Marvel's Avengers in der Vorschau: Viel Potenzial, viel Monotonie

Special Maci Naeem Cheema
Marvel's Avengers in der Vorschau: Viel Potenzial, viel Monotonie
Quelle: Square Enix

So langsam nähern wir uns dem Release des ambitionierten Action-Adventures Marvel's Avengers, dem großen Marvel-Spiel unter der Leitung von Square Enix. Wir haben uns, wie so viele andere, in die aktuell am Wochenende laufenden Beta-Phasen gestürzt und packen unsere frischen Eindrücke ein letztes Mal vor dem Test in eine Vorschau. Das Bild fällt dabei ziemlich gemischt aus. Wir verraten euch, wo Marvel's Avengers glänzt und was zu Stolpersteinen werden könnte.

Trotz vieler positiver Aspekte fällt es Marvel's Avengers auffällig schwer, sich als potenzieller Spiele-Hit für das Jahr 2020 zu etablieren. Das alles begann mit der eher ernüchternden Präsentation auf der E3 2019, wo vor allem die etwas seltsam anmutenden Charaktermodelle der Avengers kritisiert wurden. Dass sich das Entwicklerteam von Crystal Dynamics von den ikonischen Darstellern des Marvel Cinematic Universe (MCU) distanzieren würde, war zwar eigentlich klar, doch die Spiel-Versionen der Heldinnen und Helden stießen den meisten sauer auf. Allen voran irritierte das Aussehen von Donnergott Thor, der spätestens seit dem Kinokracher Thor: Ragnarok aus dem Jahr 2017 zu den beliebtesten Charakteren des MCU gehört.

Publisher Square Enix reagierte auf die heftige Kritik und gab im September 2019 bekannt, das Aussehen des Kronprinzen von Asgard anzupassen. Seitdem erinnert Thors Aussehen stark an den australischen Darsteller Chris Hemsworth - wie überaus passend. Doch die Kritik hat seitdem nicht nachgelassen. Das ungeliebte "Games as a Service"-Modell, der Aufschrei rund um Spider-Man als Playstation-exklusiven DLC-Charakter und eher ernüchternde Gameplay-Eindrücke führten immer wieder zu Negativ-Schlagzeilen. Doch halt, stopp! Wer denkt, Marvel's Avengers (jetzt kaufen ) kann bereits jetzt als Fehlschuss abgestempelt werden, der liegt falsch. Das Marvel-Gekloppe liefert nämlich neben viel Grund zur Kritik auch etliche vielversprechende Elemente. Also keine Panik auf dem Vier-Tubinen-Flugzeugträger Helicarrier 64.

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Eine filmreife Inszenierung

Grafisch macht Marvel‘s Avengers eine fantastische Figur. Egal ob das Wetter, die Umgebungen, Detailgenauigkeit oder Explosionen: Alles sieht super aus. Quelle: Square Enix I Crystal Dynamics Grafisch macht Marvel‘s Avengers eine fantastische Figur. Egal ob das Wetter, die Umgebungen, Detailgenauigkeit oder Explosionen: Alles sieht super aus. Zwar haben wir die Geschichte von Marvel's Avengers bereits ausführlich behandelt, aber für all jene, die es verpasst haben: Zu Beginn des Abenteuers möchten die Avengers ein zweites Hauptquartier in San Francisco eröffnen. Bei der großen Parade, dem Avengers-Day, geht aber etwas gehörig schief und eine große Katastrophe führt zum Tod unzähliger unschuldiger Menschen sowie des Avengers-Leitwolfes Steve Rogers (Captain America).

Viele Jahre später haben sich die Avengers aufgelöst und überall auf der Welt verteilt. Durch die Explosion am A-Day wurden nicht nur Leben ausgelöscht, manche Menschen erlangten durch sie übernatürliche Fähigkeiten. Einige dieser Neo-Superhelden wurden in weiterer Folge zur Gefahr für die Gesellschaft. Die Firma AIM (Advanced Idea Mechanics) übernahm die Kontrolle über das Land und will für "Ordnung" sorgen. (Riesiger) Kopf hinter der Firma ist kein geringerer als George Tarleton, besser bekannt unter seinem Pseudonym MODOK (Mental Organism Designed Only for Killing). Die junge Kamala Khan, großer Avengers-Fan, erlangte ebenfalls am A-Day übernatürliche Kräfte und wurde so zu Ms. Marvel, welche das Ziel verfolgt, die Avengers wieder zusammenzubringen und sich den Machenschaften von AIM in den Weg zu stellen. Die Inszenierung der Handlung überzeugt definitiv. Ob riesiger Marvel-Fan oder Neueinsteiger, die Geschichte sollte jeden abholen und für viel Spaß und Fanservice sorgen.

Marvel's Avengers ist kein reines Singleplayer-Spiel und versteht sich eher als Hybrid aus mehreren Spielerfahrungen. Wichtig ist also, wie gut die vielen einzelnen Elemente des Titels zusammen funktionieren und wie wichtig die einzelnen Aspekte schlussendlich wirklich sind. Bevor wir darauf eingehen, möchten wir aber die Inhalte der Beta in den Fokus stellen.

Die Inhalte der Beta

Die Bosskämpfe haben uns besonders gut gefallen. Hier treffen der Taskmaster und Natasha Romanoff aufeinander, so wie im nächsten MCU-Film Black Widow. Quelle: Square Enix I Crystal Dynamics Die Bosskämpfe haben uns besonders gut gefallen. Hier treffen der Taskmaster und Natasha Romanoff aufeinander, so wie im nächsten MCU-Film Black Widow. Die Beta beginnt mit einer ca. 25-minütigen Intro-Sequenz, angesiedelt auf der Golden Gate Bridge, die sich um die Ereignisse und die Katastrophe im Rahmen des A-Day dreht. Hier dürfen Iron Man, Hulk, Thor und Black Widow abwechselnd angespielt werden. Zusätzlich gilt es den ersten Bosskampf gegen Taskmaster zu schlagen, diesen müssen wir mit Black Widow bezwingen. Dabei fällt die ansprechende Inszenierung auf, die auf jeden Fall als dicker Pluspunkt des Action-Adventures verbucht werden darf.

Nach der Startmission dürfen wir uns unter anderem in sogenannte Heldenmissionen stürzen. Hier erleben wir etwa, wie Ms. Marvel und Hulk ein altes Stark-Archiv inmitten dichter Wälder aufsuchen. Aufgabe ist es, die künstliche Intelligenz Jarvis zu bergen und in den Helicarrier - das Zuhause und die Basis der Avengers - zu bringen. Jarvis soll den Helden nämlich dabei helfen, den verschollenen Tony Stark wieder aufzuspüren. Die Mission mündet in die Auseinandersetzung mit einem Endgegner, niemand geringerem als Hulk-Nemesis Abomination - toll! Die zweite Mission führt uns in die verschneite Tundra Russlands, auf der Suche nach einer nicht mehr genutzten S.H.I.E.L.D.-Basis.
Durch die Ereignisse des A-Day erhält auch die junge Kamala Superkräfte. Die erinnern stark an einen der bekanntesten Piraten der Popkultur: Monkey D. Ruffy. Quelle: Square Enix I Crystal Dynamics Durch die Ereignisse des A-Day erhält auch die junge Kamala Superkräfte. Die erinnern stark an einen der bekanntesten Piraten der Popkultur: Monkey D. Ruffy. Des Weiteren bietet der Beta-Inhalt einige War-Zone-Missionen (weitläufige Missionen), Drop-Zones (kurze Missionen) und HARM-Herausforderungen (Training-Sessions in einem holografischen Übungsraum). Außerdem gibt es immer wieder Passagen im bereits erwähnten Helicarrier, der über die Spielzeit hinweg weiter ausgebaut werden kann. Die Zentrale der Avengers ist in der Beta noch etwas leer, ob im Inneren des Helicarrier im Laufe der Zeit ein wirkliches "Heimats-Gefühl" aufkommen wird, muss sich in der finalen Fassung erst zeigen.

Warum denn so?

<strong>Marvel's Avengers in der Vorschau:</strong> Viel Potenzial, Viel Monotonie (7) Quelle: Square Enix I Crystal Dynamics Marvel's Avengers in der Vorschau: Viel Potenzial, Viel Monotonie (7) Und was halten wir jetzt von dem Ganzen? Das ist tatsächlich weitaus schwieriger zu sagen, als Anfangs vermutet. So gut uns die Geschichte und ihre Inszenierung gefallen, so eigenartig finden wir gewisse Entscheidungen des Teams. Das Motto und der spielerische Ansporn sind klar: Spiele deine ganz eigenen Avengers, so, wie du es möchtest. Passend dazu gibt es Skillbäume, mit denen wir die Fertigkeiten der verschiedenen Spielfiguren an unseren eigenen Geschmack anpassen können. Die bekannten Ikonen spielen sich zu Beginn bereits schön unterschiedlich, was das von einigen befürchtete Monotonie-Gameplay nett auffrischt. Durch das Freischalten diverser Fähigkeiten - oftmals mit jeder Menge Fanservice - sollen sich die unterschiedlichen Spielstile später sogar noch stärker herauskristallisieren.

Während den verschiedenen Missionen gibt es immer wieder Kisten zu finden, in denen sich unterschiedliche Ausrüstungsgegenstände und Fragmente finden. Quelle: Square Enix I Crystal Dynamics Während den verschiedenen Missionen gibt es immer wieder Kisten zu finden, in denen sich unterschiedliche Ausrüstungsgegenstände und Fragmente finden. Zusätzlich gibt es einiges an Ausrüstung als Belohnung für Missionen oder in der Spielwelt zu finden. Hier kommen wir aber zu einem gravierenden Problem von Marvel's Avengers: Die Ausrüstung erhöht zwar Werte wie Kraft und Widerstand und gibt unseren Spielfiguren zusätzliche Buffs, einen visuellen Effekt haben die Gegenstände aber nicht. Stattdessen wird hier klar getrennt. Das Aussehen kann nur durch Kostüme angepasst werden, die wir ebenfalls im Verlauf freischalten können. Wäre es möglich, diverse Kleidungsstücke zu finden und zu kombinieren, so wäre unsere Motivation weitaus höher gewesen, hinter jedem kleinen Hügel nach einer Truhe zu suchen. Außerdem verlieren sich die Missionen schnell in immergleichem Geprügel. Außerhalb der Kämpfe müssen die Fähigkeiten von Figuren wie Kamala Khan nicht bedeutsam genutzt werden und statt uns zum Beispiel die Möglichkeit an die Hand zu geben, in eine besetzte Basis zu schleichen, zwingt uns das Spiel, hineinzustürmen und das offene Gefecht zu suchen. Da bleibt erstens viel Atmosphäre liegen, zweitens hat man so nach einer Weile das Gefühl, man macht nichts anderes, als den immer gleich aussehenden Gegnern die Visage zu polieren.

Okay, zugegeben. Schön gestaltet sind die Maschinen ja, aber auf seelenlose Roboter einprügeln ist jetzt auch nicht das gelbe vom Ei, oder?&nbsp; Quelle: Square Enix I Crystal Dynamics Okay, zugegeben. Schön gestaltet sind die Maschinen ja, aber auf seelenlose Roboter einprügeln ist jetzt auch nicht das gelbe vom Ei, oder?  Damit kommen wir auch schon zum nächsten Kritikpunkt. Es gibt Gegnertypen wie Orks oder Zombies, von denen kann man einfach nicht genug bekommen. Uns erwarten aber stattdessen fast nur die andere Kategorie Feinde, wie die stets gleich gestalteten AIM-Roboter, denen man anmerkt, wie wenig Abwechslung in ihr Design geflossen ist. Da bereitet das Verprügeln kaum Freude und man hat nach ein paar Hulk-Smashes schon genug. Eine Befürchtung unsererseits ist, dass sich daran auch im fertigen Spiel nichts ändern könnte. Das würde nicht nur zusätzlich den Monotonie-Faktor sichtbar machen, es wäre auch eine Verschwendung, da das Marvel-Universum eigentlich viel mehr Widersacher bietet, die sich für das Spiel anbieten würden. Natürlich haben wir bisher nur die Beta gespielt und die finale Version kann ein weitaus bunteres und abwechslungsreicheres Bild präsentieren, skeptisch sind wir ein paar Wochen vor dem Release aber trotzdem. Das übertriebene Effekt-Gewitter auf den Bildschirm während der Gefechte stört ebenfalls, schadet es doch vor allem der Übersicht.

Ja, genau so!

Doch genug der Kritik. Einer der größten Pluspunkte, vermutlich für viele auch ein sehr überraschender, ist die junge Heldin Kamala Khan. Die bringt nämlich nicht nur einen sehr frischen Wind in die Mainstream-Avengers-Dynamik, sie verkörpert auch großartig die Perspektive der Spielerschaft. Die berühmten und beliebten Mitglieder der Avengers sind nämlich nicht nur für uns Legenden. Stöbert Kamala durch alten Kram der Avengers und findet zum Beispiel den ersten Schild von Steve oder ein altes privates Foto der Truppe, dann staunt sie mindestens ebenso, wie wir es tun. Außerdem ist sie ein toll geschriebener Charakter, der mit zu den glaubhaftesten im Avengers-Raster des Spiels gehört. Da kann sich das MCU gerne eine Scheibe abschneiden, dort ist sie bis dato nämlich nicht vertreten. Team-Kamala? Allemal.

So geht Fanservice: Wer sich die hübsch gestalteten Umgebungen genauer anguckt, der wird mit diversen Comics aus dem Portfolio von Marvel belohnt. Quelle: Square Enix I Crystal Dynamics So geht Fanservice: Wer sich die hübsch gestalteten Umgebungen genauer anguckt, der wird mit diversen Comics aus dem Portfolio von Marvel belohnt. Was man dem Team zudem nicht absprechen kann, ist die Liebe zum Detail und zu den mit viel Respekt behandelten Vorlagen. Zwar wären uns anpassbare Klamotten lieber gewesen, die vielen freischaltbaren Kostüme bieten aber massig Anspielungen an die Filme und Comics des Marvel-Universums. Des Weiteren gibt es unzählige Comicbücher in der Welt zu finden, was eine schöne Hommage an die lange Geschichte der Firma Marvel Comics darstellt. Der wichtigste Pluspunkt jedoch ist, dass es sich bei Marvel's Avengers um ein Spiel handelt, an dem auch nach dem Release noch sehr viel gearbeitet werden wird. Wir dürfen uns auf DLC-Charaktere, neue Missionen und Geschichten freuen. So wurden zum Beispiel Hawkeye und Spider-Man (nur für Playstation) schon als Post-Launch-Charaktere bestätigt. Es ist nur schwer vorstellbar, dass wir uns in der Zukunft nicht auch auf Ikonen wie Black Panther, Captain Marvel, Ant-Man, Vision und Doctor Strange freuen dürfen.

Wie für einen "Games as a Service"-Titel üblich, wird das Spiel also noch über einen langen Zeitraum hinweg von Crystal Dynamics und Square Enix unterstützt, erweitert und verbessert. Sea of Thieves, The Division 2, Destiny ... Schaut man sich die vielen Beispiele der letzten Jahre an, dann steigerten jene Titel, die zu Beginn bereits ein solides Fundament lieferten, mit der Zeit ihr Qualität immer noch weiter.

Top oder Flop?

Ach du heilige ... ! Der berühmte Hulk-Nemesis Abomination ist einer der Marvel-Charaktere, auf die man nicht unbedingt treffen möchte. Quelle: Square Enix I Crystal Dynamics Ach du heilige ... ! Der berühmte Hulk-Nemesis Abomination ist einer der Marvel-Charaktere, auf die man nicht unbedingt treffen möchte.

Wir haben viel zu kritisieren, glauben aber trotzdem, dass Square Enix mit dem Action-Adventure die richtige Richtung einschlägt. Die Inszenierung ist fantastisch und muss sich vor Spielen wie dem großartigen PS4-exklusiven Spider-Man nicht verstecken. Im Laufe des Abenteuers werden wir noch auf Marvel-Charaktere wie Nick Fury, Maria Hill, Hank Pym und J. Jonah Jameson treffen. Schon jetzt durften wir schon Bekanntschaft machen mit Figuren wie Abomination und dem Taskmaster. Das ist nicht nur großartiger Fanservice für Marvel-Enthusiasten, es ist auch ein spannendes Element für die fortlaufende Geschichte des Titels. Marvel's Avengers macht auf jeden Fall Spaß und entfaltet seine Stärken richtig, wenn man es mit Freunden spielt. Bleibt zu hoffen, dass unsere Kritikpunkte im fertigen Spiel weniger präsent sind, als es in der Beta der Fall war. Mehr erfahren wir am 04. September, wenn Marvel's Avengers erscheint.

Meinung

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