Meridian: New World in der Gamescom-Vorschau: Eine One-Man-Entwicklung lässt Strategiespiel-Riesen alt aussehen

Special Sandro Odak

Meridian: New World ist der Newcomer-Überraschungshit der Gamescom: Seit zwei Jahren entwickelt Ede Tarsoly das Sci-Fi-Strategiespiel allein und ohne fremde Hilfe. Seit sieben Jahren schreibt er schon das Drehbuch dazu. Nun steht es kurz vor der Vollendung: Wir haben einen Indie-Entwickler getroffen, der wirklich sein Hobby und seinen Traum zum Beruf gemacht hat.

Wer auf Ede Tarsoly trifft wird sich schwer tun, nicht vor Begeisterung die Kinnlade fallen zu lassen. Tarsoly ist Indie-Entwickler und der Kopf hinter Meridian: New World, einem Sci-Fi-Strategiespiel, das vom Look ein wenig an Star Craft erinnert. Aber er ist nicht nur der Kopf, sondern auch Rumpf und Fuß seines Projekts: Meridian ist ein Ein-Mann-Projekt. Nur drei Freelancer haben ihm zeitweise dabei geholfen, Trailer und Animationen zu produzieren. Das kann der junge Ungar nicht so gut und verlässt sich lieber auf Hilfe von außen. An sein Traum-Projekt lässt er aber ansonsten nur einen – sich selbst. An der Geschichte schreibt Tarsoly schon seit sieben Jahren, die Produktion und Programmierung macht er seit zwei Jahren allein.

Meridian: New World in der Gamescom-Vorschau (2) Quelle: moddb.com Meridian: New World in der Gamescom-Vorschau (2) Um das zu finanzieren, veröffentlichte der geschäftige Entwickler zwischendurch einige Casualgames. Sie haben ihm bis zu 30.000€ eingebracht und über Wasser gehalten. Denn Meridian: New World ist seitdem ein Vollzeitjob, seinen alten Job hat er gekündigt. Wenn Ede Tarsoly nun von seinem Alltag erzählt, dann klingt das entsprechend unaufgeregt: "Natürlich kann ich auch mal ausschlafen und spät mit der Arbeit anfangen. Aber Meridian ist mehr als nur ein Job. Das ist mein Traum. Und um den zu verwirklichen, arbeite ich hart. Irgendwann muss das Spiel fertig sein und dafür stecke ich zeitlich und finanziell manchmal schon zurück."

An Publisher verkauft

100% Indie ist Tarsoly mit Meridian aber nicht mehr. Der deutsche Publisher Headup Games hat das Potential des Programmierer-Wunderkinds erkannt und vertreibt den Sci-Fi-Titel. Auf die Entwicklung, darauf ist er stolz, hat das keinen Einfluss genommen. Er hat sich vertraglich zusichern lassen, alle Entscheidungen selbst zu treffen. Headup Games berät ihn laut eigener Aussage zwar in manchen Details, aber vorschreiben lässt er sich nichts. "Hätte ich den Titel an ein großes Software-Haus wie Electronic Arts verkauft, wäre das viel schlimmer gewesen!" befürchtet er. "Die hätten mir bestimmt einen Multiplayer-Modus aufgezwungen und DLCs." Aber das will der One-Man-Entwickler gar nicht haben. Er erzählt eine Geschichte in seiner knapp 20-stündigen Kampagne und lässt Spieler Skirmish Missionen erneut erleben – das war's. Einen Mehrspielermodus hätte er zwar cool gefunden – aber die Ressourcen reichen einfach nicht. "Ich arbeite an Meridian alleine und musste mich entscheiden: Will ich die Geschichte erzählen, die mir seit sieben Jahren im Kopf rumgeistert, oder konzentriere ich mich auf Multiplayer?" Beides ging nicht und so wählte er einen reinen Einzelspieler-Modus.

Die Entscheidung tut gut: Grafisch wirkt Meridian: New World absolut fantastisch. Die Karten sehen bis ins kleinste Detail von Hand modelliert aus und sobald die Sci-Fi-Figuren anfangen zu kämpfen, fliegen wunderschöne Lasereffekte über die Map. Als ich da so sitze, muss ich staunen: Star Craft, an dem vermutlich tausende Designer arbeiten, sieht nicht wirklich viel besser aus, als diese Sci-Fi-Perle! Nur beim Wasser erkennt man, dass der Entwickler manchmal Prioritäten setzen muss: Es wirklt klumpig und wenig detailreich und fast schon fehl am Platz, weil der Rest der Spielkarte so toll aussieht.

Um was geht's?

Meridian: New World in der Gamescom-Vorschau (3) Quelle: moddb.com Meridian: New World in der Gamescom-Vorschau (3) In der Kampagne von Meridian: New World übernehmen wir die Kontrolle über Commander Daniel Hanson, den Anführer einer Expedition zum Planeten Meridian. Eigentlich endet seine Reise mit dem Sternenschiff CCS Magellan gerade, als seine Crew ein Notsignal auffängt. Dem geht Hanson nach und wird immer weiter in eine düstere Geschichte gezogen.

In Dialogen auf dem Schiff darf Hanson auch mal eine Entscheidung treffen. Als wir in unserer Demoversion das Notsignal empfangen, können wir der Crew etwa auf die nette Art klar machen, dass wir dem noch schnell nachgehen müssen, bevor es zurück zum Heimatplaneten geht, oder man befiehlt es der Mannschaft in herrschaftlichem Ton. Je nachdem welche Entscheidungen man quer durch die Kampagne trifft, werden wie in einem RPG Crew und andere NPCs entweder mehr oder weniger freundlich auf einen reagieren.

Der Story-part von Meridian findet fast vollständig auf der CCS Magellan statt. Wie in Mass Effect kann man sich auf seinem Schiff frei bewegen, beobachtet das Geschehen aber aus einer Iso-Perspektive. Wer will kann so mit seiner Mannschaft sprechen, sich über Aufträge und Befindlichkeiten informieren oder auch einfach nur ein Schwätzchen halten. Nach sieben Jahren Story- und Dialogarbeit, hat Tarsoly sicher für genug Füllstoff gesorgt!

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