IL-2 Sturmovik: 1946 im Gamezone-Test

Test Gonzo09

Maddox schuf mit diesem Titel nichts weniger als die aktuell beste und umfangreichste Luftkampf- simulation des zweiten Weltkriegs.

Von VTOL's und Macchi's : 229 spielbare Flugzeuge

IL-2 Sturmovik: 1946 IL-2 Sturmovik: 1946 Letztendlich ist das aber wirklich nur für Leute, die ihr Leben IL-2 verschrieben haben, denn jeder andere findet auch so genug Auslauf für die nicht weniger als 300 verschiedenen, davon 229 spielbaren, Flugzeuge. Neben bekannten Evergreens wie der HE-109, der Spitfire oder der P-51 gibt es natürlich auch wieder den Russischen Allroundbomer IL-2 Sturmovik in verschiedenen Ausführungen sowie dutzende eher weniger bekannte Gesichter wie den Yak 3, 5 und 7 oder den italienischen Macchi Mc.200-205. Alle bisherigen IL-2 Flugzeuge sind vorhanden, ca. 30 sind hinzugekommen und es sind einige durchaus interessante Designs dabei, die Maddox Games da ausgegraben hat. Allen voran stiehlt die Heinkel Lerche allen die Show: Dieses VTOL (Vertical Take-Off and Landing) steht wie eine Rakete auf dem Boden, und hat statt der normalen Flügel eine Art Halo um den zigarrenförmigen Rumpf, der den drehenden Propeller enthält. Nach dem Start kippt es dann in die normale Fluglage und ist durch seine seltsame Form zu den aberwitzigsten Manövern in der Lage. Zumindest theoretisch, denn wie auch einige andere der Neuzugänge, hat dieses Flugzeug nie das kalte Neonlicht einer Fertigungshalle gesehen und existierte nur auf den Reißbrettern der Naziingenieure.

IL-2 Sturmovik: 1946 IL-2 Sturmovik: 1946 Weiterhin sind die Il-10 Sturmovik, die von den Fans der Ilyuchin-Werke heiß erwartet wurde, die Mig 9, die ME-163, eine abgewandelte ME-262 mit V-Leitwerk oder der Arado Ar-234 Blitz Bomber ab sofort mit von der Partie, so dass auch Veteranen wieder gefordert werden. Die gesunde Mischung aus Propeller und Düsentriebwerken ist einer der Reize der Il-2 Reihe, denn wer glaubt, mit den Düsenmaschinen schnell mal die meist älteren Prop-Modelle vom Himmel holen zu können, wird aufgrund der Wendigkeit der Propellerflieger schnell eines besseren belehrt. Sicher sind nicht alle 300 Flugzeuge aufeinander ausgewogen, schon allein deshalb, weil man sich auch bei den Waffen in der fiktiven Ecke der WWII - Entwicklungslabors umgesehen hat. Die deutschen Lenkraketen, die einen Bomber aus über drei Kilometer abschießen konnten, sind genauso fiktiv, wie die Flugzeuge, die sie tragen können, dem Spaß tut das aber keinen Abbruch, zumal sie, soweit ich das als Physiklaie behaupten kann, realistisch genug simuliert sind.

Keine Arbeit ohne das richtige Werkzeug: Flightstick-Pflicht

IL-2 Sturmovik: 1946 IL-2 Sturmovik: 1946 Das Thema Realismus wird hier sowieso groß geschrieben. Aerodynamik, Wind und Flugphysik wurden akribisch beachtet und schon beim ersten Loshoppeln auf der Piste wird schnell klar, dass hier keinen Wert auf Arcade-Spielbarkeit gelegt wurde. War ansonsten die Seitenrudertrimmung bei Simulationen etwas stiefmütterlich behandelt worden, ist hier echte Arbeit an den Pedalen gefragt, um eueren Flieger überhaupt sicher bis in die Luft zu bekommen. Eine ME-109 ist halt keine F16 und kein Bordcomputer macht euch das Leben leichter. Bevor jetzt aber Panik ausbricht, sei gesagt, dass sich der Schwierigkeitsgrad in nicht weniger als 40 Einzeloptionen regeln lässt. Der Profi verzichtet auf jede Hilfe, der blutigste Anfänger schaltet erst mal jegliche Kollision aus, bis er etwas sicherer in der Luft ist. Auf diese Weise gelang es Maddox auch gut, das Spiel in einem gewissen Rahmen einsteigerfreundlich zu halten, ohne Kompromisse bei den Simulationsfetischisten eingehen zu müssen. Wer als Einsteiger brav ist, setzt sich sowieso erst einmal hin und schaut sich die ca. 10 wichtigsten Tutorialvideos an. Der Lehrwert dieser ist zwar nicht schlecht, wäre aber interaktiv weit höher. Hier hat sich leider gar nichts im Vergleich zu den Vorgängern getan.

IL-2 Sturmovik: 1946 IL-2 Sturmovik: 1946 Selbiges gilt für die Steuerung in der Luft. Ohne Flightstick, Ruderpedale und Schubknüppel geht hier wirklich nicht viel. Zumindest ein brauchbarer Flightstick ist überlebensnotwendig, aber die Abhängigkeit von der Seitenrudertrimmung macht das Leben ohne Pedale sehr schwierig. Sollte das Equipment vorhanden sein, fliegt es sich aber traumhaft und zwar in jedem der sehr unterschiedlichen Flugzeuge. Alle Cockpits wurden, soweit möglich und in der Realität existent, getreu der Originale wiedergegeben und mittels Maus kann man sich vollständig darin umsehen und die Instrumente direkt ablesen. Effektiver, wenn auch weniger realistisch ist eine Ansicht als Vollbild ohne das Cockpit, wobei auch hier das Umschauen mittels der Maus möglich ist. Durch die Anzeige eines kleinen Gyroskopflugzeugs vergisst man auch hier nicht, wo sich die eigene Nase befindet. Zwei Außenansichten runden die Betrachtungsmöglichkeiten ab, sind aber weder essentiell noch spielerisch von großer Bedeutung. Alle weiteren Tastenbelegungen kann man sich völlig frei gestalten, so dass es zumindest bei der Verteilung der Steuerung mit keiner Eingabevariante zu großen Nachteilen kommen sollte.

IL-2 Sturmovik: 1946 IL-2 Sturmovik: 1946 Der sicherlich wichtigste Punkt ist der Luftkampf selbst und da ist die Welt des kriegerischen Piloten auf jeden Fall in Ordnung. Zum einen ist es sehr angenehm, dass man mittels Autopilot und Zeitraffer schnell zu Ort des Gehens kommt, wobei harte Männer auch die Strecke selbst fliegen dürfen, zum anderen ist die schlichte Masse der in vielen Missionen am Himmel befindlichen Flugzeuge enorm. Im Zehnergeschwader einen großen Bomberverband anzugreifen, vermittelt schnell einen Eindruck von Filmen der Art Luftschlacht von England und ist jedes Mal aufs Neue spannend und adrenalintreibend. Dazu kommt das realistisch hohe Geschwindigkeitsgefühl, mit über 500 KM/h einen Bomber zu passieren und feindlichen Jägern auszuweichen, dass immer wider für große Simulationsmomente sorgt. Die KI schenkt, bei entsprechender Einstellung den Spieler nichts, aber auch die eigenen Mitstreiter schlagen sich wacker und sind durchaus per Kommando in der Lage, einem den Rücken freizuhalten. Die Bombenanflüge sind weniger interessant, was hauptsächlich an der wenig berauschenden Bodengrafik liegt. Das ganze hat aber wenigstens einen Vorteil.

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