Hazard Ops in der Vorschau: Gears of War als Free2Play Trashfest

Special Sandro Odak
Hazard Ops in der Vorschau (14)
Quelle: Infernum Games

Wer nicht genau auf die Grafikqualität achtet, der kommt beim Free2Play Shooter Hazard Ops schnell ins Straucheln. Ist das etwa Gears of War? Nein, aber die chinesischen Entwickler, die früher mal Teil von Epic Games waren, haben anscheinend viel daraus entliehen: Aktives Nachladesystem, Buddy-Heal und Finischer Moves. Wir haben uns den überraschend teamlastigen Shooter genauer angesehen.

Früher hieß Yingpei Games Epic Games China. Das fand Epic in den USA anscheinend nicht lustig, eng verbandelt mit dem Entwickler der Gears of War Serie war das Studio seinerzeit aber schon. Jetzt ist der Name anders, am Programm haben die Chinesen aber nichts geändert. Der deutsche Publisher Infernum Games, der vor im vergangenen Jahr mit dem erstaunlich unterhaltsamen minecraft-Shooter Brick Force überraschte, bringt nun Hazard Ops nach Deutschland – einen Free2Play Third Person Shooter, der stark an die Gears of War Reihe erinnert.

Da wäre zum einen das aktive Nachladesystem. Wer ein neues Magazin in seine Waffe lädt, hat in einem kleinen Minispiel die Möglichkeit, durch Timing einen Schadensbonus zu erreichen. Schafft man es im richtigen Moment erneut die Nachladetaste zu drücken, macht das komplette Magazin mehr Schaden. Trifft man den richtigen Moment nicht, dauert der Nachladevorgang zur Strafe doppelt so lang.

Wer von Feinden getroffen wird, stirbt auch nicht sofort. Meist geht man erst verletzt zu Boden und kann sich zu seinen Kameraden robben. Die können den Kumpel für kurze Zeit retten. Um den Timer bis zum endgültigen Tod zu verlängern, muss man auf die Leertaste hämmern – auch das ein bekanntes Spielelement. Aber nicht nur Spieler, auch NPCs gehen zu Boden. Hat man sie niedergerungen, kann man sie mit einem Finisher-Move endgültig kaltmachen – oder von Feinden im Nahkampf erledigt werden. Beides Features, die auch aus Gears of War stammen könnten!

Ein Trashfest
Hazard Ops in der Vorschau (5) Quelle: Infernum Games Hazard Ops in der Vorschau (5) Anders als Microsofts Xbox-Vorzeigemarke Nummer 2 (nach Halo) nimmt sich Hazard Ops aber selbst nicht ernst. Die Figuren erinnern zwar zum Teil an die Muskelberge, die auf der Xbox 360 gegen Helghast kämpfen, man kann sie aber individuell anpassen. Dann laufen die Mädels zum Beispiel im Domina-Grufti-Look rum und die Herren in einem Zauberer-Outfit, das auch Geralt von Riva stehen würde. Und auch auf gegnerischer Seite gibt es Abwechslung. Mal rennen Zombies in Wellen auf einen zu, dann sind es Mutanten, Roboter, Riesenspinnen, Killerwespen oder ähnliches Getier. Am Ende jeder Runde wartet ein riesiger Bossgegner auf das Team aus bis zu 16 Spielern im PvE. Sie erleben sozusagen eine gemeinsame Mission. Auf eine ausgefeilte Hintergrundgeschichte verzichten die chinesischen Macher.

Stattdessen gibt es Action satt. Meist arbeitet man sich von einem Gebiet zum nächsten vor und muss dort Wellen von Gegner aushalten oder simple Rätsel lösen. Auf einer Karte schleichen wir uns beispielsweise durch eine Laserwand, wie sie im ersten Resident Evil Film vorkommt, in einem anderen Level lösen wir Schalter in der Ferne per Gewehrschuss aus. In den höheren Schwierigkeitsgraden nimmt Hazard Ops dann auch ziemlich Fahrt auf. Einfach nur allein sein Ding drehen klappt nicht, das Team muss zusammenhalten und sich gegenseitig aushelfen.

Die Balance stimmt noch nicht
Hazard Ops in der Vorschau (8) Quelle: Infernum Games Hazard Ops in der Vorschau (8) Hazard Ops steckt zwar noch tief in der Beta-Phase, ist also noch lange nicht vollendet. Deshalb wiegen die Balancing-Probleme, die wir beim anspielen beobachtet haben, noch nicht ganz so schwer. Zum einen gibt es da ungeschützte Spawn-Bereiche. Viele Spielareale sind so engmaschig abgesperrt, dass man nach dem Tod mitten im Gegnerfeuer wiederbelebt wird. Es gab Situationen, in denen unser Team mehrere Dutzend Wiederbelebungen lang keine Chance hatte, sich vom Fleck zu bewegen, weil die Gegner direkt im Spawngebiet standen. Darauf angesprochen hat das Berliner Studio augenzwinkernd kommentiert, dass Hazard Ops nun mal schwer sei. Schlechtes Game-Design ist jedoch kein Feature von hohen Schwierigkeitsgraden! Wir hoffen inständig, dass der Kommentar nur ein Witz sein sollte und Spielerteams einen geschützten Spawnbereich bekommen, in dem sie sich kurz sammeln können.

Und auch die Steuerung ist noch recht gewöhnungsbedürftig. Sprinten, in Deckung gehen und die "Dodge"-Rolle liegen alle auf einer Taste. Aktionen sind daher situationsabhängig, manchmal auch einfach falsch. Das ist ärgerlich, denn Hazard Ops nutzt eigentlich eh schon sehr wenige Eingabetasten. PC-Spieler benötigen eigentlich nur WASD, eine Funktionstaste und die Leertaste. Ein Produktmanager hat an dieser Stelle jedoch schon Besserung angedeutet. Die Sprintfunktion soll eine eigene Taste bekommen.

Die Frage nach dem Geld
Hazard Ops in der Vorschau (9) Quelle: Infernum Games Hazard Ops in der Vorschau (9) Hazard Ops kann man, sobald das Spiel veröffentlicht ist, kostenlos herunterladen. Es finanziert sich durch Mikrotransaktionen, die man für neue Waffen, Outfits und Items ausgibt. Klingt harmlos. Ob gekaufte Waffen besser sind, als Ingame-Knarren, haben wir im mehrstündigen Test leider nicht erfahren können. Ein Feature finden wir jedoch bedenklich: Wiederbelebungen kosten in Hazard Ops Ingame-Währung. Wer nicht bis zu zwei Minuten warten will, um wieder ins Spiel einzusteigen, muss "Revive Tokens" auf Vorrat kaufen. Sie kosten Gold, das es als Belohnung für Missionen gibt. Der Mechanismus ist jedoch gefährlich. Weil man in Hazard Ops oft stirbt (etwa wegen der schlecht gesetzten Spawnpunkte), ist man schnell abhängig von diesen Tokens. Die Gefahr besteht, dass man sie dann über Umwege, vielleicht durch Gold-Käufe mit Echtgeld, teuer erkaufen muss. Eine solche Funktion haben wir zwar im Beta-Client (randvoll mit Gold) nicht vorgefunden. Doch in der Branche ist ein Tausch von Premium- in Spielwährung eigentlich gang und gäbe.

Basiert auf Unreal Engine 3
Hazard Ops in der Vorschau (10) Quelle: Infernum Games Hazard Ops in der Vorschau (10) Technisch, das kann man vermutlich schon im jetzigen Beta-Stadium sagen, reißt Hazard Ops keine Bäume aus. Der Third-Person Shooter basiert auf der Unreal Engine 3, schafft jedoch nicht dieselben grafischen Details wie ein Gears of War auf den Schirm zu zaubern. Die Umgebungen sehen eher trist und sehr klobig aus, Formen wiederholen sich häufig. Das Leveldesign ist aber weit weniger auf Deckung ausgelegt als das große Vorbild von Epic Games. Zwar gibt es immer wieder mal Abschnitte, in denen man von einem Beton-Klotz zum nächsten hechtet. Das Gameplay ist außerhalb dieser Sequenzen sehr viel actionlastiger und auf schnelles Teamplay ausgelegt. Insgesamt hat uns der Shooter mit seiner Spieltiefe überrascht. Wer nur einen kurzen Blick auf Hazard Ops riskiert, tut den Titel vielleicht zu vorschnell als schlechten Klon ab. Doch hinter der tristen Fassade steckt ein anständiger Teamshooter, den man mit Freunden kooperativ im PvE oder kompetitiv im PvP spielt.

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