Aktionreiche Luftkämpfe und abwechslungsreiche Missionen aber leider nur eine unterdurchschnittliche Grafik.
Die Ace Combat-Reihe ist die erste Adresse, wenn man es mit modernen Jets so richtig krachen lassen will. Mit Heatseeker versucht Codemasters jetzt in diesem Genre etwas zu wildern. Ob etwas daraus geworden ist?
Darf ich vorstellen: Mein Jet
Heatseeker
In einem Fantasie-Szenario, in dem es weder die USA oder sonstige Großmächte gibt, schlüpft ihr in die Rolle eines Jet-Piloten, der zuerst einmal aufsässige Rebellen mit Raketen bearbeiten muss. Bevor es in eine Mission geht, habt ihr dabei die Wahl aus einer Vielzahl verschiedener Kampfflugzeuge. Unter anderem stehen dabei bekannte Namen wie F-15 Eagle, F-16 Falcon, F/A-18 Hornet, F-117 Nighthawk, F-22 Raptor, MIG-29 Fulcrum oder SU-27 Flanker zur Verfügung und das ist nur eine kleine Auswahl. Die Könige der Lüfte unterscheiden sich dabei in Geschwindigkeit, Wendigkeit, Bewaffnung und anderen Eckdaten. Auf heimische Marken wie den Tornado oder den Eurofighter muss man als deutscher Nachwuchspilot allerdings verzichten. Dafür könnt ihr eure Flugzeuge mit unterschiedlichen Waffensets bestücken. Einige eignen sich mehr für den Luftkampf, während andere für den Angriff auf Bodenziele ausgelegt sind. Mit dem Erfüllen von Nebenzielen werden immer mehr verschiedene Waffen und sogar Jets frei geschaltet. Es lohnt sich also auf den Vorgesetzten zu hören.
Das Burnout der Lüfte
Heatseeker
Ist das Flugzeug und die Bewaffnung ausgewählt, geht es in die stylischen Missionsbesprechungen, in denen der Vorgesetzte in militärischer Kürze die Einsatzziele erläutert. Manchmal dürft ihr euch sogar eine Nachrichtensprecherin anhören, welche die neuesten Ereignisse wiedergibt. Wenn ihr allerdings glaubt, dass die Missionen dann genauso ablaufen, wie in der Einsatzbesprechung suggeriert wurde, irrt ihr euch gewaltig. Ständig geschehen unvorhersehbare Dinge, die eine Änderung der Strategie erfordern. Die Aufträge fallen dabei sehr abwechslungsreich aus. Neben dem typischen Suchen & Zerstören-Vorgehen gilt es befreundete Einheiten zu verteidigen, Schmuggler zu suchen oder die eigene Flotte bei dem Angriff auf eine Inselfestung zu unterstützen. Während der Einsätze bekommt ihr ständig neue Missionsziele und eine Angriffswelle nach der anderen vor den Latz geknallt, die es zu eliminieren gilt. Für Verschnaufpausen bleibt da wenig Zeit. Im einen Moment bekämpft ihr feindliche Jets, bevor ihr schnell zur Verteidigung eines Frachters abkommandiert werdet, der von Kriegsschiffen bedroht wird. Die Einsätze dauern dabei jeweils ca. 20-30 Minuten. Allerdings wird meist nach jedem erfolgreich beendetem Ziel ein Checkpoint gesetzt, weswegen ihr nicht ständig von Vorne beginnen müsst. Das ist ziemlich fair, da spätere Missionen sehr knifflig ausfallen und oft im ersten Anlauf nicht zu meistern sind. Dennoch bewegt sich der Schwierigkeitsgrad stets im machbaren Bereich. Die vier Kampagnen mit bis zu fünf Missionen dürften in etwa 7-8 Stunden durchgespielt sein. Auf Multiplayer-Modi, sei es Online oder Offline, muss allerdings komplett verzichtet werden.
Heatseeker
Neben der motivierenden Missionsstruktur ist auch das actionreiche und schnelle Gameplay ein großer Pluspunkt von Heatseeker. Wer allerdings eine Flugsimulation erwartet, wird leider enttäuscht. Auch wenn ihr wahlweise in die Ego-Ansicht steigen könnt, vermittelt die Verfolgerperspektive die beste Spielerfahrung. Obwohl jeder Jet über ein Bord-MG verfügt, sind die primären Waffen die unterschiedlichen Raketen Klassische Dog-Fights kommen deshalb auch eher selten vor, da man dem Gegner bereits aus sicherer Entfernung sein Waffenarsenal entgegenwirft. Damit ihr euren Feind erfassen könnt, müsst ihr ihn wenige Momente im Fadenkreuz behalten, danach könnt ihr den Trigger betätigen und die Rakete findet ihr Ziel selbstständig. Nach 1-2 Treffern ist jeder Jet nur noch ein Haufen Schrott. Allerdings weichen Gegner auch schon mal geschickt aus oder werfen Täuschkörper ab. Besonders spektakuläre Abschüsse werden mit der Impact-Cam nochmals in Zeitlupe gezeigt, was dezent an Burnout erinnert. Das sieht ziemlich cool aus und unterstreicht noch mal den Arcade-Anspruch von Heatseeker, genauso wie der riesige Counter, der nach jedem Abschuss auf den Bildschirm projiziert wird. Was allerdings nicht besonders gut gelungen ist, ist die Effektivität eurer Wingmen. Obwohl ihr ihnen Ziele zuweisen könnt, schaffen sie es vergleichsweise selten mit Nachdruck den Feind zu bekämpfen.
Heatseeker
Das übersichtliche und unkomplizierte Interface gibt euch schnell einen Überblick über die aktuelle Geschwindigkeit, den Gesundheitsstatus und die derzeitige Waffenauswahl. Das Radar ist allerdings weniger gelungen und lässt kaum vernünftige Daten erkennen. Dafür zeigt ein Pfeil auf dem Bildschirm, in welcher Richtung das nächste Missionsziel oder der aktuelle anvisierte Feind zu finden ist. Was den Einsatz des Bord-MGs erschwert, ist die Tatsache, dass die Flugbahn leider nicht auf dem HUD angezeigt wird. Dadurch trefft ihr meist nur, wenn der Feind nicht gerade umherkurvt, sondern geraden Weges auf euch zu fliegt.
Pilotenschein?
Heatseeker
Die Steuerung von Heatseeker ist überraschenderweise doch leicht zu erlernen und beherrschen. Eine Pilotenausbildung wird nicht vorausgesetzt. Bei der Wii-Version müsst ihr diesmal neben der Remote allerdings auch den Nunchuck zur Hand nehmen. Mit der Remote steuert ihr das Flugzeug, in dem ihr ein kleines Fadenkreuz über den Bildschirm bewegt, und schon begibt sich euer Jet in die jeweilige Richtung. Einfacher geht's nicht. Mit dem B-Knopf feuert ihr Raketen ab, während der Z-Knopf am Nunchuck für das MG zuständig ist. Feinde werden dabei mit dem A-Button der Fernbedienung erfasst. Für die Schubsteuerung ist der Analog-Stick des Nunchucks verantwortlich. Etwas umständlich sind allerdings die Waffenauswahl, die Zoomfunktion sowie die Flügelmannsteuerung zu erreichen, da sich diese Funktionen auf dem Steuerkreuz befinden. Da muss der Daumen schon etwas gestreckt werden. Die Wii-Steuerung geht dabei recht präzise und ohne größere Probleme von der Hand. Eine längere Einarbeitung ist kaum notwendig. Wenn ihr mit eurem Zielkreuz der Fernbedienung (nicht zu verwechseln mit der eigentlichen Zielmarkierung des Jets) zu sehr aus dem Bildschirmbereich kommt, kann das Flugzeug schon mal kurz außer Kontrolle geraten, was vor allem dann passieren könnte, wenn ihr umständlich auf das Steuerkreuz umgreifen müsst. Die eine oder andere Bekanntschaft mit einem Berg lässt sich manchmal nicht vermeiden.
Heatseeker
Die PS2-Steuerung ist hingegen konventionell gehalten. Mit dem linken Analog-Stick wird gesteuert, während der rechte Nachbar-Stick für die Schubsteuerung zuständig ist. Mit den Schulterbuttons wird gefeuert, wobei das Steuerkreuz auch hier für Flügelmannbefehle, Waffenauswahl, Karte und Zoom verantwortlich ist, nur das es diesmal viel besser zu erreichen ist. Grundsätzlich ist die Steuerung mit dem PS2-Gamepad auch einen Tick komfortabler und schneller, als mit der Wii-Fernbedienung und dem Nunchuk, wobei ihr auf der Wii nicht ganz so ruckartig durch die Lüfte peitscht. Im Zweifelsfall lässt es sich mit der Fernbedienung der Wii auch besser zielen. Am Ende funktionieren allerdings beide Konzepte sehr gut. Das war der Arcade-Modus, im Profi-Modus geht es schon etwas kniffliger zur Sache. Hier muss viel mehr mit dem Rollen und Nicken des Fluggefährts gearbeitet werden, während ihr euren Jet im Arcade-Modus höchstens um 90 Grad rollen konntet. Zweitere Variante spricht demnach eindeutig mehr die Experten der Lüfte an.
