Dragon Quest 7: Fragmente der Vergangenheit im Test - Klassisches Rollenspiel alter, japanischer Schule

Test Michael Stadler
Dragon Quest 7: Fragmente der Vergangenheit (22)
Quelle: Nintendo

Der europäische Markt und Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit hatten bis zum 16. September 2016 keinerlei Berührungspunkte. Ursprünglich für Nintendos Disk-Variante des N64 angedacht, erfolgte ein Jahr später bereits der Wechsel zur direkten Konkurrenz von Sony. Dort wurde der Titel als eines der letzten Spiele für die Playstation 1 zuerst in Japan und dann in den USA veröffentlicht. Hier gingen europäische Fans ebenso leer aus, wie zum Release des Remakes 2012/2013, der wieder nur in Japan und Amerika stattfand. Doch es geschehen noch Zeichen und Wunder: 16 Jahre nach Veröffentlichung des Originals, dürfen Europäer endlich eine komplett lokalisierte Version im Laden kaufen. Hat sich das Warten gelohnt?

16 Jahr' graues Haar

Dass Dragon Age VII 16 Jahre auf dem Buckel hat, ist schon auf den ersten Blick nicht von der Hand zu weisen. Dazu muss aber auch gesagt werden, dass das Original den technischen Möglichkeiten bei der Erstveröffentlichung hinterher hinkte. Hier waren aufwendigen Polygonkörper und opulente Inszenierung von Anfang an nicht gefragt. Dragon Quest VII ist ein klassisches RPG, dass den Charme alter Rollenspiele der SNES-Ära mit ein paar technischen Erweiterungen einfangen will und kann. Dass aber für das Remake, wenn auch schon drei bzw. vier Jahre alt, einfachste Dinge wie Ruckler oder Pop-Ups nicht beseitigt wurden ist enttäuschend. Auch an der Menüführung haben wir keinerlei Modernisierung oder dergleichen feststellen können. Dass man das Retro-Gefühl trotz technischer Weiterentwicklung beibehalten kann haben uns auch schon andere Titel eindrucksvoll bewiesen. Lobenswert ist allerdings die deutsche Lokalisierung, die schön geschrieben und ohne nennenswerte Ausreißer auf das Modul gepackt wurde. Das ist auch zwingend notwendig, denn die Kommunikation der NPCs und Partymitglieder - unserem alter ego ist nämlich das ganze Spiel über kein Wort zu entlocken - findet ausschließlich über Textboxen statt.

Ich werd' die Welt verändern

Dragon Quest 7: Fragmente der Vergangenheit (33) Quelle: Nintendo Dragon Quest 7: Fragmente der Vergangenheit (33) Unsere Heimat ist das kleine Fischerdorf Buttsbüttel auf der einsamen Insel Estarch mitten im großen weiten Ozean. Bis in die große Stadt, in der auch der König in seinem Schloss zu finden ist, hält sich der Gedanke an die Einsamkeit. Dieser Gedanke findet jedoch für uns und unsere beiden Freunde Maribell, die Tochter des Bürgermeisters und Prinz Gismar ein jähes Ende, als die drei auf das Geheimnis eines alten Tempels kommen. Durch das Zusammenfügen auf den ersten Blick unscheinbar wirkender Steinplatten wird das Dreiergespann auf eine Reise durch Raum und Zeit geschickt. Auf dieser Reise befreien wir Inseln, die sich eigentlich nicht weit entfernt unserer Heimat befinden, von diversen Leiden und machen sie in unserer Realität wieder sichtbar. Schuld an der Knechtschaft ist ein böser Dämon, dem wir zum großen Finale auch endlich gegenüber stehen dürfen. Bis dahin sind wir mehrere Spielstunden im zweistelligen, bei exzessiver Level-Orgie auch gerne im dreistelligen Bereich beschäftigt. Dabei wandelt die Geschichte von Dragon Quest VII zwischen coolem "Butterfly Effect"-Syndrom und der Gefahr dem Spieler zu häufig die gleichen repetitiven Missionen aufzutischen. Dabei ist es auch nicht hilfreich, dass keine spannende Hauptstory, sondern viele kleinere Geschichten über die Einzelschicksale der verlorenen Gebiete erzählt werden. So oft es uns leicht fällt eine generische Mission zu erledigen, da die Geschichte dahinter uns einfach an der richtigen Stelle packt, so schwer fällt es ohne triftigen Grund.

Kampf- und Jobsystem

Auch im Gameplay finden sich weitaus weniger Neuerungen. Die wohl prägnanteste ist die Abkehr von Zufallskämpfen hin zu offen sichtbaren Gegnern auf der Oberwelt. Unsere Party besteht aus maximal vier Mitgliedern gleichzeitig. Duelle mit Widersachern werden rundenbasiert ausgefochten. Die Aktionsauswahl ist Hausmannskost: Angriff, Zauber, Gegenstand, Fähigkeiten oder Flucht stehen zur Auswahl. Ziel unserer Aktionen werden auch in Dragon Quest VII keine einzeln auswählbare Gegner sondern festgelegte Gegnergruppen. Dass wir unseren Mitstreitern auch Verhaltensmuster vorgeben können, spart gerade während des Auflevelns wertvolle Zeit. Als ernstzunehmende taktische Herausforderung zeichnen sich über die Spielzeit einzig die Bossfights dauerhaft aus. Normale Gegner werden nur in hoher Stückzahl ab und an wirklich gefährlich. Später steht uns auch ein eigenes kleines Domizil nebst Monsterpark zur Verfügung. Treffen wir auf unseren Reisen Monster, die in Menschenkörpern gefangen sind, können wir sie zähmen und in unseren Dienst stellen.

Dragon Quest 7: Fragmente der Vergangenheit (21) Quelle: Nintendo Dragon Quest 7: Fragmente der Vergangenheit (21) Ab einem bestimmten Zeitpunkt im Spiel wird das umfangreiche Job-System freigeschalten. Bis zu 50 Professionen dürfen erlernt und ohne Könnensverlust gewechselt werden. Die Berufe steigern die Attribute unserer Party in Hinsicht auf Stärke, Weisheit oder Verteidigung. Pausen und Shoppingtouren finden in den jeweiligen Städten statt. Hier können wir im Inn unsere Lebensenergie auffrischen, in Shops neue Heilgegenstände oder Ausrüstung kaufen und beim örtlichen Priester unseren Spielfortschritt speichern. Die Speichermechanik stieß uns aufgrund ihrer Rückständigkeit während des Tests immer häufiger sauer auf. Zwar gibt es die Möglichkeit auch unterwegs zu speichern, leider müssen wir dafür aber auch im gleichen Zug das Spiel beenden. Auch hier hätten wir uns über eine Verjüngungskur durchaus gefreut.

Meinung

Wertung zu Dragon Quest 7: Fragmente der Vergangenheit (3DS)

Wertung:

7.8 /10
Pro & Contra
Oldschool-GameplayToriyama-DesignEingängiger SoundtrackKlassisches GameplayGelungene LokalisierungJob-System
Technische MängelAltmodisches SpeichernUmständliche MenüführungFehlende große Story
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