Mein erstes Mal Diablo: Wie spielt sich der Action-Rollenspiel-Klassiker heute?

Special Benedikt Plass-Fleßenkämper Maria Beyer-Fistrich
Mein erstes Mal Diablo: Wie spielt sich der Action-Rollenspiel-Klassiker heute?
Quelle: Blizzard

Pures Hack'n'-Slay-Gameplay, dichte Atmosphäre und reichlich Loot: Das erste Diablo gilt als Meilenstein des Action-Rollenspiel-Genres. Wie schlägt sich der Klassiker heute? Unser Autor Benedikt hat ihn zum ersten Mal gespielt - und in den düsteren Dungeons nicht nur allerlei Kreaturen, sondern auch Corona-bedingte Stimmungsschwankungen bekämpft.

Ende Februar 2020. Die Welt ist noch längst nicht so aus den Fugen geraten wie in diesen Tagen, in denen die Coronakrise uns alle nicht mehr loslässt. Es gibt zwar bereits erste Anzeichen, dass das Coronavirus durchaus zu einem globalen Problem erwachsen könnte. Doch so richtig ernst nimmt das Ganze zu diesem Zeitpunkt vor allem hierzulande kaum jemand. Ich offen gestanden auch nicht.

Stattdessen plane ich den nächsten Teil dieser Artikelreihe: Diablo (jetzt kaufen 40,38 € ) soll es sein, der von Blizzard North entwickelte Action-RPG-Meilenstein. Voller Vorfreude erstehe ich das Spiel bei GOG.com, wo es im Paket mit dem Add-on Hellfire erhältlich ist. Ich bin richtig heiß darauf, Diablo endlich nachzuholen!

Ich hatte im Jahr 2000 zwar den Nachfolger gespielt und habe mich auch mit der PS4-Version von Diablo 3 schon so einige Stunden vergnügt. Doch der Erstling ging seinerzeit zum Release - 31. Dezember 1996 in Nordamerika, Januar 1997 in Europa - aufgrund einer Games-losen Phase an mir vorbei. Dabei war Diablo Mitte der 1990er-Jahre ein Titel, an dem wirklich niemand vorbeikam (außer mir eben): Blizzard reaktivierte darin das von Frühwerken wie Hack (1984) bekannte Rogue-like-Prinzip, modernisierte es ordentlich und warf die Spieler in zufällig generierte Dungeons. Hier bekämpfte man solo oder im Koop-Modus für bis zur vier Abenteurer zahlreiche Monster aus der Iso-Perspektive und sammelte noch mehr Gold und Gegenstände ein. Das Hack'n'Slay wurde zum Liebling von Kritikern wie Spielern und verkaufte sich bis Mitte 2001 weltweit 2,5 Millionen Mal.
Zum Spielstart entscheide mich für die dezent modernisierte Version mit höherer Auflösung (mittels Hochskalierung bei originalen Seitenverhältnissen), in der Blizzard und GOG laut eigener Aussage auch einige Fehler behoben haben. Anschließend ist im nett gemachten Renderintro zu sehen, wie tief unter einem zerstörten Dorf das reine Böse in Form des dämonischen Höllenfürsten Diablo wiederwacht. Zeit für einen furchtlosen Helden!
Warrior, Rogue oder Sorcerer? Vor Spielbeginn wählen wir in Diablo unsere Klasse und beeinflussen dadurch maßgeblich unseren Kampfstil. <br> &nbsp; (1) Quelle: PC Games Warrior, Rogue oder Sorcerer? Vor Spielbeginn wählen wir in Diablo unsere Klasse und beeinflussen dadurch maßgeblich unseren Kampfstil.
  (1)
Bei der Charaktererstellung darf ich aus drei Klassen wählen: Der Warrior verkörpert den typischen Nahkämpfer, der Rogue ist ein geschickter Bogenschütze und der Sorcerer setzt mächtige Magie ein. Je nach Wahl starten die Charaktere in Diablo mit einer höheren Punktzahl bei den für sie relevanten Werten. Der Krieger braucht viel Stärke, der Rogue benötigt vor allem Geschicklichkeit und der Sorcerer setzt, logisch, auf Magie. Der "Vitalität"-Wert bestimmt zudem die Anzahl der Hitpoints, mit denen meine Figur anfängt.

Fußlahmer Krieger

Ich bin in Rollenspielen gerne der Typ mit dem großen Schwert und der dicken Rüstung. Also schnappe ich mir den Warrior, der gegenüber den anderen Klassen einen kleinen Lebenspunkte-Vorteil genießt. Kaum habe ich meinen Helden erstellt, wirft mich das Spiel ohne Umschweife ins Geschehen. Ich starte im Dorf Tristram und erkunde ein wenig die Szenerie. Uff, mein Krieger läuft ganz schön langsam. Ich suche verzweifelt nach einer "Sprinten"-Taste, doch die gibt es in Diablo nicht, wie ich nach kurzer Recherche herausfinde. Ich könnte jetzt zwar direkt mit Hellfire durchstarten, in dem die Spielfigur zumindest im Dorf auf deutlich schnelleren Sohlen unterwegs ist. Doch ich will das originale Spielgefühl von damals, also muss ich da jetzt durch!
Im Dorf Tristram plaudern wir mit den ersten NPCs und schnappen die neuesten Gerüchte auf. <br> &nbsp; Quelle: PC Games Im Dorf Tristram plaudern wir mit den ersten NPCs und schnappen die neuesten Gerüchte auf.
 
Schnell stelle ich fest, dass es in Tristram keine Übersichtskarte gibt. Also streune ich ein wenig verpeilt umher, bis ich auf erste NPCs treffe, die regungslos vor ihren Häusern verharren. Klicke ich sie an, erzählen mir nicht nur die neuesten Gerüchte, sondern wollen auch Handel mit mir betreiben. Die GOG-Version von Diablo bietet dabei nur englische Texte und Sprachausgabe - was mich jedoch nicht stört, weil die Originalsynchronisation ausgesprochen gut gelungen ist.

Schmied Griswold bietet mir tolle, aber viel zu teure Waffen und Rüstungsteile an: mit meinem mickrigen Startkapital von 100 Goldstücken kann ich sie mir noch nicht leisten. Immerhin reicht es für einen Kopfschutz, der meinen Rüstungswert etwas erhöht. Zudem decke ich mich bei Pepin, dem Heiler vorsichtshalber mit einem weiteren Heiltrank ein, obwohl bereits zwei rote Ampullen in meiner mit maximal acht Objekten bestückbaren Item-Leiste schlummern. Aber hey, das kennt man ja aus anderen Rollenspielen: Heiltränke kann man nie genug haben!
Bei Heiler Pepin decken wir uns regelmäßig mit Heiltränken ein. <br> &nbsp; <br> &nbsp; Quelle: PC Games Bei Heiler Pepin decken wir uns regelmäßig mit Heiltränken ein.
 
 

Ohren auf!

Plötzlich muss ich spontan innehalten. Wow, wie gut ist denn bitte diese Musik? Aus meinem Kopfhörern ertönen unglaublich atmosphärische Fantasy-Klänge, die mich sofort voll ins Mittelalter-Szenario von Diablo hineinziehen. Ernsthaft: Wie konnte ich fast 25 Jahre lang ohne diesen fantastischen Score auskommen? Ich bin hin und weg. Wer die Tristram-Musik ebenfalls noch nie vernommen hat: Unbedingt reinhören! Sofort! Hach.

Nachdem ich mich sattgehört habe, stapfe ich weiter durchs Dorf und mache mich in Ruhe mit dem Interface vertraut. Blizzard hat es aufs Nötigste beschränkt, das macht mir Diablo gleich mal sehr sympathisch. Es gibt je ein Fenster für aktive Quests, Zaubersprüche, das Inventar nebst der aktuell getragenen Ausrüstung sowie eine Anzeige, die mir die Werte meines Recken anzeigt. Hier sehe ich auch mein aktuelles Charakterlevel sowie die zum nächsten Levelaufstieg benötigten Erfahrungspunkte.
Über Treppen gelangen wir ein Stockwerk weiter nach unten. Es ist dabei nicht zwingend notwendig, die komplette Ebene erkundet und von Monstern gesäubert zu haben. <br> &nbsp; Quelle: PC Games Über Treppen gelangen wir ein Stockwerk weiter nach unten. Es ist dabei nicht zwingend notwendig, die komplette Ebene erkundet und von Monstern gesäubert zu haben.
 
Super: Mein Warrior beherrscht einen Zauberspruch, mit dem ich meine Ausrüstung reparieren kann. In Diablo nutzen sich angelegte Gegenstände also mit der Zeit ab. Das kann ja noch lustig werden! Weniger super: Ein neuerlicher Blick ins Netz ergibt, dass sich durch Einsatz des "Item Repair"-Skills die Haltbarkeit des geflickten Gegenstandes verringert. Dann künftig also doch lieber Schmied Griswold aufsuchen, der den Job gegen einen kleinen Obolus ohne Haltbarkeitsmalus verrichtet.Doch wo muss ich eigentlich hin, um endlich die ersten Monster bekämpfen zu können? Eine berechtige Frage, die mir das Spiel jedoch schon kurze Zeit später beantwortet: Nachdem ich ein paar Häuser und einen unheimlichen Friedhof passiert habe, erreiche ich eine rötlich schimmernde Kathedrale. Die einzig anwählbare Option hier lautet "Down to Dungeon". Da bin ich doch dabei. Juhu, das Abenteuer kann beginnen!

Ab in die Tiefen!

Ich finde mich im ersten von 16 Stockwerken wieder, die in Diablo in jedem neuen Durchgang zufällig neu aufgebaut und in je vier Levels mit vier unterschiedlichen Settings unterteilt sind. Und wieder ist es die Musik, die mich sofort in ihren Bann zieht! Dramatische Choräle und aufpeitschende Trommeln lassen nichts Gutes verheißen und unterstreichen perfekt die düstere Atmosphäre des Spiels. Hochmotiviert ziehe ich los, um mich dem Bösen entgegenzustellen. Allerdings ist es im Diablo-Dungeon ziemlich schummrig, denn nur die umliegenden Felder sind beleuchtet. Der Rest der Umgebung wird erst erhellt, wenn ich meine Figur per Mausklick dorthin schicke. Immerhin kann ich den Lichtradius erhöhen, indem ich magische Gegenstände, Fackeln, Zaubersprüche etc. einsetze.
Es dauert nicht lange, bis ich den ersten Skeletten, Zombies sowie Kobold-artigen Kreaturen begegne. Doch kein Problem, ich metzle mich mit simplen Klicks auf die linke Maustaste durch die Gegnerhorden. Was mir direkt auffällt: In Diablo gibt es kaum Trefferfeedback. Ich bearbeite einfach so lange die Maus, bis der Feind tot umfällt. Überhaupt ist das Spiel unglaublich klickintensiv: Wo ich für den letzten Artikel aus dieser Reihe zu Lands of Lore schon Gefahr lief, mir eine Sehnenscheidenentzündung an der rechten Hand zuzuziehen, muss ich die Maus in Diablo noch deutlich intensiver malträtieren. Zumal fast alle getöteten Gegner Goldhaufen oder Items hinterlassen, die ich dann erneut per einzelnem Mausklick aufheben muss. Das Öffnen von Truhen und Türen sowie das Manipulieren von Gegenständen nehme ich ebenfalls über die linke Maustaste vor; die rechte ist hingegen für Zaubersprüche reserviert.

Ich kämpfe mich locker-flockig durch das erste Level und nutze dabei regelmäßig die detaillierte Übersichtskarte, die mit gutem Automapping punktet. Schnell klicke ich mich in einen echten Rausch - ja, das simple Hack-&-Slay-Spielprinzip ist immer noch enorm spaßig! Ruckzuck habe ich auch mein erstes Stufen-Levelup und darf fünf Punkte in meine vier Grundwerte investieren. Beim Warrior machen natürlich Stärke und Vitalität am meisten Sinn. Aber auch Magie ist nicht völlig uninteressant, weil ich so zum Beispiel einen Zauberspruch lernen kann, mit dem ich ein Tor ins Dorf erschaffen und mich dann später von dort aus wieder in mein aktuelles Dungeon-Level teleportieren kann.
Ganz schön eklig: Nach einem erfolgreichen Kampf ist der Boden mit Blut getränkt. Außerdem freuen wir uns über einen Stufenaufstieg, erkennbar am „Level Up“-Symbol links im Bild. <br> &nbsp; Quelle: PC Games Ganz schön eklig: Nach einem erfolgreichen Kampf ist der Boden mit Blut getränkt. Außerdem freuen wir uns über einen Stufenaufstieg, erkennbar am „Level Up“-Symbol links im Bild.
 

Ich klicke mich lustvoll weiter durchs erste Level, bis ich jedes Monster besiegt und jede Schatztruhe geöffnet habe. Dabei finde ich heraus, dass es in Diablo tatsächlich nur einen einzigen Spielstand pro Charakter gibt! Ergo muss ich höllisch aufpassen, dass ich nicht im falschen Moment abspeichere - etwa dann, wenn ich gerade mitten in einem Raum voller Monster stehe.

Des Weiteren gibt es im Labyrinth geheimnisvolle Schreine, die eine positive oder negative Wirkung entfalten, sobald ich sie berühre. So werden zum Beispiel meine Lebens- und Manapunkte vollständig regeneriert oder bekommt mein Held dauerhaft zwei Stärkepunkte spendiert, und so weiter. Mittlerweile ist mein Warrior bereits auf dem dritten Charakterlevel angekommen. Und hat auch eine brauchbare Zweihandaxt gefunden, die deutlich mehr Schaden anrichtet als das Kurzschwert, das mir als Startwaffe zur Verfügung stand.
Helden-Tuning: Nach jedem Levelaufstieg investieren wir fünf Punkte in die Basiswerte unseres Charakters. <br> &nbsp; Quelle: PC Games Helden-Tuning: Nach jedem Levelaufstieg investieren wir fünf Punkte in die Basiswerte unseres Charakters.
 

Immer wieder Tristram

Bevor ich mich ins zweite Stockwerk begebe, beschließe ich jedoch, erstmal nach Tristram zurückzukehren. Ich möchte meine Ausrüstung reparieren lassen, unnütze Gegenstände verkaufen und mich bei den Händlern gegebenenfalls mit Heiltränken sowie besseren Waffen und Rüststücken eindecken. Regelmäßige Dorfbesuche sind in Diablo übrigens allein schon deshalb ein notwendiges Übel, weil der Inventarplatz arg begrenzt ist. Deshalb ist es auch ratsam, aktuell nicht benötigte Goldstücke oder Gegenstände einfach im Dorf auf dem Boden zu platzieren. Hier bleiben sie dann bis zu meinem nächsten Besuch brav liegen.

In Tristram spendiere ich meinem Warrior ein neues Langschwert, ein solides Schild und einige Heiltränke und stürze mich dann wieder ins Getümmel. Die zweite Ebene zieht in Sachen Schwierigkeitsgrad nur minimal an, weshalb ich mich auch hier noch recht locker durchkämpfe und mich über einige weitere Levelaufstiege freuen kann. Ich betrete aus Neugier kurz das dritte Stockwerk, bleibe dann aber meiner bisherigen Spielweise treu: Ab nach Tristram, Inventar entleeren, Ausrüstung reparieren, Heiltränke einkaufen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle findest du externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz deiner persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn du dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigst: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Im Dorf erwartet mich eine Überraschung: Ogden, der Inhaber der örtlichen Taverne, überreicht mir meine erste Quest! Ich soll im dritten Stockwerk nach Skelettkönig Leoric Ausschau halten, der sich dort nebst Gefolgschaft in seiner Grabkammer verschanzt hat. Coole Sache! Allerdings lege ich nun erst einmal eine Diablo-Pause ein: Mein Artikelabgabetermin liegt noch in weiter Ferne und ich habe aktuell noch einige andere Deadlines abzuarbeiten ...

Düstere Aussichten

Ende März 2020. Ich habe mich in den vergangenen Tagen endlich wieder ins Spiel gestürzt. Warum die lange Pause? Ich hatte dafür zuletzt schlichtweg kaum mehr Zeit. Und irgendwie auch keine Nerven und Kraft. Wenn ich mal etwas zur Entspannung gespielt habe, dann vor allem Farmspiele wie Stardew Valley oder Animal Crossing oder eine Runde World of Warcraft Classic. Denn die Situation rund um das Coronavirus hat sich mittlerweile dramatisch zugespitzt: In Deutschland sind Schulen, Kindergärten, öffentliche Einrichtungen, Restaurants, Cafés und vieles mehr geschlossen; öffentliches Leben findet faktisch nicht mehr statt. "Social Distancing" und #StayTheFuckHome sind längst Alltag, und es gibt "Kontaktbeschränkungen" im ganzen Land. Meine Frau arbeitet als Leiterin einer Kindertagestätte in einem "systemrelevanten" Beruf, also muss ich mich als Selbstständiger um unsere beiden Kinder kümmern und kann erst abends arbeiten. All das geht nicht spurlos an mir vorbei - und es beeinflusst sogar mein Spielerlebnis in Diablo.
Was darf’s denn heute sein? Schmied Griswold hat ein wechselndes Sortiment an Basis- und Premiumwaffen und -rüstungen im Angebot. <br> &nbsp; Quelle: PC Games Was darf’s denn heute sein? Schmied Griswold hat ein wechselndes Sortiment an Basis- und Premiumwaffen und -rüstungen im Angebot.
 
Mein Wiedereinstieg ist zäh. Das Action-Rollenspiel fühlt sich lange nicht mehr so spaßig an wie noch vor ein paar Wochen, als das Leben weniger sorgenvoll war. Plötzlich wirkt Diablo noch düsterer, noch morbider, noch bedrohlicher auf mich: Die unheimliche Musik in den Dungeons, das Kreischen der Monster, das Ringen um Leben und Tod - die Coronakrise schwingt beim Spielen immer ein wenig mit.

Doch ich reiße mich zusammen und begebe mich in die dritte Ebene. Schnell finde ich Leorics Grabkammer. Hier haben sich etliche Skelette versammelt, die ich nach und nach und niederstrecke. Besonders nervig sind diejenigen Klappergerüste, die mich aus der Entfernung mit Pfeil und Bogen attackieren. Ich finde heraus, dass das Schließen von Türen eine prima Taktik ist, um sich anrückende Gegnermassen vom Leib zu halten, sich eine kurze Verschnaufpause zu gönnen und einen Heiltrank einzuwerfen. Am Ende der Grabkammer betrete ich einen großen Raum, in dem mich schließlich Leoric und seine Skelettarmee empfangen. Dank eifrigem Heiltrank-Konsum schaffe ich es gerade so, sämtliche Untote zu töten.

Doch der Boss selbst ist für meinen Level-8-Warrior noch zu stark (oder ich spiele einfach zu schlecht) - er haut mich ziemlich schnell aus den Latschen. Mist, mein erster Bildschirmtod! Also lade ich meinen Spielstand und versuche das Ganze noch einmal - ohne Erfolg. Okay, Leoric muss warten, bis ich etwas stärker bin. Nicht mehr ganz so motiviert kehre ich ins dritte Level zurück, das ich immerhin recht problemlos säubern kann. Nach einem kurzen Abstecher ins vierte Stockwerk geht's nach Tristam zurück, wo ich auch schon die nächsten Quests bekomme ...

Der Geruch des Todes

In Tristram angekommen, bemerke ich, wie mich die Musik, ja das gesamte Spiel auf merkwürdige Art und Weise runterziehen. Diablo ist eben ein durch und durch melancholisches Spiel. Doch trotz meiner Corona-bedingten Stimmungsschwankungen spiele ich tapfer weiter. Ich bin schließlich professioneller Spielejournalist, da gibt's jetzt keine Ausreden! Etwas widerwillig schlachte ich mich durch die vierte Ebene und komme langsam wieder in den typischen Diablo-Flow. Dabei löse ich nebenbei zwei Quests und erhalte zur Belohnung bessere Gegenstände, darunter einen 1A-Ring mit attraktiven magischen Boni. Das hellt meine Stimmung etwas auf. Zwischendurch mache ich den schon üblichen Abstecher nach Tristram. Mein Alter Ego hat nun die zehnte Charakterstufe erreicht und ist schon ganz passabel ausgerüstet. Na, dann kann die fünfte Ebene ja kommen!
Diablo 1 Quelle: PC Games In der fünften Dungeon-Ebene treffen wir erstmals auf den ungemütlichen Shadowtrinker. Er verschwindet regelmäßig und taucht dann wie aus dem Nichts wieder auf.
 
"The smell of death surrounds me" (auf Deutsch: "Der Geruch des Todes umgibt mich") sagt mein Warrior mit todernster Stimme, als ich das fünfte Dungeon-Level - die Katakomben - betrete. Unheilschwangere Musik setzt ein. Und mit dem Shadowdrinker sowie den gehörnten Dämonen begrüßen mich auch gleich deutlich stärkere Gegner. Ich stelle mich ziemlich dämlich an, attackiere zu viele Feinde auf einmal und vergesse, in Bewegung zu bleiben. Mein Warrior stirbt. Und mir vergeht fürs Erste die Lust, weiterzuspielen.

Mein Fazit: Immer noch packend, mir aber aktuell zu düster

Machen wir uns nichts vor: Die Coronakrise ist eine merkwürdige Zeit, die jeder anders meistert. Mir hilft es, mich mit Farmspielen à la Stardew Valley in bunten Eskapismus zu flüchten. Da hat ein so düsterer Titel wie Diablo aktuell einfach einen schweren Stand bei mir, obwohl ich aufrichtig überrascht bin, wie gut das Action-Rollenspiel gealtert ist.
Der Inventarplatz ist streng begrenzt. Deshalb lassen wir aktuell nicht benötigte Objekte kurzerhand in Tristram zurück. <br> &nbsp; Quelle: PC Games Der Inventarplatz ist streng begrenzt. Deshalb lassen wir aktuell nicht benötigte Objekte kurzerhand in Tristram zurück.
 
Ja, das fehlende Trefferfeedback ist ebenso wenig zeitgemäß wie die Tatsache, dass ich pro Charakter nur einen Spielstand anlegen darf. Und speziell die mickrigen Animationen verraten das hohe Alter von Diablo. Dennoch ist das Spielprinzip absolut zeitlos: Die Spirale aus Kämpfen, Looten und Levelaufstiegen sowie die Jagd nach immer besserer Ausrüstung motiviert immer noch ungemein. Hinzu kommt ein fantastischer Soundtrack, der jedoch gerade in diesen komplizierten Tagen aufs Gemüt drücken kann.

Ich habe jedenfalls das Gefühl, in meinen bisherigen Diablo-Sessions nur an der Oberfläche gekratzt zu haben. So simpel sich der Blizzard-Klassiker auch spielt, so viele Geheimnisse scheinen in den Tiefen noch auf mich zu warten. Ganz davon zu schweigen, dass ich mir auch noch einen Sorcerer erstellen möchte. Kurzum: Ich habe mit Diablo definitiv noch eine Rechnung offen! Mal sehen, wann ich wieder in der richtigen Stimmung bin, mich wieder in die finsteren Dungeons zu wagen ...

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk