Journey: Test: Meine Reise zu mir selbst

Test Sandro Odak Sven Huber
Journey im Test. (2)
Quelle: Thatgamecompany

Sony bringt den PS3-Indie-Hit Journey in 1080p auf die Playstation 4. Wir haben im Test einen völligen Neuling und einen alten Hasen vor die Konsole gesetzt. Zwei Spieler, zwei Meinungen!

Es gab wenige Titel, die es mir in der vergangenen Konsolen-Generation mehr angetan haben als Journey von Thatgamecompany. Privat besaß ich eine Xbox 360 und blickte daher neidisch auf meine Freunde, die von den fast schon transzendentalen Erlebnissen berichteten. Tränen seien geflossen, Tränen der Rührung.

Fairer Preis
Journey ist ab sofort im PSN als Cross-Buy-Titel erhältlich. Wer es neu kauft, kann es auch auf seiner PS3 herunterladen. Wer es auf PS3 bereits gekauft hat, bekommt die HD-Version gratis.

Nun ist Journey auch auf Playstation 4 verfügbar. Der erste Blick verrät: An der Grafik haben die Macher sicherlich nicht so lange gearbeitet. Der Indie-Titel mit einer Länge von etwa zwei bis drei Stunden sieht auf Sonys neuerer Konsole genauso aus, wie auf der älteren: Sehr verspielt und künstlerisch. Nun zwar in 1080p und 60 Frames. Aber eigentlich ist das irrelevant. Die Spielwelt ist eine abstrakte Wüste mit Ruinen und Gebilden, die ich auf Knopfdruck wieder zum Leben erwecken kann.

Das ferne Ziel: Ein Berggipfel. Das eigentliche Ziel: Der Weg. Quelle: Thatgamecompany Das ferne Ziel: Ein Berggipfel. Das eigentliche Ziel: Der Weg. Eine Erklärung gibt mir Journey nicht. Was ich zu tun habe, was ich lieber sein lasse und worin das Spielziel besteht, das soll ich bitte schön selbst herausfinden. Der Weg ist das Ziel. Und meine total minimalistische Zusammenarbeit mit zufälligen, menschlichen Mitspielern. In jedem Spielabschnitt treffe ich einen neuen Kameraden. Ich erfahre aber nicht, wie er heißt. Kommunikation? Ist gerade mal rudimentär. Ich kann meinen Kollegen mit einem Klingeln auf mich aufmerksam machen. Aber was mag das wohl heißen? Komm her? Geh weg? Mach dies? Tu das? Es gehört Vertrauen zu Journey - in den Mitspieler und auch in sich selbst. Denn ob der andere wirklich das meinte, was ich gerade mache, weiß ich nicht.

Zusammenbleiben hilft

Jetzt in 1080p und 60 Frames: Die Grafik ist aber gar nicht Hauptsache in Journey. Quelle: Thatgamecompany Jetzt in 1080p und 60 Frames: Die Grafik ist aber gar nicht Hauptsache in Journey. Mit der Zeit lernt man, dass Zusammenarbeit in mehrerlei Hinsicht hilft. Um weit zu springen, muss jeder Spieler seinen Schal verlängern. Dafür liegen in der Welt Addons herum. Viele davon erreicht man nur mithilfe des Mitspielers. Doch selbst mit langem Schal muss man die Energie immer wieder am Boden auffüllen. Dafür kann man entweder mit der Spielwelt interagieren und Stofffetzen "befreien" oder in der Nähe des Spielpartners bleiben. Durch Signaltöne kann man den jeweils anderen Spieler wieder "aufladen" - und ihm so Lebensenergie spenden. Das ist besonders im zweiten Teil des Spiels wichtig, wenn man die Wüste verlassen hat und in der eisigen Kälte eines Berges steht. Hier gibt es kaum Stofffetzen, nur den Mitspieler - eine Beziehung entsteht.

Mein namenloser Kumpel und ich laden uns immer wieder gegenseitig auf, als wir durch den tiefen Schnee stapfen. Aber es reicht nicht, wir werden immer langsamer und langsamer... Das geht nahe, obwohl sich Journey so große Mühe gibt, nichts zu spezifizieren und nur abstrakt und minimalistisch darzustellen.

Erwartungen zu hoch?

Eine der minimalistischen Erfahrungen: Ein Mitspieler versucht mich auf übersehene Sammelobjekte in der Mitte des Areals aufmerksam zu machen. Quelle: Thatgamecompany Eine der minimalistischen Erfahrungen: Ein Mitspieler versucht mich auf übersehene Sammelobjekte in der Mitte des Areals aufmerksam zu machen. Als ich nach etwas mehr als zwei Stunden das emotionale Ende und den Höhepunkt von Journey sehe, bin ich erstaunlich ruhig. War es das, frage ich mich. Sicher, das Ende hat mich gefesselt und mitgenommen. Und als ich die Namen der Mitspieler lese, mit denen ich gerade unwissentlich gespielt habe, geht mir ein bisschen das Herz auf. Ich freue mich, diese zwei Stunden mit ihnen geteilt zu haben. Vor allem einen Spieler habe ich in mein Herz geschlossen. Er hat mich geführt, mir die versteckten Sammel-Objekte gezeigt. Keine Ahnung, welcher von den fünf Mitspielern er war...

Dennoch fehlt mir etwas. Ich fange einen zweiten Durchlauf an - und stelle schnell fest, dass das nicht hilft. Journey ist Kunst, die auf einen wirkt. Aber nur beim ersten Mal. Sie wird nicht besser und sie wird nicht offensichtlicher, wenn man sie länger anstarrt. So müssen sich Menschen fühlen, die stundenlang im Louvre anstehen, um die Mona Lisa zu sehen und dann von den nachrückenden Besuchern hastig vorbeidrängt werden. Journey war ein kurzes, aber intensives Erlebnis.

Meinungen

Wertung zu Journey (PS4)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
1080p, 60 Frames gelungenkünstlerisch angehauchtes, einmaliges Erlebnisfairer Preis: Wer es auf PS3 besitzt, bekommt Download gratisspannendes MP-Konzept mit minimalistischer Kommunikation
sehr kurzkein Wiederspielwert
Fazit

Journey ist weniger ein Spiel als viel mehr ein meditatives Erlebnis. Darauf muss man sich einlassen.

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