Grand Slam Tennis 2 hat Potential und macht vieles besser, als sein Wii-Vorgänger. Aber viel des Potentials wird nie ausgeschöpft.
Wimbledon, John McEnroe und vieles mehr
Grand Slam Tennis 2
Electronic Arts und Lizenzen, das gehört so zusammen wie Winter und Schnee, Ernie und Bert oder Gamezone und München. Nur logisch, dass der kanadische Publisher auch für Grand Slam Tennis 2 wieder einen exklusiven Verwertungsvertrag aus der Tasche zaubert: Das Grand Slam Turnier von Wimbledon. Wer also unbedingt auf dem englischen Kultrasen des Londoner Stadtteils ein Match austragen will, der kommt um die Umsetzung aus dem Hause EA Sports gar nicht herum. Damit der Titel aber wirklich zu Recht den Namen Grand Slam Tennis tragen darf, bedarf es natürlich noch mehr. Neben London gibt es, etwas anderes hätten wir von diesem Publisher auch wirklich nicht erwartet, die Australian Open (Melbourne), die US Open (New York) und das Tournoi de Roland Garros (French Open in Paris). Bezüglich der Grand Slam Turniere also die geballte und komplette Lizenz. Etwas magerer sieht es da abseits dieser ohne Zweifel prestigeträchtigen Events aus. Nicht nur, dass man sonst keine Originalturniere mehr geboten bekommt, sondern nur noch irgendwelche Fantasieveranstaltungen bzw. -spielorte auswählen kann, nein auch die Anzahl derselben ist nicht gerade berauschend. Ähnliches Bild auch bei den integrierten Originalstars. Knapp 20 der größten Spieler aus dem Jetzt (u. a. Federe, Nadal, die Williams-Schwestern) und der Vergangenheit (u. a. Becker, Edberg, Borg) haben es ins finale Spiel geschafft. Nicht wenig, sicher, besonders viel sind es aber auch nicht - selbst der direkte Konkurrent Top Spin kann da mit etwas mehr aufwarten.
Grand Slam Tennis 2
Bezüglich der Modis bietet der Titel auf den ersten Blick eigentlich alles was das Sportler-/Spielerherz begehrt. Das schnelle Spielchen im Einzel oder Doppel, eine 10-jährige Karriere, das Nachspielen von diversen Klassikern der Tennisgeschichte, selbsterstellte Off- bzw. Online-Turniere mit bis zu 128 Teilnehmern und eine durchaus witzige Tennisschule, in welcher euch John McEnroe in seiner besonders netten Art die Kniffe der Sportart beibringen will.
Grand Slam Tennis 2
Eine wirkliche Enttäuschung ist hierbei die Karriere. Nachdem man sich ein paar Minuten mit der Erstellung seines Alter Egos - übrigens ist auch Game Face, also das Hochladen seines eigenen Konterfeis, möglich - beschäftigt hat, stürzt man sich in die 10 Jahre dauernde Karriere. Warum eigentlich 10 Jahre? Egal. Wie üblich, kann man sein virtuelles Ich durch Training bzw. Siege innerhalb von Turnieren bzw. durch den Kauf von neuen Ausrüstungsgegenständen aufleveln. So weit, so gut, so bereits aus diversen anderen Sportspielen bekannt. Weniger bekannt ist aber die langweilige Vorgehensweise, wie das bei EAs Grand Slam Tennis geschieht. So hechelt ihr euch von einem Vorbereitungsturnier oder Showmatch zum nächsten, ohne dass ihr wirklich große Auswahlmöglichkeiten hättet. Noch schlimmer, die Wiederholungsfrequenz der Spielorte ist so hoch und die Präsentation so flach, dass ziemlich schnell das große Gähnen einsetzt. Aber das alles wäre ja noch einigermaßen zu verkraften, wenn nicht der Schwierigkeitsgrad so niedrig wäre, dass man praktisch zu keinem Zeitpunkt wirklich so etwas wie eine Herausforderung spürt.
Grand Slam Tennis 2
Kann man die Karriere also durchaus ignorieren, sollte man sich den anderen Solopart hingegen nicht entgehen lassen. Das Highlight von Grand Slam Tennis 2 ist ganz eindeutig die Spielvariante ESPN Grand Slam Klassiker. In dieser Art Herausforderungsmodus kann man historische Matches der letzten 40 Jahre wieder erleben bzw. nachspielen. Das Herz jedes Tennisfans wird höher schlagen, wenn er das Finale der US Open von 1984 zwischen der unvergessenen Navratilova und ihrer Dauerrivalin Evert auf dem Bildschirm flimmern sieht oder wenn er Becker in seinem Wohnzimmer gegen Edberg im Finale von Wimbledon (1989) begleiten darf oder wenn er den Ausgang des Australian Open Finales von 2003 zwischen den Williams-Schwestern zu einem anderen Ende bringen kann oder wenn... Die Liste der enthaltenen Klassiker ist lang, wirklich lang. Allerdings, wie bei einer solchen Art von Modus üblich, sind anfangs davon nur einen paar wenige spielbar. Nach dem bekannten Prinzip, also Siege oder besondere Aktionen bringen Punkte usw., wird die Liste der verfügbaren Matches aber immer umfangreicher. Übrigens gibt es durch die recht abwechslungsreichen und teilweise auch kniffligen Aufgaben durchaus einen gewissen Wiederspielwert, vor allem auch für jene, die einfach jeden möglichen Punkt ergattern wollen/müssen. Um es kurz zu machen, ESPN Grand Slam Klassiker bietet genau das was er bieten soll: Herausforderung, Tiefe und Umfang.
Multiplayerfans können sich übrigens zu viert vor einer Konsole tummeln oder sich im durchaus umfassenden Online-Modus vergnügen. Neben den obligatorischen Ranglisten-Duellen, den diversen Bestenlisten und einer Lounge bietet selbiger vor allem auch die Möglichkeit sich mit bis zu 128 Teilnehmern in einem WWW-Turnier zu messen.
