Goblin Commander im Gamezone-Test

Test Gamezone Redaktion

Nischt mit dem Commander!

Echtzeit-Strategie ist ja ganz klar ein Genre, welches nur auf dem PC so richtig zu Hause ist. Es liegt ja auch auf der Hand, dass das Steuern von zahllosen Einheiten, komplexer Basisbau und effiziente Ressourcenförderung mit einem Joypad mehr als schlecht bedienbar ist. Wenn sich nun eine Spieleschmiede tatsächlich vornimmt, dieses äußerst komplexe Genre auf eine Konsole umzusetzen, dann besteht sicherlich die größte Herausforderung darin, den optimalen Mittelweg aus sinnvollen Abstrichen im Gameplay, optimaler Bedienbarkeit und dennoch vorhandenen Spielspaß zu finden. Da freut es doch umso mehr, dass man im Falle von Goblin Commander aus dem Hause Jaleco diesem Ziel schon ganz schön nahe gekommen ist.

Auch in Goblin Commander steht und fällt alles mit der möglichst effektiven Erwirtschaftung von Ressourcen, welche hier in Form von Seelen und Gold vorhanden sind. An selbiges kommt man auch relativ einfach, denn durch das Erledigen von Feinden, Erobern von Seelenbrunnen oder das Zerstören von Gebäuden in der Umgebung kommt jede Menge Seelenenergie und Gold in die Kriegskasse. Um im zentralen Clanschrein neue Einheiten kaufen zu können, benötigt man grundsätzlich Seelenenergie, für Upgrades von Waffen und Rüstung muss man Gold abdrücken. Die Upgrades bringen hier jede Menge Vorteile, weshalb man zu Beginn einer Mission erstmal fleißig die Umgebung nach Gold abgrast und dabei bereits die Gegend sondiert. Neben dem Clanschrein spielt auch die Halle der Titanen eine wichtige Rolle: Hier darf man neben praktischen Verteidigungstürmen auch einen ziemlich schlagkräftigen Titanen erwerben, welcher ganze Armeen des Feindes zu Kleinholz verarbeitet - genügend Kleingeld zum Kauf vorausgesetzt. Im späteren Verlauf des Spiels trifft man außerdem noch auf einen Alchemistenladen, welcher effektvolle Einweg-Zaubersprüche verhökert und einen Mondstein, welcher alle eigenen Einheiten sofort an weit entlegene Stellen teleportieren kann. Das war es in Bezug auf die Gebäude eigentlich auch schon, zu Gunsten der Bedienbarkeit wurde ein völlig freier Basisbau weggelassen - alle Gebäude sind entweder bereits zu Beginn der Missionen vorhanden oder können auf vorgegebenen Ruinen wieder aufgebaut werden.

Dies ist aber auch ganz gut so, denn somit kann man sich voll und ganz auf seine Einheiten und deren Fortschritt auf dem Spielfeld kümmern. Dies geschieht mittels der überaus handlichen Steuerung, welche für ein Spiel dieser Machart überraschend gut ausgefallen ist. Ihr bewegt nämlich einfach nur einen leuchtenden Cursor, den namensgebenden Goblin Commander, über das Spielfeld und drückt die Taste der gewünschten Einheitengruppe an deren Zielort. Alle Einheiten werden nämlich ganz automatisch zu einer begrenzt erweiterbaren Gruppe hinzugefügt, später dürft ihr auch mehrere Gruppen gleichzeitig befehligen, was die eigentliche Echtzeit-Strategie überhaupt erst so richtig ins Rollen bringt. Ein echter Clou ist die Möglichkeit die Einheiten auch vollständig selbst steuern zu können, ihr bewegt sie dann einfach mit dem Analogstick und greift per Tastendruck an. Besonders bei den mächtigen Titanen ist diese Steuerungsoption enorm wichtig, anders lässt sich das Ungetüm nämlich sowieso nicht bewegen.

Um das Ganze nicht zu einem simplen Hack'n'Slay werden zu lassen, haben sich die Entwickler äußerst trickreich gestaltete Missionen einfallen lassen, bei denen es meist nicht nur einen einzigen möglichen Lösungsweg gibt. Genau deshalb macht es einfach Spaß auf den Karten jeden noch so kleinen Stein umzudrehen, denn es könnte sich darunter ja ein mächtiger Zauber, etwas Gold oder ein alternativer, einfacherer Lösungsweg verbergen. Die Übersicht bleibt euch übrigens dank einer praktischen Auflistung der Missionsziele und einer Minimap zu jeder Zeit erhalten und dank einer auskunftsfreudigen Hilfefunktion samt spielbaren Tutorial fällt auch der Einstieg in das für Konsoleros ungewohnte Genre überaus leicht. Auch ein Mehrspielermodus ist vorhanden, doch da dieser im Splitscreen abläuft, kommt hier nur gemäßigte Stimmung auf. Schließlich sollte gerade bei einem Echtzeit-Strategiespiel der Gegner nicht unbedingt sehen können, was man gerade auf dem eigenen Bildschirm anstellt. Eine optimale Lösung über Xbox Live oder Sony Online war wohl bei der Entwicklung des Spiels zu kostspielig - wirklich schade drum.

Doch auch die putzigen Goblins haben so ihre Macken, weshalb auch dieser Titel bei uns nicht ganz ungeschoren davon kommt: Bei der automatischen Wegfindung haben die kleinen Kerlchen leider manchmal Probleme, nicht immer finden sie ihr Ziel auf Anhieb und bisweilen muss man schon etwas mit zusätzlich gesetzten Wegpunkten nachhelfen. Auch ist es leider nicht möglich das Verhalten der Goblins zu kontrollieren und sobald sie einen Feind am Horizont ausmachen, laufen sie ohne Rücksicht auf Verluste mitten in die feindlichen Reihen. Wer dies nicht möchte, muss wohl oder übel auf manuelle Kontrolle umschalten, was natürlich dann und wann etwas nerven kann. Eine klassische Verhaltenswahl zwischen "Aggressiv oder Defensiv" hätte hier viel unnötiges Knöpfchendrücken ersparen können.

Auch die Grafik von Goblin Commander ist eher zweckmäßig ausgefallen: Besonders die Texturen sind hier oftmals alles andere als scharf und auch die Einheiten sind aus nicht sonderlich vielen Polygonen gestrickt worden. Hier wäre wirklich mehr drin gewesen und mit nur etwas mehr Aufwand hätte das Spiel richtig edel aussehen können. In dieser Form allerdings sieht das Ganze immer irgendwie etwas billig aus, auch wenn man in der dichtesten Zoomstufe ab und zu positiv überrascht wird. Wenn wir allerdings ehrlich sind, hat die Grafik bei einem Echtzeit-Strategiespiel noch nie eine besonders wichtige Rolle gespielt und deshalb darf man dem Titel das optische Mittelmaß nicht allzu negativ ankreiden.

Meinung

Wertung zu Goblin Commander (GC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
gelungene Umsetzung des Echtzeit-Strategie Genressehr gutes Missionsdesignhervorragendes Tutorial und umfangreiche In-Game Hilfesehr gute und einfache Steuerung
Probleme bei der Wegfindungkeine Verhaltenswahl bei Einheiten möglichmäßige GrafikMehrspielermodus kaum interessantkeine Online-Unterstützung

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