Evolve in der Anspiel-Vorschau: Vier Verrückte und ein Monster

Special Sandro Odak
Das riesige Monster ist gut drei. bis viermal so groß wie ein Mensch.
Quelle: 2K Games

Mit Left 4 Dead haben die Turtle Rock Studios das Koop-Shooter-Genre von Grund auf umgekrempelt. Jetzt arbeitet das ehemalige Valve-Team für 2K und entwickelt Evolve, eine Monsterhatz vier gegen einen. Wir haben den Shooter angespielt.

Eigentlich haben die Turtle Rock Studios das Shooter-Genre nie wirklich neu erfunden, doch mit Left 4 Dead für Valve krempelten sie das Koop-Genre gehörig um. Zusammen spielen war wieder in, die Gegner waren Horden von seelenlosen Zombies. Die Grundidee: Alle für einen, einer für alle. Ihr neuer Koop-Shooter ist nun so weit von Left 4 Dead entfernt wie es geht. Unter THQ hat die Entwicklung begonnen, nun hat 2K Games übernommen. Auch Evolve ist ein Koop-Shooter – aber es kämpfen nicht alle gemeinsam. Vier Jäger treten gegen ein riesiges Monster an. Wer wen jagt, liegt ganz im Auge des Betrachters.

Das riesige Monster ist gut drei. bis viermal so groß wie ein Mensch. Quelle: 2K Games Das riesige Monster ist gut drei. bis viermal so groß wie ein Mensch. Beim Anspiel-Event übernehme ich freiwillig als erster die Monster-Position. Einer der Entwickler sitzt neben mir, verrät mir Tipps und Tricks. Ziel des Monsters ist es, sich in drei Entwicklungsstufen zu entwickeln, alle Jäger zu fressen oder alternativ einen Generator zu zerstören, um danach ein Dutzend Zivilisten zu töten. Durch diesen Kniff und ein Zeitlimit wollen die Macher verhindern, dass sich Jäger und Gejagte das ganze Match aus dem Weg gehen. Doch am Anfang steht erst mal das Erwachsenwerden. Auf Evolutionsstufe eins beherrscht mein Monster, ein Goliath, nur zwei von vier Fähigkeiten. Ich kann Feuer spucken und Steine werfen. Erst wenn ich ein halbes Dutzend Wildtiere erlege und auffresse, steige ich im Level, werde größer und erlerne die zwei fehlenden Fähigkeiten. In dieser Zeit haben die Jäger einen großen Vorteil. Wenn sie gut zusammenarbeiten, können sie mich leicht und schnell besiegen. Also fliehe ich, mit weiten Sprüngen… Erst auf Level drei, der höchsten Evolutionsstufe, mache ich mich aktiv auf die Suche. Mit einem Riech-Skill kann ich die Menschen ausfindig machen.

Das Monster entwickelt sich in drei Stufen weiter. Quelle: 2K Games Das Monster entwickelt sich in drei Stufen weiter. Als es zum Kampf kommt, sehe ich schon schwarz. Einer der vier Jäger kann einen Energieschild aufbauen, der mich zusammen mit den winzigen Menschen einschließt. Einer heilt seine Kollegen ohne Unterlass und alle zusammen schießen sie ohne Pause auf mich. Die Erfahrung aus anderen Spielen sagt einem: Your fucked. Aber nicht in Evolve, nicht als Goliath! In meiner dritten Stufe habe ich einen Schutzschild um die dicke Monsterhaut. Bevor die Jagdgesellschaft überhaupt Schaden anrichten kann, muss sie erst diesen Schild durchstoßen. Am Ende gewöhne ich mich an das Dauerfeuer – es macht fast keinen Schaden! Im Gegenzug verbrennt mein Feueratmen aber die Rüstung der Mitspieler und zwei, drei gezielte Schläge knocken die Menschen schon aus. Als der erste wackelnd am Boden liegt, habe ich noch fast die gesamte Lebensenergieleiste voll – und fresse den Charakter genüsslich auf, damit er nicht von seinen Freunden wiederbelebt wird. Ein paar Momente später ist alles zu Ende. Zu dritt haben die Jäger keine Chance.

Perfektes Einheitenbalancing

Warum das Jägerteam am Ende so schnell den Löffel abgibt, erfahre ich in der nächsten am eigenen Leib. Platztausch, eine Reise nach Jerusalem beginnt. Ein anderer Spieler, Hendrik von Krautgaming, der in seiner Vorschau mich zum Protagonisten macht, übernimmt die Steuerung des Monsters, ich fange als Medic an. Der bislang einzige weibliche Charakter hat ein Scharfschützengewehr, das jedoch nach jedem mächtigen Schuss nachgeladen werden muss. Das Ding verwende ich kaum. Denn das Gewehr bringt keinen Vorteil fürs Team. Stattdessen laufe einen Großteil der Zeit mit einem Heilstrahl durch die Gegend. Wen der grüne Laser trifft, der bekommt frische Lebensenergie. Wertvoll aber auch gefährlich, denn Goliath kann sehen, wo die Heilung herkommt. Mit dem Jetpack hüpfe ich hin und her, über den Kopf des Monsters hinweg, versuche es mit dem Tranquilizer-Gewehr zu verlangsamen oder einzuschläfern. Doch am Ende liege ich am Boden und Hendrik knabbert mir Arme und Beine ab. Er lässt sich Zeit und müsste das gar nicht machen. Meine Kollegen sind geflohen, ohne Heiler haben sie gar keine Chance. In 90 Sekunden kann ich theoretisch wieder ins Spiel spawnen, so weit kommt es aber nicht. Hendrik holt die Kollegen mit massiven Sprüngen ein und tötet sie – Affe tot, Runde vorbei.

Nur wenn die Jäger zusammenarbeiten, können sie gegen den Kraftprotz überleben. Quelle: 2K Games Nur wenn die Jäger zusammenarbeiten, können sie gegen den Kraftprotz überleben. Einzelgänger haben in Evolve keine Chance. Nur als Team kann man den Angriff des riesigen Monsters überleben. Ich springe nun in die Rolle des Damage-Dealers Markov. Er ist der Tank der Gruppe, hat einen Schild der ihn kurze Zeit unbesiegbar macht und einen kraftvollen Energiestrahler. Der Trapper, ein Fallensteller mit kunstvoll geflochtenem Bart, legt auf der ganzen Karte Bewegungsmelder aus. Wenn das Monster in der Nähe ist, gehen sie los und warnen uns. Es gibt aber auch andere Wege, den Riesen zu verfolgen. Kadaver und leuchtende Fußspuren am Boden sind zum Beispiel ein sicheres Zeichen dafür, dass Goliath erst vor kurzem in der Nähe war und wenn man in der Ferne Vögel emporfliegen sieht, muss etwas großes, schweres dort vorbeigekommen sein. So machen wir das neue Monster bereits vor dem Entwicklungssprung auf die höheren Levels aus, umzingeln es und greifen zu viert an. Hank, der Supporter, und Val, die Heilerin, stehen hinter den Linien und schießen mit ihren unterstützenden Lasern umher. Der Supporter kann beispielsweise Mitspielern einen kurzzeitigen Schild verpassen. Markov und der Trapper teilen in der Zeit massiv Schaden aus, mit Minen, Gewehren und einer Harpune, mit der man das Monster von den Mitspielern fernhalten kann. Im Spiel bemerkt man schnell, wie gut die vier zusammenarbeiten. Ein Handgriff des einen Charakters geht in den eines anderen über. Vals Snipergewehr reißt zum Beispiel Löcher in den Panzer des Monsters. Wenn Mitstreiter nun diese Areale treffen, macht das besonders viel Schaden. Tatsächlich schaffen wir es am Ende durch Kommunikation, Zusammenarbeit und auch ein bisschen Glück, das Monster zu töten.

Mehr Monster, mehr Jäger, mehr Spielmodi

Jeder Charakter hat eigene Fähigkeiten und eine Aufgabe: Heilen, unterstützen, tanken und Schaden austeilen. Quelle: 2K Games Jeder Charakter hat eigene Fähigkeiten und eine Aufgabe: Heilen, unterstützen, tanken und Schaden austeilen. In unserer Demo wählen wir zwischen vier fixen Charakteren und nur einem Monster. Im fertigen Spiel werden es natürlich viel mehr Charaktere sein. Verschiedene Jäger bringen dann noch mehr Fähigkeiten mit in den Kampf und welches Monster man wählt, kann sich auch ganz entscheidend auf den Spielstil auswirken. Der Goliath zum Beispiel ist ein kraftstrotzender Hüne mit langen Armen und Beinen. Er kann gut springen und zuschlagen, aber verstecken ist nicht so sein Ding. Die Unterschiede im Loadout werden im Herbst bestimmt für viel Abwechslung sorgen. Jede Runde spielt sich dann anders. Wie in Left 4 Dead schafft es Turtle Rock, aus einem einfachen Rezept ein Meisterwerk zu schaffen, das jedes Mal wieder Spaß macht.

Grafisch macht Evolve schon jetzt Lust auf mehr. Der Demolevel in einem düsteren Dschungel bei Nacht sorgt für eine anständige Gruselatmosphäre und wenn man den Goliath schnaufen hört aber nicht sieht, läuft es einem schon eiskalt den Rücken herunter. Neue Meilensteine setzt das Spiel in der Technikabteilung aber nicht.

Meinung

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