Angriff solange auf den Gegner eindreschen, bis dieser ins straucheln kommt und wir einen fatalen Schlag landen können, welcher nicht selten den Feind zu Boden wirft oder ihn zumindest Sterne sehend taumeln lässt, wird der Kampf durchgezogen. Damit kommen wir erst so richtig in Rage, können einen Multiplikator für einen Erfahrungsbonus aufbauen und sollte es doch mal happig werden, wird einer von drei Specials losgelassen. Hier unterscheiden sich die Spielfiguren immerhin ein wenig vom stupiden Einheitsbrei, da die Elbin defensive Schutzzauber und Heilung bietet, während der Zwerg zum Beispiel fette Attacken von sich lässt und damit sogar einen ganzen Pulk an Biestern und Gegnern beschäftigen kann. Falls das Team irgendwann unerwartet dennoch in Bedrängnis kommt, kann in speziellen Situationen gar einer der ehrwürdigen Adler zur Hilfe gebeten werden. Doch das grundlegende Prinzip wiederholt sich immer und immer wieder: Eindreschen, fetten Schlag landen, Multiplikator aufbauen und gelegentlich Zauber und Spezialitäten einstreuen!
Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden
Nur, das heißt nun nicht, dass Snowblind ihr Handwerk nicht mehr verstehen würde! Denn seien wir mal ehrlich, die meisten Hack'n Slay Werke strotzen nicht gerade mit taktischer und strategische Vielfalt und Arten oft in ein eher stupides Gemetzel aus. Irgendwie schafft es der Krieg im Norden, die stupide Schlacht auf einen beständigem Niveau der Unterhaltung zu halten. Das liegt einerseits an der ungebrochenen Motivation, die sich wie so oft durch das fortlaufende aufleveln der Charaktere und den dadurch möglichen Verbesserungen bietet, andererseits an den unendlichen Massen an Rüstungen, Waffen, Accessoires und sonstigen Dingen, die dieses virtuelle Mittelerde verborgen hält. Geht es nicht gerade darum, einen der drei Talentbäume mit durch Erfahrung erhaltenden Punkten zu modifizieren und sich dadurch passive wie auch aktive Vorteile herauszuarbeiten, so wird beständig der Rucksack mit allerlei Dingen gefüllt. Verstecke Kisten, Hinterlassenschaften der Feinde sowie herumliegendes Zeugs wird rigoros aufgelesen und nicht selten stößt man auf die Grenzen des Inventar-Fassungsvermögens.
Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden
Unnützes Zeugs kann immerhin verscherbelt werden, sofern man endlich einen Händler findet oder wieder zurück in die Dörfer darf, wobei das erworbene Gold wiederum für Reparatur - denn eure Waffen und Rüstungen nutzen sich durch exzessiven Gebrauch mehr oder weniger schnell ab - oder aber Händlerware eingetauscht wird. Prinzipiell ja alles gut und recht, doch auf dem Feld finden sich einfach die besseren Items sowie in den zahlreichen, teils auch hinter maroden Mauern versteckten Kisten. Die recht hohe Flut an neuen Objekten sorgt zudem dafür, dass man fast beständig die komplette Ausrüstung wechselt, als ob das Orkblut zu stinken anfangen würde und man die Gewandung einfach schnell loshaben wolle. Übrigens ein mühseliger Prozess, da die Bedienung im Inventar zwar nicht grundsätzlich schlecht ist, aber ein paar Macken mit sich bringt. Mit einer derartigen Masse an Loot lohnt sich die Mühe eigenständiger Verzauberungen schon fast nicht mehr. Denn eigentlich können magische Kugeln in freie Slots eingearbeitet und damit Rüstungen und Waffen mit zusätzlichen Effekten, zum Beispiel Feuerschutz, magisch verbesserte Statuswerte oder zusätzlichem Schaden durch Elemente wie Blitz, aufgewertet werden.
