Iron Harvest: RTS-Hoffnung aus Deutschland im großen Test - Video-Update

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Iron Harvest: RTS-Hoffnung aus Deutschland im großen Test - Video-Update
Quelle: King Art

Die malerischen Landschaften sind in Rauch gehüllt, gigantische Mechs durchpflügen das Land der 1920er und lassen keinen Stein mehr auf dem anderen: Endlich ist die große RTS-Hoffnung Iron Harvest da, auf die viele Fans so lange gewartet haben. Schon vor dem Release konnten wir euch kleine Einblicke in das Anti-Kriegs-Epos geben. Nun zeigen wir euch, was im fertigen Spiel auf euch zukommt - und das wird ziemlich imposant. Inklusive Video!

King Art Games aus Bremen hat sich mit Iron Harvest an die Mammutaufgabe herangewagt, (jetzt kaufen 49,11 € / 5,99 € ) das totgeglaubte Genre der Echtzeitstrategie wiederzubeleben, das Jahre lang erfolgreiche Titel vermissen ließ. Gleichzeitig setzen sich die Macher das Ziel, auch noch ungewöhnliche Dieselpunk-Einflüsse mit einzubringen. So bezeichnet man die Darstellung futuristischer Diesel-Kampfmaschinen innerhalb einer Retrowelt.

Das Ergebnis einer beeindruckenden Kickstarterkampagne ist ein umfassendes RTS, das sich auf Genregrößen wie Company of Heroes besinnt - mit einer erzähllastigen Kampagne, aufregenden Einzelmissionen und einem Mehrspielermodus für gemeinsame Gefechte. Ob der Mix aus bekannten Spielmechaniken und neuartigem Setting aufgeht und Veteranen sowie Einsteiger befriedigen wird? Das haben wir uns in diesem ausführlichen Test genauer angesehen und zeigen euch, was ihr in der düsteren Welt von Iron Harvest erwarten könnt.

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Was wäre wenn ...

1920+
ist ein alternatives Universum im Europa der frühen 20er, das auf Bildern von Jakub Różalski basiert. Es verbindet das reale Ereignis des Polnisch-Sowjetischen Kriegs mit fiktiver Technologie.

Die stimmungsvollen Aquarelle zwischen Schönheit und Melancholie dürfen wir immer wieder im Spiel genießen. Quelle: King Art Die stimmungsvollen Aquarelle zwischen Schönheit und Melancholie dürfen wir immer wieder im Spiel genießen. ... der Erste Weltkrieg mit mächtigen, metallenen Maschinen bestritten worden wäre? Wie hätte unsere Welt ausgesehen? 1920+ ist eine fiktive Realität in Europa nach dem Ersten Weltkrieg, auf der das Setting von Iron Harvest basiert. Die größten Feldzüge sind vorbei und doch ist die Erde noch immer von Blut und Auseinandersetzungen überzogen. In dieser Situation versuchen die drei Lager Polania, Rusviet und Saxony sich zu behaupten und tragen ihre Konflikte in brutalen Kämpfen aus. Ihre Geheimwaffe: riesige Dieselpunk-Mechs, die als mächtige, metallene Kolosse die Schlachtfelder verheeren. Die Welt von 1920+ thematisiert dadurch die moderne Kriegstechnologie nach der Industrialisierung in futuristischem Gewand und zeigt die Grausamkeiten eines Kampfes, in dem es nicht mehr Mann gegen Mann geht, sondern völlig anonym ganze Massen vernichtet werden.

Die Ästhetik von Iron Harvest basiert auf Artworks des polnischen Künstlers Jakub Rozalski, dessen Dieselpunk-Welt sich bereits in Brettspielen wie Scythe wiederfand. Nun wurde das Setting von 1920+ in Iron Harvest auf den Computerbildschirm gebannt. Und das sehr tiefgründig und eindringlich mit pompöser Musik und melancholischen Bildern. So waren Rozalskis Zeichnungen nicht nur die Grundlage für die Gestaltung des RTS, sondern fließen im Menü und in Ladebildschirmen in Form von atmosphärischen Aquarellbildern auch direkt ins Spiel ein.

Die Gestaltung der wichtigen Figuren ist in den Zwischensequenzen deutlich feiner. Generell schwankt der Detailgrad der Charaktere etwas stark innerhalb der Cut-Scenes. Quelle: PC Games Die Gestaltung der wichtigen Figuren ist in den Zwischensequenzen deutlich feiner. Generell schwankt der Detailgrad der Charaktere etwas stark innerhalb der Cut-Scenes. Die Zwischensequenzen des Spiels sind hingegen in einer 3D-Grafik dargestellt, die zwar detaillierter sein könnte, gerade Nebenfiguren sind in Gestik und Mimik oft etwas schwammig, das Geschehen aber trotzdem gut in Szene setzt. Dank des düsteren Weltenbaus von Iron Harvest ist man manchmal auch ganz froh, dass die Cut-Scenes nicht hundertprozentig realistisch gestaltet sind, dadurch kann man zumindest ein gewisses Maß an Distanz zum tragischen Geschehen aufbauen. Der Fokus liegt somit mehr auf der Entwicklung der Figuren als auf voyeuristischer Gewaltdarstellung.

Während das Figurendesign ein wenig hinter aktuellen Titeln zurücksteht, ist das Konzept und die Darstellung der Diesel-Mechs wirklich imposant. Zum Beispiel beim Anblick der rusvietischen Maschine Serp, die mit ihren riesigen Sicheln besonders einprägsam und beängstigend aussieht, läuft es einem schon mal eiskalt den Rücken runter. Auch im Gameplay selbst warten die Maschinen auf dem Schlachtfeld mit vielen Details auf. Allgemein sind die Spielwelten von Iron Harvest mit ihren Bäumen, Häusern und Schrotteilen ziemlich filigran ausgearbeitet und fallen immer wieder mit Kleinigkeiten auf, die die Karten lebendiger gestalten. Serp heißt der beängstigende Mech der Rusvietischen Fraktion, der mit mächtigen, zerstörerischen Scheren über das Schlachtfeld schwingt. Quelle: PC Games Serp heißt der beängstigende Mech der Rusvietischen Fraktion, der mit mächtigen, zerstörerischen Scheren über das Schlachtfeld schwingt. Untermalt sind die drastischen Kriegsbilder und melancholischen Landschaften von einem epochalen Soundtrack, der nicht nur bei Herausforderungen oder im Mehrspieler-Modus, sondern besonders in der Kampagne die Welt perfekt ins Szene setzt. Mit dem letzten Feinschliff ist zum Release nun auch eine sehr gute, deutsche Synchronisation hinzugekommen - King Art ist ja auch ein deutsches Studio. Dass die Figuren im englischen stets mit einem Akzent passend zu ihrer jeweiligen Herkunft sprechen, ist ein schönes Detail, das in der deutschen Vertonung leider weggelassen wurde.

Macht sie nieder!

Im Gefechts-Modus kämpfen wir auf verschiedenen Karten um bestimmte Spielziele gegen den Computer. Quelle: PC Games Im Gefechts-Modus kämpfen wir auf verschiedenen Karten um bestimmte Spielziele gegen den Computer. Doch wie funktioniert eigentlich das Spielprinzip? Bei Iron Harvest handelt es sich um eine sehr klassische Echtzeitstrategie: Als virtueller Kommandant vor dem Bildschirm können wir per Mausklick militärische Einheiten über eine isometrische Karte schicken und versuchen, sie zum Sieg über die gegnerischen Truppen zu führen. Das können wir in verschiedenen Spielmodi tun. Neben einer ausgiebigen Kampagne, einem Multiplayer-Modus und drei festen Herausforderungs-Maps gibt es den Gefechts-Modus, in dem wir gegen den Computer um verschiedene Spielziele kämpfen.

Die Map ist um uns herum stets in einen Fog of War gehüllt. Wir können also nur die Gebiete sehen, die wir gerade mit unseren Soldaten auskundschaften, aber nicht, was an anderen Orten geschieht. Manchmal muss man sich also vorsichtig vortasten, wenn man nicht nach der nächsten Häuserecke vor einem riesigen Kampfkoloss stehen will. Je nach Mission oder Spielmodus müssen wir verschiedene Ziele erreichen, um zu gewinnen. Einmal ist es die Eroberung einer Fahne, ein andermal das Sammeln verschiedener Ressourcen oder im Zweifelsfall die komplette Vernichtung der Gegnerischen Truppe - dieses Spielziel ist eigentlich immer sinnvoll.

Dieses düstere Artwork zeigt die Flammenwerfer-Einheit der sächsischen Kompanie. Quelle: King Art Dieses düstere Artwork zeigt die Flammenwerfer-Einheit der sächsischen Kompanie.

Jede Fraktion im Spiel besitzt beinahe dieselbe Infanterie: Es gibt immer eine Grundeinheit, zu der sich dann noch Grenadiere, Kanoniere, MG-Schützen und Flammenwerfer gesellen. Hinzu kommen die beiden Hilfseinheiten: Ärzte und Ingenieure. Erstere päppeln unsere verletzten Truppen wieder hoch, mit Letzteren können wir eine kleine Basis aus wenigen Zelten errichten. Spannend ist dabei, dass Soldaten auf dem Schlachtfeld auch Waffen aufheben können, die von den Gegnern fallengelassen wurden. So kann eine einfache Grundeinheit schnell zu Grenadieren umgerüstet werden, wenn man gerade Bedarf an Krach und Explosionen hat. Ein weiterer hilfreicher Kniff in der Schlacht sind Waffensysteme wie Mörser oder schwere MGs. Die sind zwar nützlich, um gegnerische Maschinen zu Fall zu bringen, müssen aber erst langsam an den richtigen Punkt geschoben und ausgerichtet werden. Ansonsten besitzt jede Fraktion zudem eine Exo-Skelett-Einheit, eine Mischung aus Mech und Soldat. Diese sind allerdings recht unterschiedlich, je nachdem, ob man Polania, Rusviet oder Saxony bespielt. Selbstverständlich dürfen in einem jeden Heer auch die mörderischen Metallkolosse nicht fehlen, die auf dem Schlachtfeld zwischen Sieg oder Niederlage entscheiden können. Die Mechs sind je nach Herkunft sehr unterschiedlich, weshalb wir sie lieber später zusammen mit den einzelnen Fraktionen beleuchten.

Ein Grundkonzept von Iron Harvest ist es, dem Spieler genug Zeit zu geben, seine Taktik zu planen, Einheiten aufzubauen und Infrastruktur hochzuziehen - um dann meist trotzdem überrannt zu werden. Denn einfach sind die meisten Missionen nicht. Das Spielprinzip richtet sich also weniger an Leute, die Action und schnelllebiges Gameplay suchen, sondern an Vollblutstrategen. Menschen eben, die auch bis vier Uhr nachts geduldig mit den Kumpels vor einer Partie Risiko sitzen, bis endlich mal jemand gewonnen hat. Rennt man einfach nur wild auf den Gegner zu, wird man niedergemäht, bevor man gucken kann. Nimmt man sich allerdings die Zeit zum Vorbereiten, steigen die Chancen. Ein Sieg ist aber nie sicher - jede Mission in Iron Harvest ist eine eigene kleine Herausforderung.

Kein Gebäude ist sicher

Um eine Basis aufzubauen können wir nur einige wenige Gebäude mit unseren Ingenieuren errichten. Quelle: PC Games Um eine Basis aufzubauen können wir nur einige wenige Gebäude mit unseren Ingenieuren errichten. Unsere Infrastruktur in der Schlacht besteht aus einem Hauptquartier, um einfache Soldaten auszubilden, einer Baracke für komplexere Einheiten und einer Werkstatt zum Bau von Mechs. Unsere Basis können wir dann noch gegen Feinde absichern, indem unsere Ingenieure Stacheldraht verlegen, Geschütztürme aufstellen oder Mienen in den Weg legen. Mehr Gebäude gibt es nicht und das kann man als Kritik-, aber auch als Pluspunkt ansehen: Viele RTS-Spieler schätzen gerade den einfachen, sehr grundlegenden Basenbau. Dadurch kann man sich, statt stundenlang Bauplaner zu spielen, auf das Wesentliche konzentrieren: den Kampf auf dem Schlachtfeld. Ein paar Gebäude mehr hätten aber auch nicht geschadet.
Ressourcen sind das A und O für den Sieg. Hier nehmen die Einheiten zum Beispiel gerade eine Eisenmine ein. Quelle: PC Games Ressourcen sind das A und O für den Sieg. Hier nehmen die Einheiten zum Beispiel gerade eine Eisenmine ein. Besonders wichtig für den Spielverlauf sind Ressourcen wie Eisen und Öl, die wir sammeln müssen, um überhaupt Gebäude errichten oder Einheiten auszubilden zu können. Dazu müssen wir entweder Pumpen oder Minen auf dem Feld einnehmen oder auf ein Vorkommen des Rohstoffs bauen. Sobald das erfolgt ist, generieren diese Standorte von selbst die wertvollen Rohstoffe. Je mehr wir davon haben, desto besser. Pumpen oder Minen können wir zudem, wie viele andere Gebäude auch, nach und nach upgraden, um noch bessere Ergebnisse zu erzielen. Natürlich müssen wir die Quellen unserer Ressourcen auch verteidigen. Denn der Gegner kann diese nicht nur einnehmen, sondern auch zerstören. Das gilt aber natürlich auch andersherum.

Um unsere Einheiten besser zu schützen können wir sie hinter Mauern oder Steinen in Deckung ziehen. Quelle: PC Games Um unsere Einheiten besser zu schützen können wir sie hinter Mauern oder Steinen in Deckung ziehen. Das Spiel erinnert also an eine neue, moderne Umsetzung von Genre-Klassikern wie Company of Heroes. Dessen Schlachtszenarien sind ebenfalls sehr realistisch gehalten und konzentrieren sich mit wenig Basenbau ganz auf Strategie und Taktik. Von solchen Titeln hat Iron Harvest eine Menge gelernt und sich die guten Elemente herausgepickt. Wie bei vielen RTS-Games üblich, können wir die Infrastruktur clever zu unserem Vorteil nutzen. Häuser auf der Map können betreten werden und schützen Einheiten vor Treffern. Außerdem können sich unsere Soldaten hinter Gräben, Steinen oder Sandsäcken verbergen, um den Gegnern kein leichtes Ziel zu bieten. Wenn wir mit der Maus die Umgebung absuchen, markieren uns grüne und gelbe Punkte, an welcher Stelle wir eine vollständige oder eine halbe Deckung für unsere Leute finden. Dieses System ist nicht so komplex und detailliert aufgebaut wie bei manchen anderen Klassikern des Genres, macht die strategischen Kämpfe aber deutlich spannender. Wenn der Gegner beispielsweise in einem schlecht angreifbaren Graben sitzt, müssen wir gegebenenfalls unsere Strategie ändern. Etwas transparenter hätte das Deckungssystem aber dennoch sein können, da man zum Beispiel oft nicht genau weiß, ob die Einheiten an einem Punkt nun geschützt und für den Gegner unerreichbar sind oder nicht. Ebenso sind die Sicht- und Reichweiten der Mechs oft sehr unklar.
Ein besonders cooles und sehr realistisches Gimmick ist, dass sämtliche Gebäude, Mauern, Zäune und einfach alles auf der Karte zerstörbar ist, um zum Beispiel den gegnerischen Einheiten einfach die Deckung wegzuschießen. Schwere Mechs können durch Häuser walzen wie durch Pappmaschee und hinterlassen nur noch Trümmer und Staub. Das befriedigt zum einen die reine, primitive Lust auf Zerstörung und kann zum anderen den Gegnern strategische Punkte verhageln. Stimmig ist dabei, dass man oft nur sehr schwer kontrollieren kann, was unsere Mechs einreißen und was nicht. Teilweise rennen sie auch durch Häuser, die man eigentlich danach besetzen wollte - dann hat man Pech gehabt und muss umplanen.

Von riesigen Blechdosen und wandelnden Panzern

Die polanischen Schreiter Śmiały sehen krude aus, sind aber hilfreiche Waffen im Kampf. Quelle: PC Games Die polanischen Schreiter Śmiały sehen krude aus, sind aber hilfreiche Waffen im Kampf. Soweit zum Grundaufbau des Spiels, aber worin liegen nun die Besonderheiten der einzelnen Fraktionen? Zum einen gibt es Unterschiede bezüglich ihrer Grundeinheit. Bei Polania sind das Schützen mit simplen Jagdgewehren, bei Rusviet haben die einfachen Soldaten Schrotflinten und bei Saxony Maschinenpistolen. Generell wirken die polanischen Truppen leider immer etwas unterlegen gegenüber den anderen Fraktionen. Das trägt zwar zum Weltenbau bei, da es sich um das ärmste Volk handelt, ist in Sachen Ausgewogenheit aber etwas schade: Selbst wenn man die polanischen Streitkräfte am liebsten mag, wird man sich zwei Mal überlegen, ob man sie in die Schlacht führt.

Der Rusvietische Mech Nakovalnya feuert mächtige Raketensalven ab. Quelle: PC Games Der Rusvietische Mech Nakovalnya feuert mächtige Raketensalven ab. Besonders prägend für die polanischen Einheiten sind die Mech-Schreiter Smialy, große, bemannte Metallbüchsen auf zwei Beinen, die ein wenig an eine sehr krude Variante der AT-ATs aus Star Wars erinnern. Sie sehen in ihrer Gestaltung ziemlich bizarr aus, sind allerdings recht flink und schnell im Kampf. Allzu viel Schaden halten die Schreiter allerdings nicht aus.

Neben den bereits gezeigten schweren Serp-Mechs, besitzt die rusvietische Fraktion zudem eine sehr mächtige Exo-Skelett-Einheit. Die Groza springen nämlich mit Jet-Packs einfach in den Nahkampf und können so schnell Distanzen auf dem Schlachtfeld überwinden. Mit ihrem leichten Mech Nakovalnya können die rusvietischen Armeen zudem verheerende Kanonensalven ins Schlachtgetümmel schießen.

In jeder Einheit haben wir die Wahl zwischen verschiedenen Mechs von leicht und wendig bis schwer und robust. Quelle: PC Games In jeder Einheit haben wir die Wahl zwischen verschiedenen Mechs von leicht und wendig bis schwer und robust. Die saxonische Kompanie hat zu guter Letzt mit der Exo-Skelett-Einheit Eisenhans ebenfalls eine visuell sehr imposante Option auf dem Schlachftfeld, die allerdings ganz anders vorgeht als die Groza der Rusviets: Sie ist sehr langsam und schießt eher auf weite Distanz mit großen Kanonen. Bei den Mechs gibt es ebenfalls leichte, flinke Maschinen gegen Infanterie, wie zum Beispiel Grimbart, oder riesige Artillerie-Panzer wie den Kaiser, das schwerste Gefährt von Saxony.

In den ersten Schlachten entstand das Gefühl, dass das Gleichgewicht zwischen den einzelnen Fraktionen zwar einigermaßen ausgewogen ist, die rusvietischen Truppen allerdings etwas mächtiger sind als die übrigen Heere. Das ist zwar spürbar, fällt aber nicht so sehr ins Gewicht, dass es einem den Spaß verderben würde.

Für den Kaiser, Zaren oder für das nackte Überleben

"Sie sagten, der Krieg wäre ein Abenteuer. Sie versprachen Ruhm und Ehre. Am Ende sollte er fünf Jahre dauern.  Jahre voller Qualen und Schrecken, wie sie die Welt noch nie gesehen hatte."

- Ana Kos, Hauptfigur der Polania-Kampagne
 

Das absolute Hightlight von Iron Harvest ist allerdings der Kampagnen-Modus, der drei verschiedene Geschichten, jeweils eine pro Fraktion, zum Leben erweckt. Jeder der Kampagnen besitzt andere Hauptfiguren, deren Hintergrund wir nicht nur in den Zwischensequenzen kennenlernen, sondern die wir auch als steuerbare Einheiten mit besonderen Fähigkeiten auf dem Schlachtfeld einsetzen dürfen. Die vielseitigen Missionen der Kampagnen reichen von Verteidigungsaufgaben über klassisches Schlachtgetümmel bis hin zu geheimen Stealth-Aktionen.
Die drei Hauptcharaktere in der Kampagne: Ana Kos, Olga Romanova und Gunter von Duisburg. Quelle: King Art Die drei Hauptcharaktere in der Kampagne: Ana Kos, Olga Romanova und Gunter von Duisburg.
Ana Kos wird durch den Krieg zur unfreiwilligen Heldin und Rebellenführerin ihres unterdrückten Volkes. Quelle: PC Games Ana Kos wird durch den Krieg zur unfreiwilligen Heldin und Rebellenführerin ihres unterdrückten Volkes. In der Polania-Kampagne begleiten wir Ana Kos, ein einfaches Mädchen auf dem Land, das sich wegen der Schrecken des Krieges gezwungenermaßen zur Kämpferin entwickelt. In der Schlacht handelt es sich bei Ana Kos um eine Schützen-Infanterieeinheit, die immer ihren treuen Bärenbegleiter Woitek an der Seite hat. Ihn müssen wir, wie alle tierischen Begleiter im Spiel, nicht selbst steuern: er beschützt unsere Ana auch ohne, dass wir es ihm sagen müssen. Wenn wir wollen, können wir den Bären allerdings gezielt auf bestimmte Gegner hetzen. Die Polania-Kampagne besitzt eine ausgesprochen emotionale, tiefgründige Erzählung über ein Einzelschicksal, kombiniert mit spannenden Missionszielen, bei der einem die Hauptfigur und ihr Werdegang richtig an Herz wachsen.

Vielleicht ein bisschen übertrieben cool: Die rusvietische Protagonistin Olga Romanova. Quelle: King Art Vielleicht ein bisschen übertrieben cool: Die rusvietische Protagonistin Olga Romanova. Eine weitere weibliche Heldin lernen wir in der Rusviet-Kampagne kennen: Olga Romanova, eine rusvietische Spionin, begleitet von ihrem Tiger Changa. Als Handlangerin des Zaren versucht sie, die zunehmend aufkeimende Unzufriedenheit und die Unruhen einzudämmen und den früheren Glanz ihres Reiches zu bewahren. Im Gegensatz zu Ana Kos ist sie streng ausgebildet, kalkuliert und skrupellos. Sie ist eine Stealth-Einheit, die mit katzenhafter Heimlichkeit, Schusswaffe und Klinge in den Kampf zieht, um Gegner auch heimlich auszuschalten. Extrem cool, aber vielleicht auch ein wenig zu cool und klischeehaft. Eine gefühlvolle, hilfsbereite, mutige Ana Kos wirkt charakterlich vielseitiger und weniger stereotyp.

Gunter von Duisburg ist ein gealterter Veteran des saxonischen Imperiums, der stets seine zwei Wölfe namens Tag und Nacht im Schlepptau hat. Bei ihm handelt es sich um die vielleicht düsterste, geheimnisvollste Hauptfigur in Iron Harvest. In seiner Kampagne erleben wir ein einstmals mächtiges, nun aber extrem instabiles Kaiserreich in seinen letzten Tagen und einen aufkeimenden Konflikt zwischen Gunter und dem ungestümen Prinz Wilhelm von Saxony. Diese letzte Kampagne ist dadurch die politischste der drei Geschichten und dreht sich vor allem um Intrigen und Kalkül. Dadurch ist sie weniger gefühlvoll, als die Erzählung um Ana Kos, trotzdem aber ausgesprochen spannend - man will wirklich wissen, wie der Konflikt weitergeht. Außerdem begegnet man nach und nach immer wieder sehr interessanten Nebenfiguren, wie zum Beispiel der frechen Ingenieurin Frieda Ruete. Im Kampf tritt Gunter entweder als Infanterieeinheit mit Nahkampffähigkeit und seinen Wölfen zum Schutz auf oder in Form seines persönlichen Mechs Brunhilde: Ein riesiger Kampfkoloss, sehr langsam, aber dafür undurchdringlich und tödlich.

An starken Frauenfiguren wird in Iron Harvest nicht gegeizt: Die freche Frieda Ruete ist eine talentierte Ingenieurin und nimmt kein Blatt vor den Mund. <br> &nbsp; Quelle: PC Games An starken Frauenfiguren wird in Iron Harvest nicht gegeizt: Die freche Frieda Ruete ist eine talentierte Ingenieurin und nimmt kein Blatt vor den Mund.
 

Die Kampagnen können nur der Reihe nach gespielt werden, erst Polania, dann Rusviet und dann Saxony. Das ist auch sinnvoll, denn zum einen steigt zunehmend der Schwierigkeitsgrad, zum anderen sind die Geschichten der einzelnen Fraktionen nicht ganz voneinander zu trennen. Viel mehr wird man überrascht sein, die eine oder andere Figur plötzlich später, in anderem Zusammenhang, wiederzutreffen. Neben den drei genannten Hauptfiguren gibt es auch noch eine Hand voll anderer spielbare Heldencharaktere, die besondere Fähigkeiten besitzen. Wir wollen euch die Handlung der Kampagne an dieser Stelle aber nicht zu sehr spoilern,

Besonders besticht das Spiel durch sein einzigartiges Setting und seine extrem dicht erzählte Kampagnen-Story zwischen Einzelschicksalen und Massenvernichtung. Das Kampfsystem ist zwar angenehm schnell zu erlernen, die wenigen teuren Einheiten erfordern aber gute Planung. Taktisch schöpft Iron Harvest allerdings noch nicht alles aus, was der Dieselkanister hergibt. Die Fraktionen sind sich mit ihren identischen Grundeinheiten etwas zu ähnlich und einzelne Einheiten könnten mehr Spezialfähigkeiten mitbringen, um die Schlacht strategischer lenken zu können. Ebenso gibt es noch nicht allzu viele Missionen gegen den Computer - da sollte noch nachgereicht werden. Dank des beeindruckenden Weltenbaus, des tollen, kreativen Designs und der interessanten Charaktere, ist Iron Harvest nach Jahren mal wieder ein extrem cooles und einprägsames RTS.

Das Echtzeitstrategiespiel ist seit dem 01.09.2020 für den PC erhältlich. Auch Versionen für PS4 und Xbox sollen zu Beginn des kommenden Jahres folgen, ein sicheres Release-Datum gibt es dafür allerdings noch nicht.

Meinung

Meinung

Wertung zu Iron Harvest (PC)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Einzigartiges SettingTiefgründige DieselpunkweltTolle Aquarell-ArtworksViel Taktik, wenig HektikZerstörbare UmgebungGroßartiges Storytelling in der KampagneTaktisch interessante HauptfigurenSoundtrack mit GänsehautgarantieTolles Voiceacting
Taktikmöglichkeiten hätten mehr sein könnenDeckungssystem nicht ganz ausgereiftOptik der Figuren teils wenig detailliertBisher wenig Missionen gegen die KISo gut wie kein Basenbau

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