Auch wenn gut inszeniert, beackert Homefront das allseits bekannte Feld der Ego-Shooter, ohne richtig herauszustechen.
Wenn Grenzen überschritten werden
Homefront
Entschuldigt, wenn ich so oft einen Vergleich mit Call of Duty anstelle, doch leider bietet sich dieser vortrefflich an. Homefront hat zwar auch seine geskripteten Szenen, geht damit jedoch sparsamer als Call of Duty: Black Ops um. Vielmehr lebt das Spiel von dem gegebenen Szenario. Die Kaos Studios haben dabei einige sehr bemerkenswerte Szenen eingebaut, die man in Shootern nicht täglich zu sehen bekommt. So werden Eltern vor ihrem kleinen Kind exekutiert, das dann weinend zu ihnen rennt, oder es werden Menschen mit Baggern in Massengräber verfrachtet, während man sich etwas später in eben jenen Gräbern unter der faulenden Leichen verstecken muss. An anderer Stelle gilt es eine Frau mit einem Baby im Arm vor dem Kugelhagel der Koreaner zu beschützen.
Homefront
Homefront ist zudem nicht die erwartete patriotische Megakeule. Die amerikanische Bevölkerung wird nicht sonderlich heldenmütig dargestellt, eher ängstlich. Außerdem muss man gegen amerikanische Rednecks kämpfen, denen es egal ist, auf wen sie da gerade ballern. Dies hält Homefront fast bis zum Ende durch. Wenn man sich aber mit dem US-Militär verbündet und zum Großangriff bläst, ist die zuvor mangelnde Unterstützung der Bevölkerung vergessen: Es wird patriotischer, lauter und explosiver. Die Skriptsequenzen nehmen zu und es kracht an jeder Ecke, weswegen man im Prinzip wieder einen Call of Duty-Klon spielt. Homefront ist also nicht ganz konsequent, auch wenn das Finale in San Francisco durchaus das Adrenalin fördert.
Ein Quickie am Wochenende
Homefront
Qualitativ würde ich die Einzelspieler-Kampagne irgendwo zwischen dem neuen Medal of Honor und Call of Duty: Black Ops einordnen. Sie ist nichts besonderes und nervt ein wenig mit dem sehr eng begrenzten Arealen, doch sie überzeugt mit dem Szenario und motiviert zum Weiterspielen. Schade ist nur, dass John Milius bei der Story nicht mehr heraus geholt hat, denn nach der anfänglichen Begeisterung wandert man dann doch nur wieder auf 08/15-Pfaden. Positiv fallen die vielen unterschiedlichen Waffen auf, wobei man sich zunächst daran gewöhnen muss, dass der Schießprügel aufgrund jener Vielfalt alle paar Meter gewechselt werden muss, da er schnell "out of ammo" ist. Die Magazine hätten ruhig etwas größer ausfallen können. Immerhin probiert man somit alle möglichen Knarren aus, die merkliche Unterschiede aufweisen.
Homefront
Ein geübter Spieler ist leider in knapp unter fünf Stunden am Ende der Story angelangt, die natürlich mit einem Cliffhanger endet. Da bietet sogar Call of Duty: Black Ops mehr Umfang. Auf den höheren Schwierigkeitsgraden gibt es jedoch einige knifflige Stellen, die dazu führen, dass man länger für einen Durchgang braucht. Obwohl die Kampagne grundsätzlich eine ordentliche Figur macht, ist das Preisleistungsverhältnis für reine Offline-Spieler eine halbe Katastrophe. Hätten die Kaos Studios 1-2 Stunden drauf gepackt, wäre man etwas zufriedener aus der Freiheitsschlacht gekommen. Wenigstens muss man sich so um keine Längen im Gameplay sorgen. Auch die Abwechslung stimmt in dieser Hinsicht, doch bei einer Spielzeit von nur fünf Stunden wäre alles andere eine bodenlose Frechheit gewesen.
Fokus auf dem Multiplayer
Im Gegensatz zur Kampagne spielt man im Multiplayer nicht einen Untergrundkämpfer, sondern hat großes, militärisches Gerät zur Verfügung. Die Schlachten spielen zwei Jahre vor der Hauptstory, zu einer Zeit, in der der Militärapparat noch funktioniert und Korea noch nicht hundertprozentig Fuß gefasst hat. Als amerikanischer Soldat stemmt man sich beispielsweise auf 16 vs. 16 Karten gegen Koreaner im Team Deathmatch, zu dem man nicht mehr viel sagen muss. Der Modus Ground Control ist da schon weitaus interessanter.
Homefront
Er ähnelt vom Aufbau her in etwa dem Rush-Modus aus Battlefield: Bad Company 2. Beide Teams sind angehalten zwei Zielobjekte einzunehmen und zu halten. Gelingt ihnen das, verliert das gegnerische Team dadurch Tickerpunkte. Ist der Counter bei Null ist das Spiel aber noch nicht gewonnen. Die Frontlinie wandert nach hinten, es gilt noch weitere Punkte zu erobern. Um das Spiel für sich zu entscheiden muss ein Team zwei Runden gewinnen, im Zweifelsfall also verschiebt sich die Front bis zu drei Mal. Im Optimalfall sollen Spieler dadurch zu Teamarbeit gezwungen sein, denn nur wenn man klug zusammenarbeitet, kann man die Punkte einnehmen und danach auch halten.
Es geht um Kampfpunkte
Homefront
Der Multiplayer basiert auf so genannten Kampfpunkten, die man sich im Laufe einer Runde durch Objekteinnahmen oder Kills und Teamhilfen verdient. Hat man einige Punkte als Infanterist gesammelt, kann man sich nach dem Ableben und vor dem Spawnen mit diesen Punkten beispielsweise einen Panzer kaufen. Praktisch: Mitspieler können, falls Platz ist, direkt im Panzer spawnen, um so das Bordgeschütz zu bedienen. Durch das Battle Points-System entwickelt sich ein Kampf von erst noch einzelnen Schusswechseln zu riesigen Panzerkämpfen. Das Fahrzeugrepertoire reicht dabei von leichten, gepanzerten Jeeps mit MGs und leichten Panzern über Schützenpanzern bis hin zu Helikoptern.
Homefront
Natürlich sollen diese Fahrzeuge aber nicht unbesiegbar bleiben. Ganz im Gegenteil: Alle Fußsoldatenklassen haben Panzerabwehrwaffen. Zwar kann man beim Spawnen zwischen verschiedenen Klassen wählen (Sturmsoldat, Sniper, Pionier, etc.), die Wahl hat aber primär Einfluss auf Waffen und die mitgeführten Gadgets. Mit dem D-Pad kann man dann, auch für einen kleinen Obolus an Punkten, einen Raketenwerfer auswählen. Diesen führt jede Klasse mit sich, untereinander gibt es aber unterschiedliche Ausführungen. Während Pioniere etwa Lenkraketen dabei haben, die auch Helikopter verfolgen, haben andere vielleicht nur RPG-Geschütze, die nicht lenkbar sind. Wichtig sind im Gefecht aber auch die Gadgets: So hat jede Klasse eigene Drohnen (auch gerade im echten Krieg beliebt), manche davon in der Luft, eine Klasse hat aber auch kleine Remote-Kettenpanzerchen. Man sollte auf jeden Fall immer auch den Luftraum im Blick behalten.
