KickBeat: Kickbeat im Test: Rhythmusspiel mit knalliger Optik

Test Alexander Winkel
KickBeat im Test (1)
Quelle: Zen Studios

Blaue Augen und dicke Beulen sind geradezu vorprogrammiert, sobald der Tanz los geht und uns fette Beats um die Ohren fliegen. Das klassische Rhythmusspiel wird in Kickbeat vor allem optisch grandios inszeniert und ist ein Schmaus für audiovisuelle Sinne. Doch es fehlt der letzte Kick, um in höhere Wertungsregionen vorzudringen.

Stellt euch eine Welt ohne Musik vor. Babys hätten keine tollen Mobiles, aus dem Radio käme nur Geplapper und Werbung und Clubs ständen leer. Selbst Justin Bieber würde von der Bildfläche verschwinden – letzteres wäre vielleicht gar nicht so schlimm. Allgemein ist es aber eine grausame Vorstellung, die uns Kickbeat in seiner weit hergeholten, aber dennoch ganz nett inszenierten Story serviert. Lee, ein junger Schüler des musikalisch und kämpferisch begabten Ordens der melodischen Faust (was für ein kreativer Name) ist auserkoren, die Welt zu retten und muss dabei mehr als nur reines Taktgefühl beweisen. Die Reise rund um den Globus wird mit einigen gezeichneten Zwischensequenzen hübsch aufbereitet und streut hier und dort, gewollt oder ungewollt, etwas Komik in die Suppe. Nur die akustische Untermalung dieser Erzählszenen fiel in unserer Testversion negativ auf. Letzten Endes will Kickbeat ein Musikspiel sein, liefert aber während der Gespräche unschön knackende Geräusche, die sicherlich nicht in der finalen Abmischung hätten vorhanden sein sollen.

Schwing die Fäuste zum Beat
KickBeat im Test (2) Quelle: Zen Studios KickBeat im Test (2) Zum Glück ist die restliche musikalische Darbietung frei von solchen Fehlern und donnert regelrecht aus den Bassboxen. Der Weg ist gepflastert mit richtig guten Songs und Beats, die perfekt in das Hau-Drauf Szenario von Kickbeat passen. Mit Papa Roach, In Flames und Marilyn Mansion geht es recht heftig zur Sache, wenn auch zur Abwechslung manchmal mit entspannter Atmosphäre durch elektronische Klänge. Die etwa dreistündige Odyssee umfasst 24 Titel. Storytechnisch arbeitet sich Lee durch die Clubs rund um den Globus, von Paris in den Osten und wieder zurück. Immer mit schlagkräftigen Argumenten, was vor allem das Fußvolk auf der Tanzfläche zu spüren bekommt. In bester Bud Spencer Manier verteilen wir Backpfeifen und versohlen ein paar Hintern, so dass Fetzen und Gegner geradezu über den Bildschirm fliegen. Vor allem die Clubs in der Mitte der Story begeistern mit zusätzlichen Neonflächen, wilden Boom-Effekten und psychedelischen Lichtern und machen Kickbeat passend zur treibenden Musik zu einem audiovisuellen Feuerwerk.

KickBeat im Test (3) Quelle: Zen Studios KickBeat im Test (3) Aber was ist Kickbeat nun? Es stellt zugleich ein klassisches Musikspiel dar und hält dabei vor allem den Vergleich mit Dance Dance Revolution ohne Tanzmatte recht gut stand. Backpfeifen verteilt man in vier Richtungen, quasi wie wenn man über eine Tanzmatte hopst. Aus anderer Sicht sieht es eher wie ein Street-Brawler oder Kampfspiel aus, denn mit gewissen Tastenkombinationen vermöbelt man Gegner und jagt sie von der Tanzfläche.Vielleicht stand Kung Fu Chaos (Xbox) Pate, denn dasselbe wuselnde Chaos findet sich auch hier. Es gilt passend zur Musik, zumeist genau im Takt, die Richtungstasten bzw. die vier Buttons zu drücken und so seine Faustschläge zu verteilen, bevor es die Feinde tun und Lee in Grund und Boden prügeln. Analog zu ähnlichen Musikspiele werden Wertungen und Punkte verteilt, je nachdem wie genau im Takt man die Tasten trifft. Steckt Lee zu viele Hiebe ein, ist der Song recht schnell verloren. Unterschiedliche Feinde entsprechen dabei den Taktnoten und manche führen sogar Bonuspunkte und Power-Ups mit sich, geben die Extras aber nur mit der doppelten Portion an schlagkräftigen Argumenten preis.

KickBeat im Test (8) Quelle: Zen Studios KickBeat im Test (8) Der erste Eindruck zu Kickbeat ist zugegeben recht verwirrend. Mit großem Fragezeichen über dem Kopf fragt man sich trotz Tutorial, wie man auf dieses Chaos gelassen reagieren kann. Nach etwa zwanzig Minuten gehen die Rhythmen aber in Fleisch und Blut über und plötzlich fliegen gezielte Fäuste und Lee kugelt sich wie ein Ninja Turtle durch die Arena. Vor allem die späteren, flotten Songs fallen mit zunehmender Übung dann durchaus einfacher aus, sofern man auf dem normalen Schwierigkeitsgrad unterwegs ist. Spätestens dann fallen die Parallelen zu anderen Musikspielen auf, denn wirklich viel Spiel hat Kickbeat nicht zu bieten. Das Wenige ist optisch mit Effekten und flackernden Lichtern sowie den Horden von verprügelten Gegnern aber reizvoll verpackt. Dadurch macht es durchaus Laune, im Takt der Musik auf die Buttons zu hämmern – stets auf der Jagd nach neuen Highscores und besseren Wertungen.

Von leicht auf super-unschaffbar
KickBeat im Test (7) Quelle: Zen Studios KickBeat im Test (7) Mutig sind all diejenigen, die sich an die drei höheren Schwierigkeitsgrade heranwagen. Das Problem ist vor allem, dass nicht nur mehr Prügelknaben auf die Tanzfläche stürmen, sondern die Angriffsreihenfolge optisch immer weniger bis gar nicht mehr dargestellt wird. Der Entwickler nimmt dem Spieler quasi jegliche Anzeigen und überlässt ihn dem Chaos. Nur wer die Musik, den Rhythmus und die Melodie kennt sowie irgendwie ein Schema im wilden Gewusel auf dem Bildschirm erkennen kann, wird länger durchhalten und den einen oder anderen Song meistern. Ein äußerst unschönes Mittel, dem Spieler die einzige visuelle Führung zu nehmen und ihn quasi blind um sein Leben prügeln zu lassen. Gelegenheitsspieler gönnen sich daher allerhöchstens den normalen Schwierigkeitsgrad, der zum Schluss hin ebenfalls recht herausfordernd wird. Musikalische Veteranen werden aber ebenfalls zu knabbern haben und wohl die Haare raufen. Kickbeat ist nichts für Achievement-Sammler und -Jäger, denn einiges ist nur den Meistern vorbehalten. Diesen Titel zu vervollständigen, wird eine große Herausforderung.

Dabei bietet Kickbeat neben der dreistündigen Geschichte noch einiges, was freigeschaltet werden kann. Neue Spielmodi wie den Splittscreen für zwei Spieler, eine weitere Hauptdarstellerin mit weiterer Story sowie zahlreiche Kostüme für den freien Spielmodus. Darüber hinaus wartet mit dem Überlebensmodus die größte Herausforderung auf wilde Kampfnaturen. Hier gilt es einen Song nach dem anderen zu meistern, ohne dass die Lebensenergie komplett aufgefrischt wird. Auch hier verzichtet Kickbeat auf jegliche Hilfestellung in Form eines HUD und macht es fast unmöglich, den Modus zu bestehen.

Kickbeat ist bereits über Steam und das Playstation Network sowie für die Nintendo Wii U erhältlich und wird auch für die Xbox One erscheinen. Die uns vorliegende Testversion ist ein Download für die Nintendo Wii U.

Meinung

Wertung zu KickBeat (WiiU)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
sehr gelungener und passender Soundtrack mit überwiegend härteren Gitarrenklängenwitzige Bossfightseine durchaus interessante Mischung aus Musikspiel und Kampfspielrecht nett inszenierte Story die gar nicht so extrem lahm daher kommteinfaches Spielprinzip und daher eigentlich Einsteigerfreundlich
hässliche und unschöne Knackgeräusche in den Zwischensequenzen, als ob diese zu sehr komprimiert wurden (Wii U Version)repetitives Gameplay, welches nicht sonderlich viel Tiefgang hatein hoher Schwierigkeitsgrad wurde vor allem dadurch erreicht, dass man Spielanzeigen entfernt und den Spieler im Chaos auf sich alleine stellt
Fazit

Der Mix aus Musik- und Actionspiel macht Spaß, ist aber fast unschaffbar schwer und geizt manchmal mit Spieleranweisungen.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk