Mit Forza Motorsport 6 liefert Turn 10 das umfangreichste Forza seit dem vierten Teil, sowie das technisch fortschrittlichste.
Rund zwei Wochen vor dem Release von Forza Motorsport 6 luden uns Microsoft und Turn 10 zum ausführlichen Probespielen der finalen Version des Rennspiels nach München ein. Zwei Stunden hatten wir Zeit, in denen wir uns alles im Spiel ansehen dürften, lediglich die Online-Funktionen standen noch nicht zur Verfügung.
Quelle: Microsoft
Zuerst sahen wir uns den Karriere-Modus an, der nach einer Trainigs-Session aus drei Rennen gleich eine große Auswahl verschiedenster Ligen anbot. Nun hat uns der Karriere-Modus in Forza noch nie in ein enges Korsett gequetscht, doch diesmal lässt er uns ganz besonders viel Luft zu Atmen. Das einzige Limit am Anfang ist lediglich das vorhandene Budget, welches unseren Fuhrpark noch etwas begrenzt, was aber die Auswahl an verschiedenen Herausforderungen betrifft, erfährt man schon in den ersten Meisterschaften eine ungeheurliche Wahlfreiheit.
Trotzdem hielt es mich nicht allzu lange im Karriere-Modus, denn ich wollte die zwei Stunden möglichst effektiv nutzen und alle die Neuheiten ausführlich antesten. Darum wechselte ich zur freien Fahrt und startete gleich Mal ein Regenrennen. Dabei machte ich auf der Stelle die Erfahrung, die schon so viele vor mir machten, nämlich wie unglaublich gelungen und einmalig dieses Feature in Forza 6 umgesetzt wurde. Während sich in all den anderen Rennspielen der Regen hauptsächlich optisch auswirkt und das Fahrverhalten eher generell beeinflusst, also die Straße durch die Bank rutschiger macht, ist das in Forza 6 viel dynamischer. Man muss es wirklich gefühlt haben, um es zu glauben. Die Pfützen verwandeln jede Rennstrecke total, die Ideallinie mutiert zu einem wilden Tier, zu einem Wasserdämon der uns erlegen möchte.
Quelle: Turn 10
Das aufkommende Aquaplaning wurde wirklich hervorragend umgesetzt und lässt den Wagen unkontrolliert aufschwimmen. Dabei kann man ruhig einmal versuchen ungebremst in eine Lache zu fahren, insofern man sich zutraut den Wagen danach wieder unter Kontrolle zu bringen. Fast immer ungünstig hingegen geht der einseitige Kontakt mit zu viel Wasser aus, also wenn wir nur mit zwei Rädern in eine Pfütze eintauchen. Der einseitige Kontaktverlust führt unweigerlich zu heftigsten Bewegungen des Fahrzeuges und sollte wirklich nur bei sehr geringen Geschwindigkeiten gewagt werden. Besonders die schmalen aber tiefen Pfützen in den Innenkurven sind brandgefährlich und sollten besser umfahren werden. Auf den Punkt gebracht muss ich sagen, noch nie haben mir Regenrennen so viel Spaß gemacht, wie in Forza Motorsport 6, weil sie die Strecke komplett verwandeln.
Dann gibt es da noch die Nachtrennen, die zweite ganz große Neuerung die uns Forza 6 bietet. Vor denen habe ich mich tatsächlich ein wenig gefürchtet, denn eigentlich mag ich Nachtrennen nicht. Ich sehe einfach gerne wohin ich fahre. Doch auch hier enttäuscht der Titel nicht und liefert mit diesem neuen Feature ebenfalls eine komplett neue Erfahrung ab. Während es bei den Regenrennen die Pfützen sind, die einen zu schaffen machen, ist es bei den Nachtrennen die eingeschränkte Sicht. Die kommt aber nicht zustande, weil man in der Nacht vielleicht schlecht sehen würde, denn die Weitsicht ist dank der hellen Scheinwerfer hoch genug um angenehm fahren zu können, es sind viel mehr die wechselnden Lichtverhältnisse, die das Können des Fahrers auf die Probe stellen.
Da gibt es zum Beispiel die Rücklichter der Konkurrenten, die einen Blenden, oder die plötzlich hell ausgeleuchteten Steilkurven, die das Auge zwingen sich schnellstmöglich anpassen zu müssen. Das alles ist in der Summe zwar nicht so spektakulär wie die Regenrennen, sorgt aber ebenfalls dafür, dass man seine Fahrweise permanent anpassen muss. Einziger Wermutstropfen dabei ist, dass es die Regen- und die Nachtrennen nicht auf jeder Strecke gibt. Nagelt mich nicht auf Zahlen fest, aber gefühlt ist es nur jede zweite Strecke, welche die neuen Features bietet. Zudem muss man noch erwähnen, dass es Nachtrennen bei Regen nicht gibt.
Quelle: Turn 10
Bei all dem darf man nicht vergessen, dass wir im neuesten Forza grundsätzlich mit 24 Fahrern unterwegs sind, was deutlich mehr Verkehr als bisher ist. Natürlich werden die virtuellen Fahrer wieder von den Drivataren angetrieben, also den digitalen Brüder ihrer echten Vorbilder. Somit legen diese wieder ihre ganz individuellen Fahreigenschaften an den Tag. Damit dies aber nicht ausartet, hat sich Turn 10 eine neue Option ausgedacht. Wer damit zu kämpfen hat, dass manche Drivatare zu brutal ans Werk gehen, kann das absichtliche Crashen dieser nun deaktivieren. Ich möchte dabei zwar anmerken, dass dies eigentlich nur in den hohen Schwierigkeitsgraden zum Problem werden kann, trotzdem schön, dass man auch daran gedacht hat.
Das Aufrüsten und Tunen der Fahrzeuge war schon immer ein integraler Bestandteil von Forza Motorsport, so auch wieder im sechsten Teil. Darum wird es viele freuen zu hören, dass man diesmal auch seine mühsam erarbeiteten Settings aus dem Vorgänger importieren kann. Zwar konnten wir das nicht selbst ausprobieren, doch so wie es Dan Greenawalt von Turn 10 ausdrückte, scheint dies sogar vollautomatisch zu geschehen. Ob wir ihn da nicht falsch verstanden haben, klären wir im kommenden Test. Natürlich ebenfalls wieder importieren lassen sich die Mustervorlagen und Lackierungen, wobei aber etwas enttäuscht, dass sich am Editor nach wie vor überhaupt nichts getan hat. Der würde langsam einige komfortablere Features benötigen, doch wohl aus Kompatibilitätsgründen sieht der noch immer so aus und lässt sich auch nach wie vor nur so umständlich bedienen, wie im allerersten Forza.
Quelle: Turn 10
Mit den Mods zog ein weiteres neues Feature in das Spiel ein, welches uns aber aus verständlichen Gründen nur offline zur Verfügung steht. Bereits im Vorfeld wurde die Funktion der Mods mit denen der Skulls in Halo verglichen, was durchaus zutrifft. Diese Mods lassen sich in verschiedenen Paketen im Spiel mit Ingame-Credits kaufen und dann bis zu drei Stück davon gleichzeitig einsetzen. Dabei gibt es permanente Mods, die immer wirken, sowie einmalige Mods, die nach Gebrauch verschwinden. Damit kann man sich zum Beispiel eine Leistungssteigerung oder bessere Kontakt zur Straße oder besser wirkende Bremsen erkaufen, es ist aber auch möglich sich mehr Credits zu erwirtschaften, indem man sich gewisse Ziele im Spiel setzt. Wie gut diese Mods in der Praxis funktionieren und ob man sie tatsächlich dauerhaft und gerne benutzt, werden sie aber noch beweisen müssen. Eine nette Idee sind sie auf alle Fälle, auch wenn ich persönlich lieber den Bremsdruck erhöhe, statt dafür eine Mod zu nutzen.
Neben den neuen Features beeindruckte mich während der zweistündigen Spielsession ganz besonders die Grafikqualität von Forza 6. Noch nie gab es so viele Details neben der Strecke zu bewundern und wirklich alles flitzt in super flüssigen 60 Frames die Sekunde bei 1080p an einem vorbei. Mir ist tatsächlich kein einziger Framedrop ins Auge gefallen. Nicht bei den Massenstarts, nicht im Regen und nicht bei den Karambolagen. Dazu gesellt sich die gewohnt hohe Qualität der Soundkulisse, hier ganz besonders den differenziert umgesetzten Motorensounds und den Nebenaggregaten.
