Im Mehrspieler-Modus wandelt man fast schon durch die Hölle, der Solist aber erlebt ein fantastisches Abenteuer.
Dungeon Siege 3
Wesentliche Motivation ist aber auch die Story, welche gekonnt erzählt wird und interessante Charaktere aus dem Hut zaubert. Gewiss ist der Racheakt der Jayne Kassynder und die daraus entstehenden Schäden für Ehb eine eher herkömmliche Mischung wohlbekannt aus zum Beispiel der Fantasy-Literatur und diversen anderen Spielen und bietet auf dem ersten Blick nur kaum nennenswerte Freistellungsmerkmale, doch der Wiederaufbau der 10. Legion nach all den Jahren der Verdammnis und der Kampf gegen das Böse artet mit der Zeit auch in eine Gewissensfrage aus: Wurde die Legion zurecht vernichtet oder war diese Gräueltat tatsächlich nötig, um größeren Schaden zu verhindern? Die zahlreichen Konversation, sowohl in Englisch als auch Deutsch meist sehr gut und nur selten etwas arg monoton synchronisiert, bieten wie schon einst in Star Wars: Knights of the Old Republic (Obsidian war für den zweiten Teil auf der Xbox und dem PC zuständig) oder jüngst die Dragon Age Serie zahlreiche Fragen und Antworten und der Spieler kann einen gewissen Einfluss auf den Ausgang nehmen.
Quelle: PC Games
Dungeon Siege 3
Dies ist nicht immer nur der Abwechslung dienlich, in kleineren Bereichen kann die Entscheidung auch direkten Einfluss auf das Spielgeschehen nehmen. Die Affinität zu bestimmten Charakteren oder zu den Mitgliedern eures Trupps wird gesteigert, oder aber der Quest verläuft ein wenig anders. Vor allem bei den zahlreichen Nebenaufgaben gibt es immer wieder mal eine gewisse Entscheidungsfreiheit. Geht es um den Kampf zwischen der Legion und Jayne Kassynder, die einerseits für den Untergang der 10. Legion verantwortlich ist und andererseits die Bewohner von Ehb geradezu terrorisiert, sollte auch hier jeder eine Chance bekommen, seinen Standpunkt vertreten dürfen. Letztendlich werdet ihr anhand des Wissens, oder Halbwissens auf die Probe gestellt und müsst zumindest in eine Richtung Partei ergreifen, so schmerzlich der Verlust bzw. die Beziehung auf der anderen Seite dann auch sein mag. Klingt allzu tragisch und weitreichend, ist es letztendlich aber leider dann meist doch nicht. Geschichtlich wird man nur kaum eine Veränderung wahrnehmen. Der Erzähler wird aber von euren Taten sprechen und liefert uns ein herrliches Feedback!
Ein zu Leben erwecktes Fantasy-Buch
Quelle: PC Games
Dungeon Siege 3
Das Setting, typische Fantasy-Welt mit zahlreichen Fabelwesen, den Mythos Zwerge, aber wie auch schon bei Sacred 2 ein Hauch von Futurismus, mag zwar nicht sonderlich innovativ ausfallen, wurden aber herrlich inszeniert. Kein Szenario wirkt wie aus dem Baukasten und kein Baum gleich dem anderen - die Welt erscheint authentisch und sorgt mit ihren grafischen Raffinessen gerade auf den Konsolen für einen wahren Augenschmaus. Seien es die Pfützen, die im flackernden Licht des Feuers schimmern, oder die Insekten, die vor der Kamera vorbei huschen, überall gibt es etwas zu sehen. Zum atmosphärischen Rauschen, dem Klappern, Bellen und Gackern in den Städten und den plätschernden Flüssen gesellt sich ein Soundtrack, welche je nach Situation richtig aufblüht und mit beklemmender Musik, traurigem Hintergrundgesang oder manch Chören gar Filmen Konkurrenz macht. Selbst wenn nur eine Geräuschkulisse agiert, zum Beispiel in einer Höhle mit klappernden Steinen, und hallenden Schritten oder im Dorf mit all den Tieren, muss man sehr bemüht lauschen, um Wiederholungen feststellen zu können!
Einzige, wahrlich unverständliche, Wermutstropfen, zumindest aus rein technischer Sicht, sind die zahlreichen Städte und Lager, welche durch das Gewusel der NPCs gewaltig an der Hardware-Leistung nagen und den sonst üblicherweise flüssigen Bildlauf ins stottern bringt. Warum bei einem Endgegner mit unzähligem Kleinvieh rings herum das Spiel sauber läuft und in den ruhigen Gebieten nicht, bleibt ein ungelöstes Rätsel. Es ist zwar heutzutage schon verpönt, an so etwas zu denken, doch ein Patch könnte dies evtl. noch beheben - hoffentlich! Ebenfalls unschön, wenn auch akustisch wie bereits erwähnt perfekt inszeniert, fallen die Konversationen aus. Fade Mimik und starre Charaktere gepaart mit der unscharfen Optik trüben das relativ hohe Niveau.
Dungeon Siege 3
Wie die Szenarien, so auch die zahlreichen Aufgaben. Man wird nicht plump ins Geschehen geworfen um hier mal zehn Gegner zu metzeln und dort Heilkräuter zu sammeln, es wird oft eine Geschichte mühselig entworfen und der eigentliche Kern geradezu verschleiert. Schön umgarnt mit zusätzlichen Informationen und Schicksalen klingt keine Mission wie eine andere. Die Aufgeben gestalten sich gar derart vielfältig, dass dies über simple Laufwege und Metzelorgien hinausgehen und nicht selten das Geschick im Gespräch oder eine wichtige Entscheidung verlangen. All dies kann den durchschimmernden linearen Verlauf sicherlich nicht überschatten, welcher nur selten unterschiedliche Wege offenbart. Ebenso erschütternd ist für viele die knapp bemessene Spielzeit. Diese hängt natürlich sehr stark von der Erfahrung des Spielers und der gewählten Schwierigkeitsstufe ab. Wer aber nicht wie von der Tarantel gestochen dem Abspann entgegen eilt und sich vor allem um die zahlreich versteckten Kisten und Nebenaufgaben kümmert, ist gut und gern zwanzig Stunden unterwegs.
