Kingdoms of Amalur: Reckoning im Gamezone-Test

Test Andreas Peter

Amalur will das beste Action-RPG des Jahres werden. Aber schafft das Erstlingswerk das?

Offene Spielwelt

Kingdoms of Amalur: Reckoning Quelle: 38 Studios Kingdoms of Amalur: Reckoning Die sich vor euch auftuende Open-World ist riesig und erstreckt sich über Länder, Kontinente und Inseln verschiedenster Klimazonen. Sie ist bis zum Anschlag vollgestopft mit Spielfiguren, von denen die meisten Euch mit Quests beauftragen. Verschieden Gilden laden Euch ein, Anwärter zu werden, von reisenden Dieben bis zu brandschatzenden Mörderbanden sind alle möglichen Karrieren geboten. Ein einfaches Alchemiesystem ermöglicht das brauen eigener Zaubertränke, die persönliche Kriegsausrüstung darf in der Schmiede selbst zusammengehämmert werden. Wer gerne die diebische Elster spielt, skillt die Fähigkeiten des Schlösserknackens und Umherschleichens, und wird zum fiesen Assassinen. Wer die Diplomatie schätzt, investiert in seine Überzeugungsfähigkeit und gibt Verhandlungen mit Spielpersonen überraschende Wendungen. Jede Figur in dieser wahrlich gigantisch angelegten Welt begrüßt Euch mit feinster Sprachausgabe, die auch im deutschen sehr gut 'rüberkommt. Ein besonders raffiniertes Dialogsystem á la Dragon Age oder Mass Effect dürft ihr allerdings nicht erwarten. Im Prinzip klickt man sich durch einzelne Antwortzeilen, erfährt schon in der allerersten genug für den kommenden Auftrag. Wer sich tiefer in die Welt hineinversetzen möchte, hört sich auch die anderen Dialogzeilen an, hinter denen sich die von R.A. Salvatore liebevoll ausgearbeitete Lore der Spielwelt entfaltet. Ganz klar hat man hier aber an die erste Zielgruppe des Spiels, an den Actionrollenspieler, gedacht: Das intensive verfolgen der Spielwelt-Dialoge ist für das Fortkommen in der Spielwelt absolut nicht notwendig, wer nur schnetzeln will, klickt einfach weiter. Eine komfortable Karte mit eingebauten Navigationssystem macht jegliches Nachdenken überflüssig. Frei und absolut nicht-linear darf der Spieler sich entscheiden, wie er seine nächsten Schritte planen will - möchte er direkt der Mainstory folgen, oder ein berühmter Magiekundiger werden, oder erst das Nachbardorf von einer Spinnenplage befreien? Spielt, wie und was es Euch beliebt.

Kingdoms of Amalur: Reckoning Quelle: 38 Studios Kingdoms of Amalur: Reckoning Die NPCs haben rudimentär ein Eigenleben, gehen entsprechend dem Tag- und Nachtzyklus von Amalur zu Bett, zum Arbeiten oder zum Essen - an einen Realismus wie in den Elder Scrolls Spielen kommt Reckoning allerdings nie auch nur im entferntesten heran. Auch die Reaktion der NPCs auf Eure Taten in der Spielwelt fällt sehr bescheiden bis nicht vorhanden aus. Wer Bethesdas Oblivion ankreidet, es sähe aus wie aus einem Baukasten zusammengepuzzelt, der wird sich von Amalur mir Grauen abwenden - die Welt wirkt oft statisch und verhältnismäßig leer, da sich die grafischen Elemente sehr oft wiederholen Sie ist, bei allen netten Ansätzen für ein storybasiertes Rollenspiel, doch in allererster Linie eine Kulisse für die großartigen Kämpfe. Ähnlich wie in Diablo bekommt ihr Unmengen an Waffen- und Rüstungsitems hinterher geworfen, und das ganze Gamedesign ist in erster Linie darauf ausgerichtet, den geliebt-gefürchteten Flow und Suchttrieb einer klassischen Dungeon-Hatz zu erzeugen - was auch ausgezeichnet gelingt.

Content in Form von zu erforschenden Gegenden und Quests gibt es, wie schon angeschnitten, in rauer Hülle und Fülle. Die von den Herstellern angegebene Spielzeit von 150 Stunden, um einmal alles zu sehen (und dabei noch die Dialoge wegzuklicken), ist mit Sicherheit keine Übertreibung, sondern kann locker erreicht werden.

Kingdoms of Amalur: Reckoning Kingdoms of Amalur: Reckoning Leider regiert hier ganz klar die Quantität vor der Qualität. Viele der Feld- und Wiesen-Aufträge sind zwar nett durch die Sprachausgabe präsentiert, aber ähnlich unintelligent wie die durchschnittliche World-of-Warcraft-Quest. Töte x, bringe y. Langweilig. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber eigentlich ist die Qualität der erzählten Geschichte nur in der Hauptquest, die mit 25 Stunden Spielzeit schon alleine für sich gesehen üppig ausfällt, richtig gut.

Kingdoms of Amalur: Reckoning Quelle: 38 Studios Kingdoms of Amalur: Reckoning Die von uns getesteten Konsolenversionen und auch die PC-Variante laufen technisch sehr stabil, kein einziges Mal kam es zu Abstürzen. Auf dem PC sieht Amalur bedingt durch die größere Hardwarepower natürlich nochmal eine Ecke hübscher aus als auf den Konsolen, doch auch dort macht das Spiel grafisch eine sehr gute Figur, selbst wenn in den Kämpfen viel Bewegung am Bildschirm geboten ist und die Prozessor-Cores mächtig was zu berechnen haben. Der einzige technische Nervfaktor sind die Ladezeiten, die bei jedem Betreten eines Gebäudes, eines neuen Weltabschnitts oder eines Dungeons anfallen - die Elder Scrolls lassen grüßen. Auch mit einer Platteninstallation müssen auf den Konsolen immer noch je 20 Sekunden Pause und Ladebildschirm ertragen werden, das kann einem schon auf den Senkel gehen - ohne Platte wird es leider nicht besser.

Meinung

Wertung zu Kingdoms of Amalur: Reckoning (PC)

Wertung:

8.3 /10
Pro & Contra
toll gemachte Sprachausgabedataillierte, komplex ausgearbeitete Spielweltbrillantes Charakter- und Kampfsystemenormer Spielumfang fürs investierte Geld
sparsamer, unauffälliger Soundtrackviele Quests abseits der Hauptstorystränge langweiligLandschaften wirken teilweise sterilleider kein Multiplayer
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