Ein Point & Click-Adventure wie es sein soll! Episch, spannend und ganz im Stil der bekannten Abenteurer.
Lost Horizon
Die Rätsel sind meist direkt ins Gameplay eingewoben und erschließen sich einem recht schnell, zumindest ist immer relativ klar was man zu tun hat, trotzdem gibt's die ein oder andere Stelle an der die logischen Zusammenhänge etwas weit hergeholt wurden. Doch löst man diese Probleme meist durch etwas herumprobieren. Dazwischen gibt's diverse Minispiele oder Puzzles, die recht nett inszeniert und wie auch der Rest des Abenteuers nie zu schwer zu lösen sind. Dies könnte vielleicht der einzig wirkliche Kritikpunkt an Lost Horizon sein, dass fehlen jedweder Kopfnüsse. Stattdessen gilt in Lost Horizon: "Was man nicht im Kopf hat, das hat man in den Füßen". Erfahrene Adventure-Spieler sammeln natürlich schon unterwegs alles auf was ihnen unter den Mauszeiger kommt, wer das nicht macht, muss ein paar Laufwege mehr in Kauf nehmen. Worauf es jeweils ankommt erfahren wir fast ausschließlich im Gespräch mit den vielen Charakteren, wohingegen das wilde Kombinieren irgendwelcher Gegenstände oft zu überhaupt keinem Resultat führt, wir bekommen dann nicht mal eine Rückmeldung vom jeweiligen Charakter.
Lost Horizon
Nicht die ganze Zeit stecken wir in der Haut von Fenton Paddock, zeitweise übernehmen wir auch die Kontrolle über Kim sowie einer weiteren Person, welche an dieser Stelle nicht genannt werden will. Dabei geht der Wechsel nicht automatisch von statten, sondern wir wechseln wie es uns richtig erscheint zwischen den Beiden. Dies geschieht in den Situationen wo beide Charaktere zusammenarbeiten müssen, allerdings hätte man aus dem Feature mehr herausholen können, denn mehr als ein paar Gegenstände hin und her zu reichen wurde nicht daraus gemacht.
Lost Horizon
Die deutsche Sprachausgabe darf man als gelungen bezeichnen und viele der Stimmen kommen einem aus Film und Fernsehen bekannt vor. Mitunter reden die Charaktere sogar so viel, ziehen manches Gespräch unnötig in die Länge, dass man gerne von der "Überspringen"-Funktion Gebrauch macht. An einigen Stellen auch wirkt nicht alles richtig betont, im Großen und Ganzen aber wurde gute Arbeit geleistet und besonders die beiden Hauptdarsteller Fenton und Kim kommen recht sympathisch rüber.
Sehr schön auch zu sehen, dass uns Lost Horizon ein richtiges Ende bietet. Ja sogar nicht nur eins, es gibt mehrere, abhängig von den durch uns gefällten Entscheidungen. Und damit man das Abenteuer nicht wieder von ganz von Vorne beginnen muss um die verschiedenen Enden zu erleben, gibt's nach erstmaligem Durchspielen einen neuen Punkt im Hauptmenü, der uns erlaubt explizit die Schlusssequenz noch einmal zu zocken.
Lost Horizon
Was Lost Horizon auszeichnet aber ist schlicht die abenteuerliche Geschichte, die wir an der Seite von Fenton und Kim erleben. Claudia Kern, die Autorin, hat aus den bekannten Mythen rund um die deutschen Expeditionen in den 40ern, um die Karte des Piri Reis und um Shambala ein herrliches Abenteuer gestrickt, welches diesem Spiel wahrlich Leben einhaucht. Wer sich für Lost Horizon entscheidet, erhält ein technisch modernes Adventure, welches sich an den alten Tugenden orientiert und uns tatsächlich ein Abenteuer erleben lässt, welches man so schnell nicht mehr vergisst. In der genau richtigen Dosis bekommen wir etwas Spannendes, etwas zum Lachen und etwas zum Grübeln spendiert, so dass man sich nach gut 10 Stunden Spielzeit zufrieden zurücklehnen und den Abspann genießen kann, ohne etwas zu vermissen.
Lost Horizon
Grafisch läuft Lost Horizon maximal in der Full HD Auflösung, in welcher auch die vielen verschiedenen Örtlichkeiten erstellt wurden. Trotzdem muss man keine Angst haben, dass das Game zum Wimmelbildspiel verkommt, ganz im Gegenteil wurden sämtliche Objekte mit Bedacht eingesetzt und soweit ich mich erinnere, gibt es nicht einen Gegenstand im Spiel der nicht an irgendeiner Stelle nützlich wäre. Zugegeben, wenn man schon Objekte einsammeln muss die man erst im nächsten Land braucht und selbst Fenton nicht weiß warum er das macht, könnte man etwas an der Logik der Rätselstellungen mäkeln, als Adventure-Fan aber sammelt man sowieso alles ein was nicht niet und nagelfest ist, weshalb wir uns daran nicht stören sollten.
