Wer gerne fein zum Essen ausgeht, der kennt das Phänomen. Je mehr Qualität geboten wird und je teurer das Menü ist, desto weniger landet auf dem Teller. Genau so verhält es sich auch mit Forza Motorsport 5. Das Gebotene ist aller erste Güte, beinhaltet mit dem Drivatar sogar ein revolutionäres Feature, am Umfang aber wurde im Vergleich mit den Vorgängern deutlich gespart. Ob uns das Vorzeigerennspiel von Turn 10 trotzdem überzeugen konnte, lest ihr in diesem Test.
Grafik und Sound
Nun sah Forza Motorsport 4 schon sehr gut aus, besonders für Xbox 360-Verhältnisse, doch Forza Motorsport 5 geht noch einmal einen Schritt weiter und präsentiert uns die herrlichsten Autos der Serie, unglaubliche Weitsicht und enormer Detailgrad auf den Strecken und nicht zuletzt ein Forza Vista, in dem wir endlich alle Fahrzeuge begutachten können, nicht nur eine Handvoll ausgewählter. Doch so wie man die Zahl der Strecken deutlich heruntergeschraubt hat, statt der 27 in Forza 4 gibt es nun nur mehr 14, und so wie man die Anzahl der Fahrzeuge deutlich reduzierte, statt über 500 sind es nun nur noch 201, so hat auch der Forza Vista deutlich Federn lassen müssen. Denn so wunderschön die Gefährte nun auch aussehen, es lassen sich keine Hintertüren mehr öffnen, man kann die Heckklappe nicht mehr aufmachen und einen Blick unter die Motorhaube gibt es ebenfalls nicht mehr. Lediglich Fahrer- und Beifahrertüre lassen sich öffnen und nur auf die vorderen Sitze können wir uns setzen, um das Innere zu betrachten.
Quelle: PC Games
Forza Motorsport 5 (13)
Während es aber in Forza Vista an der Fahrzeugqualität nichts zu beanstanden gibt, fällt einem im Rennen doch ein kleiner Mangel auf. Besonders feine Linien nämlich, wie die Zierleisten, beginnen mit der Kamerabewegung gerne aufzupixeln, ein deutliches Aliasing tritt da an den Tag, welches wahrlich nicht schön anzusehen ist. Während der Rennen selbst bekommen wir auch fast durchgehend die versprochenen 1080p bei stabilen 60 Bildern pro Sekunden geboten, was für einen herrlich flüssigen Spieleindruck sorgt, ganz selten aber kommt es doch zu einem Framedrop. Beispielsweise wenn alle 16 Fahrzeuge direkt nach dem Start in eine Haarnadelkurve einbiegen und es zu mehreren Unfällen kommt, lässt Forza 5 schon mal ein Bild fallen. Das aber ist Jammern auf ganz hohem Niveau.
So wie auch die reduzierten Details im Rückspiegel, dort wird nämlich nicht alles abgebildet, was man durch die Frontscheibe sieht. In der Praxis aber stört das nicht wirklich, viel zu kurz sind die Kontrollblicke nach hinten, als dass man das wirklich bewusst wahrnehmen würde, wenn man nicht speziell darauf achtet. Im Gegenzug bekommen wir dafür herrliche Reflexionen und Spiegelungen auf dem Lack der Fahrzeuge geboten.
Quelle: PC Games
Forza Motorsport 5 (6)
Angesprochen werden muss natürlich unbedingt auch noch das Schadensystem, welches in den Grundeinstellungen auf optisch geschaltet ist. Schäden wirken sich also nur optisch aus, nicht aber auf das Fahrverhalten der Boliden. Hier wurde in einigen Tests bereits mokiert, dass sich kaum Teile von den Fahrzeugen lösen, gerade mal die Rückspiegel lassen sich an den meisten Fahrzeugen entfernen, sich das System aber ansonsten auf dicke Beulen und Kratzspuren beschränkt. Ich empfinde das nicht so, denn sind wir mal ehrlich, würden die Schäden realistisch simuliert, würde jeder zweite Zusammenprall zum Ausfall der Fahrzeuge führen. Und genau das wollen wir in einem Spiel sicher nicht haben. Haben wir die Auswirkung der Schäden hingegen aktiviert, bekommen wir direkt nach einem Unfall detailliert angezeigt, was eben kaputt ging. Das wirkt sich auch spürbar aufs Fahrverhalten aus. Beschädigte Bremsen führen zum Bremskraftverlust oder seitlichem Ziehen beim Bremsen, kaputte Aufhängungen lassen das Auto instabiler werden und beschädigte Reifen sorgen für weniger Bodenkontakt usw. Nur eines hat man sich dabei gespart, eine zu starke Auswirkung der Schäden auf die Lenkung, was es in einigen Rennspielen ja gab. Und auch das halte ich für eine gute Entscheidung, denn nichts ist lästiger und frustrierender als ein Auto, welches sich nicht mehr geradeaus fahren lässt.
Quelle: PC Games
Forza Motorsport 5 (9)
Eines der Alleinstellungsmerkmale von Forza war schon immer der Grafik-Editor, mit dem man mit etwas Aufwand seinen Fahrzeugen einmalige Designs verpassen konnte. Der ist natürlich auch in Forza 5 wieder mit an Bord und es haben sogar einige neue Grafikelemente und Schriftarten Einzug gehalten. Eben weil das Erstellen komplizierter Designs ganz schön viel Zeit und Aufwand erforderte, konnte man in Forza 4 und auch in Forza Horizon seine Werke aus den Vorgängern importieren. Dies ist in Forza Motorsport 5 leider nicht mehr möglich, derweil wäre das doch eine hervorragende Möglichkeit gewesen zu zeigen, für was die Cloud alles gut sein kann.
Bleibt noch ein paar Worte über die Soundkulisse zu verlieren. Was die Motorensounds, die Geräusche der Aggregate und auch die Abrollgeräusche der Reifen betrifft, gibt es nichts zu bemängeln. Hier hat Turn 10 erneut ganze Arbeit geleistet. Zwar könnte sich die Umgebung ruhig Mal deutlicher zu Wort melden, doch auch das stört uns während der spannenden Rennen eigentlich nicht. Was ich aber wirklich als eher ermüdend statt motivierend empfand, ist die Musikuntermalung. In den Menüs versuchen einen die orchestralen Klänge gnadenlos einzuschläfern und während der Rennen gehen die zumindest etwas schnelleren Takte trotzdem unter. Wenn man da noch die herrliche Musikauswahl aus Forza Horizon im Ohr hat, fragt man sich in Forza 5, wieso man sich für einen dermaßen langweiligen Soundtrack entschieden hat.
