Nvidias RTX 5060 Testvorgaben sind inakzeptabel und schädlich

Kolumne Antonio Funes
Nvidias RTX 5060 Testvorgaben sind inakzeptabel und schädlich
Quelle: PCGH

Treiber zur Nvidia GeForce RTX 5060 bekamen nur diejenigen Tester rechtzeitig, die sich auf strenge Vorgaben einließen. Meiner Meinung nach ein Unding.

Vor zwei Wochen veröffentlichte Nvidia die neue Einsteiger-Grafikkarte GeForce RTX 5060, hier unsere Leistungsanalyse. Genauer gesagt gibt es sie seit Montag, dem 19. Mai, im Handel zu kaufen. Doch es gab rund um den Release eine Menge Ärger, indem sich Nvidia den Unmut der schreibenden Zunft und sicher auch Teilen der Gamerschaft ausgelöst hat.

Doch was war passiert? Normalerweise können professionell arbeitende Tester, zum Beispiel Hardware-Redaktionen wie die PC Games Hardware oder Spiele-Magazine, aber auch viele kleinere Content-Ersteller über Kanäle wie YouTube eine neu angekündigte Grafikkarte schon einige Tage vor ihrem Release erhalten.

AMD oder Nvidia stellen dazu dann passende Treiber bereit, und zwar noch bevor diese Treiber für die normalen Nutzer zum Download bereitstehen, damit die Grafikkarten-Tests pünktlich zum Release fertig sind.

Dies ist seit langer Zeit die übliche Praxis. Kommen also neue Nvidia-GPUs auf den Markt, dann schalten viele Redaktionen quasi zeitgleich mit dem Verkaufsstart ihre Tests frei. Die einzige Bedingung war bislang, Tests oder auch nur einzelne Benchmark-Tendenzen wirklich erst beim oder nach dem GPU-Release zu veröffentlichen.

Doch dieses Mal kam es anders. Es gab zwar einzelne Redaktionen wie die Gamestar sowie einzelne Tester, von denen es pünktlich zum Release Tests gab. Allerdings mussten diese Tester, damit sie die nötigen Treiber im Vorfeld erhielten, bestimmte Bedingungen für ihre Tests erfüllen, die ich irgendwo zwischen frech und inakzeptabel einordnen würde.

Denn befolgt man die Vorgaben, sind die Testergebnisse irreführend und bilden die Leistungsfähigkeit der GeForce RTX 5060 nur zum Teil ab. Man kann es sich sicherlich denken: Die Leistung wird durch die Testvorgaben übertrieben gut dargestellt.

Zum einen sollte man nur bestimmte Spieletitel testen. Es ging dabei um Spiele, die allesamt neben DLSS auch noch das DLSS-Zusatzfeature MFG (Multi Frame Generation) bieten. MFG fügt nach jedem berechneten Bild drei weitere via KI berechnete Bilder hinzu.

Schafft eine Grafikkarte also 20 FPS (Bilder pro Sekunde), werden 80 Bilder angezeigt - auf dem Papier sind es dann 80 FPS, obwohl die Grafikkarte an sich nur 20 FPS schafft, was als unspielbar gilt.

Zum anderen durfte man auf Nvidia-Geheiß aber ausschließlich Benchmarks mit aktiviertem MFG verwenden. Außerdem waren als Vergleichsgrafikkarten nur die alten RTX-Modelle 3060 und 2060 Super zugelassen - die GeForce RTX 4060 und andere GPUs durften nicht verwendet werden.

Die Vorteile von MFG mit DLSS 4 am Beispiel von Marvel Rivals Quelle: Nvidia Die Vorteile von MFG mit DLSS 4 am Beispiel von Marvel Rivals und laut Nvidias Angaben Nun könnte man auf den Gedanken kommen, zu sagen, dass das doch nicht so schlimm sei, da jemand, der sich eine GeForce RTX 5060 kaufen will, mit Sicherheit aktuell ohnehin keine GeForce RTX 4060, sondern eher nur eine GeForce RTX 2060 (Super) oder RTX 3060 in seinem PC hat.

Der Vergleich bei aktiviertem MFG kann also für interessierte Gamer durchaus zulässig sein, genau wie man ja beispielsweise auch die Spieleleistung bei aktiviertem Anti-Aliasing testet.

Hierzu muss man aber wissen, dass die beiden älteren RTX-Modelle gar kein MFG beherrschen - ihnen fehlt diese KI-Hilfe also komplett. Dadurch landet die GeForce RTX 5060 logischerweise um Lichtjahre vor der GeForce RTX 3060 und RTX 2060 Super, selbst falls sie in Wahrheit bei ihrer wahren Leistung kaum schneller sein sollte.

Würde man die GeForce RTX 4060 einbeziehen, die auch zu MFG kompatibel ist, würde auffallen, dass schon die RTX 4060 (angeblich) extrem viel schneller als die zwei alten RTX-Grafikkarten.

Der Leistungsnachteil der GeForce RTX 4060 zur GeForce RTX 5060 wäre wiederum nicht besonders groß. Es ist fast schon seltsam, dass Nvidia nicht noch gefordert hat, AMDs Konkurrenzreihen Radeon RX 7600 und 7600 XT mit in die Tests hineinzunehmen, die mangels MFG rein auf dem Papier haushoch unterlegen gewesen wären.

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