Evolve angespielt: Taktik, Taktik, Takti... GNARR, das Monster hat mich wieder aufgefressen!
Special
Evolve dreht den Koop-Spieß um: Anstatt alle zusammen spielen zu lassen, lässt 2K Games vier Jäger gegen einen Gejagten antreten. Doch das gejagte Monster ist nicht wehrlos - steigt es in der Levelstufe auf, verdrehen sich die Vorzeichen. Dann wird das Monster zum Jäger und die mickrigen Menschen zum Jagdvieh. Wie sich das anfühlt, haben wir beim Anspiel-Termin getestet.
Vier Jäger rennen planlos durch ein felsiges, dunkles Gebiet. Ihre Aufgabe: Ein Riesenmonster finden und töten. Doch die vier kommunizieren nicht. Die Gruppe teilt sich auf, um einen größeren Bereich der Karte abzusuchen. Ganz ehrlich: Dumme Idee. Was in Horrorfilmen nie klappt, ist auch in Evolve keine gute Idee. Kurz nach der Trennung, hören die vier einen Schrei und sie sehen, auf ihren Bildschirmen, eine Textmeldung: Monster erreicht Stufe 3. Ins Deutsche übersetzt: Fast unbesiegbar. Und plötzlich steht es vor mir. Ich bin komplett allein, der nächste Kollege 180 Meter entfernt. Es ist ein Kinderspiel für den Elektro-Kraken. Ein fieser Blitzschlag und ein paar Hiebe mit den Klauenarmen und ich bin tot. Dem Rest des Teams geht es in wenigen Momenten ähnlich – und es soll nicht der letzte dumme Wipe, so heißt das im MMO-Jargon, bleiben!
Evolve bedeutet Zusammenarbeit
Quelle: 2K Games
Die Jäger werden begleitet von einem Jagd...Hund?
Schnell begreift unsere Runde, dass man dem übermächtigen Monster nur auf zwei Arten beikommen kann: Entweder man tötet es schnell oder man spielt ziemlich gut zusammen. Ersteres wäre optional. Denn in der untersten Stufe sind die Jäger dem Monstrum überlegen. Es hat nur rudimentäre Angriffe, wenig Lebenspunkte und ist noch relativ klein. Sobald es sich auf Stufe 2 entwickelt, sind sich Jäger und Gejagte ebenbürtig. Doch auf Stufe 3… Da gehört die Bühne komplett dem Monster. Es beherrscht nun alle Angriffe, hat einen Lebensbalken so groß wie der gesamte Spielbildschirm und ist riesig. Bekommt man die Textnachricht, dass der Feind aufs Maximumlevel aufgestiegen ist, sollte man sich am besten in eine stille, dunkle Ecke kauern und hoffen, dass bald alles vorbei ist.
Wer es aber nicht darauf ankommen lässt, spielt im Team. Nicht umsonst setzt Evolve auf feste Rollen: Der Medic hat gefälligst nur zu heilen, der Trapper soll das Monster einfangen, der Supporter unterstützt das Team und der Assault ist der Damage Dealer. Ihn gilt es zu schützen. Nur wenn alle vier zusammenarbeiten, haben die Jäger eine Chance. Doch ein bisschen Wahlfreiheit genießen die Spieler schon: Während die Rollen fest sind, sind die Charaktere wählbar. Es gibt verschiedene Trapper, die unterschiedliche Fähigkeiten haben. Der eine hat Harpunen-Minen, der andere ein Harpunen-Gewehr. Die Unterschiede können aber auch krasser sein. So bringt einer der neu vorgestellten Jäger MG-Drohnen mit, die andere Klasse hatte an dieser Stelle Erkundungsminen. Dass es trotzdem feste Rollen gibt, ist wichtig. So gibt es jedes Mal nur einen Heiler, einen Unterstützer und so weiter. Das Chaos, das in anderen Koop-Spielen, nicht zuletzt auch MOBAs entsteht, fällt dadurch aus.
Das Monster, einsam und tödlich
Quelle: 2K Games
Das Monster kann zwischen vier Skills wählen und sie verbessern.
Auf seine Mitspieler pfeifen kann nur einer: Das Monster. In unserer ersten Anspiel-Version war es noch ein Goliath. Ein riesiger, kraftstrotzender Zweibeiner, der Feuer spuckt. In der neuen Version konnte ich nun einen Kraken ausprobieren – mit Elektro-Kräften! Ein Blitz mit kurzer Aufladedauert erwies sich als beste Waffe: Trifft man damit einen Feind direkt, verliert er 80 bis 90 Prozent seiner Lebenspunkte. Wer mitdenkt, schnappt sich den Medic zuerst. Denn wenn die anderen nicht mehr geheilt werden, ist's ein leichtes Spiel. Das Monster steuert sich komplett anders als die Jäger – es ist ein Bruch im Game Design. Während die vier Koop-Hunter aus der Ego-Perspektive gesteuert werden, sehe ich das Monster aus der 3rd Person Perspektive – und habe dadurch ein viel breiteres Sichtfeld.
Als Monster gibt es eigentlich nur eine Vorgabe: Möglichst viel von der wilden Fauna killen und auffressen. Denn nur, wenn das Monster Fettpolster anlegt, kann es im Level aufsteigen und sich entwickeln. Gleichzeitig muss man darauf achten, nicht frühzeitig von den Jägern entdeckt zu werden. Verhält man sich wie ein Elefant im Porzellanladen, schreckt man nämlich Vögel auf, die den Jägern über weite Entfernung verraten, wo man steckt. Außerdem können sie ja auch gut hören und haben einen Jagdhund dabei. Je stiller man sich verhält, desto besser.
Glück hat man, wenn man seine Verfolger in die falsche Richtung schleust. Denn sie sehen auch Fußabdrücke am Boden. Lässt man sie eine Zeitlang in die falsche Richtung ermitteln und fliegt dann ans andere Ende der Karte, um dort zu fressen, hat man alle Zeit der Welt. Doch Vorsicht: Beim Verwandeln ist das Monster fünf Sekunden schutzlos – es können fünf lange Sekunden sein!
Je mehr ich spiele, desto besser wird es
Quelle: 2K Games
Die Charaktere unterscheiden sich, die Rollen bleiben gleich.
Zugegeben, die erste Runde des Tages hat wenig Spaß gemacht. Drei komplette Neulinge und ich traten gegen ein gutherziges Monster an. Es wartete, bis wir uns sammelten und die Steuerung erklärt bekamen. Es wich uns lange aus, weil wir schlecht zusammenspielten und am Ende gewannen wir nur, weil die Zeit ausging. Es war lahm und langgezogen. Doch je häufiger wir im Team zusammenspielten, desto besser wurde Evolve. Jedes Mal lernten wir neue Taktiken und Wege, unsere Fähigkeiten auszuspielen.
Darin liegt der große Vorteil von Evolve. Die Ausgangsposition mag vielleicht lahm klingen. Vier gegen einen. Aber das Grundgerüst von MOBAs wie League of Legends und Dota 2 klang auch langweilig. Erst durch die taktische Komponente entwickeln diese Titel ihren Langzeitspielspaß. Mit Evolve verhält es sich genauso. Belohnend sind nicht die schnellen Kills und Gewinne, wie in einem Call of Duty oder Battlefield. Der Weg ist das Ziel. Das perfekt ausbalancierte Gameplay wird zum ewigen Kampf zwischen Jäger und Gejagtem – unheimlich spannend und interessant.
