Fall Guys: Ultimate Knockout im Test - Noch nie hat Battle Royal so viel Spaß gemacht
Test
Fall Guys: Ultimate Knockout ist ein kleines, überschaubare Indie-Spiel, begeistert derzeit aber Millionen. Mit einem witzigen Konzept sowie einer bunten und knuddeligen Aufmachung sorgte das Spiel auch bei uns im Test für viel Spielspaß. Damit aus dem Titel aber ein Dauerbrenner wird, müssen die Entwickler noch was für den Umfang tun.
Man nehme das Genre des Battle Royal, entferne die Waffen, lasse sich stattdessen von Battle-Royal-Fernsehshows wie Takeshi's Castle und WipeOut inspirieren und kombiniere das Ganze mit dem Niedlichkeitsfaktor der Minions, fertig ist das simple aber geniale Konzept von Fall Guys: Ultimate Knockout. Schon als wir uns auf der E3 2019 das Spiel erstmals anschauten, attestierten wir dem Projekt die charmante Umsetzung einer einzigartigen Spielidee mit Potential zu großem Mehrspieler-Spaß. Jetzt ist das Spiel endlich gestartet und lockte gleich am ersten Tag über eine Million Spieler an. Das setzte zwar zunächst den Servern gewaltig zu. Aber die Entwickler hatten diese Startschwierigkeiten vergleichsweise schnell im Griff.
Allein gegen den Rest
Ähnlich wie in den bereits angesprochenen Spielshows wie Takeshi's Castle treten in Fall Guys bis zu 60 Spieler in mehreren Etappen verrückter Parcoursrennen und Teamspiele gegeneinander an. Das sind zwar etwas weniger als die ursprünglich angepeilten 100 Spieler pro Partie. Dem Spielspaß schadet das aber in keinem Fall. Auch 60 Spieler sind noch mehr als genug, um sich bei der Bewältigung verschiedenster Hindernisse gegenseitig im Weg zu stehen.
Quelle: PC Games
60 Spieler am Start, da ist das folgende Chaos bereits vorprogrammiert. In dieser Etappe müssen wir unter den ersten 40 ins Ziel kommen, um in die nächste Runde einzuziehen.
Und Gelegenheiten dafür gibt es zuhauf. Ob wir nun über eine wahnwitzige Anordnung von Wippen balancieren, uns über drehende Scheiben jonglieren oder versuchen falsche von echten Türen zu unterscheiden, die anderen Mitspieler sind meist das, was diese schwierigen Aufgaben zum spaßigen Chaos werden lässt. In einigen Etappen sind wir aber auch auf Mitspieler angewiesen. Es gibt nämlich auch Team-Events, bei denen die verbliebenen Spieler in zwei bis vier Mannschaften aufgeteilt werden, die dann versuchen müssen gemeinsam ein Ziel zu erreichen. Dazu gehören Spiele wie das Sammeln von Eiern in der eigenen Spielhälfte, das Schieben einer großen Kugel entlang eines Hindernisparcours oder eine an Rocket League erinnernde Form von Fußball - nur ohne Autos.
Mit jeder Runde scheiden mehr Spieler aus. In der vierten oder fünften Etappe kommt es dann in der Regel zum Finale, wo der letzte verbliebene Spieler schließlich gewinnt. Der Kampf gegen die verschiedenen Aufgaben und die Mitspieler macht dabei unheimlichen Spaß. Vor allem weil Chaos, Glück und Können dabei so eng beieinanderliegen. Klar kann auch mal Frust aufkommen, wenn man zum Beispiel durch großes Gerangel mit anderen Spielern eine Etappe nicht schafft oder sich die eigenen Teammitglieder in Mannschafts-Events zu dämlich anstellen. Häufig ist dieses Gefühl aber schnell wieder verflogen, weil das Spiel in seiner Art einfach nur Freude machen will und das auch immer wieder schafft.
Quelle: PC Games
Am Ende kann es nur einen geben. Wir klammern uns beherzt an die Krone und gewinnen diese Episode.
Fallende Bohnen
Einen großen Anteil am konstant anhaltenden Spielspaß haben auch die Spielfiguren. Dabei handelt es sich im Grunde um einen bunten Blob mit Armen und Beinen, der ein wenig an die Minions erinnert. Von den Entwicklern werden diese putzigen Kreaturen aber Beans, also Bohnen, oder schlicht Fall Guys genannt. In ihrer ganzen Art mit Slapstick-Animationen, niedlichen Geräuschen und lustigen Kostümen, sind die Spielfiguren darauf ausgelegt für Lacher zu sorgen. So haben wir teilweise den meisten Spaß, nachdem wir bereits die Ziellinie überquert haben und wir nun den anderen Fall Guys bei ihren unbeholfenen und unfreiwillig komischen Bewegungen zuschauen. Das Missgeschick der anderen Spieler wird dabei zum großen Unterhaltungsfaktor. Besonders wenn man sich mit bis zu vier Freunden in einer Gruppe zusammengetan hat und man sich über das gegenseitige Scheitern lustig machen kann. Leider gibt es keinen Splitscreen-Modus, denn als Party-Spiel auf der Couch wäre Fall Guys geradezu prädestiniert.
Quelle: PC Games
Durch absolvierte Spiele verdienen wir Erfahrungspunkte, die in ein saisonales Fortschrittssystem mit verschiedensten Belohnungen fließen.
Damit nicht alle Spielfiguren gleich aussehen, verfügt das Spiel über einige Anpassungsmöglichkeiten. Farbe, Muster und Gesicht unseres Fall Guy lassen sich verändern. Zudem können wir an Ober- und Unterkörper verschiedene Kostümteile anziehen. Die kosmetischen Optionen werden zum einen über den Aufstieg in einem saisonalen Fortschrittssystem verdient und zum anderen in einem Ingame-Shop erworben. Für letzteres werden die zwei Währungen Kudos und Kronen benötigt. Kudos gibt es nach jedem Spiel, abhängig davon, wie weit wir gekommen sind. Kronen verdienen wir uns vor allem durch Siege, aber auch über die Saison. Kudos lassen sich zudem für Echtgeld erwerben. Wir hatten jedoch das Gefühl, dass die Ausschüttung der Währung durch Gameplay sehr ordentlich dosiert ist und man sich mit regelmäßigem Spielen auch sehr viel ohne den Einsatz harter Euros leisten kann.
Die erste Saison läuft für die kommenden zwei Monate. Danach wird es spannend, wie die Entwickler die Spieler weiterhin bei der Stange halten wollen. Eine Wagenladung neuer Kostüme allein, wird dafür vermutlich nicht reichen. Die Zahl der unterschiedlichen Etappen hat sich nämlich auch recht schnell erschöpft. Häufig die gleichen Stages zu wiederholen kratzt zwar nicht wirklich an der Motivation. Dafür sind die Situationen aufgrund der vielen unberechenbaren Spieler immer wieder andere. Aber auf längere Sicht sollte auch bei den Spielrunden für frischen Wind und mehr Abwechslung gesorgt werden. Denn genau wie die Idee des Spiels auf einen Bierdeckel passt, ist auch der Umfang überschaubar, was jedoch mit dem unglaublichen Spielspaß kaschiert wird. In dieser Hinsicht ist es auch Schade, dass es keinen Level-Editor gibt. Mit einem solchen Tool und der Kreativität der Spieler, wären endlosem Spielspaß wohl keine Grenzen gesetzt. Wenn es den Entwicklern gelingt, in welcher Form auch immer, auf der guten Basis aufzubauen, kann sich Fall Guys auch langfristig als spaßige Multiplayer-Alternative etablieren, die sogar Mehrspieler-Muffel zu der einen oder anderen witzigen Partie zwischendurch begeistern kann.
