Iron Harvest in der Vorschau: Wir durften die neue Rusviet-Fraktion anspielen!
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Im März zeigten wir euch bereits erste Eindrücke zum Strategiespiel Iron Harvest. Jetzt durften wir als Erste im deutschen Raum die neue Fraktion mit dem Namen Rusviet anspielen. In unserer Vorschau erfahrt ihr, wie sich die neue Fraktion spielt und welche Updates sonst noch hinzugefügt wurden.
Wie oft man in letzter Zeit wohl lesen musste, dass Echtzeitstrategiespiele tot seien? Den Fans des Genres dürfte diese Phrase wohl zum Halse raushängen. Als falsch kann man diese Aussage aber auch nicht bezeichnen, denn im Laufe der Jahre wurden wir nicht unbedingt mit qualitativ hochwertigen Genrevertretern gesegnet. Wer sich mit RTS-Spielen vergnügen wollte, musste mit Remaster-Versionen älterer Giganten wie Age of Empires 1 und 2 sowie dem erst kürzlich erschienenen Command & Conquer Remastered vorliebnehmen.
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Aber auch hier lief es nicht immer bestens für die Fans: Das zuerst heiß ersehnte Warcraft 3 Reforged wurde von der Spielergemeinde förmlich zerrissen. Leere Versprechungen und fehlender Content machten das Remaster eines der beliebtesten Echtzeitstrategiespiele überhaupt zu einem Reinfall für Blizzard.
Ein Entwicklerstudio aus Bremen stemmt sich aber noch vehement gegen die Beisetzung des einst so populären Genres. Das RTS-Spiel mit dem Titel Iron Harvest (jetzt kaufen 49,11 € / 5,99 € ) wurde vom Studio King Art Games über eine, für den deutschen Raum, rekordträchtige Kickstarter-Kampagne mit 1,5 Millionen Dollar finanziert. Im März haben wir in unserer Vorschau zur Steam-Game-Festival-Demo bereits ausführlich über den Echtzeitstrategie-Kracher made in Germany, der am 1. September für PC, Playstation 4 und Xbox One erscheinen soll, berichtet. Jetzt durften wir, neben den bereits vorhandenen Fraktionen Polania und Sächsisches Imperium, exklusiv die dritte Fraktion namens Rusviet anspielen. Wir haben die an Russland angelehnte Partei ausführlich für euch unter die Lupe genommen.
Für das Mutterland!
Bekannt waren uns die stolzen Soldaten Rusviets bisher nur als Antagonisten in den fünf Kampagnenmissionen der Demo. Das Land, reich an natürlichen Ressourcen und menschlicher Arbeitskraft, agierte meist als Aggressor gegenüber seinem Nachbarland, Polania. Gebeutelt durch den großen Krieg und von inneren Unruhen zwischen Zarenhaus und Revolutionären geplagt, startet es erneute Angriffe auf den Nachbarstaat. In den bisher spielbaren Kampagnenmissionen erfährt man, dass die Einheiten Rusviets unter der Führung von Colonel Zubov auf der Suche nach neuen Technologien sind, um im Falle des nächsten großen Krieges die Überhand zu haben. Inwiefern unterscheiden sich die vermeintlich bösen Rusviets aber von den anderen Fraktionen?
Quelle: PC Games
Zu Beginn des Gefechts sollten so viele Ölfelder oder Eisenmienen eingenommen werden wie nur möglich. Diese garantieren euch einen steten Ressourcenfluss.
Beim Basenbau, der in Iron Harvest sowieso nicht allzu präsent ist, fällt der optische Kontrast zwischen den Parteien nur sehr gering aus. Hauptquartier, Barracken und Werkstatt sind bisher die einzigen funktionellen Gebäude, die von allen Fraktionen gebaut werden können. Bunker, Sandsäcke und Stacheldrahtzäune können bei den Rusviets ebenso zur Befestigung der eigenen Basis erbaut werden. Hinsichtlich der Infanterieeinheiten spielen sich die drei Fraktionen bisher auch fast identisch. Bei den Rusviets haben wir die gleiche Auswahl an Spezialisten wie Grenadiere, Ingenieure, MG- und Anti-Armor-Einheiten, Flammenwerfer und Sanitäter. Die Basiseinheiten sind jedoch, im Vergleich zu ihren polanischen und sächsischen Pendants mit ihren Jagdgewehren und Maschinenpistolen, mit mächtigen Schrotflinten ausgerüstet. Diese Einheiten machen momentan kurzen Prozess mit ihren Gegenstücken: Hier müsste noch am Balancing geschraubt werden. Bis zum Release könnten auch noch weitere unterschiedliche Einheiten eingefügt werden, aber zum Zeitpunkt der Beta sind die Unterschiede nicht signifikant.
Definitiv wichtiger als die Infanterieeinheiten sind aber wohl die wuchtigen Dieselpunk-Mechs, die im alternativen Universum von Iron Harvest eine wichtige Rolle in der Kriegsführung einnehmen. Und ja: Das Alleinstellungsmerkmal des Echtzeitstrategiespiels weiß auch bei der neuen Fraktion zu überzeugen. Die sechs unterschiedlichen Mechs, über die jede Fraktion verfügt, bringen eine große spielerische Abwechslung in das sehr taktikorientierte Gameplay. Während die Mechs von Polania eher auf Mobilität ausgelegt und die panzer-ähnlichen Festungen des sächsischen Imperiums zur stationären Belagerung geeignet sind, liegt die Stärke der rusvietischen Mecha-Monster im Nahkampf. Die meisten Mechs sind dafür mit Klingen- und Sichel-ähnlichen Waffen ausgerüstet. Hier sind definitiv positive Unterschiede spürbar, die für viel taktische Tiefe in den Gefechten sorgen.
Lasst sie kämpfen
Im Arsenal der Rusviets befindet sich nicht nur eine tödliche Kampfmaschinerie: Wie bei den anderen Fraktionen auch, hat man hier die Wahl zwischen jeweils drei leichten und schweren Mechs - die Meisten bewegen sich zweibeinig fort. Der Kolokol zum Beispiel (russisch für Glocke) verschießt langsame, aber gegen größere Gruppen effektive, an Armbrustbolzen erinnernde Explosivgeschosse. Der Ognivo arbeitet mit Flammenwerfern und ist effektiv gegen Infanterie und Gebäude, aber selbst von hinten leicht verwundbar. Die Anti-Mech-Einheit Nagan verschießt von ihrem Kopf aus eine zerstörerische Kanonensalve.
Quelle: PC Games
Die Nakovalnya kann über weite Distanzen großflächigen Schaden anrichten. So kann man gegnerische Truppen mit der eigenen Infanterie regelrecht in eine Falle locken!
Die Nakovalnya, einer Kanone nachempfunden, kann mit ihrem Mörserangriff über weite Distanzen großflächig Schaden anrichten, hat dafür aber einen langen Cooldown. Der super-schwere Mech Gulay Gorod ist förmlich eine zweibeinige Artilleriefestung. Unser Favorit aber ist der ebenfalls zweibeinige Serp. Mit zwei Sicheln an den Armen fügt der Koloss gegnerischen Mechs und Gebäuden auch kolossalen Schaden zu - und zwar mit Stil. Ein sehr außergewöhnliches Design, wie wir finden. Die leichten und schweren Mechs können gemeinsam in der Werkstatt produziert werden, schlucken aber einen Haufen an Ressourcen. Zusätzlich muss für die Produktion der schweren Mechs die Werkstatt geupgradet werden. Ein sehr kostspieliges Unterfangen, das vermutlich immer erst gegen Ende einer Runde vollzogen werden kann. Dafür lohnt es sich umso mehr, denn die schwer gepanzerten Einheiten reichen meistens aus, um ein aussichtsloses Gefecht noch zu drehen.
In der Beta-Version haben die Mechs der Rusviet-Fraktion aber ein ähnliches Problem wie die Basiseinheiten mit ihren Schrotflinten: Sie fühlen sich zu mächtig an. Im Vergleich mit den Mechs der anderen Parteien sind die neu hinzugefügten einfach viel zu effektiv. Kein allzu vernichtender Kritikpunkt, aber bis zum Release des kompletten Pakets erfordert es noch ein wenig Balancing-Arbeit.
Neue Helden braucht das Land
Neu in unserer Version war aber nicht nur die Rusviet-Fraktion. Auch die erste Reihe der Helden aller Parteien war das erste Mal für uns anspielbar. Dabei gibt es immer jeweils einen Infanterie- und einen Mech-Helden für jede Fraktion. Aus den Kampagnenmissionen sind uns Anna Kos und ihr Onkel Lech bereits bekannt gewesen. Die Scharfschützin zieht gemeinsam mit ihrem Bären Wojtek in den Kampf, während Onkel Lech in seinem gorilla-ähnlichen Kampfmech agil über das Schlachtfeld hüpft.
Quelle: PC Games
Hier zeigt sich unsere erste Reservewelle in Aktion. Heldin Olga ist zwar nicht so stark wie ein Mech, kann aber durch ihre nützliche Detonator-Fähigkeit ebenso viel Schaden anrichten.
Auch Colonel Zubov kannten wir bereits aus der Kampagne. Als Heldeneinheiten können wir seinen Schiffs-Mech samt Klingen und Raketensprung erstmals selbst steuern. Olga Romanova hingegen war vorher noch nicht spielbar. Die Infanterie-Heldin kann sich unsichtbar machen und mit einem Detonator großen Schaden an Gebäuden anrichten. Ähnlich wie Anna Kos hat auch sie einen tierischen Begleiter: den sibirischen Tiger Changa.
Das sächsische Imperium geht heldentechnisch natürlich auch nicht leer aus. In den Gefechten konnten wir aus den Helden Gunter von Duisburg, der mit seinen Wolfsgefährten Tag und Nacht in den Kampf zieht, und einem riesigen, vierbeinigen Mech namens Brunhilde wählen.
Selektiert werden die Helden vor Beginn der Gefechte. Dabei stehen euch insgesamt sechs Reservepunkte zur Verfügung. Infanteriehelden kosten euch einen Punkt, während euch die mechanisierten Helden zwei Punkte kosten. Zusätzlich sind die Reserven in zwei Wellen unterteilt. Mech-Helden fallen immer in die zweite Welle, die erst gerufen werden kann, nachdem man die erste mit Ressourcen erkauft hat. In beiden Reservewellen habt ihr insgesamt drei Slots, die ihr mit Infanterieeinheiten, die jeweils einen, und Mech-Einheiten, die jeweils drei Punkte kosten, füllen könnt. Zum richtigen Zeitpunkt können diese Reserven den Kampf entweder für euch entscheiden, oder aber auch eine drohende Niederlage abwenden. Alles in allem sind die Helden aller Fraktionen sehr ausbalanciert - ohne unfaire Vorteile.
Totgesagte leben länger
Quelle: PC Games
Die Stärken des Serp liegen in der Mech- und Gebäudeentsorgung. Wozu sollte eine riesige Maschine mit zwei Sichelarmen auch sonst gut sein?
Iron Harvest besticht sehr durch sein einzigartiges Setting. Die Welt von 1920+, eine retrofuturistische Nacherzählung der Zeit nach dem ersten Weltkrieg, stammt aus der Feder des polnischen Künstlers Jakub Różalski. Obwohl das Gameplay, wie auch schon in unserer ersten Vorschau angemerkt wurde, stark dem der Company-of-Heroes-Reihe ähnelt, reichen die Mech-Kämpfe aus, um den Titel von anderen Genregrößen abzuheben. Grafisch hat Iron Harvest auch einiges zu bieten. Die Mechs und die Gefechtskarten sind äußerst detailliert gestaltet. Das Kampfgeschehen läuft zudem äußerst flüssig ab. Einzig und allein die Balancing-Probleme sind es, die bisher negativ aufgefallen sind. Da es sich aber hier um die Beta handelt, kann man zuversichtlich sein, dass diese bis zum Release noch optimiert werden.
