Ein zum Spiel gewordenes, phantasievolles Kunstwerk. Biblisch schön, aber auch spielerisch gelungen?
El Shaddai: Ascension of the Metatron
Unsere Sorge, dass sich der einzigartige Stil, mit dem sich El Shaddai ganz eindeutig von seinen Genrekollegen abhebt, mit der Zeit abnutzen würde, ist definitiv nicht berechtigt. Es werden derart viele Details offeriert, dass wir fast schon komplett vom eigentlichen Geschehen abgelenkt sind, so zum Beispiel in einer späteren 2D-Darstellung, in welcher wie in einem Schattenspiel riesige Figuren im Hintergrund einen atemberaubenden Schlagabtausch darbieten, während Enoch als winzige Figur im Vordergund das Fußvolk malträtiert.
El Shaddai: Ascension of the Metatron
Mit der traumhaften und absolut opulenten Grafik wie auch optischen Abwechslung steht und fällt der Titel aber, denn unter der Hülle steckt ein eher schmalspuriges, gewöhnliches Abenteuer mit einem eher zurückhaltenden spielerischen Tiefgang. Die Geschichte trägt durchaus ihren Teil zu bei, dass man bis zum Ende an Enoch glaubt und die Hoffnung auch Jahre später nicht verloren geht - ebenso ergeht es dem ständigen Begleiter Lucifel, welcher stets in Kontakt mit dem Allmächtigen steht. Spielerisch entpuppt sich El Shaddai, neben zahlreichen Hüpfeinlagen, in erster Linie als ein gewöhnliches Hack'n'Sly a la Devil May Cry. Enoch kann aber immerhin auf himmlischen Beistand setzen und hat somit einen gewissen Vorteil! Abschaum aus der Unterwelt, aber auch andere skurrile Monster stellen sich Enoch immer und immer wieder zu zweit, zu dritt, vielleicht auch mal zu viert in den Weg, welche mit einer einzigen (!) Schlagtaste vermöbelt werden - es kommt nur auf das Timing des Knöpfchendrückens an.
Zwei Fäuste für ein Ave-Maria
El Shaddai: Ascension of the Metatron
Die insgesamt drei Waffen bieten immerhin je 28 unterschiedliche Angriffs-Combos, die mit einem rhythmischen, wohl bedachten Stakkato auf den Button ausgelöst werden. Während auf leicht einfaches Hämmern genügt, muss sich Enoch auf dem höheren Niveau die Fähigkeiten der einzelnen Waffen durchwegs zunutze machen. Mit der einen wirft er mit spitzen Projektilen um sich, die andere wiederum wird als riesiger Schutzschild gegen feindliche Attacken vor sich aufgestellt. Der Bewegungsfreiraum ändert sich, wie auch das Angriffsverhalten, durch die Bewaffnung. Die Feinde werden auf schwer aber nicht schlauer, von ihnen zugefügter Schaden wirkt sich nur deutlicher aus und es dauert schlicht auch wesentlich länger, diese über den Jordan zu schicken. Wer in diesem ausgedehnten Schlagabtausch nur einen Moment unaufmerksam agiert und nicht im richtigen Moment einen Schlag pariert, sieht nach solch mächtigen Paukenschlägen für einen kurzen Augenblick das gleißende Licht der himmlischen Pforte. Doch Enoch wäre nicht ein vom Allmächtigen gesandter Bote, wenn er nicht wenigstens ein paar mal unter der Gottes Gnaden dem Tod entgehen könnte.
El Shaddai: Ascension of the Metatron
Auf göttlicher Mission ist es leider nicht gerade so, dass man ein paar Goldmünzen im nächsten Ramschladen für neue Ausrüstung ausgeben kann, denn so etwas wie ein Inventar und neue Ausrüstungsgegenstände gibt es nicht. Der Held Enoch ist auf sich allein gestellt und kann Waffen zumeist nur von seinen Gegnern ergattern. Darüber hinaus müssen die Klingen stets gereinigt werden, um die anhaftende Widerwertigkeit der Feinde abzuschütteln. Diese schwächt nicht unerheblich die Effektivität eurer Angriffe! Mit der Zeit versteht sich Enoch immerhin auf himmlische Unterstützung und kann - abermals abhängig der Bewaffnung - einen speziellen Angriff niedergehen lassen. Eine Lebensanzeige gibt es übrigens nur indirekt, im Hintergrund. Doch eure Rüstung zeigt, wie ebenfalls auch bei den Gegnern, den aktuellen Zustand. Erst nach einmaligen Duschspielen kann der Balken aktiviert, wie auch ein neuer Score-Modus sowie die höchsten Schwierigkeitsstufe angewählt werden.
El Shaddai: Ascension of the Metatron
Höhepunkt einer jeder Keilerei stellt der abschließende Kampf gegen einen mächtigen Boss, oftmals einer der gefallenen Engel, dar. Hier müssen nicht nur alle Register der Kampftechnik mit ausweichen, parieren und der passenden Bewaffnung aufgefahren werden, es gibt meist auch richtig was zu sehen. Als einer der ungewöhnlichen Beispiele soll Amaros dienen, welcher in einer virtuellen Arena a la Micheal Jackson seiner Popkarriere nachgeht. Sich die Finger für den Abschaum dreckig machen? Wo kämen wir denn hin! Stattdessen tanzt der Schönling vor der Kamera, schwingt agil seinen Hintern vor der Linse und lässt sich vom kreischenden Publikum in der riesigen Unterwasserarena feiern, während wir im Hintergrund das allgemeine Fußvolk erledigen und schlicht versuchen, am Leben zu bleiben! Wahrlich Hut ab vor solch genialen Einfällen, welche auch Veteranen mit unerwarteten Eindrücken beglücken kennen.
