Wäre das Game noch leichter, würde es sich von allein spielen.
Mit Final Fantasy Crystal Chronicles auf dem GameCube wagte Square Enix schon vor sechs Jahren ein Experiment, das geteilte Reaktionen hervorrief. Es handelte sich dabei nämlich nicht etwa um ein Rollenspiel, sondern um ein Action-Adventure. Außerdem war es Pflicht, im Multiplayermodus, auf den der Titel ausgerichtet war, einen Game Boy Advance pro Mitspieler anzuschließen. Und auch beim Wii-Nachfolger The Crystal Bearers wird uns schon nach kurzer Spielzeit klar: Auch dieses Final Fantasy hat so seine Eigenheiten und ist alles andere als ein Rollenspiel. Square Enix ist es nämlich tatsächlich gelungen, ein Casual-Game als Action-Adventure zu verpacken und Final Fantasy draufzuschreiben.
Final Fantasy Crystal Chronicles: The Crystal Bearers
Aber erstmal schön der Reihe nach. Wir spielen Layle, einen der berüchtigten Kristallträger mit magischen Fähigkeiten, der mit seinem Partner Keiss gerade auf einer Geleitmission für ein Luftschiff unterwegs ist, als dieses plötzlich von fliegenden Monstern angegriffen wird. Wagemutig stürzt Layle sich von seiner fliegenden Nussschale und wir dürfen ins Spiel eingreifen, indem wir mit der Wii-Mote auf die heranfliegenden Drachen schießen. Wie viele wir davon treffen ist egal, unsere Treffsicherheit wird lediglich durch eine kurz eingeblendete Punktzahl bewertet. Auf dem Luftschiff trifft Layle ein mysteriöses Wesen, das sich als Yuke herausstellt, Angehöriger eines Magiervolks, welches seit Jahrhunderten als ausgestorben galt. Diesen Yuke nach seinem Verschwinden wieder aufzuspüren und außerdem noch das Königreich zu retten, wird fortan das Ziel des Abenteuers sein.
Final Fantasy Crystal Chronicles: The Crystal Bearers
Nach der spektakulären Bruchlandung des Schiffes, befinden wir uns im königlichen Schloss und können Layles magische Kräfte ausprobieren, indem wir mit der Wii-Mote Tore aufschütteln, ein ausgebüchstes Frettchen per Telekinese einfangen oder uns einfach arglose Passanten packen und umherschleudern. Sprachausgabe wird leider nur in den Zwischensequenzen geboten, die Reaktionen der Fantasy-Figuren beschränken sich dagegen auf gelegentliches Quieken und Herzchen, Ausrufezeichen oder Flammen über deren Köpfen. Mit einer frechen Göre namens Belle im Schlepptau fliehen wir wenig später vor königlichen Soldaten und durchqueren eine unterirdische Grotte. Hier müssen wir in einem Jump'n'Run-Abschnitt auf Blöcken über einen Abgrund springen, wobei klar wird, dass die Entwickler das Spiel besonders leicht zugänglich machen wollten. Denn fallen wir in die Tiefe, was an sich schon ziemlich schwer zu schaffen ist, da Timing oder Zielen völlig unnötig ist, weil Layle auf Knopfdruck automatisch auf die anvisierte Stelle springt, zieht unser Protagonist sich einfach per magischer Telekinese wieder hoch. Da nützen dann auch die schönsten, sich verschiebenden Plattformen nichts, um das Ganze zur Herausforderung werden zu lassen.
Final Fantasy Crystal Chronicles: The Crystal Bearers
Auch in den Kämpfen müssen wir uns ganz auf Layles telekinetische Fähigkeiten verlassen. Die fantasievollen Monster können erledigt werden, indem wir sie umherwerfen oder mit herumliegenden Gegenständen bewerfen. Allerdings sind nicht alle Gegner gleich. So gibt es explodierende Kugelmonster, die sich besonders gut zum Werfen auf andere Gegner eignen oder mit Pfeilen ausgerüstete Goblins, die wir aufnehmen und tragen können, um deren Geschosse für uns einzusetzen. Witzig ist, dass sich Gegner auch gegeneinander ausspielen lassen. Beispielsweise können wir Skelettmonster in ihre Einzelteile zerlegen, worauf sich dann Hunde auf die Knochen stürzen. Hat sich das Skelett wieder zusammengesetzt, geht dieses wiederum auf die Köter los. Ein Manko in den etwas hektischen Kämpfen ist allerdings die Kontrolle der Kamera mit dem Steuerkreuz. Man ist ständig damit beschäftigt, die Kamera zu justieren, um die Gegner und Gegenstände richtig ins Blickfeld zu bekommen. Dies führt dazu, dass wir Gegnern lieber möglichst aus dem Weg gehen.
Final Fantasy Crystal Chronicles: The Crystal Bearers
Was dem Spieler geboten wird, scheint auf den ersten Blick ein Action-Adventure in einer quietschbunten Welt mit spezieller Wii-Steuerung zu sein. Auf den zweiten Blick wird aber deutlich, dass viele Gameplay-Elemente so stark auf das Nötigste reduziert wurden, dass man hier fast schon von einer Minispielsammlung mit Rollenspielstory und langen Laufwegen zwischendurch reden muss. Denn für ein "richtiges" Action-Adventure ist das Spiel erstens zu leicht und zweitens in vielerlei Hinsicht nicht zeitgemäß bzw. einfach nicht so, wie man das heutzutage erwarten würde. Haben wir zum Beispiel einen Abschnitt von allen Monstern befreit, tauchen plötzlich aus dem Nichts Menschen und friedliche Weidetiere auf. An einer anderen Stelle hängt ein Fahndungsplakat von Layle an der Wand und davor stehen zwei Soldaten. Was passiert, wenn die Soldaten uns sehen oder wir diese sogar per Telekinese angreifen? Richtig geraten: Nichts! Komischerweise wird Layle aber wenig später in einer Zwischensequenz sehr wohl von nach ihm fahndenden Soldaten angegriffen. Und dann gibt es in Brückenstadt noch einen Jungen, der sich ununterbrochen selbst anzündet... Okay, über ein paar Ungereimtheiten kann man ja noch hinwegsehen.
