Im Sandkasten darf geprügelt werden

Test Philipp Mentel
Im Sandkasten darf geprügelt werden
Quelle: Warner Bros.

Die fiktive Figur des Max Rockatansky hat dieses Jahr nach dreißigjähriger Pause im Kinofilm Mad Max: Fury Road sein Leinwand-Comeback gefeiert. Grund genug für eine Videospielumsetzung, die sich zwar inhaltlich kaum an den aktuellen und früheren Filmen anlehnt, dafür aber mit einer eigenständigen Story rund um den "wahnsinnigen" Max aufwarten kann. Ob das Spiel was taugt, klärt unser Test.

Max ist schon eine coole Socke. In seinem geliebten V8 Interceptor ist der Wüstenfuchs kaum zu bremsen, doch immer wieder gibt es unliebsame Begegnungen mit Warboys, den Ganoven des Ödlandes, die jedwedes Metall oder andere Ressourcen immer gut gebrauchen können. Das Max natürlich nicht freiwillig seine Karre zum verschrotten abgibt, ist natürlich klar. Deswegen endet die Überfallszene im Prolog des Spiels auch mit ein paar Toten Warboys. Doof nur, dass das dem Anführer der gierigen Ganoven nicht gefällt: Lord Scrotus. Auf den kantigen Kollegen trifft Max zu Beginn. Zwar überlebt Max den interessanten Kampf mit Scrotus, seinen V8 muss der mürrische junge Herr aber an die Warboys abtreten – nicht freiwillig natürlich. Immerhin hat Scrotus fortan eine Kettensäge im Kopf stecken..., ja, geil!

Ohne V8 Motor, ohne mich!

Mad Max im Test: Im Sandkasten darf geprügelt werden Quelle: Warner Die imposante Eröffnungssequenz lässt nur erahnen, wohin die Reise mit Max eigentlich geht. Der etwas seelenlos wirkende Protagonist will natürlich Rache. Dafür braucht er nicht nur ein neues Gefährt, sondern auch einen geilen V8 Motor – wäre ja sonst nicht dasselbe. Dabei helfen tut ihm der gnomige Chumbucket, der als Mechaniker im Spiel für die nötigen Karosserien, Einzelteile und Reperaturen sorgt. Wollen wir also Scrotus noch einmal aufmischen, heißt es erst einmal: Reifen schärfen und sich ein besseres Auto zusammenstellen.

Wir lernen im Spielverlauf ein paar Warlords kennen, die über fünf gigantische Gebiete des Ödlandes herrschen. Natürlich gibt es im Leben, auch für Max, nichts umsonst, also muss er sich den Respekt der ganz interessanten Charaktere, wie Pink Eye oder Jeet verdienen. Mal müssen wir irgendwelche Autos stehlen oder auch mal Kolonnen überfallen, nichtsdestotrotz belustigen uns die Gespräche mit den Warlords irgendwie mehr als die Aufgaben, die sie uns stellen. Zwar bemüht man sich hier durchaus um Abwechslung, so ganz spannend sind manche Aufgaben aber dann doch nicht (z.B. ein mit Trümmern verschlossenen Durchgang mit einem Auto aufbomben).

Wenn es mal schnell gehen muss...

Mad Max im Test: Im Sandkasten darf geprügelt werden Quelle: Warner Die Hauptmissionen des Spiels sind nur am Anfang noch interessant, da wir erst einmal in die Spielmechaniken eingeführt haben, die Mad Max einem so bietet. Später hingegen heißt es nur noch: fahr zu dem Warlord, mach die Aufgabe für ihn und fahr dann weiter zum Nächsten. Man hastet vergleichsweise schnell durch die offene Wüstenlandschaft, dabei gibt es ringsherum noch so viel zu entdecken. Wer das Spiel also in vollen Zügen genießen will, der sollte sich auch den kleineren Aufgaben widmen. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Aufspüren von den über 200 Suchbereichen, die mit Schrottbelohnungen auf einen warten? Nicht? Gut, die Lust vergeht einem doch recht schnell, wenn man merkt, wie gering der Schrottanteil im Vergleich zu anderen Methoden ist.

Festungen beispielsweise sind in der Spielwelt verstreut und bieten uns bei erfolgreicher Einnahme regelmäßigen und relativ üppigen Schrottzufuhr an. Festungen sind natürlich nicht mal eben im Spaziergang einzunehmen, da heißt es auch schon mal ein bisschen vorbereiten. So sollten wir den Magnum Opus (Max' Gefährt) immer mal wieder verbessern. Nicht nur, um die äußere Verteidigungslinie der bemannten Schrottmauern zu schwächen, sondern auch, um in der Wüste mit den Überfällen durch die Warboys klar zu kommen, denn: zimperlich ist keiner von denen. Da hilft ein guter Harpunenschuss, um Scharfschützen von Türmen zu reißen, Reifen abzumontieren oder gleich die Fahrer herauszuziehen. Hilft das alles nichts, greift man eben zur Schrotflinte. Sollte da wiederum die Munition ausgehen (was zu Beginn des Spiels häufig passiert), hilft nur noch der klassische Faustkampf.Was Batman kann, kann Max schon lange.

Das Freeflow-Kampfsystem ist grade dank Spielen wie Batman (Arkham-Reihe) ganz groß in Mode gekommen. Das punktuelle Knöpfchen drücken zum zuschlagen, zum parieren oder zum kontern funktioniert auch in Mad Max erstaunlich gut, auch wenn man hier das Rad nicht neu erfindet. Dank gewitzter Kombos sind die Gegner meist chancenlos, nur in Überzahl ist es oft schwierig den Überblick – auch wegen der Kamera Ungereimtheiten – zu behalten. Haben wir genug Schläge in Folge erfolgreich landen können, füllt sich nach und nach Max Wutleiste, die uns dann in den Wut-Modus versetzen kann, wo Max mehr Schaden anrichtet und auch ein paar neue spektakuläre Finisher parat hat.

Mad Max im Test: Im Sandkasten darf geprügelt werden Quelle: PC Games Sind wir dann doch noch zu schwächlich, fahren wir zum Charakter Griffa und rüsten dort Max einfach auf. Gegen gesammelte Rangpunkte, die wir über Herausforderungen erspielen, können wir Max z.B. mehr Schaden durch Schläge verursachen lassen oder wir spendieren ihm gleich etwas mehr Lebenspunkte. Auch andere Dinge wie ein Schrottbonus beim Sammeln, weniger Benzinverbrauch oder mehr Wasseroutput gehören zum Repertoire des Mystikers Griffa, der sich überall in der Spielwelt an bestimmten Punkten aufhält. Griffa ist übrigens der größte Kritikpunkt am Spiel – er vermiest einem den Survivaleffekt.

Survial? Wo?

Das Endzeitszenario von Mad Max spielt nicht nur in den Filmen eine große Rolle, sondern "eigentlich" auch im Spiel. Das Benzin ist begrenzt, Wasservorräte sind knapp und Essen können wir vielleicht auch nur selten. Ach, Pustekuchen! Wer bei Spielstart Angst hat vor Ressourcenmanagement, der kann beruhigt sein – von all dem gibt es kaum etwas. Benzin finden wir quasi an jeder Ecke, Wasser ist an bestimmten Punkten (die wir aber auch erstmal finden müssen) vorhanden und Essen brauchen wir auch nicht, Wasser reicht zur Not auch. Einzig was Munition angeht, geizt das Spiel (auch wieder im ersten Drittel) ein wenig.

Mad Max im Test: Im Sandkasten darf geprügelt werden Quelle: PC Games Das ändert sich dann spätestens, wenn man nach wenigen Stunden Spielzeit das erste Mal eine Festung der Warlords betritt und dort nach Gegenständen suchen darf (die einem netterweise auf der Karte markiert werden), um bestimmte Dinge, wie einen Wasservorrat herzustellen. So reicht es später per Schnellreise einfach zu einer beliebigen Festung der Warlords zu reisen und schon sind Munition, der Wasservorrat in der Feldflasche und das Benzin für den Opus kein Thema mehr. In Kombination mit Griffas Zeichen sparen wir dann auch noch Benzin oder erhalten sogar mehr Wasser – im Prinzip brauchen wir dann auf gar nichts mehr zu achten und können unseren "ein Kanister Benzinvorrat" (für den Kofferraum des Opus) lieber als Briefbeschwerer nutzen.

Wuchtig, sandig, dreckig!

Mad Max hat alles was man sich von einer Endzeiteinöde so erträumen kann. Viel Sand und viele rostige Lauben, verlassene Ortschaften und belanglose Relikte längst verganger Zeiten. Das Spiel sieht im großen und ganzen recht hübsch aus, die Weitsicht ist vorhanden, auch wenn im Hintergrund später alles recht verschwommen zu sehen ist und auch der Sand auf dem man fährt oder läuft gibt realistisch nach. Grade, wenn man mit dem Magnum Opus in Mitten der trockenen Einöde ein hitziges Gefecht mit Warboys am Laufen hat, sind die gewaltigen und spürbar wuchtigen Explosionen sowie der aufgeriebene Sand immer ein kleines Fest fürs Auge.

Mad Max im Test: Im Sandkasten darf geprügelt werden Quelle: PC Games Auch Soundtechnisch tut Mad Max viel für die Atmosphäre, die visuellen Effekte werden gut mit wuchtiger Soundkulisse untermalt, die Charaktere (nur englische Synchronisation mit dt. Untertiteln) klingen recht glaubwürdig und passen zum Setting. Klar, die plumpen Ergüsse von Max sind nichts fürs Ohr, aber es passt irgendwie in das Spiel rein. Am Ende des Tages ist selbst die Steuerung ganz in Ordnung. In Ordnung aber auch nur, weil sich die Fahrzeuge nach kleiner Eingewöhnungszeit gut fahren lassen und das Kampfsystem zuverlässig auf Tasteneingaben reagiert. Wer sich allerdings die Interaktions-Elemente hat einfallen lassen, gehört ins Jahr 2015 verfrachtet. Es nervt, Tasten gedrückt zu halten, nur um an gelb markierten Stellen irgendwo hochklettern zu können.

Meinung

Wertung zu Mad Max (PS4)

Wertung:

7.3 /10
Pro & Contra
Endzeit-Setting ist glaubwürdigoptisch eindrucksvolle Fahrzeugkämpfesolides Kampfsystem (sauberes Trefferfeedback)knackige Soundkulissegroßer Umfang...viele Anpassungsmöglichkeiten (für Max und für den Magnum Opus)Festungen sind abwechslungsreich gestaltet
blasser ProtagonistKletterpassagen von Vorgestern (Tasten zum Interagieren gedrückt halten; nur an bestimmten Orten ist klettern möglich)Story bleibt recht belanglosteilweise Bugs (mit Patch 1.02 kein manuelles Speichern; teilweise unzerstörbare Gegenstände)… der sich allerdings aus vielen eintönigen Such- & Sammelaufgaben zusammensetzt
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