Das Legion Go soll den Handheld Markt revolutionieren? Ganz so einfach ist das leider nicht, wie unsere Redakteurin Toni feststellen musste.
Wo ist das Häufchen?
Was in der Theorie sehr schön klingt, gestaltet sich in der Praxis deutlich anders. Ja, das Legion Go von Lenovo funktioniert, aber nicht ansatzweise so sauber, wie man sich das von einem Handheld wünschen würde, der für immerhin 800 Euro daherkommt.
Noch ehe man mir das Gerät auf einem Presse-Event in die Hand drückte, hatte ich schon eine Liste mit mehreren Treibern, die ich doch bitte installieren sollte, bevor ich das Legion Go ausprobiere. In der Zwischenzeit wird die PR nach wie vor nicht müde, weitere Update-Dateien zu schicken, die bekannte Probleme mit Grafiktreibern, der Spracheinstellung und der Download-Geschwindigkeit beheben sollen.
Zum Starten von Call of Duty: Modern Warfare 3 musste ich über die Seite von Lenovo selbst den aktuellen Grafiktreiber finden und gleich mehrmals installieren, bevor ich das Spiel starten konnte.
Das Problem mit der Downloadrate - ich rede hier von neun Megabite bei einer 500er-Leitung - kann man laut Journalistenkollegen beheben, indem man den Wireless Driver deinstalliert, neuinstalliert, das WLAN einschaltet, den Treiber erneut installiert und das Gerät daraufhin dreimal neu startet.
Klingt erst einmal umständlich, aber an diesem Punkt bin ich schon froh, dass ich nicht bei einer Mondfinsternis nackt um den Server tanzen und eine ungerade Anzahl an SD-Karten dem Cartridge-Gott opfern muss.
Quelle: Lenovo
Das Einzige, was mich nicht verzweifeln lässt, ist das vage Gefühl, dass ich diesen Prozess nur einmal durchleben muss, damit endlich alles läuft und ich den perfekten Handheld besitze, der alle meine Bedürfnisse erfüllt. Und genau dafür steht Lenovo je eigentlich auch. Alles ist ein bisschen umständlicher, als es sein müsste, aber am Ende ist der Käufer seines eigenen Glückes Schmied.
Und ja, der Support da - man findet die Informationen und Treiber, wenn man sucht, und der Hersteller arbeitet im Hintergrund daran, dass die Kundenwünsche alle erfüllt werden. Damit will ich das Vorgehen aber auch nicht rechtfertigen, denn wer so viel Geld in die Hand nimmt, wie das Legion Go nun einmal kostet, sollte auch erwarten können, dass alles funktioniert.
Die Strategie scheint aber zu sein, die teils unfertige Software den Nutzern an den Kopf zu schmeißen und mit ihnen zusammen Lösungen zu erarbeiten, die man als Standard-Coregamer eigentlich gar nicht mitbekommen will.
Zielgruppe: Software-Bastler
Dabei muss sich Lenovo ja trotzdem etwas bei ihrem Produkt gedacht haben und so habe ich Volker Dühring einfach direkt die Frage gestellt, warum er der Meinung ist, dass das Legion Go das beste Gerät auf dem Markt sei. Wieder betonte er die Flexibilität und Vielseitigkeit, ohne dass man dabei auf Gaming verzichten müsste: "Es ist das leistungsstärkste Tablet, dass man haben kann" - und auf einmal ergibt alles Sinn.
Klassisches Controller-Gaming ist einfach nicht der alleinige Schwerpunkt bei Lenovos Antwort auf die Frage, was sich Spieler wünschen. Aber wer viele Funktionen einbaut, schafft auch viele Fallstricke, über die man als unbedarfter Käufer stolpern kann. Alleine die Tatsache, dass ich über 20 Knöpfe an zwei Controller-Teilstücken finde - die überdies nicht symmetrisch angeordnet sind -, erscheint mir im ersten Moment umständlich.
