Nvidias irreführende Testvorgaben: Warum die Vorgaben nicht hinnehmbar sind

Kolumne Antonio Funes
Nvidias irreführende Testvorgaben: Warum die Vorgaben nicht hinnehmbar sind
Quelle: PCGH

Treiber zur Nvidia GeForce RTX 5060 bekamen nur diejenigen Tester rechtzeitig, die sich auf strenge Vorgaben einließen. Meiner Meinung nach ein Unding.

Nvidias Vorgehen ist aus meiner Sicht völlig inakzeptabel und schadet nur Nvidia sowie auch den Fachmedien, obgleich man die Vorgaben auch schönreden kann. Einzelne Tester, die sich auf die Vorgaben einließen, haben zwar alles klar kommuniziert und argumentieren so, dass Spieler ja eine Technik wie MFG nutzen würden, wenn es geboten wird.

Daher seien die Leistungsrelationen der GeForce RTX 5060 bei aktiviertem MFG zum Vor-Vorgänger sowie dem Vor-Vor-Vorgänger durchaus hilfreich für eine mögliche Kaufentscheidung.

Dies ist zwar absolut richtig, und wenn man es transparent macht, findet auch keinerlei Täuschung statt. Allerdings kann man auch, so wie ich es tue, den Standpunkt vertreten, dass man bei einem Test vor allem die Kernleistung der GPU herausfinden will und bei derartigen Testeinschränkungen dann lieber auf einen Test zum Release verzichtet.

Die meisten Redaktionen, so auch unser Schwestermagazin PC Games Hardware, deuteten daher einen virtuellen Stinkefinger an und verzichteten auf die Vorab-Treiber. Sie testeten die neue Nvidia GeForce RTX 5060 dann eben mit einigen Tagen Verzögerung, da der Treiberdownload für jedermann erst zum Release zur Verfügung stand.

Denn ein seriöser Test zeigt stets die pure Leistung von Grafikkarten an, und das in möglichst vielen Spielen in meist hohen Details bei zwei oder drei Auflösungen - aber immer ohne KI-Hilfen wie DLSS, FSR oder eben MFG. Benchmarks inklusive dieser Hilfs-Features werden in Tests nur separat mit angegeben, um deren Vorteile zu verdeutlichen.

Da sie aber in vielen Spielen gar nicht angeboten werden, verbietet schon der gesunde Menschenverstand, sie in den Standardtests als Hauptbestandteil zu verwenden.

Wenn nun Nvidia zum Release aber nur Ergebnisse mit MFG zulässt und dazu auch noch die Auswahl der Vergleichs-GPUs auf Modelle beschränkt, die kein MFG bieten und somit hoffnungslos unterlegen scheinen, dann sind die damit zustande gekommen Tests am Ende nur noch PR für Nvidias MFG, aber sicherlich kein Test der GeForce RTX 5060.

Nvidias CEO Jensen Huang Quelle: X/Screenshot (Nvidia Newsroom) Nvidias CEO Jensen Huang - deutet er den wahren Vorpsrung der GeForce RTX 5060 an? [Satire] Schlimm an dem ganzen Vorgang ist zudem, dass er, wie gesagt, auch der Presse schadet. Die geforderten Vorgaben sind völlig zurecht publik geworden, da sie eben alles andere als normal sind.

Außerdem hätten halbwegs erfahrene Gamer und Hardware-Experten auch ohne ein transparentes Kommunizieren der Bedingungen schnell den Braten gerochen, wenn sie sehen, mit was für einem an sich unsinnigen Vergleich die ersten Tests daherkommen.

Die Schlagzeilen zu den Testvorgaben, die Käufern eine übertriebene Leistungsfähigkeit der GeForce RTX 5060 auftischen sollen, befeuern aber leider Stimmen, die schon seit etlichen Jahren verschwörerische Manipulationsvorwürfe seitens der Medien in den Raum stellen. Diese Stimmen gab es schon zu Zeiten, als AMD-Grafikkarten noch unter dem Label ATI firmierten.

Mit Sicherheit gibt es angesichts der riesigen Zahl an sehr kleinen Content-Erstellern auch den ein oder anderen geschönten Test. Die überragende Mehrheit der etablierten Redaktionen im Hardwarebereich haben sich aber über etliche Jahre, teils Jahrzehnte den Ruf von seriöser, unabhängiger Berichterstattung erarbeitet und wären verrückt, wenn sie bei Tests auf irgendeine Weise die Ergebnisse zugunsten einer Firma pushen würde.

Bei einigen seltenen Werbe-Features - ich selbst hatte beispielsweise schon einmal ein beauftragtes Feature zu DLSS - wird der Artikel deutlich als Werbung gekennzeichnet, und zwar selbst dann, wenn die Benchmarks wie in meinem Fall völlig unabhängig gemessen wurden und es auch Vergleichswerte ohne DLSS gab.

Man kann nur hoffen, dass Nvidia den aktuellen Ärger - manch einer würde sogar Skandal sagen - nachvollziehen kann und es das letzte Mal war, dass man unabhängigen Testern Vorgaben aufzudrücken versucht, die über eine Vereinbarung über den frühesten Freischalttermin eines Tests hinausgehen.

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