Grundsolide Metzelorgie mit Tolkien-Bonus, welche vor allem kooperativ Laune macht!
J.R.R. Tolkien schuf ein Fantasy-Abenteuer, welches Leser schon Jahrzehnte, so manch anderen spätestens seit dem grandiosen Kinospektakel begleitet und auch Jahre danach nicht zur Ruhe kommt. Der eine Ring, der uns alle vor das Buch oder den TV knechtet, uns bindet und uns in ein Reich führt, in dem der Schatten droht. Doch was uns Warner Bros. nach der Übernahme der Lizenzrechte von EA mit Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden serviert, ist kein rein wiedergekäuter Abklatsch der altbekannten Geschichte der neun Gefährten mit Frodo, Gandalf, Aragon und Gimli, sondern ein auf Grundskizzen von Tolkien entworfenes paralleles Abenteuer. Kann der Titel den positiven Ersteindruck des Kollegen Sandro Odak tatsächlich bestätigen?
Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden
In Mittelerde geht so viel mehr ab, als nur die Geschichte zweier Hobbits, die mit ein paar Kollegen einen dubiosen Ring in einen fernen Feuerberg schmeißen sollen. Was ist mit dem Schicksal zahlreicher Elben, Zwergen und Menschen, die Abseits der ausgetretenen Pfaden ihr Leben ließen, in der Verteidigung ihrer Heimat, ihres Hab und Guts und allem, was ihnen teuer ist? Die Filme lassen sich ja nicht einmal über die Zerstörung des Auenlandes aus, was fehlt sonst noch so alles? Dieser schwerwiegenden Fragen in Der Herr der Ringe: Krieg im Norden nachgehend, offenbart der Titel das Schicksal dreier unbekannter Helden, die den allseits beliebten Gefährten quasi den Rücken frei halten und sich um die Konflikte im nördlichen Bereich kümmern. Ganz konnten die Macher Frodo und seine Freunde aber nicht außen vor lassen und streuen gekonnt Aufeinandertreffen zum Beispiel in Bree oder Bruchtal im Hause Elronds ein.
Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden
Von Anfang an gefallen die Konversationen, in denen sich herrlich viel Wissen über Mittelerde und ihre Bewohner offenbart. Es wird geplaudert, gelauscht und so manch einer weiß einige tolle Geschichten zu erzählen. Nicht selten arten diese Monologe leider etwas aus und können gar recht langweilig werden Zum Glück lassen sich die meisten Unterhaltungen mit einer passenden Antwort stark verkürzen und die Wartezeit bis zum nächsten Scharmützel somit straffen. Wer genügend bohrt und Fragen stellt, bekommt aber auch die eine oder andere kleine zusätzliche Aufgabe und kann sich ein paar extra Moneten erarbeiten. Jegliches Gespräch wird übrigens komplett mit deutscher, durchaus netter Vertonung präsentiert. Die Sprecher versuchen Gefühle durchzubringen sowie Emotionen zu zeigen und auch Überraschung bzw. Ironie ist herauszuhören, wenn auch eher selten. Schade nur, dass sich die Stimmen der Herr der Ringe Stars wie Frodo, Gandalf oder Aragon befremdlich anhören. Ebenfalls unglücklich geraten, dass die drei Hauptdarsteller eher im Hintergrund agieren, auch wenn die gewählte Spielfigur Antworten gibt und mit den anderen nicht spielbaren Bewohner von Mittelerde redet. Woher stammen die neuen Helden? Was führt sie so direkt ins Kampfgetümmel? Wie kam dieses doch recht ungewöhnliche Trio zustande? Alles Fragen zur Hintergrundgeschichte, die nicht zufriedenstellend beantwortet werden.
Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden
Zur Auswahl stehen drei unterschiedliche Charaktere: Ein Mensch, der Dunedain Eradan, eine elbische Magierin namens Andriel und ein Zwerg Farin (der übrigens in Tolkiens Mittelerde-Lexikon schon vorkommt). Ein ganz ehrlich gesagt nicht gerade sehr einfallsreiches Team, welches aber gekonnt Orkverbände, Uruk-Hai und Riesenspinnen aufmischt und damit indirekt zum positiven Ausgang des bekannten Ringkrieges beiträgt. Die Rollen sind dabei klar verteilt. Die Elbin kann mit Magie rumballern, heilen und mit Schildzaubern unterstützen, der Zwerg zieht mit seiner Axt ordentlich schnell viel Aggro und damit natürlich die Feinde auf sich. Er ist sozusagen eine richtige Frontsau. Der Dunedain positioniert sich irgendwo dazwischen: Er hat zwar einen Bogen, aber auch mit dem Schwert kann er gehörig austeilen und sich zudem unbemerkt an Feinde heranschleichen.
