Frostpunk 2: Wie mich das Spiel zum Diktator machen wollte

Kolumne Carlo Siebenhüner
Frostpunk 2: Wie mich das Spiel zum Diktator machen wollte
Quelle: PC Games

Ein Kernelement von Frostpunk 2 ist eine umfangreiche Demokratie-Simulation. Doch als Spieler kann man die auch aushebeln. Für Carlo Siebenhüner ein spannendes Lehrstück, das so nur Spiele schaffen können.

Zieht euch warm an, der Sommer ist vorbei! Ja, auch wenn die Sonne noch vor eurem Fenster scheint, machen wir jetzt einen Ausflug in die Frostlande. Frostpunk 2 ist raus und ich habe damit schon seit fast zwei Wochen für unseren Test auf PC Games meinen Spaß. Denn neben meiner einzig wahren Liebe namens Gothic und jener für atmosphärische Rollenspiele, habe ich auch eine Schwäche für Aufbauspiele.

Auf Frostpunk 2 (jetzt kaufen 58,05 € / 38,24 € ) habe ich mich jetzt auch schon eine ganze Weile gefreut. Ich durfte ja schon im Mai auf einem Vorschau-Event Probe spielen und habe da bereits gemerkt, dass da etwas ganz Besonderes auf uns zukommen könnte. Ich sollte Recht behalten. Das Ding ist ein Brett, aber vor allem ein ganz besonderer Aspekt hat mich dabei fasziniert und auch zum Nachdenken gebracht.

30 Jahre später

Frostpunk 2 ist nämlich endlich mal wieder ein Spiel, das sich bewusst ist, dass es ein Spiel ist. Sprich: Es nutzt die Möglichkeiten, die Videospiele Filmen, Büchern und anderen Medien voraus haben. Und es lässt mich plötzlich mit einer Diktatur liebäugeln.

Bevor ich voreilig gecancelt werde, lasst mich das erklären. Frostpunk 2 macht eine Menge anders als sein schon ziemlich guter Vorgänger. Ja, wir sind auch weiterhin in der Eiswüste der alternativen Erde unterwegs und ja, wir müssen auch wieder eine Stadt am Leben erhalten. Seit dem ersten Teil sind lockere 30 Jahre vergangen und nachdem man im Vorgänger noch einen knallharten Kampf ums Überleben geführt hat, ist das diesmal nicht so super dringlich.

Wir haben die Stadt im Vorgänger ja schließlich durchs Gröbste durchgeführt. Danach konnte man sich vergleichsweise entspannen und die Stadt ausbauen und absichern. Deswegen ist der Fokus von Frostpunk 2 wesentlich weiter gezogen.

Eine riesige Stadt im Frostland Quelle: 11 Bit Studios Anstatt mit einer Handvoll Leute mitzufiebern, wie sie sich um einen kleinen Kohleofen drängen, und jedes Mal zu zögern, wenn wir jemanden in die Kälte schicken müssen, haben wir jetzt direkt zum Spielstart fast 10.000 Leute in der Stadt. Ja, mir ist klar, dass das einer Menge Leute nicht gefallen dürfte. Also den Leuten, die das richtig gut fanden, dass man im ersten Teil jeden seiner Einwohner sehen konnte.

Allerdings bedeutet das nicht, dass man jetzt eine komplett anonyme Masse an Arbeitskräften durch seine Stadt und die verschiedenen Distrikte scheucht, im Gegenteil. So versuchen die Entwickler, die Einwohner weiterhin grafisch abzubilden. Zoomt man ganz nah rein, sieht man durchaus die Leute durch die automatisch angelegten Straßen wuseln und in den Bezirken arbeiten.

Mehr Einwohner, lautere Stimme

Das ist natürlich eher für die Atmosphäre und weniger repräsentativ dafür, was in der Stadt genau passiert. Für die Wuselfreunde ist das aber zumindest etwas. Allerdings bekommen wir unsere Einwohner auch in anderer Form ständig zu Gesicht, und zwar mittels ihrer Gedanken.

Immer wieder ploppen kleine Textblasen und größere Mini-Storys über der Stadt auf, die aktuelle Gedankengänge der Bewohner zeigen; wie sie Geschehnisse finden, was sie selbst erlebt haben und wie sie ganz allgemein die Entwicklung der Stadt finden. Das Feature geht nämlich Hand in Hand mit einem der wichtigsten Kernelemente von Frostpunk 2: dem Demokratiesystem.

Entscheidung in Frostpunk Quelle: Medienagentur plassma Wir sehen und steuern unsere Einwohner vielleicht nicht mehr im Detail, doch wir hören ihre Stimme dafür umso lauter. Unsere Bevölkerung will Mitspracherecht und deswegen formieren sie sich in verschiedene Fraktionen, die im Ratsgebäude mit über Gesetzesentwürfe entscheiden und die Zukunft der Stadt mitentscheiden.

Ich als Spieler agiere dabei als Stellvertreter, Präsident, Bundeskanzler - wie auch immer man es nennen will. Ich habe aber auf jeden Fall mehr Befugnisse als so manch anderes Staatsoberhaupt. Ich kann neue Gebäude und Bezirke eigenhändig in Auftrag geben, starte auch die Forschung relativ frei und zumindest lege ich auch Gesetze vor, über die dann abgestimmt wird.

Bildergalerie

Die Konsequenzen für mein Handeln bekomme ich dann im Nachhinein aufgetischt. Das ist also so ein wenig die Aufbauspieleform der Entscheidungen in The Witcher 3, deren Konsequenzen sich erst später auswirken. In Frostpunk wirkt sich jede Entscheidung, die ich treffe, ein wenig auf die Fraktionen und deren Stimmung aus. Wenn ich da nicht aufpasse, steigen mir die Leute irgendwann Leute aufs Dach. Und zwar richtig!

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk