Endless Space 2 im Test: Kämpfe, Forschung, Technik und Fazit
Test
Schluss mit Early Access, Endless Space 2 ist endlich fertig! Mit bewährtem Konzept, coolen Rassen und neuem Politiksystem will sich der 4X-Brocken von der starken Konkurrenz abheben. Ob das gelungen ist, klärt der Test zu Endless Space 2.
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Weil praktisch jede Aktion, jeder Klick irgendeine Auswirkung auf unser Imperium hat, wirft Endless Space 2 mit Informationen nur so um sich. Egal auf welches Icon, welchen Button, welche Zahl wir den Mauscursor bewegen, es wird stets ein umfangreicher Tooltipp mit wichtigen Erklärungen zu Spielmechaniken, Völkern, Einflüssen, Ressourcen, Planetentypen und vielem mehr eingeblendet. Blutige Anfänger dürfte die Fülle an Informationen gründlich erschlagen, die Einstiegshürde ist allein dadurch wesentlich höher als beispielsweise beim letzten Master of Orion! Immerhin gibt es aber ein schlichtes Tutorial, das uns direkt beim Spielen die wichtigsten Features kurz und bündig erklärt - das hilft enorm.
Endless Space 2 im Test: Das Interface - Infos wohin man blickt
Quelle: PC Games
Wie im Vorgänger sorgt Einfluss dafür, dass sich Runde für Runde größere Kreise um besiedelte Systeme bilden.
Hat man dann erst mal den Bogen raus, zeigt sich Endless Space 2 von seiner durchdachten Seite: Wie es den Interface-Designern der Amplitude Studios überhaupt gelungen ist, all die vielen Informationen irgendwie präsentierbar zu machen, grenzt an ein kleines Wunder! Weil das Interface aber nicht nur ziemlich schick, sondern auch logisch aufgebaut ist, fallen einige Mängel umsto stärker auf: Beispielsweise ist es ausgesprochen mühsam, stationierte Flotten, die mit einem kleinen Symbol markiert werden, auf der großen Sternenkarte herauszufischen. Auch die Verwaltung der Schiffsverbände wirkt unhandlich und kleinteilig. Und einige Info-Grafiken, die etwa detaillierte Statistiken zum Bevölkerungsstand oder dem Ertrag eines Planeten liefern, dürften den meisten Spielern kaum weiterhelfen - hier wäre weniger mehr gewesen.
Endless Space 2 im Test: Motivierende Forschung, nützliche Upgrades
Die Gegner-KI schläft nicht, wer nicht aufpasst, hat urplötzlich eine hochgerüstete Streitmacht vor der Haustür stehen! Um der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein, müssen wir stetig neue Gebäude, Upgrades, Schiffe und Waffen entwickeln. Dazu toben wir uns in vier Forschungsbäumen aus. Die sind zwar sinnvoll nach Themen wie Militär, Expansion, Wachstum oder Industrie unterteilt, doch bis man einen ersten Überblick auf die vielen Details und Verbesserungen hat, sollte man viel Geduld mitbringen.
Forschung in Endless Space 2
Quelle: PC Games
Im aufgeräumten Schiffsdesigner werden Waffen, Schilde, Antriebe und andere Technologien einfach in die freien Slots gezogen.
Doch das Forschen lohnt sich, denn viele Upgrades zeigen spürbare Auswirkungen: So lernen wir beispielsweise, Handelsgesellschaften und Tochterunternehmen zu gründen, zwischen denen dann automatische Handelsrouten entstehen. Die bringen uns nicht nur Runde für Runde ordentlich Geld ein, sondern auch verschiedenste Ressourcen, die wir zum Handel auf dem galaktischen Markt oder für den Bau besserer Raumschiffe benötigen. Denn wollen wir im Kampf gegen die KI-Gegner und Piraten eine Chance haben, müssen wir unsere Flotten regelmäßig nachrüsten, sonst werden wir gnadenlos überrannt! Dabei hilft ein simpel zu bedienender Schiffsdesigner, in dem wir neue Waffen, Schilde und Spezialmodule einfach in freie Slots einsetzen - auf Wunsch auch automatisch. Das System wirkt anfangs etwas unhandlich, entpuppt sich aber schnell als überraschend nützlich - Benutzung empfohlen!
Endless Space 2 im Test: Kämpfe zum Zuschauen
Raumkämpfe waren eine der größten Schwachstellen des ersten Endless Space und wurden für den zweiten Teil darum kräftig umgestaltet. Grundsätzlich laufen die Gefechte immer noch automatisch ab, wir können unsere Schiffe also nicht selbst steuern oder Angriffe gezielt auslösen. Allerdings treffen wir diesmal andere taktische Entscheidungen: Mittels freischaltbarer Karten legen wir eine Angriffsformation und Bonuseffekte fest, die sich primär danach richten, welche Bewaffnung und Schilde die Einheiten an Bord haben. Ein verständliches Schere-Stein-Papier-System gibt es zwar nicht, doch das Spiel liefert zumindest grundlegende Informationen darüber, wie die Schlacht wahrscheinlich ausgehen wird. Gewisse Faktoren - etwa ein Schadensbonus bei zahlenmäßiger Überlegenheit - müssen wir uns dagegen selbst dazudenken. Selbsterklärend ist der Taktikbildschirm also bei weitem nicht und oft genug sind uns Schlachten in die Hose gegangen, ohne dass wir genau wussten, wo eigentlich das Problem lag.
Raumkämpfe in Endless Space 2
Quelle: PC Games
Anders als die Raumkämpfe finden Bodenschlachten nur in solchen stilisierten 2D-Bildschirmen statt.
Trotzdem machen die Gefechte einen besseren und vor allem hübscheren Eindruck als im Vorgänger. Auf Wunsch können wir Raumschlachten direkt ausrechnen lassen oder aber wir wechseln in eine grafisch schicke 3D-Kampfansicht, in der die detaillierten Schiffe vollautomatisch aufeinander losgehen. Spielerisch sinnfrei, aber schön anzusehen! Das trifft leider nicht auf die Bodenkämpfe zu: Wenn wir einen Planeten erobern wollen und dazu mit Panzern, Soldaten und Fluggeräten gegen die feindlichen Stellungen ziehen, verzichtet Endless Space 2 auf eine zeitgemäße 3D-Optik. Stattdessen wird die Bodenschlacht nur in einer stilisierten 2D-Grafik dargestellt, die schnell langweilig wird.
Endless Space 2 im Test: Technik mit Hindernissen
Die meiste Zeit in Endless Space 2 verbringt man aber natürlich in Menüs und auf der großen Kartenübersicht - das alles sieht sauber, stilvoll und aufgeräumt aus, dürfte grafisch aber niemanden vom Hocker reißen. Umso unverständlicher, dass Endless Space 2 auch in der Releasefassung mit deutlichen Performanceproblemen zu kämpfen hat: Selbst auf pfeilschnellen PCs kann es immer wieder zu verzögerten Eingaben oder starkem Ruckeln beim Verschieben des Bildausschnitts kommen. Immerhin dauert das Beenden einer Runde nicht so lange wie bei manchem Konkurrenzspiel, das sorgt für einen ordentlichen Spielfluss.
Quelle: PC Games
Auf großen Galaxiekarten mit vielen Völkern geht die Performance immer wieder in die Knie.
Das Tempo erkaufen sich die Entwickler allerdings damit, dass gegnerische Aktionen, Schiffsbewegungen und Angriffe oft erst verzögert berechnet werden. Da kommt es dann durchaus mal vor, dass ein Kampfbildschirm unerwartet aufpoppt, während man sich gerade nichtsahnend mit Planetenpflege oder Forschung beschäftigt. Und das kann vor allem in späteren Spielphasen ermüdend sein, da man hier vielleicht an mehreren Fronten kämpfen und gleichzeitig zig Kolonien verwalten, Ressourcen verkaufen oder Routen planen will, dabei aber immer wieder von Kampfanzeigen unterbrochen wird. Ebenfalls unschön: Zwar kann man Systeme auch von der KI verwalten lassen, doch im Test zeigte sie hier immer wieder Aussetzer, sodass wir unsere Bauaufträge am Ende doch von Hand erteilen mussten.
Endless Space 2 im Test: Wertung und Fazit
Endless Space 2 ist nur für PC erhältlich, als Download via Steam oder als DVD-Version im Einzelhandel. Die vielen Bildschirmtexte gibt's auf Deutsch, allerdings sind den Übersetzern ein paar Texte durch die Lappen gegangen - bis die Entwickler hier nachpatchen, muss man also damit leben, dass manche Tooltipps und Menüs noch auf Englisch sind.
