Das wilde Duo ballert sich einen blutigen Pfad durch Shanghai. Zur Gewalt gesellt sich nun ein sehr eigener Grafikstil.
Shangahi, die Stadt der Unterschiede
Kane & Lynch 2: Dog Days
Vom Setting her gibt sich Kane & Lynch 2 sehr abwechslungsreich. Die Gegenden, in denen Lynch sich als Krimineller bewegt, sind meist schäbig und abgewrackt, Armut und Kriminalität haben die Viertel gezeichnet. Düster geht es dort zu und der reiche Viertel mit Prachtbauten und Paradestrassen liegen im Spiel wie im echten Shangahi nah beieinander. Arm und Reich fließen da irgendwie ineinander. Dafür sorgt aber nicht nur die Grafikengine, die Shanghai in seinen Slums dreckig und kalt darstellen kann, sondern auch das imposante Setting - Shanghai ist nun mal eine Stadt der Unterschiede. In der Realität wie im Spiel stehen da riesige Hochhausschluchten umgeben von schmutzigen Slumgebieten, die man in Kane & Lynch ebenso besucht, wie den Untergrund der Stadt. Das Highlight der Kampagne: Eine Flucht vor den Widersachern, vollkommen nackt und dem Sterben nahe... direkt davor einer der emotionalsten und zugleich brutalsten Momente des Spiels, um was es aber geht, möchten wir nicht verraten. Nur so viel: Spätestens ab hier spielt Lynch in einer vollkommen eigenen Welt, Regeln aus der Realität scheinen ihm fremd.
Kane & Lynch 2: Dog Days
Leider hat man es trotz der intensiven Erzählweise nicht geschafft, emotional zu fesseln. Das ganze Spiel wurde im Vorfeld als Lynchs Odyssey verkauft, die sich intensiv mit dem kranken Hirn Lynchs auseinandersetzt. Sehr viel bekommt man als Spieler davon aber nicht zu spüren. Zwar ist die Geschichte sehr intensiv und baut eine schnelle Faszination auf, vor allem, da man zur Abwechslung die Welt doch mal wieder aus der Sicht des Kriminellen sieht, aber Begeisterung, wie teils noch im ersten Teil, gibt es da keine. Diese verhindert zum Teil aber auch der Erzählstil, der sich an Youtube-Videos orientiert und häufig generische Schnitte in Zwischensequezen setzt. Aber auch die stinklangweiligen Ladebildschirme stören da das Gesamtbild. Man hört Lynch darin meist mit seiner Freundin telefonieren, während im Hintergrund einige kleinformatige Bilder das nächste Level ankündigen.
Kane & Lynch 2: Dog Days
Gelungen ist neben der optischen Umgebung übrigens auch die physikalische Umsetzung. So ist Shanghai teilweise zerstörbar. Egal ob man nun selbst hinter einer Holzkiste Schutz sucht oder sich ein KI-Gegner dahinter versteckt, viele Gegenstände sind, halbwegs physikalisch korrekt, zerstörbar und bieten nur kurz Schutz. Das fällt einem schon im Demolevel auf, welches in einem chinesischen Restaurant spielt. Verbleibt man da zu lange auf einem Punkt, schießen die gegnerischen Cops einem ganz schnell mal die Deckung weg. Man muss daher, wie man es schon aus dem ersten Teil kennt, von einer sicheren Deckung zur anderen hechten - das Deckungssystem ist ähnlich gut geblieben, wie im ersten Teil. Außerdem kann man Gegner als menschliche Schilde missbrauchen und Feinde so zurückdrängen. Kleinere Gemeinsamkeiten zwischen Kane & Lynch (die "Bösen") und Army of Two (die "Guten") sind insofern in der Hinsicht gegeben, zumal beide auf Koop ausgelegt sind. Wenn man dann mal doch getroffen wird, ist man nicht immer direkt tot. "Wir wollen dem Spieler immer eine zweite Chance geben," so Kim. "Man ist dann zwar getroffen, aber häufig nicht sofort tot. Der Spieler hat die Möglichkeit, sich entweder hinter die nächste Deckung zu retten, oder aber seine Gegner mit einigen finalen Schüssen doch noch zu erwischen und danach zu entrinnen."
Allein, zu zweit oder direkt mit vielen!
Kane & Lynch 2: Dog Days
Kernelement von Kane & Lynch war schon im ersten Teil der Multiplayer-Part. Gespannt waren wir nach den vielen Previews vor allem auf den kooperativen Part, denn ganz nachvollziehbar ist die Partner-KI nicht (dazu später noch mehr im Technik-Check). Unterteilt ist der Mehrspieler in einen kooperativen Modus, spielbar im Splitscreen an einer Konsole und einigen Modi welche man mit bis zu acht Spielern zusammen erlebt. Während man kooperativ einfach die ganz normale Kampagne im horizontalen Splitscreen nachspielt (in Zeiten von standardmäßigen 16:9 Bildschirmen ist ein horizontaler Splitscreen eigentlich schon fast ein Verbrechen), haben sich die Mannen von IO-Interactive für die wettbewerbstauglichen Modi wieder einige Neuheiten überlegt.
Fragile Alliance
Kane & Lynch 2: Dog Days
Der Fragile Alliance-Modus war zwar schon im ersten Spiel enthalten. Zusammen mit sieben weiteren Spielern raubt man in diesem Modus eine Bank aus und muss in vier Minuten so viel Geld erbeuten wie möglich. Dabei kann jeder Spieler selbst Geldsäcke aufheben und bestimmen, wie viel er einsackt. Den anderen sollte man aber nicht zu sehr vertrauen... Zwar ist das Ziel ein Fluchtwagen, ob man dort aber allein oder mit der ganzen Gruppe ankommt ist eher zweitrangig. Und wer besonders viele Punkte machen will, der bleibt mit seiner Truppe nur solange zusammen, wie sie ihm nützt. Hat man lästige Wachen und Polizisten überwunden, kann man seinen Kameraden in den Rücken fallen und deren Kohle selber einsacken... Im ersten Teil aber, das verriet uns Kim Kroth vor einigen Monaten, wurde es Spielern viel zu einfach gemacht zum Verräter zu werde. Durch die jetzige Ausrichtung des Gameplays hin zum Motto "down but not dead" (auf deutsch etwa "getroffen aber nicht tot") wird es um einiges schwerer sein, seinen eigenen Leuten in den Rücken zu fallen. Selbst wenn sie schon am Boden liegen, sie können immer noch zum Rettungsschuss ausholen, das Timing muss also gut überlegt sein.
