Mass Effect 3: Citadel im DLC-Test: Emotionales Abschiedsgeschenk für Fans

Special Alexander Schneider

Die letzte große Erweiterung für Mass Effect 3 ist da. Angepriesen als Abschiedsgeschenk an die Fans, schickt uns Bioware noch einmal auf ein großes Abenteuer, an dem fast alle Squad-Mitglieder der Trilogie in irgendeiner Form teilnehmen. Wir haben uns Shepards letzte Mission angesehen und sagen euch, ob 1200 Punkte für diesen Download gut investiert sind.

Seit einigen Tagen ist Mass Effect 3: Citadel erhältlich. Es ist das letzte Abenteuer mit Shepard und stellt zugleich das Abschiedsgeschenk von Bioware an die Fans der ME-Trilogie dar. In zukünftigen Teilen des Franchise wird man höchstwahrscheinlich nicht mehr in die Rolle des Commanders schlüpfen. In Citadel deckt ihr eine Verschwörung gegen euch auf und macht Jagd auf euren Widersacher. Und all das während ihr eigentlich Urlaub habt. Urlaub? Richtig gelesen! Der Einstieg in Citadel könnte komischer nicht sein. Während die Galaxie im Krieg mit den Reapern ums nackte Überleben kämpft, werdet ihr und euer Trupp kurzerhand in den Urlaub geschickt, denn die Normandy muss gewartet werden. Naja, Fans können diesen Ausrutscher ohne weiteres verzeihen. Verfügbar wird die Mission während der Kampagne nach dem Cerberus Überfall auf die Citadel. Da euer Schiff im Trockendock ist, benötigt ihr natürlich eine neue Einsatzbasis. Wie praktisch also, dass Captain Anderson ein riesiges Apartment auf der Raumstation sein Eigen nennt und euch vermacht. Da er den Krieg gegen die Reaper auf Mutter Erde koordiniert, hat er sowieso keine Zeit dort ein paar gemütliche Stunden zu verbringen.

Sushi kann tödlich sein

Wie macht man als Spectre Urlaub? Ein guter Anfang ist es, mit dem besten Piloten der Allianz essen zu gehen. Doch ihr wisst, selbst etwas absolut Normales kann bei Shepard schnell in einem Kugelhagel enden. Und so kommt es wie es kommen muss: Schon kurz nach eurer Ankunft verwandelt ihr das beliebteste Sushi-Restaurant der Citadel in einen Trümmerhaufen und findet euch mitten in einer Verschwörung wieder. Mehr zur Story will ich an dieser Stelle aber nicht verraten. Zwar ist die Geschichte bei Weitem nicht so spannend wie Liaras Vendetta gegen den Shadow Broker in Mass Effect 2, doch gab es zuvor wohl kein witzigeres Himmelfahrtskommando, welches euch zugleich immer in "guten, alten Zeiten" schwelgen lässt. Da ihr euch im Urlaub befindet, müsst ihr anfangs auch ohne eure Ausrüstung auskommen. Bewaffnet mit einer neuen Pistole und wenig Munition kämpft ihr euch in lockerer Kleidung durch einen abgeriegelten Teil der Citadel, an dessen Ende es ein Wiedersehen mit ein paar alten Bekannten gibt. Und so fühlt sich auch das gesamte Abenteuer an. Ein Wiedersehen mit alten Freunden.

Gerade das macht die vier Missionen zu einer spaßigen Party, gespickt mit viel Geballer, Biotik und einer unglaublichen Portion Sarkasmus und Humor. Selten war ein Einsatz lustiger und wenn Wrex ein Shuttle mit seinem schieren Gewicht vom Himmel holt, dann sind Lacher garantiert, auch wenn er Kommentare über seine Gewichtszunahme nicht sehr gut aufnimmt. Überhaupt hat Bioware dafür gesorgt, dass eure Squad Mitglieder sehr aktiv an den Gesprächen teilnehmen und viel zu sagen haben. Ein Seitenhieb, eine Referenz auf vergangene Abenteuer oder ein sarkastischer Spruch jagt den Nächsten, egal ob es um Kalibrierungen, Infektionen oder ausweglose Situationen geht. Gerade Wrex, welcher im Hauptspiel lediglich eine passive Rolle innehatte, nimmt hier wieder aktiv am Kampfgeschehen teil und seine Sprüche sollten ihm für die Dauer von Citadel definitiv einen festen Platz an eurer Seite sichern. Außerdem berücksichtigt der DLC, ob ihr euch für eine der Romanzen im Hauptspiel entschieden habt. "Seeing you in action at the car lot back there... it was pretty hot." Nach Abschluss der Missionen ist der DLC aber noch nicht beendet. Im Silversun Strip könnt ihr euch Einrichtungssets für euer Apartment kaufen und nach euren Wünschen anpassen. Eine Art Sims Ultra Light sozusagen. Ihr trefft nochmal ein paar eurer Mitstreiter und erlebt ein paar lustige Augenblicke mit ihnen. Neu ist auch die Arcade-Spielhalle, welche eine Reihe neuer, spaßiger Minispiele für euch bereithält und mit Belohnungen lockt. An einem der Automaten prügelt ihr euch mit zwei kleinen Mechs um den Highscore, an einem anderen Gerät müsst ihr einen Planeten vor einem Reaper-Angriff verteidigen und zugleich Evakuierungsschiffe zu einem Massenportal schicken. Hauptattraktion ist aber der Battle Simulator von Armax Arsenals. Ähnlich wie die Kampfsimulationen auf der Pinnacle Station im Mass Effect (1) DLC wählt ihr hier aus verschiedenen Szenarien und Gegnern aus und ballert um den Highscore. Es spielt sich wie eine vereinfachte Version des Mehrspielermodus und bietet nochmal kurzweiligen Spaß für die Highscore-Jäger unter euch. Es lohnt sich aber, wenn ihr euch damit auseinander setzt. Der Simulator bietet eine ganze Reihe kleiner Mini-Aufträge, eine ganze Ladung Fanpost und einige Extras für den Rest des Spiels. Zum Beispiel könnt ihr euch eine neue, starke Rüstung erspielen. Als Abschluss könnt ihr im Apartment eine große Party für eure Freunde schmeißen. Ihr mischt euch ins Geschehen mit ein und lauscht einigen, wirklich witzigen Unterhaltungen. Das ist ein Highlight für Fans. Es lohnt sich jedem Einzelnen mehrmals zuzuhören. Wenn ihr Jack und Miranda an der Bar stehen seht und sie sich wie in den guten alten Mass-Effect-2-Zeiten gegenseitig anpflaumen, lässt das Erinnerungen wach werden. Zwar ist Citadel zeitlich natürlich vor dem Finale angesiedelt, aber die Party am Ende, mit einem Gruppenfoto zum Abschluss fühlt sich an wie eine Abschiedsfeier.

Wir haben während unseres Tests die englische Version gespielt und ich empfehle an dieser Stelle auch den Download mit der englischen Sprachausgabe zu spielen. Die Sprecher sind wieder über jeden Zweifel erhaben. Die Synchronisation des Kopfgeldjägers Zaeed Massani war eine von Robin Sachs (vor allem bekannt für seine Rolle des Ethan Rayne in "Buffy the Vampire Slayer") letzten Arbeiten vor seinem Tod. Aber auch die deutsche Version sollte die gewohnt gute Qualität bieten, schließlich sind alle bekannten Sprecher mit an Bord. Citadel bringt noch einmal jedes einzelne Squad-Mitglied (mit Ausnahme von Legion & Morinth) zurück und gibt euch die Gelegenheit neues über jeden zu erfahren. Auch die posthume Einbindung der verstorbenen Thane Krios und Mordin Solus wurde gut gelöst. Zu jeder Mission gibt es wieder passende Musik, sie rundet das atmosphärische Spielerlebnis ab. Bekannte Areale werden ebenfalls nicht totgespielt. Die neue Vergnügungsmeile Silversun Strip steht im angenehmen Kontrast zu den Presidium Commons des Hauptspiels und die Missions-Areale sind ebenfalls neu oder aber wurden in dieser Form noch nicht im Hauptspiel verwendet.

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