Nachdem Doom 1 und 2 auf Bestreben von Bethesda vom Index gestrichen wurde, gibt es nun eine Komplettversion: In der Doom 3 BFG Edition sind alle Doom-Spiele enthalten - inklusive der Add-Ons. Gamezone-Autor Andreas Peter, der 2001 auch die Originalversion von Doom 3 sowie Doom 1 und 2 kennt, hat für uns getestet.
Woran merkt man als Gamer, das man alt wird? Nicht unbedingt nur am plötzlichen Auftreten von kreisrundem Haarausfall und miesen Reaktionszeiten, die die Überlebensdauer im globalen Counterstrike auf durchschnittlich vier Sekunden dahinschmelzen lassen. Ich war als ambitionierter Shooterfreund eher davon erschüttert, dass das Erscheinen des letzten offiziellen Doom-Spiels tatsächlich schon acht Jahre her sein soll. Ich weiß nähmlich noch genau, wie ich mich damals auf das Spiel gefreut und schon jede PC-Preview verschlungen habe. Und wie mir die Kinnlade zusätzlich herunterfiel, als ich erleben durfte, was die Jungs von Vicarious Visions, die die Umsetzung auf meiner ersten XBOX verantworteten, technisch aus dem guten alten schwarzen Ziegelstein herausholten.
Ein neues echtes Doom bekamen wir id-Fans leider seitdem nicht mehr kredenzt, nur ein irgendwie halbgares Rage, das mit sehr schlechten Verkäufen nicht nur spielerisch weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Welche Motivation genau Bethesda nun treibt, uns 2012 spontan ein generalüberholtes Package aller drei bislang erschienenen Doom-Klassiker anzubieten, kann vermutlich zum einen mit dem "am Leben erhalten" der Marke (immerhin gibt's nach acht Jahren eigentlich schon eine neue Spielergeneration, die Doom nur noch aus alten Kriegsgeschichten ihrer Gamer-Väter kennt) und vielleicht auch ein wenig Kasse machen, um die Buchhalter nach dem Rage-Desaster zu beruhigen, begründet sein.
Quelle: youtube.com
Doom 3 BFG Edition im Test (1)
Nun ist also die Doom 3 - BFG Edition für PC, XBOX und PS3 erschienen. Was BFG bedeutet, schreibt ihr bitte in die Kommentare. Unter den richtigsten Antworten (was am richtigsten ist, stimme ich mit dem Kollegen Sandro demokratisch ab) verlosen wir ein Gamezone-Cap.
Die PC-Fassung haben wir uns genauer angesehen, hier bekamen wir ein Muster. Nach der Installation dürfen wir alle einzelnen Doom-Spiele direkt anwählen. Wer sich verwundert die Augen reibt, die ersten beiden Doom-Teile legal in Deutschland im Handel erwerben zu dürfen: Auf Betreiben von Bethesda wurde bereits letztes Jahr die Indizierung aufgehoben. Neben der Tatsache, dass die Gewaltdarstellung für heutige Verständnisse nach zwanzig Jahren durch die veraltete Technik längst nicht mehr sonderlich bedrohlich wirkt wie Anfang der Neunziger Jahre, hat id auch die bei uns verbotenen Hakenkreuzdarstellungen entfernt, um die Bundesprüfstelle zu überzeugen. Abgesehen von der um die Möglichkeit, sich mit der Maus nach links und rechts umzusehen erweiterten Steuerung, darf man die beiden alten DOS-Spiele inklusive aller mehr- oder weniger-geheim- und Zusatzlevels im Original spielen. Wenn man die veraltete Technik denn noch psychisch und physisch aushalten kann, ohne dem Augenkrebs anheimzufallen. Auf eine Überarbeitung der Netzwerkschnittstellen an moderne Betriebssysteme hatte man wohl keine Lust mehr, womit der Multipalyermodus hier ersatzlos entfällt. Naja, kann man ehrlich gesagt mit leben - es treiben sich in der Szene genügend Mods herum, die auch Multiplayermatches erlauben.
Laden wir also als nächstes das Herzstück der Compilation: Doom 3, in einer dezent aufgebohrten Version. Zu seinem erscheinen vor acht Jahren war die Engine des Games ein wahrer Grafikkarten- und Prozessorröster und trieb den Stand der 3D-Technik deutlich nach vorne. Das kommt dem Spiel 2012 noch zum Vorteil, es sieht nach wie vor ganz gut aus - die Ballereffekte sogar noch ziemlich prima. Die Texturen scheinen schärfer, die Leadplattform bei der Überarbeitung muß aber ganz klar die XBOX360/PS3 gewesen zu sein - das bemerkt man schon alleine am beinahe kompletten fehlen von Einstellungsmöglichkeiten für die Grafikdarstellung. Schatten und Filterung dürfen angepasst werden, Auflösung (nun ohne herumfummeln an Konfigurationsdateien auch in Breitwand), einen Weichzeichner gibt's - das war's schon.
Quelle: youtube.com
Doom 3 BFG Edition im Test (2)
Die ohrenfälligste Änderung ist die komplette deutsche Lokalisierung des kompletten Spiels und der beiden beiliegenden Erweiterungen (zum ersten mal in Deutschland erschienen) Resurrection of Evil und Lost Levels. Die nun wirklich nicht allzu komplexe Story konnte man zwar auch schon mit mässigen Englischkenntnissen gut nachvollziehen, trotzdem ist das eine nette Geste. Die Qualität der Synchronsprecher schwankt zwischen Profisprecher und studentischer Hilfskraft, ist größtenteils aber gut gelungen. Die Wiedergabequalität der Sprachaufnahmen lässt aber stark zu wünschen übrig. Meint man vielleicht zuerst, es handle sich um einen Verzerrereffekt, der die Funksprüche authentischer klingen lassen soll, kommt einem bald die Erkenntnis, das einfach die Komprimierung übertrieben wurde, damit id alle Sprachspuren der internationalen Version auf eine Konsolen-DVD pressen konnten. Da muss man ab und an schon genau hinhören, weil man sinnigerweise Audio nur mit einem einzigen gemeinsamen Lautstärkeregler für Musik, Soundeffekte und Spachausgabe abmischen kann.
Spielerisch hat sich wenig getan: Wir dürfen einen original id-Software oldschool-Shooter geniessen, eine Geisterbahnfahrt in relativ engen Schlauchlevels inklusive zünftigem Backtracking (Rückkehr bereits im Spiel besuchter Levelteile) durch eine zombieversuchte Raumstation mit der klassischen Mission, die Tore zur Hölle wieder zu schliessen. Deckungsfeature, Autoheal oder anderen neumodischen Kram gibt es nicht. Die Monsterauftritte sind stark geskriptet und vorhersehbar, das Waffengefühl, das Grafikdesign der Raumstation und die wunderbar zelebrierte Survival-Athmosphäre (die gruseligen Audio- und Videologs tragen immer noch viel zur Authenzität bei) reißen es aber wieder heraus. Die Waffen- und Healpacks scheinen etwas großzügiger verteilt als im Original, und wie schon in der Konsolenumsetzung vor acht Jahren ist die lebensnotwendige Taschenlampe, mit der man ängstlich in den dunklen Ecken der Marsstation nach dem nächsten Schockeffekt leuchtet, quasi fest auf die Waffe montiert und muss nicht umständlich mit der angelegten Waffe abgewechselt werden.
Quelle: youtube.com
Doom 3 BFG Edition im Test (5)
Insgesamt ist das Spiel also etwas leichter geworden, vermutlich als Tribut an die heutige Spielergeneration, die höhere Schwierigkeitsgrade nicht mehr so gewohnt ist - auch ein durchschnittlicher Spieler kommt locker durch.
Die erste bereits mitgelieferte Erweiterung des Hauptspiels "Resurrection of Evil" schliesst nahtlos an Doom 3 an und bietet mehr vom Gleichen und Guten - macht Spaß, kann man spielen, braucht man aber nicht. Die "Lost Levels" sind eine Dreingabe, die man sich eher hätte sparen können - sie scheinen aus dem Hauptspiel kopiert und bieten kaum Abwechslung - das fällt wohl mehr unter Marketinggag, der sich auf der Spieleschachtel gut macht.
Achja, Multiplayer gibt es auch - leider nicht das kooperative Gameplay der alten XBOX-Fassung, sondern nur ein langweiliger Deathmatch-Modus - das lockt keinen alten Zombie aus seinem Schrankversteck mehr hervor.
