GRID Legends im Test: Das könnt ihr doch besser, Codemasters?! (mit Video)
Test
Rennsport-Gigant Codemasters und Electronic Arts bringen ihr erstes gemeinsam entwickeltes Racing-Spiel Grid Legends auf den Markt. Dabei möchte man mit einer "Live-Action"-Story, einem komplett überarbeiteten Fahrgefühl und jeder Menge Inhalt punkten. Wir haben Grid Legends ausgiebig getestet und müssen Codemasters leider ziemlich in die Mangel nehmen. Mit solch einem Produkt ist es beinahe lächerlich, sich mit Racing-Kontrahenten wie Gran Turismo 7 oder Forza Horizon 5 zu messen. Unser Test mitsamt Video!
Wer virtuellen Rennsport mag, der kann sich aktuell wirklich nicht beklagen. Mit dem Xbox-Hit Forza Horizon 5 und dem Codemastes-Titel F1 2021 gibt es gleich zwei großartige und moderne Racing-Titel. Die fokussieren sich natürlich auf ganz unterschiedliche Zielgruppen, konnten dabei aber auf voller Linie überzeugen. Darüber hinaus steht Playstation-Ikone Gran Turismo 7 ebenso in der Startaufstellung. Das bisherige Trailer- und Vorschaumaterial deutet eine ziemlich starke Racing-Sim an, ob das sich bestätigen wird zeigt sich zum Launch am 02. März 2022 - natürlich auch bei uns in Video- und Artikelform!
Die gute Nachricht, die wir euch verkünden können: Es gibt ein weiteres Rennspiel, das den aktuellen Spielemarkt mit Höchstgeschwindigkeit und virtuellen Motorsport verzücken möchte. Das frisch von Codemasters und Electronic Arts veröffentlichte Grid Legends (jetzt kaufen 59,99 € ). Bevor Fans nun aber bereits schon gedanklich voller Vorfreude auf das imaginäre Gaspedal treten, es gibt auch eine schlechte Nachricht: Grid Legends ist in seinen besten Momenten mittelmäßig, in seinen schlechten gar ein ziemlicher Reinfall.
Mal ernsthaft, das könnt ihr doch eigentlich viel besser, Codemasters! Wir klären in unserem Review-Video, was schiefgegangen ist und warum man Grid Legends getrost im Ladenregal liegen lassen kann.
In diesem Artikel
Live-Action trifft Racing: Auf dem Papier spannend, auf der Strecke...
Das große Verkaufsargument für Grid Legends ist neben dem Umfang - Codemasters spricht selbst vom "umfangreichsten" Grid-Spiel aller Zeiten - die ambitionierte und mutige "Live-Action"-Geschichte "Driven to Glory". Mit insgesamt 36 Events und einer Handvoll Zwischensequenzen, die auf ein Dokumentationsformat setzen, möchte man eine packende "Underdog"-Geschichte rund um die renommierte Grid-Meisterschaft erzählen.
In dieses Unterfangen involviert sind eine professionelle Autorenschaft und diverse bekannte und unbekannte Schauspieltalente wie beispielsweise "Sex Education"-Star Ncuti Gatwa (unser Podcast-Special zur beliebten Netflix-Show). Außerdem dürfen sich Grid-Fans auf ein Comeback des arroganten Kontrahenten und fünfmaligen Grid-Champions Nathan McKane freuen, der zum ersten Mal eine große Bühne spendiert bekommt.
Quelle: PC Games
Guter Schauspieler, schlechte Rolle: Man hat das Gefühl, "Sex Education"-Star Ncuti Gatwa ist eine der wenigen Beteiligten, dem während der Produktion klar war, dass man das nicht so ernst nehmen sollte. Ein bewusster "B-Movie"-Ansatz hätte Grid Legends deutlich besser gestanden.
Wir waren tatsächlich bei der Ankündigung dieses Features enorm gespannt. Großes Vorbild ist laut dem Entwickler-Team die erfolgreiche Netflix-Show "Drive to Survive", die sich auf die Formel 1, die Königsklasse des Motorsports fokussiert. Dabei wären wir mit gleich zwei Szenarien ziemlich zufrieden gewesen. Man hätte auf der einen Seite eine ernste Tonalität in Angriff nehmen und die vielen Intrigen und den Konkurrenzdruck des Vorbilds adaptieren können. Auf der anderen Seite wäre selbst ein "trashiger" B-Movie-Ansatz durchaus interessant gewesen.
Viel Potenzial, wenig Expertise und kaum Mehrwert
Stattdessen entscheidet sich Codemasters dazu, irgendwo in der Mitte dieser beiden Ansätze Platz zu nehmen - ein grober Fehler. Zum einen spürt man nämlich die holprige Einbindung von Tragik und die fehlende Bedeutsamkeit der lauwarmen und zigmal erzählten Underdog-Geschichte. Zum anderen ist das alles so dermaßen doof geschauspielert und billig umgesetzt, dass es schier unmöglich ist, auch nur irgendeinen Moment innerhalb der ungefähr fünfstündigen Handlung ernst zu nehmen.
Quelle: PC Games
"Gute Zeiten, schlechte Zeiten" trifft Motorsport: Proll Nathan McKane sorgt für so viel peinliches Drama neben der Rennstrecke, das jegliche Glaubwürdigkeit der phasenweise ernsten Geschichte sofort flöten geht.
Das riesige Problem dabei ist aber, dass Codemasters das unbedingt möchte. Man erzählt eine Geschichte über unterdrückte Außenseiter, feurige Leidenschaft und den weiblichen Vorstoß in eine männerdominierte Sportwelt. Wenn dabei nicht mehr bei rumkommt als langweilige und extrem überzeichnete Charaktere, die an einen lächerlichen Billigroman erinnern, den man für 1,99€ an der Norma-Theke abgreifen kann, dann ist das schon ziemlich enttäuschend.
Quelle: PC Games
GRID Legends im Test: Das könnt ihr doch besser, Codemasters! (5)
Zwischen dem überarroganten Nathan McKane, unserer knallharten Teamkollegin Yume Tanaka und dem Witzbold Valentin entstehen absolut keine Beziehungen, geschweige denn nennenswerte Momente. Die Gegner sind richtig gemein und böse, das eigene Team die Leidenschaft und Inkarnation des fairen Motorsports und alle anderen ... nun ja, unwichtig. Selbst unsere Hauptfigur, der namens- und gesichtslose "Fahrer 22", bekommt nicht mehr spendiert als eine Zahl.
Gameplay: Altbackener Slalom um Kreativität
Wer jetzt denkt, die Geschichte und ihre Figuren sind sowieso nicht das wichtigste an einer Racing-Kampagne mit starkem Story-Fokus, dem sei gesagt: Auch aus Sicht des Gameplays ist das alles ziemlich ernüchternd. Meist fühlt sich das alles so an, als würde man mittelmäßige Racing-Events, die meist schlicht aus drei bis vier Runden bestehen, abarbeiten, nur um daraufhin mit einem langweiligen und schlecht gemachten Werbespot konfrontiert zu werden - der sofortige Tod für jegliche Art von Flow. Die größte Abwechslung zwischen Elimination-, Zeit- und Runden-Events, die sich allesamt ziemlich ähnlich anfühlen, ist meist der Wechsel zwischen einem fliegenden und einem stehenden Start.
Quelle: PC Games
Offene Rechnungen: Das Nemesis-System klingt auf dem Papier zwar spannend, auf der Strecke zeigt sich das aber kaum. Strategische Elemente wie Kampflinie fahren gibt es nicht, ab und an aber einen nett gemeinten Stubser.
Abseits typischer Streckenaktivitäten gibt es auch kaum weitere Spielelemente. Man kann seine Spielfigur nicht personalisieren, die möglichen Fahrzeuganpassungen sind aufgrund der vorgesetzten "Seneca"-Fahrzeuge irrelevant und selbst das angepriesene "Nemesis-System" sorgt für Kopfschütteln. Zwar ist die Idee nicht schlecht, Rennsportrivalitäten über mehrere Events hinauszustrecken. Doch bei jeder kleinen Berührung, manchmal braucht es sogar nur ein knappes doch faires Überholmanöver, werden wir mit Konsequenzen konfrontiert. Die zeigen sich dann oft in einem kleinen und verzweifelten Stubser. Ein aggressives Fahrverhalten in Form von Kampflinie oder ähnlichem Verhalten gibt es auch nicht.
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