Grand Slam Tennis 2 hat Potential und macht vieles besser, als sein Wii-Vorgänger. Aber viel des Potentials wird nie ausgeschöpft.
Schöne Spielermodelle, ahnungslose Reporter und gelangweilte Zuschauer
Grand Slam Tennis 2
Wenn sich der Ladescreen vom Bildschirm verabschiedet, eine Kamerafahrt auf den Spielort beginnt und man den Court erstmals zu Gesicht bekommt, ist man im ersten Moment arg enttäuscht. Irgendwie trocken, langweilig, nichts Besonderes. Ok, die Originalschauplätze Wimbledon, Roland Garros, Flushing Meadows und Melborne haben einen hohen Wiedererkennungswert und sind auch ziemlich detailliert gezeichnet, aber irgendwie fehlt das gewisse Etwas. Präsentation, Lichteffekte und Hintergrund, alles wirkt blass, kaum mitreißend. Wenn EA auf dem Spiele-Cover steht, dann erwartet man einfach ein wahres optisches Feuerwerk. Man erwartet, dass die ESPN-Lizenz nicht nur in einem Modusnamen verarbeitet wird, sondern sich auch bei den Aufblendungen, den Zwischensequenzen und den Pausen deutlich zeigt und sich somit sofort dieses Live-Sport-Feeling einstellt. Man erwartet Zuschauer, die dem Tennismatch nicht nur akustisch, sondern auch optisch folgen. Man erwartet die gewisse Liebe zum Detail, die alle Facetten der entsprechenden Sportart einfängt. Man erwartet nicht mehr und nicht weniger als ins Spiel hineingezogen zu werden. Und normalerweise schafft das Electronic Arts, gerade mit ihren Sportspielen, auch ohne Probleme - nur Grand Slam Tennis 2 kann hier nicht wirklich begeistern und stellt somit eine der berühmten Ausnahme der noch berühmteren Regel dar.
Grand Slam Tennis 2
Trotzdem es ist nicht alles schlecht, was euch der Titel auf dem Bildschirm zeichnet oder über die Lautsprecher hören lässt. Da wären z. B. die Spielermodelle der Originalstars, die sich durchaus sehen lassen können. Ebenso die umfangreichen Animationen der Protagonisten, die eigentlich vom Ausfallschritt bis zum "Becker-Hecht" alles bieten. Auch was die Tennisspieler so auf dem Platz an "Verbalitäten" von sich geben, kann durchaus als passend, im speziellen Fall der "Stars" sogar als realistisch bezeichnet werden.
Technisch bietet der Titel sowieso kaum Anlass zur Kritik. Während der gesamten Testsession konnten weder Flimmern, noch Framerate-Einbrüche oder gar irgendwelche Lags beim Onlinespiel beobachtet werden. Dafür schon mal ein dickes Lob.
Grand Slam Tennis 2
Schwach hingegen ist das englischsprachige Kommentartorenduo John McEnroe und Pat Cash. Beide geben das Spielgeschehen kaum wieder, wissen eigentlich nie wer auf dem Court gerade spielt und labern überwiegend belangloses Zeug. Noch schwächer ist allerdings, dass auch die Zuschauer akustisch unterstes Niveau abliefern. Verspätet einsetzende "Aahs" und "Oohs" sind genau so stimmungstötend, wie kaum vorhandener bzw. falsch platzierter Jubel. Da wünscht man sich mehr als einmal die mitreißende Inszenierung eines Top Spin 4.
