Lenovo Legion Go: Ein Alleskönner mit Fallstricken

Special Antonia Dreßler
Lenovo Legion Go: Ein Alleskönner mit Fallstricken
Quelle: Lenovo

Das Legion Go soll den Handheld Markt revolutionieren? Ganz so einfach ist das leider nicht, wie unsere Redakteurin Toni feststellen musste.

Ich veranschauliche das einfach mal weiter am sogenannten FPS-Modus, bei dem der rechte Controller über einen Adapter zu einer vertikalen Maus wird. Dann erkennt das Legion Go die Controller als Maus und Tastatur - eigentlich ein cooles Feature. Aber damit geht auch ein einigermaßen kompliziertes Button-Mapping einher, dass man sich erst einmal von Grund auf überlegen muss.

Denn in den Spielmenüs steht dann leider nicht Nachladen auf "Y2", sondern Nachladen auf "R" - welche Taste das in der Realität auch immer sein soll. Vielleicht ist sie auf dem Controller auch gar nicht vorhanden. Wer kein Plug & Play erwartet oder gar wünscht, hat mit solchen Stolpersteinen vielleicht kein Problem, man sollte sich aber vor dem Kauf des Geräts bewusst machen, dass die Investition auch eine Menge Kopfzerbrechen mit sich bringt.

Dabei wirbt Lenovo mit Windows als vorinstallierter Software und zwei USB-C-Ports damit, dass man in Sachen Peripherie eben doch Plug & Play hat und der Rückgriff auf Windows statt beispielsweise Linux die Bedienung sehr viel einfacher und zugänglicher machen soll.

Idee trifft auf Realität

Und letztlich ist Lenovos Strategie auf dem Papier keine dumme: Das komplette Konzept des Legion Go basiert auf Umfrage- und Martforschungsergebnissen anstatt auf dem persönlichen Ideenreichtum der Gamer und Ingenieure, die bei Lenovo arbeiten.

Warum der Bildschirm vergleichsweise riesige 8,8 Zoll einnimmt? Weil ein Großteil der potenziellen Käufer sich Windows auf dem Handheld wünschen und die Oberfläche des Betriebssystems unter acht Zoll schlichtweg nicht mehr bedienbar ist.

Aus dem gleichen Grund setzt das Gerät auch mehr auf Performance anstatt auf eine lange Batterielaufzeit, die sich je nach Auslastung auf zwei bis vier Stunden beläuft: Über 80 Prozent der Befragten werden laut Volker Dühring den Handheld zu Hause nutzen.

Am Ende schnürt das chinesische Unternehmen ein enges Paket für eine spitze Zielgruppe aus Software-Bastlern, die ein Allround-Spielzeug haben wollen, das möglichst stationär nutzbar ist, aber auch außerhalb der eigenen vier Wände funktioniert.

Und das ist auch der Grund, warum ich das Gerät irgendwie ins Herz geschlossen habe. Vonseiten Lenovos werden keine Grenzen gesetzt und neben der Software-seitigen Freiheit kann ich auch mit der Hardware tun und lassen, was ich will. Die Controller lassen sich zum Beispiel auch an anderen Geräten wie Smartphones verwenden und wenn ich lustig bin, kann ich an das Legion Go selbst auch eine Tastatur anschließen.

Lenovo Glasses Quelle: Lenovo Den Geist der technischen Spielerei vertritt Lenovo auch mit den Legion Glasses, die sie mit dem Handheld zusammen bewerben. Eine Augmented-Reality-Brille die tatsächlich mit Plug & Play als weiterer Bildschirm das Zocken bequem im Liegen ermöglicht.

Wobei auch hier alles wieder nicht so einfach ist - natürlich. Denn wo der Touchscreen eine wahre Bereicherung ist, um das Trackpad als eingeschränkte Maus zu ergänzen, fällt diese Funktion weg, sobald ich die in die Augmented Reality eintauche.

Wer mit der Brille spielen will, sollte am besten also das Spiel oder den Film, oder was auch immer man konsumieren will, starten, bevor er die Brille aufsetzt- vorausgesetzt, man leisten sich den Spaß überhaupt. Denn wie das Legion Go selbst ist die Brille für rund 500 Euro alles andere als ein Schnäppchen. Und daran hänge ich letztlich auch mein Fazit auf.

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