Das wilde Duo ballert sich einen blutigen Pfad durch Shanghai. Zur Gewalt gesellt sich nun ein sehr eigener Grafikstil.
Kane & Lynch 2: Dog Days
Erreicht man den Fluchtwagen, kann jeder Spieler ein paar Sekunden lang wählen, ob er auf Mitspieler wartet und mit ihnen den Erlös teilt (klug, wenn man selbst nicht so viel in der Tasche hat) oder direkt davonbrausen. Teilen muss er dann mit niemandem. Wird man als Gangster getötet, kommt man als Polizist zurück auf die Map und muss gegen seine ehemaligen Kameraden arbeiten, besonders findige Polizisten können Kohle auch in die eigene Tasche stecken. Damit man nicht sofort für alle sichtbar als Verräter gebrandmarkt wird, arbeitet das Spiel mit einem Verwarnsystem, wie im Fußball. Trifft man einen Mitspieler im Feuergefecht aus Versehen, wird man verwarnt. Erst wenn man nochmals auf ihn schießt, wird man zum Verräter. Um sich dann noch zu retten, kann man übrigens den nächstbesten Kamerad als menschliches Schild hernehmen - cool, wenn gerade keine bessere Deckung in Sicht ist.
Undercover Cop
Kane & Lynch 2: Dog Days
Namensgebend für diesen Modus ist selbstverständlich ein Undercover-Polizist, der sich unter die acht Spieler schleicht. Wer der Cop ist, wird jede Runde per Zufall festgesetzt und wechselt dadurch ständig. An sich läuft das Spiel ansonsten relativ ähnlich ab: Zu acht raubt man eine Bank aus und versucht so viel Knete/Diamanten/Drogen in die eigene Tasche zu schaufeln, wie man kann. Man sollte aber die Augen offen halten, ein Mitspieler, der entweder immer hinten stehen bleibt oder nicht auf andere schießt, könnte der versteckte Polizist sein. Denn der darf nicht auf die Verbrecher schießen, bis sie sich nicht wirklich eines Verbrechens schuldig gemacht haben, womit auch er sich einige Zeit bedeckt halten muss. Wer den Cop übrigens ausschaltet, bekommt eine Sonderprämie, die gibt es auch fürs Töten eines Verräters. Schießt man aber zu voreilig, etwa weil einer der Mitspieler einfach etwas vorsichtiger vorgeht, kann man auch selbst zum Verräter werden.
Cops and Robbers
Kane & Lynch 2: Dog Days
Cops and Robbers ist eine Art Team-Deathmatch, spielt aber dennoch im passenden Bankraub-Setting in Shanghai. Verrat und Meuchelei werden in diesem Modus beiseite gelegt, hier kommt es auf richtiges Teamplay an. Beide Fraktionen, Bankräuber und Polizisten, spawnen auf entgegengesetzten Punkten der Karte. Während die Räuber noch die Bank überfallen müssen (ein schnelles Prozedere), kann sich das gegnerische Team schon in Stellungen verschanzen. Ziel ist es für die Bankräuber, so viel Geld wie möglich in den Fluchtwagen zu bringen. Der Clou: Sobald ein Spieler über $200.000 in der Tasche hat, ist er für alle Gegner sichtbar, selbst durch Gebäude hindurch. Man muss die Beute also bestmöglich verteilen, um möglichst mit wenig Gegenwehr durch die Linien der Polizei zu kommen. Taktisch gibt es aber auch andere Herangehensweisen: Beispielsweise kann man die Kohle gut auf ein oder zwei Kollegen verteilen und diese dann bestmöglich vor dem Feindfeuer abschirmen, wie man vorgeht, sollte man in diesem Modus aber wirklich per Sprachchat absprechen. Denn Alleingänge werden schnell bestraft...
Multiplayer mal ganz alleine
Kane & Lynch 2: Dog Days
Wer sich übrigens nicht direkt traut online gegen reale Gegner anzutreten, der kann auch an seiner Konsole daheim schon den Mehrspielerpart ausprobieren. Im Arcade-Mode kann man so all die vorhandenen Modi auch mit der KI spielen, um beispielsweise ein wenig zu üben oder eine Taktik auszuarbeiten. Aber auch die Karten kann man so kennen lernen, denn wer sich auf den Karten auskennt hat von Vornherein eine bessere Startposition. Allzu verwinkelt sind die Maps zwar nicht, dennoch lohnt es sich wenn man weiß, wie man von einer Deckung zur nächsten huscht. Traut man sich dann doch online zu spielen, bekommt man für gute Ergebnisse Erfahrungspunkte verliehen. Steigt man mit diesen im Rang auf, kann man zusätzliche Waffen, unterteilt in die Kategorien Pistolen, Schrotgewehre, MPs und Maschinengewehre, freischalten. Vor jeder Runde kann dann jeder Spieler mit dem Geld, dass er im Coup absahnt, Waffen kaufen. Insgesamt bleibt das ganze System aber sehr bodenständig, Tausend Upgrades, Styles und Munitionsarten, so wie in Army of Two etwa, gibt es nicht.
Technik-Check
Kane & Lynch 2: Dog Days
Im direkten Vergleich Kane & Lynch: Dead Men hat sich technisch einiges getan. Die Story ist zwar ähnlich intensiv erzählt wie damals und auch die kompaktere Form (das Spiel findet in 48 Stunden statt) gefiel uns. Zwar hat man die Kampagne auf den mittleren Schwierigkeitsgraden schon in ca. sechs bis sieben Stunden durch und auch das Ende ist alles andere als episch (Hallo Teil 3!), dennoch tischt uns IO Interactive eine anständige Wochenend-Unterhaltung auf. Stoff für mehr bietet darüber hinaus dann aber auch nur noch der Multiplayerpart, denn nach dem ersten Durchlauf weiß man theoretisch, wie die Level aufgebaut sind. Trigger und Gegner sind leider immer gleich gesetzt, das merkt man vor allem, wenn man an einer Stelle mal hängen bleibt und nach dem zweiten oder dritten Versuch schon instinktiv erste Gegner wegpustet ohne hinzusehen... Ein wenig mehr Dynamik wäre schön gewesen!
Kane & Lynch 2: Dog Days
Optisch bietet sich ein zweischneidiges Schwert. Zugegeben, der Handcam-Stil hat schon etwas besonderes, und der von Kim Kroth als "Youtube-Filter" bezeichnete Erzählstil, der immer wieder mal ausfranst, verpixelt ist oder aus gutem Grund in die falsche Richtung zeigt, lässt einen die Geschichte sehr viel näher erleben. Aber nur auf den ersten Blick ist das cool. Folgt man seinem Charakter zehn Minuten auf einem stetig wackelnden Screen klagt man bald über Kopfschmerzen, Begeisterung ist da nicht mehr drin. Man kann das Gewackel zwar abstellen, den grafisch verwaschenen Stil behebt das aber nicht. Mit Pixelfehlern, Interlacing, Bildartefakten und allerhand Blureffekten vermittelt man zwar ganz gut einen Effekt, als würde man die Geschichte auf einem Portal wie Youtube erleben, besondere Tiefe verleiht das aber nicht. Und sind wir mal ehrlich: Ein paar aufgepixelte Interlacing-Fehler hier und Artefakte da und schon braucht man nicht mehr ganz so viel Arbeit in hochaufgelöste Grafiken stecken... IO Interactive macht sich die Sache einfach leicht, und behauptet "das gehört so. Der Erzählintensität wegen!"
